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Rezension „Atlas of the Functional City“

oder: Was macht ein Haufen rebellischer Architekten auf einem Schiff im Mittelmeer?

Eine Rezension zum „Atlas of the Functional City: CIAM 4 and Comparative Urban Analysis“, Thoth Publishers, Bussum, gta Verlag, Zürich, 2015.

Der Atlas von außen und innen

Der Atlas von außen und innen

Ob die Beteiligten bewusst auf diesen sinnbildlichen Ort setzten, darf bezweifelt werden, war der ursprüngliche Tagungsort – Moskau – wegen der politischen Symbolkraft verworfen worden: ein kleines Schiff im Mittelmeer. Dort, wo die ersten Hochkulturen per Schiff errichtet wurden, fuhr 1933 die Patris II von Marseille nach Athen – an Bord die vierte Internationale Konferenz der Architekturmoderne (CIAM IV), die zur Charta von Athen führte.

Während die Charta und ihre Auswirkungen fast schon zum urbanophilen Allgemeinwissen gehören, ist über die Konferenz und ihre eigentlichen Inhalte erstaunlich wenig bekannt. Der „Atlas of the Functional City“ will dies ändern. Seine Herausgeber_Innen (Evelien van Es, Gregor Harbusch, Bruno Maurer, Muriel Pérez, Kees Somer und Daniel Weiss) dokumentieren auf fast 500 Seiten (und mehrere Kilo schwer!) aufschlussreich und detailliert die meist europäischen Beiträge der einzelnen Länder-Sektionen von B wie Belgien bis Y wie Jugoslawien, aber auch Beiträge aus Indochina, Niederländisch-Indien (Indonesien) und den Vereinigten Staaten.

Nicht alle diese CIAM-Architekturgruppen waren auch tatsächlich an Bord der Patris II, doch in Vorbereitung auf die illustre Architekturreise übers Mittelmeer führten die Gruppen umfangreiche Analysearbeiten durch. Durch umfangreiche Archivarbeit 80 Jahre später konnten die Herausgeber_Innen des „Atlas oft he Functional City“ mithilfe eines Netzwerks aus Forschenden all diese Städteanalysen zusammentragen, die einen Großteil des Buchs darstellen. Sie bilden das inhaltliche Fundament dessen, was den CIAM IV so berühmt machte: die Charta von Athen.

Auch Berlin kommt nicht zu kurz, wurde doch zu Berlin die umfangreichste Analyse erstellt.

Auch Berlin kommt nicht zu kurz, wurde doch zu Berlin die umfangreichste Analyse erstellt.

Beeindruckend sind besonders die Arbeiten zu Dessau, die wohl tiefste Städteanalyse. Von Geologie und Bodenbeschaffenheit über Windverhältnisse bis hin zur Organisation der materiellen Versorgung der Stadt wurden die Facetten der Stadtentwicklung sehr breit dargestellt und schließlich auch städtebauliche Vorschläge aufgezeigt.

Die jeweiligen Ländersektionen werden im Atlas zudem ausführlich historisch eingeordnet. Wer zeichnete für die Analysen verantwortlich? Wer stellte sie vor? Und vor allem: Wie wurden die Ergebnisse diskutiert? Wichtige Einblicke aus der Arbeit der Architekturmodernisten haben die einzelnen Autor_Innen zusammengetragen. So lernt die/der Leser_In auch viel über innere Konflikte der gar nicht so einvernehmlichen Modernisten:

„Disputes repeatedly arose with Le Corbusier in particular, who attempted to dominate the content of the CIAM from the very start, since Häring regarded a conference he had organized in Stuttgart in October 1927 during the Werkbund exhibition ‘Die Wohnung’ as representing the real beginning of an international association of modern architects and thus as the start of the CIAM.”

Dabei geht der Atlas über ein reines Fachbuch hinaus. Beim Durchblättern bleibt man an einem zwölfseitigen Bilderkapitel hängen, teilweise mit bisher unveröffentlichten Fotografien. Wir sehen die Architektinnen und Architekten beim Nickerchen im Liegestuhl, beim Entspannen an Deck (in Bademode der 30er Jahre), beim humorvollen Posieren vor antiker griechischer Architektur und natürlich beim Diskutieren ihrer Analysen. Entspannte und kritische Blicke wechseln sich hier ab und zeigen das, was im Architekturdiskurs manchmal vergessen wird: Architektur wird von Menschen gemacht.

Als wäre das noch nicht genug, bilden sechs Essays eine passende theoretische Klammer um die so umfangreichen Analysen. Reich gespickt mit zusätzlichen Quellen und Literaturhinweisen ist dieses Buch beides, eine umfangreiche Dokumentation des IV. CIAM-Kongresses und ein Start für weitere Auseinandersetzungen mit der Moderne in Architektur und Städtebau.

 

PS: Urbanophile kaufen ihre Bücher natürlich im klassischen Buchhandel und nicht über den marktbeherrschenden Online-Giganten.

Urbane Mobilität →

Is‘ mir egal

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Die ohnehin schon ziemlich geniale Marketing-Kampagne „Weil wir Dich lieben“ hat jetzt noch mal einen draufgesetzt. Im neuen „Musikvideo“ mit dem passenden Titel „Is‘ mir egal“ wird selbstironisch das laissez-faire von BVG und seinen Fahrgästen aufs Korn genommen. Und es fehlt auch nicht das Augenzwinkern über die eigene (von Jung von Matt entwickelte) Kampagne: „Weil wir Euch lieben – is‘ Euch egal“. Großartig!

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Justicia Urbana

Justicia Urbana (von Fabian Todorovic, Chile)

Justicia Urbana (von Fabian Todorovic, Chile)

Ein Bild, das nachdenklich macht, wurde Anfang Dezember als Gewninnerbild der Urban October Design Competition gewählt, die von UN HABITAT im Rahmen des Urban October durchgeführt wurde. Justicia Urbana von Fabian Todorovic.

The 2015 Urban October Design competition’s aim is to highlight and recognize designs and designers that best depict the state of our towns and cities today. […] The competition run during Urban October, the month dedicated to raise awareness, promote participation, generate knowledge and engage the international community towards a New Urban Agenda.

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Ein andere Sicht auf Olympia

Ganz aktuell haben sich die Bürger von Hamburg gegen die Olympischen Spiele in ihrer Stadt entschieden – und das mit guten Argumenten, wenn man z.B. Martin Müller, der diese in einem lesenswerten Beitrag darlegte, folgt. Eine spannenden Film zu dieser Diskussion am Beispiel London hat die Filmemacherin Marlene Wynants gedreht. Sie reiste

nach London und sprach dort u.a. mit einem Anwohner, der von Zwangsräumungen betroffen war, dem Vorsitzenden der Taxi-Gewerkschaft, dem Vorstand eines Freizeitfußballvereins und einem Professor für Politik- und Staatswissenschaften über steigende Mieten, zerstörte Ökosysteme, zu Parkplätzen asphaltierte Fußballfelder, massive Kostenexplosionen und viele Lügen, die rund um Olympia in London erzählt wurden/werden. (Quelle: NOlympia Hamburg)

Es bleibt spannend, ob und wie in Zukunft Großprojekte stattfinden werden. Hamburg hat sich hinsichtlich Olympia entschieden.

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Call for Papers: de/resacralisation of urban space

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Zum Wochenstart möchten wir kurz auf einen Call for Papers zum Thema „Resacralisation and desacralisation of urban spaces: Transforming sacred places in Poland and Germany“ hinweisen:

The  concept  of  the  volume  is  to  present  how  –  in  different  contexts  –  “new”  sacred  places function in an already mapped sacred urban geographies. We would like to bring urban sociology and sociology of religion closer together to answer the questions about the comparative perspective of the social process of resacralisation. What is then the role of religious minorities in Poland and Germany (with special focus on Islam in this process)? What is the nature of the new sacred spaces in contemporary cities – are they only connected to minority religions?

Mehr Informationen finden sich im gesamten Call for Papers. Einreichungsfrist ist der 05. Dezember 2015, für Fragen steht Dr. Maciej Kowalewski (University of Szczecin) zu Verfügung.

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