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Städtebau & Architektur →

Schneiden, Knicken, Falten – Architektur aus Papier

Popup-Cards sind den meisten ein Begriff: Postkarten, die sich beim Öffnen dreidimensional aufklappen. Diese Kunst hat Ingrid Siliakus zur Origami-Architektur weiterentwickelt. Verfeinert in der Bearbeitung entstehen Abbilder von existierenden oder frei entworfenen Gebäuden und Städten. (galerie, galerie, hompage, paperarchitecture)

(Quelle: spluch.blogspot.com)

Vielleicht können diese Karten als Inspiration dienen, seine Architekturentwürfe mal nicht per E-mail zu verschicken…

Nur geschnitten aber genauso schön anzusehen sind die Innenräume von Olafur Eliasson in seinem Buch “Your house”.

(Quelle: Origami Tessellations)

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Gekommen um zu vertreiben – Umsiedlungpolitik in Tibet

Über die Eröffnung der Lhasa-Bahn, welche Tibet an das chinesische Eisenbahnnetz anschließt, wurde letztes Jahr viel berichtet. Die in diesem Zusammenhang stehende Migration von Han-Chinesen in die nach Autonomie-strebende Provinz und die großmaßstäbliche Umsiedlung von ländlich-lebenden Tibetern in urbane Regionen ist dagegen weniger bekannt.

(Quelle: McClatchy.com)
In einem sehr schön anzuschauenden Foto-Essay bereisen Tim Johnson und Bernardo de Niz die Lhasa-Bahn und besuchen ländliche wie umgesiedelte Tibetaner. Neben der Angst vor dem Verust der eigenen Identität durch ein Leben in von der Moderne inspirierten Wohnblöcken, mischt sich auch Glück über bessere Wohnverhältnisse.

(Alte und neue Heimat, Quelle: savetibet.org)

Zahlen und Fakten zu dieser Thematik liefert der Bericht “No one has the right to refuse” von Human Rights Watch. Die Organisation nennt hier eine geschätzte Anzahl von 700.000 bereits Umgesiedelten seit 2000 und beruft sich auf offizielle chinesische Quellen.

Weitere Quellen: San Fransisco Chronicle

>>>>>>Nachtrag vom 17.07.2007

Der Foto-Essay ist nicht mehr unter dem Link anzusehen. Eine Anfrage beim Journalisten Tim Johnson, warum die Seite aus dem Netz genommen wurde, brachte bisher keine Antwort. Es scheint aber, daß Johnson mit seiner Berichterstattung in Konflikt mit den chinesischen Behörden gekommen ist. (reporter ohne grenzen, sein eigener Blog)

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Bunte Shopping-Welten

Shopping Malls gleichen bei uns wie ein Ei dem anderen. Beliebig austauschbar unterscheidet sich dieser Bautyp meistens nur in der Größe und in einer Wortkreation mit dem Anhängsel „Center“ oder „Arkaden“. (Eine große Sammlung amerikanischer Shopping Malls findet sich bei Malls of Amerika.)

Zwei ungewöhnliche Projekte zu diesem Thema scheinen uns jedoch erwähnenswert.

(links: Videovortrag von “The She-Zone”, Quelle: egender und eEducation; rechts: Eingang eines Ladies Shopping Centers, Quelle: homepage Dorit Margreiter)

Dorit Margreiter und Anette Baldauf beleuchten in ihrem Film „The She-Zone“ (der leider nicht online zu sehen ist) das Phänomen von Frauen-spezifischen Shopping Malls in Dubai. Vermarktet als Ort, wo Frauen befreit von Schleier und der Männer-dominierten Welt konsumieren können, musste die „She-Zone“ in Abu Dhabi schließlich aus Mangel an Kundschaft schließen. In einem Vortrag vom Mai diesen Jahres erläutern sie, warum das Konzept nicht funktioniert hat und schlagen dabei einen Bogen von Rem Koolhaas bis Deleuze. (bbc)

(Quelle: Homepage der Filmemacher)

In ihrem Filmmix „Czech Dream“ aus dokumentarischen und gespielten Szenen nehmen Vít Klusák und Filip Remunda den tschechischen Traum vom grenzenlosen Shoppen ins Visier. Sie initiieren eine Werbekampagne für ein bald eröffnenden Center auf der grünen Wiese. Zur Eröffnung strömen etliche Besucher an den Stadtrand, wo sie erfahren müssen, dass der ihr freudig erwartetes Einkaufsparadies eine potemkinische behangenes Baugerüst ist. Ihre Wut richtet sich danach gegen die beiden anwesenden Regisseure und Malleröffner. Der Film ist von diesem Jahr und derzeit auf Festivals zu sehen. (village voice, trailer, youtube)

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Mit den Zielen gegen die Ziele – Olympia und Stadtpolitik

Am 6.Juli 2005 gab Jacques Rogge, Präsident des IOC, die Wahl Londons als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2012 bekannt. Als einer der Gründe, warum London gegen den gehandelten Favoriten Paris gewann, war (ganz im Einklang mit den olympischen Werten) die Toleranz und die kulturelle sowie ethnische Vielfalt der Stadt und im speziellen Ost-Londons, wo der Hauptteil der Sportstätten entsteht. Der Präsident des Londoner Organisationskomitee, Lord Coe, erläuterte die Ziele einer Aufwertung des hauptsächlich ärmlichen Stadtteils durch die Spiele mit der Schaffung bezahlbarer Wohnungen, Häuser und Sportstätten.

Zwei Jahre nach der Entscheidung und nach Beginn der Bauarbeiten stellt sich zunehmend die Frage, ob die einfache Rechnung sich in dieser Weise erfüllt. Wahrscheinlich wiederholt sich nur das gleiche Spiel, wie schon zu Olympischen Spielen vorher: Ein großer Teil der Zielgruppe verlässt das Stadtgebiet, weil es sich die gestiegenen Boden- und Wohnpreise nicht mehr leisten kann (bbc, eurozine, guardian). Zu vermuten ist, dass nicht die Unterschichtenkinder in den neuen Sportanlagen den Traum vom sozialen Aufstieg durch Sport verfolgen, sondern zugezogene „Juppies“. (Eine Plattform der Londonener Olympiaentwicklung ist GamesMonitor)


(Schönes, aufgewertetes Stadtquartier aus den Computern der Entwickler, Quelle: eurozines, wikipedia)

Einen zusammenfassenden Bericht dieser Entwicklung bei Olympischen Spielen brachte letzten Monat die NRO „Center on Housing Rights and Eviction“ heraus. Der Zeitraum der letzten 20 Jahre wurde hierbei untersucht und spricht von schätzungsweise 2 Millionen Zwangsumziehern. Am unteren Ende der Vertreibung stehen Obdachlose und Randgruppen wie Roma und Sinti.

(Aus dem oben genannten Bericht, Quelle: COHRE)

Das Problem der Gentrifizierung von Stadtgebieten wäre neben dem Anti-Drogenkampf, der Korruption und der Kommerzialisierung ein weiteres Feld, das Image von Sport-Großveranstaltungen zu verbessern.

Kunst & Kultur →

Cabspotting – Der Pulsschlag der Stadt


Am 11. bis zum 13. Mai fand in Barcelona das Festival für digitale Kultur Offf – post-digital creation culture statt. Der interessanteste Vortrag – zumindest aus urbanistischer Sicht – kam von dem Designer-Kollektiv Stamen, die das Projekt Cabspotting vorstellten.

Im Projekt Cabspotting wurden Taxis in San Francisco mit GPS-Sendern ausgetstattet, so dass deren zurückgelegte Wegstrecken aufgezeichnet und visualisiert werden können. Zusätzlich werden aber auch Daten zur Geschwindigkeit (hohe Geschwindigkeit wird rot dargestellt) und Leerfahrten, bzw. Fahrten mit Kunden erhoben und in Echtzeit dargestellt (vgl. Cab Tracker). Durch den Effekt des langsamen Ausblendens (der sog. Time Lapse) entsteht langfristig ein Muster der Stadt – das Netz der zurückgelegten Wegstrecken. Im Zeitraffer wirken sie wie die Adern eines lebenden Organismus – der Puls der Stadt (vgl. Bild oben und Video 1, Video 2).

Eine Menge Daten die erhoben und ansprechend visualisiert werden – in wie weit dies das Verständnis von Stadt verändern wird und die Stadtplanung beeinflusst, bleibt abzuwarten. Trotzdem eine interessante Methode des Mappings von urbanen Phänomenen, die wie andere Projekte (hierbei sei auf die Beiträge Biomapping, emotionale Stadtkartierung, Handy-Karten und Das Handy als städtischer Emanzipator hingewiesen) vielleicht neue Einsichten in das Funktionieren von Stadt bringen können.

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