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Aktuell
urbanoFILMS →

urbanoFILMS#4 – Situativer Urbanismus

Nach unserem kleinen Sommerausflug in die Tentstation sind wir dieses Mal aufgrund der anhaltend unstabilen Wetterlage wieder im Gelegenheiten e.V. in Neukölln. Der vierte Kinoabend beschäftigt sich mit der Thematik des “Situativen Urbanismus”. Das Adjektiv situativ bezieht sich dabei auf eine konkrete Situation, die aber auch einen Hang zum spontanen besitzt. Was bedeutet es ein Situationist zu sein und wer steckt hinter der 1957 gegründeten Situationistischen Internationalen? Und was hat das Ganze auch noch mit Stadt zu tun? Wir freuen uns, Florian Köhl (fat köhl architekten), Anh-Linh Ngo (arch+) und Jesko Fezer (proQM) für eine Podiumsdiskussion gewonnen zu haben und sind gespannt auf diesen Abend!

„Wir meinen zunächst, daß die Welt verändert werden muß. Wir wollen die am weitesten emanzipierende Veränderung von der Gesellschaft und dem Leben, in die wir eingeschlossen sind. Wir wissen, daß es möglich ist, diese Veränderung durch geeignete Aktionen durchzusetzen. Es ist gerade unsere Angelegenheit, bestimmte Aktionsmittel anzuwenden und neue zu erfinden, die auf dem Gebiet der Kultur und der Lebensweise leichter zu erkennen sind, aber mit der Perspektive einer gegenseitigen Beeinflussung aller revolutionären Veränderungen angewandt werden.“ – Rapport über die Konstruktion von Situationen. Weitere Infos: http://www.cddc.vt.edu/sionline

////////////////////urbanoFILMS #4///////////////////////////
:: Donnerstag :: 30.08.2007 :: 20.15 Uhr ::
:: Gelegenheiten e.V. :: Weserstraße 50 ::
:: U 7 Rathaus Neukölln::
//////////Situationistischer Urbanismus///////////

Digitale Stadt →

Der Sound der Straße

Die Straße und im speziellen die Hochgeschwindigkeitsstraßen sind Korridore durch den sie umgebenen Raum. Was auf der anderen Seite passiert, mag die Phantasie anregen oder es kann ebenfalls Unangenehmes verdrängen. 11 Umweltorganisationen entlang der Intersect-5, dem Highway zwischen San Fransisco und Los Angeles, haben sich im April letzten Jahres zusammengetan, um die Verkehrsader für ihre Zwecke zu nutzen.

Das entstandene Projekt trägt den Namen “Invisible 5” und ist ein “kritischer Audio-Guide” ähnlich Audio-Museumsführern. Auf der entsprechenden Internetpräsenz können Textbeiträge zu den Orten entlang des Highway im mp3-Format heruntergeladen werden. Auf der Fahrt leiten sie den Hörer durch die vorbeiziehende Landschaft und erzählen Geschichten von Umweltverschmutzung, dem Kampf der Organisationen dagegen und der dahinterstehenden Raumpolitik.

Aus der Ferne betrachtet wirkt das Projekt wie eine gelungene Schnittstelle zwischen virtuellem und realem Raum sowie zwischen Aktivisten und Interessierten.

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Urban Podcast und Architekturfilme

Alle die beim Mini-Marathon mit Rem Koolhaas und Hans Ulrich Obrist in Kassel nicht dabei waren, können sich Mitschnitte der Veranstaltung im Internet anschauen. ZU sehen sind die Interviews mit Gottfried Böhm sowie dem Historiker und Schriftsteller Karl Schlögel (der die tollen Bücher Marjampole und Im Raume lesen wir die Zeit geschrieben hat).

Aber nicht nur diese Veranstaltung ist nun im Internet anzuschauen. So bietet das Internetforum Architekturclips ein ganze Reihe an Filmen zum Thema Architetur und Stadtentwicklung an. Nenneswert ist hierbei das Interview mit den Architekten von Graft, die die Bedeutung des Kirchenchors für ihr Büro erläutern, ein Interview mit dem Biennale Direktor Burdett oder auch die klare Ansage des Urbanaktivisten Martin Kaltwassers an den ehemaligen Berliner Senatsbaudirektor Hans Stimmann.

Ein regelmäßiges Podcast zum Thema Architektur findet sich auf der Seite apalaver.com. Aber auch auf dradio.de (wir berichteten bereits) finden sich immer wieder interessante Interviews oder Berichte, wie etwa das Interview mit Walter Prigge oder auch der interessante Bericht “Zur Konstruktion territorialer Identität” in Nahost.

Also ein ganze Bandbreite an interessanten Gesprächspartnern und Themen. Reinhören und reinschauen! Viel Spass…

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Kritische Forschung unter Terrorverdacht

Am 01. August wurde der Berliner Soziologe Dr. Andrej H. in Untersuchungshaft genommen, da ihm die “Bildung einer terroristischen Vereinigung” zum Vorwurf gemacht wird (attac, zeit, taz). Laut Anklage soll er Mitglied der sogenannten militanten Gruppe (MG) sein. Aufsehen erregt die Festnahme vor allem deswegen, weil der Verdacht auf die Zugehörigkeit zu der terroristischen Vereinigung mit folgenden Argumenten begründet wird (vgl. freeandrej):

  • So ist von einer Mitgliedschaft von Dr. Andrej H. in einer terroristischen Vereinigung auszugehen, weil er sich mit Themen beschäftigt, die sich auch in Schreiben der mg wieder finden; eine wissenschaftliche Abhandlung von Dr. Andrej H. von 1998 enthalte „Schlagwörter und Phrasen“, die in Texten der „militanten Gruppe“ gleichfalls verwendet werden (u.a. den in der Stadtforschung gebräuchlichen Begriff der “Gentrification”),
  • einem beschuldigten promovierten Politologen stünden „als Mitarbeiter eines Forschungszentrums Bibliotheken zur Verfügung, die er unauffällig nutzen kann, um die zur Erstellung der militanten Gruppe erforderlichen Recherchen durchzuführen“,
  • er und die weiteren wissenschaftlich Tätigen verfügten über die „intellektuellen und sachlichen Voraussetzungen, die für das Verfassen der vergleichsweise anspruchsvollen Texte der militanten Gruppe erforderlich sind“

Daher schreiben die Verfasser des offenen Briefs folgendes:

“Solche Argumente lassen jede wissenschaftliche Tätigkeit als potentiell kriminell erscheinen. Die Begründungen der Bundesanwaltschaft stellen eine direkte Bedrohung für alle dar, die kritische Wissenschaft, Publizistik und Kunst betreiben und für diese mit ihrem Namen in der Öffentlichkeit einstehen. Kritische Forschung, auch in Verbindung mit sozialem und politischem Engagement, darf nicht zum terroristischen Tatbestand erklärt werden.”

Um ein hohe Aufmerksamkeit zu erreichen und um dem Brief Nachdruck zu verleihen, kann er von jedem mitunterzeichnet werden (freeandrej.net.ms/). Wir hoffen auf eine rege Teilnahme und Verbreitung.

Weitere Infos:

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Wenn der Diktator ruft

Der vor zwei Jahren ausgestrahlten dreiteiligen Dokumentarfilm “Speer und Er” von Heinrich Breloer warf zugleich die Frage an die moralische Verantwortung einer Profession in ihrem politischen Umfeld auf und ließ doch beim Betrachter das Gefühl zurück, daß dieses der Vergangenheit angehöre. Zwar ist ein solches totalitäre System heute nicht zu finden, aber die zunehmende Tätigkeit von westlichen Architekten in autoritären Staaten wie China, Lybien, Russland und den Vereinigten Arabischen Emiraten ließen die Frage in letzter Zeit wieder an Aktualität gewinnen. Von außen betrachtet scheinen sich dabei unkritische, karrieresuchende Architekten und Monumentalität wünschende Diktatoren nur allzugut zu ergänzen. (“Bauten des Bösen“, “Architektur statt Demokratie“)

Schaut man sich die Argumentationen der betreffenden Architekten an (welche in der architekturinternen Presse vollkommen fehlen), so scheinen zwei Positionen zu dem Thema vorzuherrschen. Auf der einen Seite begründen Hilde Léon, Gewinnerin des Wettbewerbes zum neuen Regierungsviertel in Tripolis/Lybien, und Ole Scheeren/Rem Koolhaas, Entwerfer des Neubaus des staatlichen chinesischen Fernsehens, ihr Engagement auf positive Veränderungsprozesse in den Ländern. Während Hilde Léon dies als Zeichen für den Aufbruch des Landes versteht, für den sie das Symbol liefert, wollen Scheeren und Koolhaas diesen Prozess sogar durch ihr Bauwerk beeinflussen. (Quellen: D-Radio, léonwohlhage, Bauwelt 25.07, Spiegel, Times)
Die andere Seite ignoriert weitestgehens die Situation oder versucht ihr positives abzugewinnen. Albert Speer Junior, Planer der “German City” in Shanghai, bezeichnet sich als Dienstleister und Gast in einem fremden Land, dem es weitestgehenst egal ist, wer an der Spitze dieses Staates steht. Von Gerkan (chinesisches Nationalmuseum in Peking und 50 weiterer Projekte in China) sieht vor allem die Qualtiät monumentaler Gebäude und Planung als Bewertungsmaßstab im Vordergrund. So werden viele Bauwerke vergangener autoritärer Regimes heute positiv bewertet und verleiten ihn zu der Ansicht, daß es “damals wohl doch keine so schlechte Zeit war“. (weitere Quellen: D-Radio, D-Funk)
Die beiden Positionen sind gut in der Zusammenfassung der Gesprächsrunde “Gebaute Bilder der Macht” der Akademie der Künste in Berlin nachzuhören (mp3). Die Frage nach Ethik in der Architektur muss dabei aber gar nicht als Verbot an das Bauens verstanden werden. Eine Infragestellung kann die Handlungsspielräume erst aufzeigen und dem Entwurf klarere Konturen und Begründungen liefern. Und die Architektur soll sich ja gerade in einer Krise befinden.

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