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Mehr Herz für den Schlossplatz!

In den letzten Wochen wurde viel über das Wetter geklagt: „Achtung Sondermeldung, die Jahreszeiten werden umbenannt: Frühling, Scheiße, Herbst und Winter“ hieß es mitunter… Dabei können Spaziergänge im strömenden Regen zur Klärung von unruhigen Gedanken beitragen und vor allem freut sich die Natur. Berlin’s Parks (und bestimmt nicht nur die) erstrahlen dieser Tage in einem so erfrischendem Grün, wie man es selten erlebt hat im August. Aus diesem Grund kommt derzeit auch eine der schönsten und schlichtesten urbanen Interventionen Berlin’s besonders gut zur Geltung: Das Herz auf dem Schlossplatz! Ein Herz im Herzen Berlins. Ein Herz aus purer Natur, Guerilla Gardening mit Herz sozusagen. Das Herz erstaunt, entzückt und wirft Fragen auf: Denn das Herz gibt es jetzt bereits im zweiten Jahr (oder sogar schon im dritten?), weshalb wir wirklich gerne wissen würden: Wie wurde das denn nun angestellt? Dünger? Feinstes Spezialsaatgut? Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, Antworten dürfen gerne per Kommentar diesem Artikel hinzugefügt werden. Einfacher ist die Lösung bei einer anderen urbanen Garten-Internvention auf dem Schlossplatz, die wir schon vor längerer Zeit dokumentiert hatten. Hier hatte man mit Krokus-Zwiebeln das Wort „Schlast“ gepflanzt…

Der Schlossplatz bietet übrigens nicht nur Freunden des gärtnerischen Müßiggangs Gelegenheit sich auszutoben. Auch ein Tape-Art-Künstler hat sich verwirklicht mit einer expliziten Aufforderung: TAPE THAT. Und so verstehen wir sowohl die Tape-Art, als auch das Herz als Kritik und Kommentar zur aktuellen Situation auf und Diskussion um den Schlossplatz und das Humboldt-Forum (und die Humboldt-Box). Oder sollten wir besser sagen: Zum Nicht-Stattfinden einer wirklichen Diskussion? Hat irgendjemand das Gefühl, dass das Humboldt-Forum etwas Besonderes wird? Das hier etwas Neues geschaffen wird? Hat jemand mal was vom „post-kolonialen Diskurs“ rund um das Konzept des Humboldt-Forums gehört? Nein?

Aktuell erscheint es leider so, als würden die vielen beteiligten Projektpartner jeweils in ihrem eigenen Sumpf herumdoktorn! Neben- statt miteinander. Und die Kritik und die Medien, die kritisieren häufig nur das scheinbar Einfache: das Äußere der Humboldt-Box, auf dessen Hässlichkeit sich offenbar alle einigen können. Was im nächsten Schritt von den Schlossbefürworten zu einem weiteren Argument für ihren Disney-Palast umgedeutet und missbraucht wird. Das ist ziemlich schade, denn was dieser Ort braucht, ist eine ehrliche, inhaltliche Diskussion über die Nutzung. Mitte der 2000er hat es diese Diskussionen mal gegeben, durch die Zwischennutzer mit ihrem Volkspalast und dem Berg. Aber das ist lange her, die Diskussionen waren unerwünscht. Und so wird weiter über Fassaden gestritten, wie fast immer an diesem Ort. Dabei wäre es mal bitter notwendig, dass jemand „Mehr Herz für den Schlossplatz“ zeigt…

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5 Kommentare
  1. Ich freu mich auf das Buch: „Das Berliner Schloss. Deutschlands leere Mitte“, welches am 26.9. erscheint.
    Hier ein kleiner Vorgeschmack: http://www.tagesspiegel.de/kultur/deutsche-demokratische-replik/4504566.html

  2. Ach dieses Schloss macht mich schon ein bisschen wütend. Geschichtlich versucht man hier sowohl NS, als auch DDR zu überbrücken, um eine Verbindunglinie, der „scheinbar schönen“ Zeit damals bis heute zu ziehen. So ein Müll. Hab dazu letztens auch was ähnliches im Nord-Berliner gelesen. Die gibts ja nun schon über 100 Jahre, daher standen da einige interesante Sachen drin. Find es bloß gerade nicht. Danke aber für deinen Artikel, der ja recht objektiv wirkt ;)

  3. das ist schon eine grüne Ödnis, das Herz kann es auch nicht verbessern. Das Schloss sieht aus als würde es überhaupt nicht zum Vorplatz gehören. da müsste schon ein internationaler landschaftsplanerischer Wettbewerb durchgeführt werden, um zu guten Ideen zu kommen und vor allem, um aus dieser grünnen Sackgasse heraus zu kommen.

  4. Für die aktuelle Begrünung wurde ja ein landschaftsplanerischer Wettbewerb durchgeführt. Ich war auch zunächst skeptisch, finde diese Zwischenlösung mittlerweile aber genial, gerade weil sie so eine „Ödnis“ ist. Die Wiese mit ihrer Leere und Weite ist ein Symbol für die gedankliche Leerstelle, die an diesem Ort vorherrscht, für die Mutlosigkeit der Politik und anderer Akteure sich diesem Ort anzunehmen. Ich finde es auch beeindruckend, wie diese Wiese innerhalb von kürzester Zeit von den Menschen angenommen wurde. Es schadet nicht, wenn die Wiese noch ein paar Jahre bleibt. So kann – im wahrsten Sinne des Wortes – etwas Gras über die Schlossplatzdebatte wachsen…

  5. Da stehen wohl alle ratlos da, was dort passierte.
    Mein Ausbilder (Gärtner) gab mir schon damals den Tipp, ungeliebten Personen ein Muster mit (Stickstoff N) Dünger in den gepflegten Rasen zu streuen.

    Ich denke diesen Tipp hat sich hier jemand „zu Herzen“ genommen und das beste daraus gemacht.

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