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Ausstellung: Mit dem Townhouse leben

Eine Informationsausstellung organisiert von Dominikus Müller und Kito Nedo in der Galerie Kai Hölzer.

Mit dem Niedergang der Rohstoff-, Waren- und Investitionsgüterproduktion in den westlichen Industrienationen und dem Umbau zu Dienstleistungs- und Informationswirtschaften geht ein Strukturwandel von Städten einher, durch die an immer mehr Orten immer größere auch innerstädtische Areale ungenutzt bleiben.

Parallel dazu ist, beginnend mit der Abschaffung der Privilegien und Bindungen der Wohnungsgemeinnützigkeit 1988 und fortgeführt im Rückzug des Bundes aus der Förderung im Zuge der „Föderalismusreform“ von 2006 der soziale Wohnungsbau seit Jahren schon im Niedergang begriffen. Auch in Folge der Privatisierung von Wohnungsbaugesellschaften sind heute weniger als 9 Prozent des Wohnraums im Westteil Berlins den Sozialwohnungen zuzuzählen. Selbst im Ostteil der Stadt sind es trotz weiträumiger Plattenbauviertel kaum mehr als 20 Prozent. Bauen, so scheint es, ist wieder Bürgersache.

Berlin, an seine Vorreiterrolle in Sachen politischer und gesellschaftlicher Radikalisierungen gewöhnt, hat sich mit seinem „Planwerk Innenstadt“ von 1999 eine Strategie zur „Reurbanisierung und Revitalisierung der historischen Mitte und der City-West“ gegeben, die im wesentlichen darauf beruht, Innenstadt-Brachen insbesondere durch eigentumsfähige Gebäudetypologien zu ergänzen und kommunale Grundstücke für selbstnutzende Bauherren und Bauherrengemeinschaften zur Verfügung zu stellen.

Explizit Bezug nehmend auf Tom Wolfes Abrechnung mit den Ideen des sozialen Wohnungsbaus in seiner 1981 erschienenen Kampfschrift „From Bauhaus to our House“ (dt. Titel „Mit dem Bauhaus leben“) kanalisiert „Mit dem Townhouse leben“ den medialen Rausch, den der neo-bourgeoise Bauboom in der City und den zentralen Randlagen Berlins ausgelöst hat. In hunderten unkommentierten und aleatorisch ausgewählten Texttafeln und Fotografien rückt der Akteur in den Fokus, der sich als eigentliche Triebfeder des Umbaus der Städte erweist: Der Markt und seine Sprache in Immobilienbeilagen, Werbeprospekten, und wohlmeinenden wie kritischen Berichterstattungen. Den von Dominikus Müller und Kito Nedo ausgewählten Textsamples und Zitaten sind Fotografien der in Berlin lebenden Künstlerin Nine Budde gegenübergestellt. Als Mehrkanal-Diashow schneiden sie mitten hinein in die als Filetstücke kommunizierten Innenstadtlagen, die den Speckgürtel längst als bevorzugte Wohnlage des neuen Geschmacksbürgertums abgelöst haben.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit einem Text von Robert Burghardt und Fotografien von Nine Budde.

Öffnungszeiten:

  • Mittwoch bis Freitag 14 – 19 Uhr
  • Sonnabend 14 – 18 Uhr

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