Follow us on: Facebook · Twitter · RSS
 
urbanoREVIEW

urbanoREVIEW ist unsere Rezensionsreihe, in der wir Bücher, Webprojekte, Zeitschriften oder andere Medien aus urbanophiler Sicht rezensieren.

urbanoREVIEW →

100 Jahre „immerfort werden und niemals sein“

immerfort zitiert - niemals gelesen? Karl Scheffler: Berlin. Ein Stadtschicksal. 1910.

Die wahrscheinlich berühmteste Aussage über Berlin  – es sei „dazu verdammt: immerfort zu werden und niemals zu sein“ – wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Aus Anlass dieses Geburtstags und aufgrund der so hohen Zitierquote ein Plädoyer, die treffsichere und polemische Analyse „Berlin. Ein Stadtschicksal“ von Karl Scheffler einmal zu lesen.

„Wo rückhaltlose Bejahung unmöglich ist, die Verneinung des von der Geschichte Gegebenen aber lächerlich wäre, bleibt nur jener Blick auf die Bestimmung, die mit dem isolierten Objekt zugleich dessen Entwicklungsgesetz wahrnimmt und darüber die Worte schön und häßlich fast vergißt.

Fast! Denn wer vermöchte diesen Standpunkt eines ehrfürchtigen Fatalismus dauernd zu behaupten!“

Karl Scheffler beschreibt Berlin als Kolonialstadt, als eine geplante Gründung zum Zweck des Handels, der Besiedlung und der Anbindung bzw. Eroberung weiter östlich gelegener Gebiete. Aus diesem Ursprung leitet er als Entwicklungsgesetz der Stadt ab, dass diese sich fortan immer „unter Schwierigkeiten aller Art und zur Hälfte immer künstlich entwickeln musste und […] sich ungünstigen Verhältnissen anzupassen hatte“ und daher zu den Städten gehöre, die Charakteren gleiche, „die es sich mit dem Leben müssen sauer werden lassen und die durch die Lebensmühe, die sie haben, unliebsam und problematisch werden.“ Dieser Unliebsamkeit spricht Scheffler eine bedeutende Existenzberechtigung zu:

weiterlesen →

urbanoREVIEW →

Rezension | Schriftenreihe METROPOLE

//Urbanophil eröffnet eine Rezensionsreihe. Hier werden wir künftig unregelmäßig neue Publikationen vorstellen und besprechen. Den Auftakt macht Christian Berkes, der redaktioneller Mitarbeiter bei ARCH+ war und als Stadtforscher in Berlin lebt.//

Auffassungen der Wissenschaft über das Wesen der Welt

Kehrt man am ersten frühlingshaften Tag des Jahres vom Seespaziergang zurück, war man offensichtlich der einzige, der drei insgesamt 900seitige Bücher und einen Laptop in einem Rucksack ohne stilistischen Mehrwert mit sich herumgetragen hat. Man könnte sich fragen, wozu. Die Antwort: wissenschaftliche Begleitung. Das steht auf dem Umschlag des ersten Bandes der Schriftenreihe „METROPOLE:“, welche seit 2007 die Arbeit der Internationalen Bauausstellung Hamburg flankiert.

weiterlesen →

urbanoREVIEW →

Wendepunkt(e) im Bauen – Von der seriellen zur digitalen Architektur 18.3.-13.6.2010 in der Pinakothek der Moderne

Mit einer großen Ausstellung würdigt das Architekturmuseum der TU München aktuell den Pionier der Präfabrikation. Konrad Wachsmann, der 1959 in seinem Hauptwerk, ‚Wendepunkt im Bauen‘ die anbrechende Industrialisierung des Bauens ankündigte, erscheint wieder aktuell – kommt doch die ökonomische Leichtigkeit der Prefab-Häuser in Zeiten des ökologischen Bauens neu in Mode, während zugleich digitale Methoden neue Möglichkeiten der exakten Vorfertigung eröffnen.

Konrad Wachsmann, Flugzeughangar für United States Air Force, 1950-1953 Foto: A. Laurenzo

Die Veranschaulichung der konstruktiven Ideen gelingt der Schau vor allem mit Hilfe nachgebauter Modelle, die durch Computeranimationen und Filmmaterial ergänzt werden. So steht man ebenso staunend wie die Architekten der 50er Jahre einer Ikone der Zeit gegenüber: dem Flugzeughangar, der für die Zeitgenossen die Schönheit der reinen Mathematik verkörperte und bei geringem Eigengewicht riesige Flächen überdachte. Als 1959 in der Galleria del’Arte Moderna in Rom das Werk des Architekten parallel zu einer großen Le Corbusier-Schau präsentiert wurde, schien der Glanz des radikal Neuen und der vermeintliche Durchbruch des Technischen gar das Werk des daneben nahezu altmeisterlich anmutenden Le Corbusier zu überstrahlen.

weiterlesen →

urbanoREVIEW →

CITIES The Magazine

Die Plattform CITIES, die im Sommer 2009 in Amsterdam gegründet wurde, hat im vergangenen Herbst die Pilotausgabe ihres „CITIES The Magazine“ herausgegeben. Das Magazin widmet sich verschiedenen urbanen Phänomenen, die von urbanen Entdeckern, Architekten, Fotografen und Künstlern von überall in der Welt beschrieben und diskutiert werden.
Die erste Ausgabe steht dabei im Fokus von der Nachnutzung von Industriearchitektur.

We don’t want to hand you a tourist guide.
Or show you the latest renderings by the best architects and planners.
We don’t want to provide you with the latest trends and design concepts.
And we don’t want to update you on the current fashion weeks and art openings.
All we want to do is talk about cities.
Quelle: CITIES Manifesto

Das Magazin kann online kostenlos gelesen werden: http://issuu.com/citiesthemagazine/docs/00_industrial_renewal

urbanoREVIEW →

Heimatcontainer – Deutsche Fertighäuser in Israel

Kupferhäuser Eberswalde-Messingwerk

Das Ende 2009 im Suhrkamp-Verlag erschienene Buch „Heimatcontainer – Deutsche Fertighäuser in Israel“ von Friedrich von Borries und Jens-Uwe Fischer beleuchtet einen wenig bekannten Ausschnitt der deutschen Architekturgeschichte. Die u. a. von Walter Gropius entworfenen und von den Berliner Hirsch Messing- und Kupferwerken A.G. produzierten Allkupferhäuser waren industriell gefertigte Häuser, die in Kisten verpackt überall in die Welt verschickt werden konnten und dort vor Ort innerhalb von 24 Stunden ausgestellt werden konnten. In den einzelnen Wand- und Deckenelementen waren bereits Strom-, Frisch- und Abwasserleitungen integriert. Im Kaufpreis inbegriffen war eine Einbauküche sowie eine Zentralheizung. Während das Gebäudeinnere somit einer modernistischen Idee folgte, folgte die äußere Gestaltung der Gebäude mit Erkern und Spitz- oder Walmdächern eher dem traditionellen Landhausstil.

Neben ihrer kunstgeschichtlichen Betrachtung behandelt das Buch insbesondere auch Bedeutung der Häuser bei der Emigration von deutschen Juden nach Palästina ab 1930. Da für viele Juden Palästina ein völlig fremdes Land darstellte, sollten die verschiffbaren Kupferhäuser ein Stück alte Heimat in der neuen Heimat sein. Das jüdische Unternehmen Hirsch, das bereits seit den 1920er Jahren die zionistische Idee auch finanziell unterstützte, begann gezielt in jüdischen Zeitschriften ihre Fertighäuser zu bewerben, so beispielsweise mit dem Slogan „Nehmen Sie ein Kupferhaus mit nach Palästina. […] Sie wohnen bei größter Hitze in kühlen Räumen!“

Insgesamt waren die Kupferhäuser kommerziell kein Erfolg. Nur geringe Stückzahlen konnten verkauft werden. Die noch erhaltenen Gebäude in Deutschland stehen allesamt unter Denkmalschutz.

Heimatcontainer – Deutsche Fertighäuser in Israel
Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer
200 Seiten
Suhrkamp, Frankfurt, 2009
ISBN 978-3-518-12593-9

Standorte der noch erhaltenen, denkmalgeschützten Kupferhäuser:

  • Modell Kupfer-Castell von 1933, Alemannenstraße 16, Berlin-Frohnau
  • Allkupferhaus von 1932-33, Kurpromenade 55, Berlin-Kladow
  • Kupferfertighaus von 1932, Curtiusstraße 77, Berlin-Lichterfelde
  • Modell Kupferstolz von 1931, Schorlemerallee 16, Berlin-Dahlem
  • Kupferhaus um 1930, Springeberger Weg 8, Berlin-Köpenick
  • Kupferhaus um 1930, Springeberger Weg 10, Berlin-Köpenick
  • Hirsch-Kupferhaus von 1931, Ahornstraße 19, Berlin-Köpenick
  • Die acht Musterhäuser in Eberswalde-Messingwerk
  • Drei Häuser in Haifa, Israel
  • Ein Haus in Safed, Israel

Links zum Thema:

nach oben ↑
Themen