Medienfassaden und Lichtplanung

by Stefan Höffken | 10. Dezember 2006 02:15

Ob in Barcelona mit dem Torre Agbar, dem Kunsthaus Graz oder dem Expo-Media Light-Cube: Medienfassaden werden im Stadtraum immer präsenter. Die steigende Anzahl von Medienfassaden wird in der Fachdiskussion von Urbanistik, Architektur und Mediendesign als ein anhaltender – nachhaltig wirksamer – technologischer Entwicklungsschritt gesehen. Und dieser „Trend wird sich auf die Stadt auswirken“ (www.azw.at).

Sind Medienfassaden einfach eine Überstilisierung der Litfasssäule, d.h. nur eine neue technische Möglichkeit und Ausdrucksform? Oder sind die Folgen weitreichender und bedeutet ihre Außen-Orientierung und ihre visuelle Intensität eine neue Qualität? Klar ist, dass sie über die physischen Grenzen des Gebäudes hinaus treten und ihr Bezugspunkt die Menschen im Stadtraum sind. Die Diskussion bewegt sich im Spannungsfeld einer positiven Sichtweise, als „Ausdruck einer kreativen Stadtkultur“ (http://regisseur.wolfgang-lanzenberger.de) – mit der Hoffnung auf eine interaktive Stadt – und einer pessimistischen Vision (einer inszenierten, zunehmend privatisierten und damit kommerzialisierten Stadt). Egal ob als digitale Litfasssäule, als Vorboten der digitalen Stadt oder die Bedrohung der totalen Vermarktung des öffentlichen Raumes, eines ist klar: die weitere Verbreitung von Medienfassaden ist nicht aufzuhalten und wird durch technologischen Fortschritt und damit einhergehende Kostenreduzierung zunehmen, wie Prof. J. Sauter (ART + COM) auf dem Symposium DesignCity des Desginmai sagte.

Die Dynamik der Entwicklung sieht man z.B. am Uniqa-Tower in Wien, den Lichtkunstlicht zum Leuchten brachten. Hier wird das Gebäude nicht nur inszeniert, sondern bei Nacht scheint sich die Architektur durch die LED-Beleuchtung fast aufzulösen. „Das Zeitalter der digitalen Ornamentik hat begonnen“ – wie die db in ihrer Ausgabe 11/2006 schrieb. Solche Gebäude werden zunahmend das Stadtbild bestimmen und damit auch für die Planung und das Stadtmarketing interessant. Stuttgart hat z.B. einen Lichtmasterplan entwickelt, „der die Beleuchtungssituation in der Innenstadt langfristig optimieren soll“ (www.stuttgart-baut.de).

Manchmal sind es aber die einfachen Dinge, die diese „leuchtenden Wände“ für den Planer interessant machen. Denn z.B. beim Post-Tower in Bonn, klagte eine Anwohnerin, die sich durch das Lichtanlage belästigt fühlte (http://weblawg.saschakremer.de). Die Regulierung der Lichtemission ist damit ein weiteres Tätigkeitsfeld und dementsprechend „müssen Planer die neuen Möglichkeiten kennen und intelligent einsetzen“ (www.lichtvision.de).

Eine Ausstellung die sich mit dem Thema der Architekturillumination auseinendersetzt und einen umfassenden Überblick gab, zeigte das Kunstmuseum Stuttgart unter dem Thema leuchtende Bauten von Juni bis Oktober.

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