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urbanoREVIEW

urbanoREVIEW ist unsere Rezensionsreihe, in der wir Bücher, Webprojekte, Zeitschriften oder andere Medien aus urbanophiler Sicht rezensieren.

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Rezension „Verbietet das Bauen! – Eine Streitschrift“ von Daniel Fuhrhop

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Eins ist sicher, mit seinem Buch „Verbietet das Bauen!“ wird sich Daniel Fuhrhop in manchen Kreisen keine Freunde machen. Denn, der Untertitel macht es deutlich, handelt es sich bei dem Buch um eine Streitschrift gegen die das Credo des Neubaus und somit gegen einen der größten Konjunkturmotoren dieses Landes. Von Neubau lebt eine ganze Politiker-, Planer-, Industrie-, Banken- und Handwerkerlobby, die sich sicher ist: Neues ist schön, Neues ist aufregend, Neues ist einfach und Altem in jeglicher Hinsicht vorzuziehen. Dies auch mit fraglichen Methoden, wie im Buch an vielen Stellen gut dokumentiert dargestellt wird.

Doch hingegen den von der Baulobby angeführten Gründen neu zu bauen ist Neues vor Allem teuer und macht an vielen Orten keinen Sinn (von den Auswirkungen auf Umwelt, soziale Gefüge und lokale Identität ganz zu schweigen). Neubau ist vielmehr, so scheint es zumindest, das Denkmal des kleinen Mannes (und gendergerecht – auch der kleinen Frau) und somit ein exklusives Vergnügen einiger, für das die Gesamtgesellschaft am Ende die Rechnung bezahlt.

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Rezension: Refugees Welcome

Refugees welcome

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Konzepte für eine menschenwürdige Architektur

Der Zustrom von verfolgten Menschen aus Kriegs- und Krisenregionen hat sich in den letzten Wochen und Monaten zu dem Hauptthema und zur neuen europäischen Herausforderung entwickelt. Bilder von überfüllten und hastig bereitgestellten Notunterkünften prägen die Medien. Hygienische Mängel, durch Beengung hervorgerufene Konflikte und fehlende Privatsphäre belasten die (oft traumatisierten) Flüchtlinge. Gleichzeitig sind viele Standorte von Massenunterkünften und Aufnahmelagern, hinsichtlich der sozialräumlichen Wirkungen wenig auf das urbane Umfeld abgestimmt und kaum städtebaulich konzipiert. Das bedeutet oft einen schweren nachbarschaftlichen Zugang und letztlich eine erschwerte Integration. Deshalb ist es dringend erforderlich, die gängige Praxis von Kasernen-, Container,- und Turnhallenunterkünften zu hinterfragen und auf politische Vorschläge wie „Flüchtlingsheime in ALDI-bauweise“, mit Lösungen aus Architektur und Städtebau zu reagieren.

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Das Ruhrgebiet in der Kunst: Zwischen grüner Ästhetik und Verfall, Ausstellung „Green City“ in Oberhausen

08 Kuh unter der A40, 2009 © Sebastian Mölleken

Abb. Kuh unter der A40, 2009 © Sebastian Mölleken

Marode Ästhetik, wilde Industrie-Natur, energetische Gedankenspiele: In „Green City. Geformte Landschaft – Vernetzte Natur“ steht das Ruhrgebiet im Fokus der Kunst. Die Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen schafft den Spagat zwischen spielerischem in Szene setzen geformter und verletzter Landschaft und ernster Beschäftigung mit Fragen des Klimawandels und Umweltschutzes inmitten der Industrieregion.

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Rezension und Reminder zur Buchvorstellung „Schmuck als urbaner Prozess – Künstlerische Handlungen im städtischen Raum“ von Gabi Schillig und Elisabeth Holder [Hrsg.]

„Schmuck als urbaner Prozess“ ist ein Forschungsprojekt, das vom Fachbereich Design der Hochschule Düsseldorf entwickelt und durchgeführt wurde. Die Professorinnen Elisabeth Holder und Gabi Schillig luden ihre Studierende ein, die Bedeutung und die Potentiale von Schmuck im urbanen Raum zu untersuchen und haben dazu gemeinsam verschiedene Experimente durchgeführt. Das unlängst im Wasmuth Verlag erschienene Buch „Schmuck als urbaner Prozess – Künstlerische Handlungen im städtischen Raum“ dokumentiert den Projektverlauf, die Interventionen und Arbeiten der Studierenden sowie die Ergebnisse und Produkte, die daraus entstanden sind.

„Realität entwickelt sich, wenn Menschen miteinander kommunizieren“

so schreibt Gabi Schillig in der Einführung des Buches. Aber was haben die Konzepte des Schmucks, der Kommunikation und urbane Prozesse überhaupt gemeinsam? Für Schillig hat der Schmuck zwei Dimensionen: Er ist zugleich ein autonomes Objekt und ein getragener Gegenstand. Aus diesem sehr persönlichen Standpunkt entfaltet sich ein Dialogbegriff, denn Schmuck ist ­– Schillig zu Folge – nicht nur als „angefertigtes Ding“ zu sehen, sondern gleichsam auch als Anlass, der einen dialogischen Umgang mit Material ermöglicht. Im Rahmen von „Schmuck als urbaner Prozess“ geht es also besonders um die Untersuchung „multidimensionaler Bezüge des Menschen zu Räumen“. Dies ist eine Fragestellung, die nicht nur im Mittelpunkt von Schilligs und Holders eigener Arbeit und ihrem Unterricht steht, sondern durch das Projekt auch im Mittelpunkt von „Schmuck als urbaner Prozess“.

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Auf eine einfache Gleichung gebracht könnte über dem gesamten Projekt stehen: Der Mensch ist von seiner Umwelt beeinflusst wie auch er seine Umwelt beeinflusst. Wie aber nimmt der Mensch seine Umwelt wahr und wie hat sich seine Wahrnehmungsweise im Laufe der Generationen verändert? Dieser Punkt wird besonders durch die von Schillig zitierten Aussagen von Byung-Chul Han aufgegriffen, der mit seiner Ausführung zum rein visuellen Erleben des Raums durch Menschen den Kern einer der relevantesten zeitgenössischen Fragestellungen trifft. Nach ihm werden Informationen heute primär im privaten Raum produziert und auch ins Private kommuniziert, wodurch die Wahrnehmungsorgane verarmen und somit auch die Interaktion zwischen den Menschen in der Öffentlichkeit.

Dieses Manko wollen Schillig und Holder innerhalb ihrer Disziplin aufgreifen und zusammen mit ihren Studierenden sowie zum Projekt geladenen Gästen ein Bewusstsein für sensuelle Aspekte städtischer Situationen schaffen:

„Ein Anliegen kann auch bedeuten, mit Hilfe einer scharfen Beobachtungsgabe und einem Sinn für das Kuriose Merkwürdiges oder Besonderes hervorzuheben oder sichtbar zu machen“

erklärt Elisabeth Holder hierzu und lädt Studierende und Passanten ein, den öffentlichen Raum mit allen fünf Sinnen zu erleben.

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Rezension: «dazwischen – von der Wohnungstür zur Trottoirkante» Hrsg. von Claudia Cattaneo, Verena Huber, Anja Meyer, Roland Züger

Lange galt das Postulat: Architekten kümmern sich um die Häuser und Objekte einer Stadt, Planer um die technischen und (soweit planbar) gesellschaftlichen Grundlagen und darum, dass die Stadt „funktioniert“. So schafften die einen Grundlagen, sahen Infrastrukturen vor, zonierten den Stadtkörper und sorgten auf einer übergeordneten Ebene dafür, dass das Leiden, wie es ein Stuttgarter Planer einmal in einem Kamingespräch sagte, möglichst gleichmäßig verteilt wird. Parallel tobten Architekten sich in Form von Objekten aus, die in dem vorgegebenen Rahmen möglichst viel künstlerisches Ego zu Tage brachten.

Zugegeben, ganz so drastisch ist es nicht, doch trotz aller Polemik, so ganz anders auch wieder nicht; Denn wie sollte sonst erklärbar sein, dass da, wo die Stadt an die Objekte heranreicht bzw. auf der anderen Seite die Objekte an die Stadt, Zwischenzonen entstehen die, wenn wir den rechtlichen Status außer Acht lassen, nicht eindeutig dem Öffentlichen oder dem Privaten zuzuschlagen sind? Diese Zwischenräume sind oftmals diffuse, gefühlte Räume, in denen sich vielfältige Ansprüche und Nutzungen vermischen, die teilweise absichtsvoll aneignend, oder aber sich auch durch kontinuierliche Nutzung sowie Andersnutzung Bereiche des Privaten im Öffentlichen Markieren.

Trotzdem Fragen wie „Wo beginnt die Wohnung?“ oder „Wo endet der private Gartenanteil?“ feuerpolizeilich oder baurechtlich geklärt sind, bleiben diese Fragen, wenn man sie von einem wahrnehmungsbetonten Standpunkt aus betrachtet, im Unklaren. Dies weist darauf hin, dass es neue Formate des Erlebens und neue Methoden der Erschließung benötigt. Denn so einfach, wie in der einführenden Polemik dargestellt, ist die Grenzziehung in der Praxis beileibe nicht: An vielen Orten existiert ein Dichtes Netz an räumlichen und sozialen Verflechtungen, das lediglich durch langes aufmerksames hinsehen, durch neugieriges Fragen und durch den Blick von ExpertInnen sichtbar wird.

Das Logo zeigt es wunderbar: Wovon reden wir, wenn wir vom Dazwischen reden?

Das Logo zeigt es wunderbar: Wovon reden wir, wenn wir vom Dazwischen reden?

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