Stadtentwicklung & Stadtpolitik →
»pimp my city« – Jugendbeteiligung in Hamburg-Wilhelmsburg
“Der Titel schließt ja die ältere Generation so ‘n bisschen aus”
- so leitet der Moderator des Hamburger Kulturmagazins `Lampenfieber’ die Talkrunde mit dem Stadtplanungsstudent Sammy David Schneider ein, der mit seiner Diplomarbeit `pimp my city’ ein einsatzschnelles Planertool zur Beteiligung von Jugendlichen in Stadtteilen mit Image-Problemen erarbeitet. Teil der Arbeit ist ein Film, der die Projekte begleitet. Er wird heute abend in Wilhelmsburg zum vorerst letzten mal im Rahmen der IBA- Hamburg, sowie mit Unterstützung der `Lebenswerten Stadt Hamburg, Projektgebiet Wilhelmsburg’, gezeigt. Weitersagen!
Stadtentwicklung & Stadtpolitik →
Stalinistische Marktwirtschaft
Stalinismus und Wegzugsprämien? Zumindest, wenn es nach dem brandenburgischen Finanzminister Rainer Speer (SPD) geht, kann man hier einen Zusammenhang finden. Denn dieser kommentierte einen Vorschlag des Berlin-Institutes von Wegzugsprämien für schrumpfende Regionen in Brandenburg mit mit der Aussage, dass ihn das an “stalinistische Politikansätze” und Zeiten erinnert.
So hat das Berlin Institut im Rahmen eines vom brandenburgischen Landtag in Auftrag gegebenen Gutachten – neben weiteren Vorschlägen – geschrieben, dass man in Regionen, wo “kein anderer Impuls möglich ist”, die Menschen “zum Abwandern [...] motivieren” müsste. “Dies könnten etwa Prämien für das Verlassen einer sich entleerenden Region sein” (S.30).
Man kann ja von einem solchen Vorschlag halten was man will, aber wer zu solchen Kommentaren geift, der ist wohl nicht der Richtige, um mit neuen Ideen und kreativen Ansätzen die Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen. Aber vielleicht bringt der vielfältigt diskutierte und kommentierte Vorschlag (1, 2, 3) neuen Wind in die Diskusion um “Gieskannenprinzip”, “Stärken stärken” und “Naturpark Brandenburg”.
Video, Film & Fotografie →
Der Stadtfotograf
Das Amt des Stadtschreibers geht anscheinend auf den Autor Franz-Joseph Schneider zurück, der erstmals seine Heimatstadt Bergen-Enkheim bei Frankfurt begeistern konnte, dieses zeitlich begrenzte Stipendium zu verteilen. Seitdem hat sich dieser Posten auch in anderen Städten etabliert. Seit einigen Jahren suchen ein paar Städte als Ergänzung oder als Ersatz zu diesem nach einem Stadtfotografen. Unsere Suche ergab, dass bisher Gera, Ravensburg, Koblenz, Darmstadt und Eisenach (2) in Deutschland jährlich oder zwei-jährlich unter den Bewerbern für das Amt durch eine Jury entscheiden.
Nach Außen sollen die Fotografien (durch Ausstellungen und Kataloge) das kulturelle Image der Stadt vergrößern und die Bewohner zu einer Auseinandersetzung mit ihrer persönlich-individuellen Verwurzelung anregen. Es scheint nicht ungewöhnlich, dass gerade mittelgroße Städte ein Interesse an einem solchen Posten haben. Sie sind groß genug eine eigene Identität zu bilden und müssen diese im globalen Städtekampf behaupten, aber sie sind nicht zu groß, um in mehrere Teile zu zerfallen.
Kunst & Kultur →
Nutze deine Jungend – Energie aus dem Club
Während in Deutschland die Diskussion über die energiepolitische Zukunft irgendwo zwischen Atommeiler und Biogas-Windrad-Solaranlagen feststeckt und die nächste Energiekrise sich am Horizont ankündigt, können junge Hedonisten in der Welt aufatmen. Denn diese produzieren nach einem Entwurf holländischer Architekten ihren Strom in Zukunft selbst. Und zwar genau, da wo sie ihn auch verbrauchen. Die Clubs mit ihren stromfressenden Licht- und Soundanlagen brauchen keinen externen Stromversorger mehr, denn nach dem Piezo-Effekt werden die Stöße der tanzenden Menge in elektrische Energie umgewandelt und wieder an die Endgeräte des Clubs geleitet. Wer es nicht glaubt, der schaut sich doch einfach das Video dazu an, dass von Toyota (!) auf einer Art Öko-Youtubeseite präsentiert wird. (Video)
In Zukunft wird also auf der Tanzfläche die Welt gerettet. Toll. Hey DJ – Don’t stop the music…
Städtebau & Architektur →
Stadt ohne Planer – Kowloon Walled City
Immer wieder entstehen in Städten rechtsfreie und damit planungsfreie Gebiete und werfen die Fragestellung der Bewertung anarchistischer Orte zwischen Kriminalisierung und Romantisierung auf. Meistens entstehen diese Räume durch das Auftreten eines zweiten Machtfaktors (linksorientierte Bürger im Falle Christianias oder organisierte Kriminalität im Falle Neapels usw.), der die Hoheit der Stadt ersetzt. Der Fall von Kowloon Walled City in Hong Kong unterscheidet sich hierin, dass zwei Staaten sich nicht über deren rechtlichen Status entgultig einigen konnten und so ein Machtvakuum entstehen ließen und machen den Fall des 2.6 Hektar grossen Gebietes für die Fragestellung interessant.

(Zwei Bilder aus der Entstehung von KWC)
Der Name Walled City ruht auf einer ehemaligen Garnison an dieser Stelle, welche trotz des Erwerbs von Kowloon durch die brittische Krone von 1898 bis 1997 vom chinesischen Militär betrieben werden durfte, solange deren Aktionen nicht mit britischen Interessen kollidierten. Diese merkwürdige Sonderregelung zwischen den beiden Staaten in der “Convention for the Extension of Hong Kong Territory” führte jedoch nach dem zweiten Weltkrieg zu einer ungeklärten und damit größtenteils rechtsfreien Situation. Zugleich war es chinesisches Hoheitsgebiet, lag aber praktisch inmitten Hong Kongs.
Dies zog über die Jahrzehnte nicht nur Kriminelle an, hier zu leben oder zu arbeiten sondern vor allem auch China-Flüchtlinge und sozial Schwache. Die Bevölkerung wuchs von 2000 Bewohnern um 1947 bis auf 50.000 beim Abriss von KWC im Jahre 1992. Damit galt es als der dichtbesiedelste Ort der Welt mit hochgerechnet 1,9 Mio Einwohnern/qm. Die Geschichte erwieß sich in der Zeit als sehr wechselhaft. Galt KWC in den 70er Jahren als Rückzugsort der Triaden, wurde die Selbstregulierung und niedrige Kriminalitätsrate der Stadt in den 80er Jahren, wohl auch wegen ihres geplanten Abrisses vor Augen (beschlossen 1983 zwischen China und Großbritannien), geprießen.

(Innenaufnahmen von Greg Girard)
Die eingehend gestellte Frage läßt sich wohl rückblickend nicht so einfach beantworten, weil KWC und seine Probleme im Zusammenhang mit Hong Kong als Ganzes gesehen werden müssen. Die Einwohner erhielten nach dem Abriß eine Entschädigung und es wurde ein Park an der Stelle errichtet. Nichts soll heute in der chinesischen Diktatur mehr an die Existenz eines selbstorganisierten Wohnblocks erinnern.
Die Filmindustrie scheint jedoch die Fragestellung für sich beantwortet zu haben. “Bloodsport” mit Jean-Claude Van Damme gedreht in den Gassen von KWC zeichnen das Bild einer kriminellen Hochburg.



