Entries Tagged as 'Mapping'

Willst du mit mir fahren?

Wer morgens an einer stark befahrenen Straße vorbeiradelt und die Autos genau begutachtet stellt fest, dass sich in den meisten Autos nur der Fahrer befindet - von Mitfahrern keine Spur. Der Pendler ist alleine. Das ist nicht nur langweilig, sondern vor allem teuer und ökologisch schädlich.

Um hier Abhilfe zu schaffen haben Studenten der TU Berlin die Webseite citypendler ins Leben gerufen.

CITYPendler ist Deutschlands Pendlerplattform für innerstädtische und Umlandpendler. Hier können sich Menschen, die jeden Tag von einem Stadtteil in den Anderen pendeln, treffen und organisieren.

Wer also täglich pendelt und kann nun sich, der Umwelt und seinen Mitmenschen etwas gutes tun. Wieder ein schönes, auf WebMaps besierendes Mashup.

Wie Fußball die Stadt verändert

Dass eine sportliche Großveranstaltung wie die EM nicht nur ein bisschen Trubel mit sich bringt, sondern dank Fanmeile, Sicherheitsvorkehrungen und Marketing eine Stadt verändert, dürfte allgemein bekannt sein. Um diese Veränderungen aufzuzeigen und kritischen Fragen nachzugehen, hat ein Workshop in der Roten Fabrik in Zürich eine Kartierung der Auswirkungen der EM auf den öffentlichen Raum erstellt. So heisst es auf der Projektseite: FANCITY 2008 - Zur Eventisierung der Stadt:

“Während der Fussball-EM 2008 befindet sich Zürich im Ausnahmezustand. Denn bei diesem Ereignis geht es nicht nur um den sportlichen Wettkampf in den Stadien, sondern um viele andere Aktivitäten und Interessen, die den städtischen Raum vereinnahmen. Für drei Wochen wird Zürich zur „Fancity“ – einer Stadt mit besonderen Spielregeln. Wir liefern den Spielplan zum Event, einen gefalteten Stadtplan, der die Besucherinnen und Besucher von Fancity mit den Besonderheiten und Regeln dieser Stadt vertraut macht.”

Zudem begleitenten Veranstaltungen mit Podiumsdiskussionen und Stadtrundgängen “zur Eventisierung der Stadt” den Workshop. Den grafisch sehr ansprechend gestalteten Stadtplan kann man sich als Flash- oder pdf-Datei anschauen und runterladen.

(Dank an Olaf Schroth für den Hinweis)

Statistik (NL) und Google Earth

Räumliche Planungen und Statistiken werden von niederländischen Institutionen in zunehmendem Umfang und immer abgestimmter frei für Google Earth zur Verfügung gestellt. Das nationale Statistikamt (cbs.nl) hat unter anderen einen kml-layer mit Stadtteilabgenzungen (`buurt´) und -Informationen veröffentlicht. Die vom Bauministerium (vrom.nl) mitfinanzierte `nieuwekaart´ visualisiert jährlich alle raumrelevanten Planungen in Flächen und Informations-placemarks für GIS und Google-Earth.
leidscherijn_lucht_u_nieuwekaart2007_u_cbs__4_2008_.jpg
Dadurch sind alle niederländischen Bauvorhaben - wie am Beispiel der Utrechter Stadterweiterung `Leidsche Rijn´(größtes Vinex-Gebiet) dargestellt - visualisierbar und mit diversen Projektdaten versehen. Ab 2009 werden alle Planungebenen durch das neue Raumordnungsgesetz und ein Programm zum digitalen Austausch und zur Veröffentlichung verpflichtet. (erstversion: publicspace.nu)

Berliner Gewerbeimmobilien in Google Earth

Nachdem Berlin mit seinem 3D-Stadtmodell ja einiges Aufsehen und auch Kritik (wir berichteten: 1,2,3) erregte, ist nun ein neues Feature hinzugefügt worden. Nun können “detaillierte Informationen zur Immobilienbranche” in Google Earth abgerufen werden, da die Berlin Partner GmbH “ihre Gewerbeimmobilien-Datenbank mit insgesamt rund 1.300 Einträgen mit dem […] Stadtmodell Berlins verknüpft” hat (BLC Berlin). Wer also eine Immobilie kaufen oder mieten möchte, kann sie schon im Vorfeld virtuell betrachten.

So weit, so gut. Allerdings frage ich mich, ob man nicht aus so einem Programm mehr machen könnte für eine Stadt, als die leeren Immobilien zu verorten. Nichts gegen diese Nutzung, die ja ihre Berechtigung hat. Aber großer Teil des vorhandenen Know-Hows bleibt ungenutzt. Vorstellbar sind etwa Bürgerinformationen, Bebauungspläne, etc. die der Bürger in Google Earth abrufen könnte. Auch wenn das nicht die Aufgabe von Berlin Partner ist, sollte Berlin die Chance für weitere Ideen ergreifen.

Zeitalter der Kartierung

Die Karten von Google-Earth sind allgegenwärtig. Aber es gibt daneben eine Vielzahl von Menschen, die Karten aus unterschiedlichsten Anlässen und zu den ungewöhnlichsten Themen erstellen. 5 von ihnen widmet der Radiosender “This American Life” eine einstündige Sendung, die im Internet zu hören ist. Eingeteilt nach den Sinnen Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken, kommen Menschen zu Wort die Karten von Schäden in der Straße, Kürbissen und dem eigenen Körper erstellen. Mit geschichtlichen Rückblicken wird so die Entwicklung hin zu einem Zeitalter der Kartierung beschrieben, in dem wir uns gerade befinden. Denn Kartierung bedeutet ein “Weg der Beschreibung der Welt”. Allerdings überwiegt im Laufe der Sendung die Motivation der Porträtierten über eine Beschreibung der Kartenwerke.

Tatort: Wohnort

Ist der Wohnort ein Ausdruck für die eigene gesellschaftliche und wirtschaftliche Schicht, dann läßt sich durch thematische Kartierung zeigen, welche Probleme sowohl einen räumlichen wie eine sozialen Aspekt haben. So argumentiert der “Justice Mapping Center” mit Sitz in New York und versucht durch seine Arbeit zum besseren Verständnis von Verbrechen und Verbrechensbekämpfung beizutragen.

(links: eine Karte des JMC, rechts: Bild aus der Times in dem Artikel über das JMC)
Hierzu kartiert er die Wohnorte von Gefängnisinsassen in den USA (im Gegensatz zu den Orten der Verbrechensbegehung) und stellt fest, daß die Mehrheit der 2 Millionen amerikanischen Verurteilten aus wenigen Nachbarschaften in Großstädten stammen. Gut 95% kehren nach Vollendung der Haft nicht an ihren Tatort sondern ihren Stadtteil zurück und 40% werden rückfällig. Würde das Geld anstatt in Gefängnisbau und Unterhalt in die entsprechenden Stadtteile fließen, ließe sich ein großer Teil der Verbrechen vermeiden. In manchen Wohnblöcken würde in dieser Sichtweise soviel Geld stecken, daß sie auch “million-dollar block” genannt werden.

Ist die Argumentation nicht neu, sondern eine wissenschaftliche Fundierung, beginnen jetzt die spannenden Fragen. Denn wie sollte das Geld investiert werden und welchen Teil spielen räumliche und architektonische Faktoren dabei?

Artikel über das Justice Mapping Center: Times, Metro

Cabspotting - Der Pulsschlag der Stadt


Am 11. bis zum 13. Mai fand in Barcelona das Festival für digitale Kultur Offf - post-digital creation culture statt. Der interessanteste Vortrag - zumindest aus urbanistischer Sicht - kam von dem Designer-Kollektiv Stamen, die das Projekt Cabspotting vorstellten.

Im Projekt Cabspotting wurden Taxis in San Francisco mit GPS-Sendern ausgetstattet, so dass deren zurückgelegte Wegstrecken aufgezeichnet und visualisiert werden können. Zusätzlich werden aber auch Daten zur Geschwindigkeit (hohe Geschwindigkeit wird rot dargestellt) und Leerfahrten, bzw. Fahrten mit Kunden erhoben und in Echtzeit dargestellt (vgl. Cab Tracker). Durch den Effekt des langsamen Ausblendens (der sog. Time Lapse) entsteht langfristig ein Muster der Stadt - das Netz der zurückgelegten Wegstrecken. Im Zeitraffer wirken sie wie die Adern eines lebenden Organismus - der Puls der Stadt (vgl. Bild oben und Video 1, Video 2).

Eine Menge Daten die erhoben und ansprechend visualisiert werden - in wie weit dies das Verständnis von Stadt verändern wird und die Stadtplanung beeinflusst, bleibt abzuwarten. Trotzdem eine interessante Methode des Mappings von urbanen Phänomenen, die wie andere Projekte (hierbei sei auf die Beiträge Biomapping, emotionale Stadtkartierung, Handy-Karten und Das Handy als städtischer Emanzipator hingewiesen) vielleicht neue Einsichten in das Funktionieren von Stadt bringen können.

Topographie der Hysterie

(Quelle: screenshot bei globalincidentmap)

…nennt Jochen Bittner, Blogger bei der Wochenzeitung die Zeit, die Seite globalincidentmap der Macher von TerroristWarning. Auf einer Google-unterstützten Karte werden weltweite Ereignisse zu dem Thema Terrorismus als Icon dargestellt. Hinter den blinkenden Icons stehen Zeitungsmeldungen, welche auf diese Weise gleich verlinkt sind. Gedacht ist die Seite als Beitrag zum globalen Kampf gegen den Terrorismus und der Visualisierung des Bedrohungsszenarios für Militärs, die Polizei usw. Schaut man sich die zum Teil belanglosen oder offensichtlich zu einem anderen Kontext gehörenden Meldungen an, so wirkt die Karte nur noch wie ein Live-Ticker, der bei einigen Leuten verbreiteten Terrorismusparanoia.

Weltstadt Neubrandenburg

Neben Berlin und noch vor Hamburg (wo wohl rechtliche und technische Probleme die Veröffentlichung weiterhin verhindern), ist nun auch Neubrandenburg als 3D-Modell für Google Earth vorhanden. Von der GTA Geoinformatil GmbH umgesetzt, wurden für eine Fläche von etwa 45 qkm Klötzchenmodelle erstellt. In der Innenstadt (etwa 1qkm) werden die Gebäude automatisch mit Schrägsichtluftbildern gemappt. Damit sind diese Fassaden nicht aus einen Katalog ausgewählt, wie etwa in Berlin (wir berichteten), sondern durch Befliegung erstellt worden. Im Vergleich mit einem Bild aus der Datenbank Panoramio stellt man alledings fest, dass die Fassaden - ausgenommen die Farbe - nicht ganz übereinstimmen. Wie korrekt diese Daten also wirklich sind, ist uns nicht klar (Hinweise gerne willkommen!). Prinzipiell aber ein richtiger Schritt.

Insgesamt aber eine tolle Sache. Wir warten auf die anderen “Weltstädte”.

Emotionale Stadtkartierung

Und hier ein Beitrag von Florian Rötzer im Magazin Telepolis zum Thema “Biomapping”.