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urbanoREVIEW

urbanoREVIEW ist unsere Rezensionsreihe, in der wir Bücher, Webprojekte, Zeitschriften oder andere Medien aus urbanophiler Sicht rezensieren.

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Sammelrezension: Megacities

 

In den beiden Büchern „Megastädte zwischen Begriff und Wirklichkeit“ von Johanna Hoerning und „Glauben in Mega-Citys“ von Margit Eckholt und Stefan Silber (Hg.) nähern sich die Autoren auf unterschiedliche Weise den Megastädten Südamerikas. Während Johanna Hoerning eine grundlegende Untersuchung des Begriffs der Megastadt in Abgrenzung von der Großstadt in Brasilien vornimmt, widmen sich Margit Eckholt und Stefan Silber der „Pastoral urbana“ Lateinamerikas in Form eines Sammelbands. Beiden Werken ist gemein, dass sie die Perspektiven lateinamerikanischer Forscher und Praktiker einbringen möchten.

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Rezension „Atlas of the Functional City“

oder: Was macht ein Haufen rebellischer Architekten auf einem Schiff im Mittelmeer?

Eine Rezension zum „Atlas of the Functional City: CIAM 4 and Comparative Urban Analysis“, Thoth Publishers, Bussum, gta Verlag, Zürich, 2015.

Der Atlas von außen und innen

Der Atlas von außen und innen

Ob die Beteiligten bewusst auf diesen sinnbildlichen Ort setzten, darf bezweifelt werden, war der ursprüngliche Tagungsort – Moskau – wegen der politischen Symbolkraft verworfen worden: ein kleines Schiff im Mittelmeer. Dort, wo die ersten Hochkulturen per Schiff errichtet wurden, fuhr 1933 die Patris II von Marseille nach Athen – an Bord die vierte Internationale Konferenz der Architekturmoderne (CIAM IV), die zur Charta von Athen führte.

Während die Charta und ihre Auswirkungen fast schon zum urbanophilen Allgemeinwissen gehören, ist über die Konferenz und ihre eigentlichen Inhalte erstaunlich wenig bekannt. Der „Atlas of the Functional City“ will dies ändern. Seine Herausgeber_Innen (Evelien van Es, Gregor Harbusch, Bruno Maurer, Muriel Pérez, Kees Somer und Daniel Weiss) dokumentieren auf fast 500 Seiten (und mehrere Kilo schwer!) aufschlussreich und detailliert die meist europäischen Beiträge der einzelnen Länder-Sektionen von B wie Belgien bis Y wie Jugoslawien, aber auch Beiträge aus Indochina, Niederländisch-Indien (Indonesien) und den Vereinigten Staaten.

Nicht alle diese CIAM-Architekturgruppen waren auch tatsächlich an Bord der Patris II, doch in Vorbereitung auf die illustre Architekturreise übers Mittelmeer führten die Gruppen umfangreiche Analysearbeiten durch. Durch umfangreiche Archivarbeit 80 Jahre später konnten die Herausgeber_Innen des „Atlas oft he Functional City“ mithilfe eines Netzwerks aus Forschenden all diese Städteanalysen zusammentragen, die einen Großteil des Buchs darstellen. Sie bilden das inhaltliche Fundament dessen, was den CIAM IV so berühmt machte: die Charta von Athen.

Auch Berlin kommt nicht zu kurz, wurde doch zu Berlin die umfangreichste Analyse erstellt.

Auch Berlin kommt nicht zu kurz, wurde doch zu Berlin die umfangreichste Analyse erstellt.

Beeindruckend sind besonders die Arbeiten zu Dessau, die wohl tiefste Städteanalyse. Von Geologie und Bodenbeschaffenheit über Windverhältnisse bis hin zur Organisation der materiellen Versorgung der Stadt wurden die Facetten der Stadtentwicklung sehr breit dargestellt und schließlich auch städtebauliche Vorschläge aufgezeigt.

Die jeweiligen Ländersektionen werden im Atlas zudem ausführlich historisch eingeordnet. Wer zeichnete für die Analysen verantwortlich? Wer stellte sie vor? Und vor allem: Wie wurden die Ergebnisse diskutiert? Wichtige Einblicke aus der Arbeit der Architekturmodernisten haben die einzelnen Autor_Innen zusammengetragen. So lernt die/der Leser_In auch viel über innere Konflikte der gar nicht so einvernehmlichen Modernisten:

„Disputes repeatedly arose with Le Corbusier in particular, who attempted to dominate the content of the CIAM from the very start, since Häring regarded a conference he had organized in Stuttgart in October 1927 during the Werkbund exhibition ‘Die Wohnung’ as representing the real beginning of an international association of modern architects and thus as the start of the CIAM.”

Dabei geht der Atlas über ein reines Fachbuch hinaus. Beim Durchblättern bleibt man an einem zwölfseitigen Bilderkapitel hängen, teilweise mit bisher unveröffentlichten Fotografien. Wir sehen die Architektinnen und Architekten beim Nickerchen im Liegestuhl, beim Entspannen an Deck (in Bademode der 30er Jahre), beim humorvollen Posieren vor antiker griechischer Architektur und natürlich beim Diskutieren ihrer Analysen. Entspannte und kritische Blicke wechseln sich hier ab und zeigen das, was im Architekturdiskurs manchmal vergessen wird: Architektur wird von Menschen gemacht.

Als wäre das noch nicht genug, bilden sechs Essays eine passende theoretische Klammer um die so umfangreichen Analysen. Reich gespickt mit zusätzlichen Quellen und Literaturhinweisen ist dieses Buch beides, eine umfangreiche Dokumentation des IV. CIAM-Kongresses und ein Start für weitere Auseinandersetzungen mit der Moderne in Architektur und Städtebau.

 

PS: Urbanophile kaufen ihre Bücher natürlich im klassischen Buchhandel und nicht über den marktbeherrschenden Online-Giganten.

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Rezension „Verbietet das Bauen! – Eine Streitschrift“ von Daniel Fuhrhop

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Eins ist sicher, mit seinem Buch „Verbietet das Bauen!“ wird sich Daniel Fuhrhop in manchen Kreisen keine Freunde machen. Denn, der Untertitel macht es deutlich, handelt es sich bei dem Buch um eine Streitschrift gegen die das Credo des Neubaus und somit gegen einen der größten Konjunkturmotoren dieses Landes. Von Neubau lebt eine ganze Politiker-, Planer-, Industrie-, Banken- und Handwerkerlobby, die sich sicher ist: Neues ist schön, Neues ist aufregend, Neues ist einfach und Altem in jeglicher Hinsicht vorzuziehen. Dies auch mit fraglichen Methoden, wie im Buch an vielen Stellen gut dokumentiert dargestellt wird.

Doch hingegen den von der Baulobby angeführten Gründen neu zu bauen ist Neues vor Allem teuer und macht an vielen Orten keinen Sinn (von den Auswirkungen auf Umwelt, soziale Gefüge und lokale Identität ganz zu schweigen). Neubau ist vielmehr, so scheint es zumindest, das Denkmal des kleinen Mannes (und gendergerecht – auch der kleinen Frau) und somit ein exklusives Vergnügen einiger, für das die Gesamtgesellschaft am Ende die Rechnung bezahlt.

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Rezension: Refugees Welcome

Refugees welcome

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Konzepte für eine menschenwürdige Architektur

Der Zustrom von verfolgten Menschen aus Kriegs- und Krisenregionen hat sich in den letzten Wochen und Monaten zu dem Hauptthema und zur neuen europäischen Herausforderung entwickelt. Bilder von überfüllten und hastig bereitgestellten Notunterkünften prägen die Medien. Hygienische Mängel, durch Beengung hervorgerufene Konflikte und fehlende Privatsphäre belasten die (oft traumatisierten) Flüchtlinge. Gleichzeitig sind viele Standorte von Massenunterkünften und Aufnahmelagern, hinsichtlich der sozialräumlichen Wirkungen wenig auf das urbane Umfeld abgestimmt und kaum städtebaulich konzipiert. Das bedeutet oft einen schweren nachbarschaftlichen Zugang und letztlich eine erschwerte Integration. Deshalb ist es dringend erforderlich, die gängige Praxis von Kasernen-, Container,- und Turnhallenunterkünften zu hinterfragen und auf politische Vorschläge wie „Flüchtlingsheime in ALDI-bauweise“, mit Lösungen aus Architektur und Städtebau zu reagieren.

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Das Ruhrgebiet in der Kunst: Zwischen grüner Ästhetik und Verfall, Ausstellung „Green City“ in Oberhausen

08 Kuh unter der A40, 2009 © Sebastian Mölleken

Abb. Kuh unter der A40, 2009 © Sebastian Mölleken

Marode Ästhetik, wilde Industrie-Natur, energetische Gedankenspiele: In „Green City. Geformte Landschaft – Vernetzte Natur“ steht das Ruhrgebiet im Fokus der Kunst. Die Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen schafft den Spagat zwischen spielerischem in Szene setzen geformter und verletzter Landschaft und ernster Beschäftigung mit Fragen des Klimawandels und Umweltschutzes inmitten der Industrieregion.

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