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Arcosanti – Gebaute Utopie der Ökourbanität

Diese kleine Büchlein von Paolo Santi begegnet mir bei einem meiner Streifzüge durch die Bibliothek. Und was dem Foto nach wie eine schlechte und überaus verkitschte Freilichtbühne aussieht, ist nicht weniger als eine gebaute Utopie mitten in der Wüste von Arizona (USA).

Cover Arcosanti

Cover Arcosanti

Im Klappentext heißt es dazu:

Es gibt sie noch, die wahnwitzigen Utopisten und einer davon ist Paolo Soleri. Seit sechzehn Jahren [das Buch ist von 1988] verwandelt er seine Umgebung in die Zukunftsstadt Arcosanti, eine aggressionsfreie Welt, die den gebeutelten Großstadtmenschen in das nächste Stadium der Evolution führen soll.

Und es gibt sie wirklich. Im Gegensatz zu vielen anderen Stadtutopien wollte Paolo Santi nichts dem Zufall überlassen und kauft in den 1970er Jahren mehrere Hektar Land in der Wüste von Arizona, um dort mit Gleichgesinnten (Architekten, Ökologen, Philosophen,…) Arcosanti zu errichten.

Vor allem Studierende waren es, die in der Anfangsphase der Stadt dem Architekten folgten und mit dem Bau der Stadt begannen. Dabei steht Arcosanti aber nicht als Stadt für sich selbst. Vielmehr ist es die Beton gewordene Philosophie der Arcologie (engl. Arcology, Kofferwort aus Architektur und Ökologie), die Paolo Soleri während seines Schaffens als Architekt und inspiriert durch seine Zusammenarbeit mit Frank Lloyd Wright bis zu seinem Tod im April 2013 entwickelt und lebt.

Die Arcologie geht von einem Einklang der Architektur mit der Natur aus. Eine Arcologie besteht dabei aus einem kompakten baulichen Modul, in dem gewohnt und gearbeitet wird. Dabei versorgt die Stadt bzw. das Modul sich komplett selbst mit Lebensmitteln und Energie. In 63 Thesen führt Soleri in dem kleinen Buch die Ideen aus,

mit denen Arcosanti gegenwärtig arbeitet, und einige andere, mit denen wir gerne arbeiten würden. (11)

Aber wie es mit den Utopien so ist, müssen auch diese sich in der Realität durchsetzen. Im Fall von Arcosanti hat sich Soleri zwar nie entmutigen lassen und immer wieder fahren Interessierte zu mehrwöchigen Kursen und Workshops nach Arcosanti, um die Lehre von der Arcologie zu erlernen und an der Stadt weiter zu bauen, jedoch reicht das bei Weitem nicht aus. So sind seit Beginn der Bauphase erst zwischen 1 und 5 Prozent (die Angaben unterscheiden sich hier von Quelle zu Quelle) der Stadt tatsächlich gebaut. So heißt es auch schon im Buch in einem Vorwort des Professors John Cobb am Theologischen Seminar in Claremont:

Dennoch, Soleri lässt sich nicht entmutigen. Er weiß, dass die Welt sich wohl oder übel zu den gleichen Prinzipien wird bekehren müssen, nach denen er jetzt schon lebt… und so schreibt und zeichnet er unverdrossen weiter, hält Vorträge, entwickelt Pläne, baut – vor allem aber denkt er nach. Nur wenige werden seine Überlegungen in allen Einzelheiten zustimmen. Wer sie aber versteht, wird anerkennen müssen dass er uns weit voraus ist, indem er seine Handlungen an einer zukünftigen Welt orientiert, wie wir sie uns nur erhoffen können. (19)

Arcosanti gibt es… Irgendwie. Und die Lehre von Soleri wird aufrecht erhalten. Immer wieder werden neue futuristische Modelle und Städte als Renderings entwickelt, die diese Ideen aufgreifen. Inwieweit diese tatsächlich einmal Wirklichkeit werden, sei dahin gestellt. Aber fest steht: Es gibt sie wirklich noch, die futuristischen Utopien, für die Zukunft, die mehr sind als nur eine Visualisierung am Computer. Und es lohnt sich, sie anzusehen, sie zu erfahren und sich mit ihnen auseinander zu setzen.

Literaturtipp
Paolo Soleri:
Arcosanti – Labor für Ökourbanität
aus dem amerikanischen von Christiane und Peter Hennigsen
Sphinx Medien Verlag
Basel 1988

Bildquellen

  • Cover Arcosanti: Anna Galda

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1 Kommentar
  1. Einerseits fasziniert es, dass einige dieser Vision folgen und versuchen, eine Architektur-Ökologie zu bauen. Andererseits erliegen sie dem folgenschweren Irrtum, im Neubau könnte die Lösung unserer ökologischen Probleme liegen. Schon die Lage mitten in der Wüste kann nicht umweltgerecht sein, wenn die Menschen für Besorgungen in die nächste Großstadt fahren (oder gar aus der ganzen Welt zu Workshops per Flugzeug anreisen). Und die Energiebilanz möchte ich sehen, wenn alle neuen Materialien und die Erstellung der Neubauten mit eingerechnet werden. Nicht im Neubau, sondern in den bereits gebauten Häusern unserer vorhandenen Städte liegt die wahre „Arcology“.

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