Crowdfunding Urbanism

by Gastautor | 13. März 2014 13:50

Robocop

Robocopstatue Detroit

Die Bedeutung von Crowdfunding als alternatives Finanzierungsinstrument hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Beleg dafür sind ein steigendes Finanzierungsvolumen, die weltweite Verbreitung von Initiatoren und Investoren und die Entstehung neuer Plattformen. Im Jahr 2013 wurden allein auf der bekanntesten Plattform „kickstarter“ 480 Mio. US Dollar für 19.911 Projekte gesammelt.

Das Spektrum der auf diesem Weg finanzierten Projekte ist äußerst bunt. Die Haupteinsatzfelder waren bisher kreative und soziale Projekte, innovative Unternehmensgründungen, Technologie- und Forschungsvorhaben. Einige Plattformen, vor allem im englischsprachigen Raum, wenden das Konzept des Crowdfundings auf Projekte an, die Bezug zu Stadtentwicklung nehmen.

Die Idee ist simpel: Genau wie Musikbands oder Spielekonsolen sollen Initiativen die im Zusammenhang mit Stadt- und Quartiersentwicklung stehen, nach dem Prinzip des Crowdfundings durch die Gemeinschaft finanziert und diskutiert werden.

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema findet statt. Gemessen am Tempo mit dem sich Crowdfunding entwickelt hat, steht diese jedoch noch am Anfang. Bisher wurde das Phänomen vor allem aus Sicht der Wirtschafts- und Finanzwissenschaft untersucht. Die Nutzung von Crowdfunding als Finanzierungs- und Beteiligungsinstrument im Rahmen von Stadtentwicklung ist momentan noch weitestgehend unerforscht.

Pioniere auf diesem Gebiet sind die Stadtforscher Dan Hill und Bryan Boyer, die in ihrem Buch ‚Brickstarter‘ den Prototypen einer Urban Crowdfunding Plattform vorstellen. Aus ihrer Sicht ist es notwendig gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse über öffentliche Räume neu auszurichten. Anstelle von staatlich-institutionell organisierten Bürgerbefragungen, in denen regelmäßig Ablehnung von Projekten zum Ausdruck gebracht wird, sollten die aktive Gestaltung, Diskussion und Unterstützung von Vorhaben ermöglicht werden.

Brickstarter reverses the polarity from ‚NIMBY‘ to ‚YIMBY‘ (Yes In My Backyard), from complain to create, outlining a platform for suggestions, developed and driven by participation of citizens, local businesses, and government.” (Brickstarter, S.4, Dan Hill/Bryan Boyer)

Auch wenn die theoretische Auseinandersetzung mit der Übertragbarkeit von Crowdfunding auf städtische Themen und Projekte bisher nur punktuell stattgefunden hat, gibt es neben dem konzeptionellen Ansatz von ‘Brickstarter’ eine Vielzahl aktiver online-Plattformen, die das Potenzial erkannt haben und Crowdfunding Urbanism praktisch umsetzen. Sie unterscheiden sich in ihrer Funktionsweise und setzen verschiedene thematische und räumliche Schwerpunkte.

Plattformen wie Spacehive, Neighbor.ly, Citizinvestor oder ioby bieten nicht nur die Möglichkeit ausgewählte Stadtentwicklungsprojekte finanziell zu unterstützen, sie können gleichzeitig als Diskussionsforum und Schnittstelle zwischen Behörden, Gewerbetreibenden und Bürgern genutzt werden und dadurch eine kooperative Entscheidungsfindung und den Ausdruck von gemeinschaftlicher Zustimmung erleichtern.

Unklar ist, wie eine effektive Übertragung von Crowdfunding auf Stadt im Allgemeinen und speziell im deutschen Kontext aussehen kann. Vorhaben der Stadtentwicklung unterscheiden sich üblicherweise in ihrer Komplexität vom typischen kickstarter Projekt. Grundsätzlich stellt sich die Frage nach Rahmenbedingungen und Spielregeln einer solchen Plattform. Wer darf mitmachen? Wie kann Missbrauch verhindert werden? Was wird finanziert? Wie funktioniert die Umsetzung finanzierter Projekte? In welcher Form findet die Integration in formale Planungssysteme statt? usw.

An Hand zweier Beispiele wird die Problematik der ungeregelten Übertragung von Crowdfunding auf urbane Projekte deutlich: Im Rahmen einer Kickstarter-Kampagne sollte ein stillgelegter New Yorker U-Bahn-Schacht in einen unterirdischen Park transformiert werden. Die „Lowline“ fand zwar Zuspruch und wurde über das ursprüngliche Ziel hinaus finanziert, allerdings scheiterte die Umsetzung an nicht erteilten Zulassungen und mangelnder Kooperation mit Genehmigungsbehörden. Um nicht nur die Finanzierung eines Vorhabens zu sichern, sondern auch die tatsächliche Realisierung zu gewährleisten bedarf es mehr als einer Kickstarter-Kampagne. Die Einbindung in formale Planungsprozesse und die Einbeziehung von öffentlichen Planungsträgern ist eine entscheidende Herausforderung an urbanes Crowdfunding.

In einem weiteren Fall wurde zur Finanzierung einer überlebensgroßen Robocopstatue aufgerufen, die in der Detroiter Innenstadt aufgestellt werden sollte. Innerhalb kürzester Zeit hatten sich Unterstützer weltweit beteiligt und über 50.000 US $ gespendet. Zwar lehnte der Bürgermeister Detroits das Vorhaben letztendlich ab, dennoch wurde sichtbar, dass Crowdfunding im Stadtkontext zum einen vor unseriösen Initiativen geschützt und zum anderen eine Balance zwischen globaler Beteiligung und lokalen Auswirkungen gefunden werden muss.

Trotz vieler ungeklärter Fragen hat Schwarmfinanzierung das Potenzial ein wirksames, flexibles und demokratisches Instrument zu sein. In Anbetracht der weiterhin angespannten Haushaltslage vieler Städte und Gemeinden in Deutschland könnte Crowdfunding auch bei uns einen Beitrag zur Finanzierung von Stadtentwicklung leisten. Eine Deutsche Crowdfunding Plattform mit Stadtbezug sucht man heute noch vergeblich.
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Dieser Artikel ist von unserem Gastautor Ole Brandmeyer. Ole studiert Stadt- und Regionalplanung an der TU Berlin, schreibt seine Masterarbeit über Schwarmfinanzierung in der Stadtentwicklung und glaubt an das Potenzial von Crowdfunding Urbanism.

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