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Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Institutionalisierte Hausbesetzer

Nur noch gelegentlich dringen in Berlin die Nachrichten von Hausbesetzungen und Räumungen durch die Presse und es scheint, dass den Besetzern nur mit Polizeigewalt begegnet werden kann. In Holland hat sich gegen die professionelle Hausbesetzerszene dagegen ein durchaus intelligentes Mittel etabliert: Hausbesetzer mit Hausbesetzern zu bekämpfen.

Die Motivation diesen Schritt zu gehen, ist vor allem im holländischen Recht zu finden. Steht ein Gebäude mehr als ein Jahr leer, so ist die Inbesitznahme durch Dritte juristisch quasi legalisiert. Dem liegt das Recht auf einem Dach über dem Kopf und der Wohnungsnotstand des Landes zu Grunde. Dies förderte eine gut organisierte und lebendige Hausbesetzerszene, deren Vorgehensweise sehr anschaulich in dem Dokumentarfilm „Table Bed Chair“ gezeigt wird.

(Quelle: Screenshots aus dem Film „Table Bed Chairs“)

Anstatt mit verschärften Gesetzen gegen die „Kraks“ (holländisch für Hausbesetzer) zu reagieren, erwieß es sich als erfolgreicher, die betreffenden Häuser selber zu besetzen. Gegründete „Anti-Krak“ Agenturen vermitteln dabei die leere Flächen an Wohnungssuchende oft nur gegen eine Vermittlungsgebühr. Durch den „Besetzer“ wird so einer unerwünschten Besetzung vorgebeugt. Allerdings ist fragwürdig, ob so der Krak-Bewegung die Dynamik genommen wird, denn der neue Mieter verpflichtet sich das Haus auf Wunsch des Besitzers innerhalb von zwei Wochen zu räumen. Die Wohnverhältnisse bleiben also weiterhin prekär.

Einen Aufsatz zu dem Thema, ob urbane Bewegungen zwangsläufig in deren Institutionalisierung endet hat Hans Pruijt verfasst. In einem Vergleich der Hausbesetzerbewegungen in New York und Amsterdam argumentiert er, dass die Dynamik in einer wohltätigen Stadtpolitik, wie sie in Europa betrieben wird, stärker ist als in Amerika, wo der Markt verstärkt als Regulierungsorgan der Wohnungspolitik gesehen wird. Er sieht die Gefahr der Vereinnahmung der Bewegung in Amsterdam deshalb auch nicht als gegeben, weil die Besetzung nicht nur als Hilfsmittel sondern endgültiges Ziel verstanden wird.

Dank an Lena für den Linktip.

Quellen: Berliner Zeitung, IG Kultur Österreich, Wikipedia

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