Follow us on: Facebook · Twitter · RSS
 
Aktuell
Digitale Stadt →

Second Architecture

Warum sollte sich ein Architekt mit Second Life beschäftigen, wenn er damit nicht gleichzeitig die Aufgabe der Realisierung seiner Ideen eingesteht und in das Virtuelle flieht? Zu diesem Zweck veröffentlichte Archinect ein Interview mit Tor Lindstrand vor knapp einem Monat. Tor ist Gründer des größten Architekturbüros LOL in Second Life, Professor des Royal Institut of Technology in Stockholm und arbeitet mit Studenten von verschiedenen Instituten und Universitäten zusammen.

(Der unechte Koolhaas in seinem Showroom)

Die Antwort ist sowohl praktischer wie theoretischer Natur. Zum einen wird sich, nach Tor, die Architektur und das Erscheinungsbild des Internets in Zukunft (web 3.0?) stark an eine virtuelle Welt anlehenen. Es ist damit räumlicher und in einem sogar wörtlichen Sinne “architektonischer”. Als Plattform bietet Second Life aber auch die Möglichkeit soziale Strukturen und architektonische Arbeitsmethoden neu zu denken. So fügt er als Theorie hinzu, habe wohl Excel die Architektur mehr verändert als Koolhaas, Hadid und Gehry zusammen.

Wo wir bei den großen Meistern sind, gibt es, nach dem Artikel, einen Avatar in Second Life mit dem Namen Rem Koolhaas. Dieser entwirft und verkauft Gebäude in einem Showrooom, soll aber kein Marketing-Gag des echten sein.

(Auf 3D-Graffiti kann man auch sitzen)
Schön von der Idee ist auch die Arbeit von Alpar Asztalos, einem Studenten von Tor Lindstrand. Er baut 3D-Graffiti auf und an die Gebäude von Second-Life, um das Verhalten der virtuellen Besitzer zu untersuchen. In der echten Welt wäre diese Studie wohl überflüssig.

Städtebau & Architektur →

Architektur muss wehtun

Als ich vor kurzem durch Zufall bei Flickr auf ein Ausstellungsplakat mit der Überschrift “Mies van der Rohe was a skater” stieß, fragte ich mich nach den Zusammenhängen zwischen moderner Architektur und Skateboardern. Über die Ausstellung ließ sich leider nicht mehr viel in Erfahrung bringen, dafür fand ich zwei Texte, die sich mit Skateboarden als Stadtkritik auseinandersetzen.

Der Artikel “A Performative Critique of the American City: the Urban Practice of Skateboarding, 1958-1998” von Iain Borden, sieht den Kritikpunkt der Skatekultur in den standarisierten und austauschbaren Räumen der kapitalistischen Stadt, welche das Gesamtkunstwerk Stadt abgelöst hat. Zwar kümmern sich die Skateboarder ebensowenig um den ideologischen Inhalt von Architektur, doch rekombinieren sie die physikalische Oberfläche der Stadt in ein Set aus erfahrbaren Elementen wie Geländer, Treppen usw. in einem schon fast situationistischen Sinne.


(Beispiele für das subversive Fernhalten von Skateboardern)
Auch Ocean Howell geht in eine ähnliche Richtung, wenn er Skateboarden in die Geschichte des öffentlichen Raumes und dem Ausschluß von spezifischen Gruppen aus diesem stellt. Der Text “The Poetics of Security: Skateboarding, Urban Design, and the New Public Space” konzentriert sich auf die jüngere Entwicklung hin zu einem konsumorientierten öffentlichen Raum. Dieser simuliert zunehmend Offenheit gegenüber allen Bürgern und entwickelt subversive Methoden des Ausschlusses, wie Stopper an Geländerkanten und löst damit ein Spiel mit den ausgeschlossenen Skatern aus, welche die Hindernisse zu umgehen versuchen. Der von der Jugendkultur wieder hereingetragene Konflikt in den simulierten läßt ihn erst wieder zum öffentlichen Raum werden.

(Wenn Stopper das Skaten verhindern sollen, wird schon mal gerne auf eine Stufe höher ausgewichen)
Schön ist auch das Zitat Levebres im ersten Artikel: “Architecture reproduces itself within those who use the space in question, within their lived experience”. Bei Skateboardern kann dies schon mal an die Schmerzensgrenze gehen, wenn der Olli in einer Bauchlandung auf einer Mieschen Granittreppe endet.

Digitale Stadt →

Eine Auge auf Videoüberwachung

Über Videoüberwachung wird viel und polemisch diskutiert. Untersuchungen, die eine objektivere Annäherung erlauben, sind seltener vertreten. Vor kurzem brachte das Institut für kriminologische Sozialforschung der Univesität Hamburg eine heraus. (pdf A,B, auf surveillance-studies.org)

(Links: Gefunden auf enjoy-surveillance; rechts: Mental Map der Untersuchung)
Unter dem Titel “Videoüberwachung in Hamburg” untersuchte sie von 2003 bis 2005 die Zusammenhänge von räumlichen Vorstellungen, subjektiven Sicherheitsempfinden und Videoüberwachung in zwei Stadtteilen in Hamburg und stellt gleich den Unterschied gegenüber reinen Meinungsumfragen und Statistikauswertung klar: Der hier fehlende Raumbezug. Ohne den sozial-räumlichen Kontext der Befragten mit einzubeziehen, kommen Zweitere zu “keinen verlässlichen Aussagen”. Die Methoden der Untersuchung lagen deshalb, neben Interviews, in der Erstellung von “mental maps”, welche die im ersten Teil gemachten Aussagen überprüfen sollten.

In der Schlussfolgerung wird die banale Logik, Videoüberwachung würde das subjektive Sicherheitsempfinden erhöhen, stark relativiert. Nicht nur, dass sie auch in der Umkehrung vorkommt, sondern es wird festgestellt, dass Videoüberwachung, nach “emotionaler Nähe” zu Räumen, einen eher kleineren Teil für das subjektive Sicherheitsgefühl spiele und dessen Zustimmung auch auf Unwissenheit zur Thematik zurückzuführen sei.

Wem das Durchlesen des Berichtes zu anstrengend ist, kann sich bei Zeit den Film “Die sichere Stadt” (1,2) dazu anschauen, in dem auch das Institut zu Wort kommt. Weitere interaktive Medien: Ein vierteiliger Film bei Tagesschau.de, eine Dokumentation der BBC (1,2,3,4,5,6), und die Flash-Animation Panopti.com.

urbanoFILMS →

urbanoFILMS #3 – „Graffiti in Berlin“


Zur dritten Ausgabe von urbanoFILMS haben wir unser Sommercamp in der Tentstation in Berlin-Moabit aufgeschlagen. Thema dieses Abends ist „Graffiti und Streetart. Unkontrollierte Kunst im öffentlichen Raum“. Dazu zeigen wir den Film „Graffiti in Berlin“ von 2005. Im Anschluß diskutieren wir mit

Das Ganze findet in der Tentstation am Dienstag den 31.Juli ab 20.30 Uhr statt. Seydlitzstr. 6, (Nähe Hauptbahnhof)

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Die Begehrlichkeiten nach dem Sturm

Der 16-minütige Dokumentarfilm “Chocolate City-We are here to stay” über die selektive Wiederaufbaupolitik New Orleans nach dem Wirbelsturm Katrina von Ralf Schmerberg ist schon eine Weile im Internet zu sehen. Weil die Thematik der Neustrukturierung von Städten nach Katastrophen und der Vorwurf dies auf Kosten der Schwachen durchzuführen immer wieder auftaucht, scheint uns ein Hinweiß auf den Film angebracht.

Der Film sammelt Eindrücke und Stimmen aus dem 9th Ward, einem hauptsächlich von sozial Schwachen und Farbigen bewohnter Stadtteil, welcher von den Behörden auch nach dem Sturm links liegengelassen wird. Die NGO “Common Ground Collective” hat sich dem Stadtteil angenommen und versucht auf Freiwilligenbasis zu verhindern, dass sich finanzkräftigere Akteure über das Land hermachen.

(Screenshots aus “Chocolate City”)
Ob die Zerstörungen des Wirbelsturms als “Traumkonditionen” für eine neoliberale Rekonstruktion der Stadt gesehen werden können, wie dies Benedict Seymour in seinem (diesmal aktuellen) Artikel der Eurozines tut, bleibt jedem selbst überlassen.

(Auf der Internetseite von Common Ground Collective findet sich weiteres Material zum Thema, wie auch bei Wikipedia)

nach oben ↑
Themen