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Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Umnutzung von Verkehrsräumen

– ein Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel und zum städtebaulichen Denkmalschutz?


Aus der Hochstraße in Hannover wird ein Grünzug

Die kompakte Stadt ist Sinnbild der heutigen Stadtentwicklung, verstärkt auch durch die Grundsätze der Leipzig Charta. Die Folgen dieser Entwicklung sind u.a. der Rückbau von Verkehrsflächen und eine gleichzeitige Verdichtung des Raumes durch ein „Zusammenrücken“ der Baukörper, welches die „Wunden“ des autozentrierten Städtebaus der 1950er und 1960er Jahre wieder „heilen“ kann. Die historischen Schichten jahrhundertelanger Stadtentwicklung mit all ihren guten und schlechten Ausprägungen gehen dadurch aber völlig verloren.

Dabei birgt  die  kompakte Stadt auch Risiken, die durch den Klimawandel verstärkt werden können.

Denn der Anteil von Grünflächen ist in dicht bebauten Städten geringer und nimmt durch die Nachverdichtung weiter ab. (…) Klimaschutz durch Entwicklung von kompakten, energieeffizienten Stadtstrukturen und die Anpassung an den Klimamwandel können also zu Konflikten führen. (Stephan Pauleit in Garten + Landschaft, 4/2010)

Warum also hier nicht den Ansatz verfolgen, städtebaulichen Denkmal- und Klimaschutz zusammenzubringen? Auch wenn die Leitbilder der autogerechten Stadt aus den 1950er und 60er Jahren sehr kritisch und eher negativ gesehen werden, so bleibt der Aufbau funktionierender (Auto)Infrastruktursysteme Ausdruck einer Generation, die nach dem 2. Weltkrieg in der Abkehr des traditionellen Städtebaus auch räumlich einen Wandel hin zu einer offenen und demokratischen Gesellschaft demonstrieren wollte. Die Verkehrsräume sind im Laufe der Zeit zu einem prägenden Strukturmerkmal unserer heutigen Städte geworden, die als Eigentümlichkeit in der Summe verschiedener Merkmale den Charakter einer Stadt ausmachen.

Zwar wird die gegenwärtige Nutzung des Raums als Verkehrsfläche zunehmend (glücklicherweise) abnehmen, ein Erhalt der Struktur durch eine Nutzungsänderung z.B. als Freiraum könnte aber das räumliche und strukturierende Erbe des Nachkriegsstädtebaus – die „Hülle“ oder das Gerüst – erhalten und gleichzeitig den Raum qualifizieren. Darüber hinaus entstünden durch das Freihalten des Raumes von Bebauung und der Entwicklung von Freiräumen auf diesen Flächen die Möglichkeit der Anpassung der Städte an den Klimawandel, durch das Hinzufügen von mehr Grünflächen innerhalb der dicht bebauten Altstadtquartiere. Das Infrastrutkursystem würde somit ein grünes Rückrat der Stadt. Am Beispiel Hannovers wurde dies in der Diplomarbeit „Mehr Stadt – Mehr Landschaft“ exemplarisch umgesetz. Das Leitbild „Green Wheel“ verfolgt die schrittweise Nutzungsänderung des Innenstadtrings hin zu einem Grünen Ring um die Stadt. Dieser erhält aber den städtebaulichen Charakter der Großstruktur und kann somit auch dieses Erbe in der Stadtgestalt erhalten.


Nutzung der Hochstraße zum Klettern und Skaten

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1 Kommentar
  1. Ich habe in Hannover Landschaftsarchitektur studiert und mich in meiner Diplomarbeit mit einem ähnlichen Thema befasst und ebenfalls einen Entwurf für einen Freiraum auf der Raschplatzhochstraße gemacht.

    Hier ein Link zur Arbeit:
    http://thore-schiller.de/projekt-HS.html

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