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Städtebau & Architektur →

Nachkriegsmoderne ade.

Pressebild_Beethovenhalle_1959_Initiative+Beethovenhalle
Die Bonner Beethovenhalle ist vom Abriss bedroht.
(Quelle: © Schafgans Archiv/ Hans Schafgans)

Hach wie schön wars früher noch, als die junge, aufstrebende Bunderepublik mit ihren funktional-ästethischen, schwingenden Gebäuden der kriegsgebeutelten Stadt wieder etwas Leben einhauchte.

Vor allem die Baudetails – fein gegliederte Fassaden, geschwungene Treppen und Handläufe, lichtdurchflutete Eingangshallen, Fenster- und Bodenmosaike, kunstvoll verzierte Türgriffe – geben den Gebäuden aus den 1950er Jahren ein unverwechselbares Gesicht (monumente online).

Die Demokratie verliert vierlerorts ihr Gedächtnis. In Hannover soll der von Oesterlen sensibel in das historische Ensemble eingefügte Plenarsaaltrakt umgebaut oder abgerissen werden, vom historischen Zentrum in Berlin ist Nennenswertes kaum übrig geblieben und in Bonn wurde der alten Plenarsaal von Hans Schwippert bereits 1987 abgerissen.

Auf der Suche nach irgendwas, was bleibt. Die Nachkriegsmoderne erfährt in jüngerer Zeit wieder eine Wertschätzung – und der Abriss all jener Gebäude, die stadtbildprägend und den Menschen ans Herz gewachsen sind, können nicht mehr ohne Widerstand der Bevölkerung vollzogen werden.In Bonn hat sich bpsw. eine Initiative gegründet, die sich für den Erhalt der Beethovenhalle einsetzt und dies mit viel Engagement und Willen tut. Die Beethovenhalle soll zugunsten eines neuen Festspielhauses, gesponsert von drei großen Unternehmen, abgerissen werden. Prinzipiell ist niemand gegen das Festspielhaus. Aber man ist gegen den Neubau an dieser Stelle, der den „barbarischen Akt“ des Abrisses des Gebäudes mit sich ziehen würde. Das von einer Studenteninitiative der Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn konziperte und organisierte Kolloquium brennpunkt beethovenhalle „erbrachte den schier erdrückenden Befund, dass es keinen einzigen vernünftigen Grund gibt, das Hauptwerk des Scharoun-Schülers Siegfried Wolske aus dem Jahr 1959 abzureißen.

Auch bei facebook gründen sich immer mehr Gruppen, die sich in vielen deutschen Städten gegen den Abriss von nachkriegsmodernen Gebäuden einsetzen. Die Nachkriegsmoderne braucht unser avantgardistisches Handeln – trotz gewaltiger Umwälzungen bedarf es den Erhalt von Werten. Was einst als neu erschien ist zwar alt geworden, aber an Ästhetik und Modernität hat die Nachkriegsmoderne trotzdem nichts gelassen.

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5 Kommentare
  1. Und hier gibts einige Bilder zu den „spektakulären“ Entwürfen, die die Beethovenhalle verschwinden lassen sollen: http://www.ksta.de/html/artikel/1231945372755.shtml. Und natürlich gibt es auch die „Beethoven Halle“ – becom-a-fan Seite bei facebook: http://www.facebook.com/pages/Beethovenhalle-Bonn/274123064023 Beitreten!

  2. Dazu auch im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom 18. Februar 2010:
    „Abrissunternehmen Moderne“
    http://archiv.sueddeutsche.apa.at/sueddz/index.php?id=A46748552_OGTPOGWPOPPWOHGRRTEGETCGRACSESOR (Online leider nur kostenpflichtig)

  3. Und auch Tankstellen werden gerettet: http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-March-Garagenbau_in_Muenster_gerettet__962815.html – gibt es ja auch ein paar wunderschöne Exemplare: http://www.urbanophil.net/index.php/architektur/von-tankstellen-und-funkturmen/ (auf Lostplaces oder Einestages klicken!)

  4. […] die sich mit der akuten Gefährdung von Gebäuden der Nachkriegsmoderne kritisch auseinandersetzen. urbanophil berichtete vor einigen Wochen über die Beethovenhalle in Bonn, doch in Gefahr sind immer mehr Gebäude und […]

  5. […] bereits in mehreren Artikeln auf unserem Blog berichtet, stehen zur Zeit in vielen Städten Deutschlands die Gebäude der […]

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