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Chicago – gegen den Klimawandel und für eine neue Mobilitätskultur


via: Streetfilms

Die Amerikaner haben den Kampf gegen den Klimawandel schon aufgegeben! Alle Amerikaner? Nein, spannende Dinge passieren z. B. in Chicago. In einem lesenswerten Artikel der ZEIT (“Die heiße Stadt”) wird ausführlich über die Anstrengungen der Stadt im Kampf gegen den Klimawandel berichtet.

Interessant ist auch, dass gleich zwei Universitäten in Chicago ein eigenes Fahrradverleihsystem betreiben, Recycles an der Chicago University und GreenBike an der Saint Xavier University. Die Universitäten sind in diesem Fall sogar eine Art Entwicklungsbeschleuniger, denn kürzlich kündigte die Stadt Chicago an, ihr bestehendes - noch relativ kleines – Fahrradverleihsystem auf einen Umfang von 5.000 Räder an 500 Stationen auszudehnen.

Das die Pläne der Stadt offenbar kein blinder Aktionismus sind (“selbst New York kriegt jetzt ein Fahrradverleihsystem, wir brauchen auch eins”), sondern Teil einer umfassenderen Strategie für eine nachhaltige und moderne Mobilitätskultur, zeigt das obige Video, einmal mehr von Streetfilms. Das Video dokumentiert die erste, separiert vom Autoverkehr geführte Fahrradspur der Stadt. Es blickt zurück auf den alten, vierspurigen Zustand der Straße und zeigt, wie durch eine neue Aufteilung des Straßenquerschnitts eine eigene Radspur entstehen konnte. Diese verläuft weitestgehend getrennt vom Autoverkehr. Die neue Infrastruktur wird offenbar dankend angenommen, während der Rush Hour hat die Stadt bereits mehr Radfahrer als Autofahrer auf der Straße dokumentiert. Interessant ist im Video die trockene Begründung für den Bau der Spur: “We met the demand” – da klingt ein wenig heraus, dass jemand viel diskutieren musste.

Etwas kritisch müssen die Aussagen im Video zur Sicherheit beurteilt werden, denn die sind äußerst positiv, hoffentlich nicht zu positiv. Leider ist mittlerweile hinreichend bekannt, dass die gefährlichsten Unfälle durch unaufmerksame Autofahrer beim Abbiegen entstehen. Die gefühlte (subjektive) Sicherheit des Radfahrers entspricht daher nicht immer der tatsächlichen (objektiven) Sicherheit. Ein klassischer Fall in dieser Hinsicht scheint – zumindest dem Augenschein nach – die Führung der Radspur in Chicago zu sein. In einigen Abschnitten ist diese so angelegt, dass die Radfahrer erst kurz vor den Kreuzungen, für abbiegende Autofahrer kaum sichtbar, hinter parkenden Autos auftauchen. Durch die parkenden Autos sind die Radfahrer zum einen verdeckt (die meisten amerikanischen Autos sind ja zudem recht adipös), zum anderen reicht das Blickfeld der meisten Außenspiegel nicht so weit – wer selbst Auto fährt, wird das aus eigener Erfahrung kennen. Insbesondere unerfahrene Radfahrer sind sich dieser Gefahr häufig nicht bewusst und fahren durch die subjektiv gefühlte Sicherheit ggf. etwas zu unaufmerksam.

Dennoch muss man der Stadt Chicago ein großes Lob aussprechen. Insgesamt sieht das sehr professionell aus und offenbar ist es geplant, den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur weiter voranzutreiben. Wir wünschen dabei viel Erfolg und Durchhaltevermögen.

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    1. urbanophil e.V. » Chicago – gegen den Klimawandel und für eine neue Mobilitätskultur: http://t.co/TMMXYMsp

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