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urbanoREVIEW

urbanoREVIEW ist unsere Rezensionsreihe, in der wir Bücher, Webprojekte, Zeitschriften oder andere Medien aus urbanophiler Sicht rezensieren.

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Rezension „Arrival City“ von Doug Saunders

In der deutschen Ausgabe dieses 2011 erschienenen und  viel beachteten Buches über die größten Migrationsbewegungen der Menschheitsgeschichte kann man einem sehr schönen und aussagekräftigen Irrtum unterliegen. Im großgeschriebenen „C“ von „Arrival City“ steht nämlich hochkant und klein ein „Blessing“ – und genau darum scheint es dem kanadisch-britischen Autoren Doug Saunders zu gehen: die gerade weltweit stattfindende Verstädterung möchte er unbedingt als gesamtgesellschaftlichen Gewinn verstanden wissen. Der Titel ist indes mitnichten „Blessing Arrival City“ sondern es handelt sich lediglich um den Verlagsnamen des „Karl Blessing Verlages“ – aber Nomen ist Omen.

Abb.: "Arrival City" mit freundl. Genehmigung des Verlags

Abb.: „Arrival City“ mit freundl. Genehmigung des Verlags

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Rezension „AUS HAMBURG – Lokale Positionen urbaner Landschaftsgestaltung“ von Sarah C. Schreiner (Hrsg.)

Urbane Landschaften sind seit den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der (fachlichen) Aufmerksamkeit gerückt. Der Begriff Landschaft hat im selben Zeitraum an Bedeutung aber gleichzeitig auch eine inhaltlich Aufweitung erfahren. Bei Siverts in der „Zwischenstadt“ und vor allem bei Sieferle mit seinem Begriff der „Totalen Landschaft“ hat der Begriff Landschaft fast alle räumlichen Elemente, auch die urbanen, in sich aufgenommen. Folgerichtig beschränkt sich die Autorin auch nicht auf einen Typ Landschaftsgestaltung (Parks, Gärten…) sondern lässt ein weites Spektrum zu. In „Aus Hamburg“ wird versucht, diesem Umstand nicht über die Diskussion des physikalischen oder symbolischen Phänomens Landschaft, sondern über die Produzenten und Gestalter näher zu kommen. Was treibt Gärtner, Landschafts-architekten, Künstler, Denkmalpfleger, Wissenschaftler und Sounddesigner an, unsere Landschaft zu verändern?

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Abb.: Gudberg Verlag mit freundl. Genehmigung von Birgitt Frey

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Buchrezension: „Metropole: Zivilgesellschaft“ der IBA Hamburg

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Abb. Jovis Verlag

In der sechsten Ausgabe der Publikationsreihe „Metropole“ nähern sich unter dem Dach der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg verschiedene Autoren dem Themenkomplex Zivilgesellschaft und beschreiben in einem Mix aus übergreifenden  und projektbezogenen Artikeln verschiedene Aspekte dieses nicht ganz einfachen Begriffs. Ein Vorhaben, das im Grundsatz sehr lesenswert ist und seine Stärken vor allem dort ausspielen kann, wo (selbst)kritische Positionen eingenommen werden.

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Rezension „Ortsregister“ von Nadine Marquardt und Verena Schreiber (Hrsg.)

Das Ortsregister ist eine Auflistung von, für die Herausgeberinnen Nadine Marquardt und Verena Schreiber relevanten Orten der Gegenwart. Es bietet eine Auswahl an 46 Orten, die auch Räume bzw. Zeiträume sowie Begriffe erfasst, die auf konkrete Räume und Orte verweisen oder raumwirksam werden. Die Herausgeberinnen beziehen sich auf einen durch den alten Drachen „Spatial Turn“ hervorgerufenen Paradigmenwechsel in den Geistes und Sozialwissenschaften und bieten Räume an, in denen gesellschaftliche Beziehungen praktiziert oder sichtbar werden. Schwerpunkt sind konkrete Orte, die die Beziehungen und deren Rahmenbedingungen repräsentieren oder erst ermöglichen. Auf diese Weise entspannen sich, jenseits der großen Narrative, viele kleine gegenwärtige Erzählungen, die auf unterschiedliche Stufen skalierbar sind.

Abb.: Transcript Verlag

Die einzelnen Essays wurde von jeweils unterschiedlichen Autoren und Autorinnen verfasst und folgen somit auch individuellen Schwerpunkten und Sichtweisen, die teils in literarischer, teils wissenschaftlicher Sprache verfasst sind, womit das Buch auch eine neue Leserschaft außerhalb der originär adressierten Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften gewinnen könnte.

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Rezension: „Die Welt des Baedeker – Eine Medienkulturgeschichte des Reiseführers von 1830 bis 1945″ von Susanne Müller

In E. M. Fosters Roman „Zimmer mit Aussicht“, verliert die Protagonistin, eine englische Adlige namens Lucy Honeychurch, bei der Besichtigung der Franziskaner-kirche Santa Croce in Florenz zu erst ihre fachkundige Reisebegleitung und dann auch noch den Baedeker. Unvorstellbar, doch Lucy Honeychurch war somit orientierungslos in einer für sie fremden Stadt und nicht zuletzt einer fremden Welt, in die sie sich fortan vorsichtig hineintastete.

Das wohlbehütete Mädchen reicher Eltern war auf einer, der für das ausgehende victorianische Zeitalter üblichen Bildungsreisen, um sich an den Schönheiten Italiens zu ergehen und voller Eindrücke nach Kent, ins ländliche Tunbridge Wells zurückzukehren und zu heiraten. Das Reisen, gemeint ist hier nicht das touristische Unterwegssein, sondern das monatelange an einem Ort Verweilen, gehörte zum Selbstverständnis und über lange Zeit zum Privileg einer adligen Klasse, die sich allerdings zusehends mit der bürgerlichen Schicht und deren ganz anderen Lebens- und Reiseverständnis, konfrontiert sah.

Dieses aufkommende Bürgertum veränderte das Reisen, vor allem das Bildungs-reisen, stark und somit auch den Habitus und die Medien des Reisenden. Es eignete sich zwar die oberflächlichen Verhaltensweisen des Reisens an, allerdings eher im Sinne einer Travestie, denn er konnte aufgrund eingeschränkter Finanzkraft nur sehr kurz an den schönen und kulturell wichtigen Orten Verweilen, wollte aber in dieser Zeit das Wesentliche des Ortes erleben und dessen Sehenswürdigkeiten „abarbeiten“. Müller spitzt den neuen Habitus des Reisenden trefflich mit dem Bild „Engländer in der Campagna“ von Carl Spitzweg zu, das auch auf dem Cover abgebildet ist – vertieft in Medien unterschiedlichster Art „bereisen“ eine Gruppe Engländer die italienische Campagna und erschließen sie nicht mehr aus ihnen selbst heraus, sondern gestützt auf Vermittlungs- und Dokumentationsmedien.

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