Follow us on: Facebook · Twitter · RSS
 
124 Beiträge von Till
Kunst & Kultur →

Hauswandlaufen

(Werbefoto des Anbieters jochen-schweizer)
Vor ein paar Tagen wurde bei uns der urbane Sport Parcour vorgestellt. Eine weniger athletische Variante die gebaute Umgebung neu zu erleben und damit für fast jedermann geeignet, ist das House-Running. Gesichert wie beim Klettern, lässt sich der Sportler über die Kante eines möglichst hohen Gebäudes kippen und läuft die Fassade senkrecht hinunter. Diese Art des Abseilens hat militärischen Ursprung und wird auch Australian Rappel genannt. Der Verein Deutsche Sprache hat für den Trendsport mit englischem Namen auch schon eine bildliche Übersetzung gefunden: Hauswandlaufen.

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Das Recht auf Wohnraum

(Obdachlose kampieren am Canal Saint-Martin in Paris, Quelle Flickr)
Die Nachricht kam am 01.12.2008 eher klein daher. Die Wohnungslosenhilfe in Frankreich hatte vor dem Verwaltungsgericht in Paris ein einklagbares Recht auf Wohnraum durchgesetzt. Seitdem können Gemeinden zu einer Geldstrafe verurteilt werden, falls sie Bedürftigen keinen Wohnraum zur Verfügung stellen. Das Geld kommt in einem solchen Fall aber nicht den Klägern zu gute, sondern wandert in einen Fond, aus welchem der Bau neuer Wohnungen finanziert werden soll.

Dieses Recht ist damit wohl einmalig in der Europäischen Union. Hinter dem Gesetz stand dabei nicht ausschließlich ein solidarischer Gedanke, sondern es sollte durch den Zwang zum Bau von Sozialwohnungen auch die soziale Mischung in Stadtquartieren gesichert werden.

Warum es dieses Thema gerade in Frankreich bis zu einem verbrieften Recht geschafft hat, liegt auch an den namhaften Kämpfern für die Rechte Obdachloser. Der im letzten Jahr verstorbene französische Priester Abbé Pierre, bekannt durch sein Mitwirken in der französischen Resistance, kämpfte mit seiner Fondation Abbé Pierre in medienwirksamen Aktionen für die Rechte Wohnungsloser. Aber auch in Deutschland finden sich bekannte Vertreter. Der amtierende Außenminister und Vorsitzender der SPD, Frank-Walter Steinmeier, promovierte 1991 mit der Schrift „Bürger ohne Obdach. Zwischen Pflicht zur Unterkunft und Recht auf Wohnraum; Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit“. Auch er scheint sich prinzipiell ein Grundrecht auf „die Schaffung und Erhaltung von gesundem Wohnraum“ vorstellen zu können. Bei derzeit rund 250.000 bis 350.000 Menschen ohne Dach über dem Kopf in Deutschland ist dies wohl auch eine architektonische Aufgabe, an die zu erinnern ist, falls Frank-Walter Steinmeier im nächsten Jahr zum Bundeskanzler gewählt werden sollte.
Quellen zum Weiterlesen: Französische Botschaft, Berliner MieterGemeinschaft

Kunst & Kultur →

Architektonische Alphabete

(Quellen: Britisch Blogs, Lisa Rienermann, GeoGreeting)
Als Kinder mochten wir Buchstabensuppe oder entdeckten in den Wolken am Himmel die Formen von Tieren. In ihrer Arbeit „Type the sky“ schaut Lisa Rienermann ähnlich phantasievoll in den Himmel über den Straßen und entdeckt Buchstaben.

Die Symbiose von Alphabet und Architektur geht dabei weit zurück. Johann David Steingruber brachte 1773 das Buch „Architectonisches Alphabeth“ heraus, das im Grundriss alphabetische Gebäudeentwürfe zeigt. 1839 folgte der Italiener Antonio Basoli mit seinem Werk „Alfabeto Pittorico„. Steingrubers Entwürfe können dabei als Gebäudevisionen für eine göttliche Vogelperspektive gelesen werden. Nicht unüblich zu jener Zeit waren Entwürfe in den Grundrissinitialen gottgleicher Herrscher, wie das Projekt des Franzosen Thomas Globert für den Sonnenkönig Louis XIV. Basolis Lithographien weisen dagegen Ähnlichkeit zu den in der Buchkunst gebräuchlichen schmuckvollen Anfangsbuchstaben von Kapiteln, den Initialen, auf.
Falls ein Leser vom Fach jetzt Lust verspürt, der Schrift mehr Bedeutung beizumessen, dem sei noch der Kurzfilm „How to write like an architect“ von Doug Patt nahe gelegt.

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Potemkinsches Dorf

Als die russische Zarin Katharina II 1787 ihre neu eroberten Gebiete auf der Krim besichtigte, ließ der damalige Gouverneur Grigori Potjomkin in den Dörfern Kulissen aufstellen, die ihren schlechten Zustand übermalen sollten. Den umgekehrten Weg gehen die aus dem Street-Art kommenden Künstler fauxreel und Specter in ihrem „City renewal project“ in Toronto. Die detailgenauen Herstellungen von Fassaden sind Rekonstruktionen von geschlossenen Läden der Umgebung. Sie verschwanden im Zuge der Gentrifizierung von Stadtteilen und sollen als zweidimensionale Wiederauferstehung an den Verlust dieses Wandels erinnern. Zwangsläufig befinden sich die Rekonstruktionen bis auf die Eingangsfront im inneren einer Werkhalle. Auch ohne das Projekt besuchen zu können, erzählt das Video viel über die Macht von Fassaden.
(Weitere Informationen und Bilder beim Torontoist)

Video, Film & Fotografie →

Wer ist der bekannteste im Land?

(Quelle: Screenshots bei Youtube)
Was zählen Pritzkerpreise, El Croquis Ausgaben, Wettbewerbsankäufe als in der amerikanischen Comicserie „The Simpsons“ verewigt zu werden und was sagt dies über die wahre Bekanntheit beim fachfremden Publikum aus. Nach unseren Erkenntnissen ist dies nur Frank Gehry unter den Architekten vergönnt gewesen. Wer die Folge noch nicht kennt, kann sich bei yahoo anschauen, welchen Briefkasten der Großmeister hat und wie er nach Ansicht der Serienmacher seine Gebäude entwirft. Wer Gehry lieber persönlich über seine Architektur reden hört, kann sich Vorträge bei ted.com und clipser.com von ihm anschauen.

nach oben ↑
Themen