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Städtebau & Architektur →

Selbstmarkting 2.0 – wie ArchitektInnen soziale Netzwerke nutzen

Soziale Online-Netzwerke werden ein immer wichtiger Teil der Kommunikation zwischen Freunden, Bekannten sowie Arbeitskollegen. Jugendliche nutzen Facebook und StudiVZ um sich zu verabreden, während man im Arbeitsleben mit Xing seine Kontakte pflegt. Doch welche Erwartungen hegen die Benutzer an diese neue Form der Kontaktpflege und -suche? Dem Aspekt der Selbstdarstellung in diesen Netzwerken bei ArchitektInnen ging Norma Demuro in ihrer Masterarbeit an der Universität Duisburg-Essen nach.

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Nur über sein Werk an neue Aufträge zu kommen reicht nur in den wenigsten Fällen (Quelle: cinema-journal.blogspot.com)

In der Arbeit mit dem Titel „Selbstmarketing 2.0“ prüfte sie, ob und in welchem Maße die Selbstdarstellungstechniken einzeln oder kombiniert von Architekten auf sozialen Online-Netzwerken eingesetzt werden. Darüber hinaus wurde geprüft, welche Ziele Architekten mit der Teilnahme an einem sozialen Online-Netzwerk verfolgen und in welchem Maße diese Erwartungen erfüllt werden.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse wird bald im Internet unter www.marketing-2punktnull.com veröffentlicht werden. Über die ersten Ergebnisse berichtet Norma Demuro in diesem Interview.

In den Architektur-Fachmedien wurde das Thema Netzwerke in den letzten Jahren öfters behandelt, jedoch selten unter dem Aspekt der Selbstvermarktung. Was macht für Sie das Besondere dieses Themas aus?

Betrachtet man soziale Netzwerke aus der beruflichen Perspektive, verbindet man mit der Pflege und dem Ausbau seines Netzwerkes auch das berufliche Fortkommen. In der Kommunikation mit dem Geschäftspartner wird man sich daher positiv darstellen wollen. Dabei spielen neben der eigenen Kompetenz beispielsweise auch die Sprache, der Kleidungsstil oder auch die Einrichtung des Büros eine Rolle. Im Internet dagegen spielen Mimik, Gestik oder Kleidung keine bzw. eine untergeordnete Rolle für die Eindrucksbildung. Ich wollte mit meiner Untersuchung daher herausfinden, auf was Architekten bei der Gestaltung ihres Profils in sozialen Online-Netzwerken (SNS = Social Network Site) achten, d.h. ob und in welchem Maße positive Selbstdarstellungstechniken eingesetzt werden.

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Was ist Selbstmarketing 2.0? (Quelle: N. Demuro)

Welche Sozialen Netzwerke spielen für Architekten eine Rolle? Das zu erwartende Xing oder auch weitere wie dasportfolio.de, facebook?

Xing ist in der Tat laut Studie die meistgenutzte SNS. Mit über 6,5 Millionen Mitgliedern erreicht XING den Mehrwert für den Nutzer über die Masse an Teilnehmern und erfüllt damit das von Tim O”Reilly postulierte Schlüsselprinzip von Web 2.0: „The service automatically gets better the more people use it. Die auf die Baubranche ausgerichtete SNS dasportfolio.com kann höchstwahrscheinlich nur einen Bruchteil der Mitglieder von Xing verzeichnen. Ihr Vorteil gegenüber Xing liegt aber eindeutig in der Präsentation der eigenen Projekte durch die Bildergalerie. Zusätzlich können Mitglieder bei dasportfolio.com aus ihren Profilangaben, Projektbildern und zusätzlichen Angaben die standardisierten Marketingtools wie Newsletter oder Corporate Blog nutzen. Beide Netzwerke sind trotz der grenzüberschreitende Möglichkeiten des Internet sehr stark auf den deutschsprachigen Raum ausgelegt.

Agieren Architekten also eher im gleichen Sprachraum oder gibt es auch Seiten, welche eine internationale Selbst-Vermarktung erlauben?

Eine interessante Kombination aus Selbstdarstellung, internationalem Fokus und grenzüberschreitender Zusammenarbeit bietet m.E. openarchitecturenetwork.org. Zwar ist das Ziel bei openarchitecturenetwork.org die Förderung von innovativer und nachhaltiger Architektur und nicht die Selbstdarstellung der Architekten. Die verschiedenen Angebote der Plattform wie Projektpräsentation, Wettbewerbsausschreibungen oder die Wissensdatenbank, die beispielsweise Informationen zu Materialien oder Konstruktionsmethoden anbietet und die Nutzer zum Austausch von Fachwissen animiert, könnte für Architekten eine wirkliche Alternative zu den klassischen Business-Netzwerken Xing oder Linkedin darstellen.

Es ist anzunehmen, dass solche sozialen Netze immer wichtiger im Vergleich zu herkömmlichen Methoden der Selbstvermarktung bei Architekten werden. Sehen Sie das auch so und wenn ja, wo denken Sie, finden diese Verschiebungen statt?

SNS werden für die Selbstdarstellung im ähnlichen Maße an Wichtigkeit gewinnen, wie die Nutzung von SNS zunehmen wird. Laut ARD/ZDF-Online-Studie gehören zur Zeit gerade einmal 2 Prozent der Onliner in Deutschland zu den regelmäßigen, also wöchentlichen Nutzern von beruflichen Netzwerken. Diese SNS sind aber insbesondere für Akademiker von Interesse. Gleichzeitig muss betont werden, dass die Nutzung von SNS als Bestandteil einer ganzheitlichen Kommunikations- bzw. Selbstdarstellungsstrategie angesehen werden muss. Der Ansatz des „Multi-Channel-Marketings“, über mehrere Kommunikationskanäle den Kunden zu erreichen, ist m.E. der effektivste Weg für eine erfolgreiche Selbstvermarktung.

Das heisst also, nur das Profil auf einer SNS ist nicht ausreichend. Ist daher die Kombination mit anderen Online-Darstellungsformen (wie etwa Homepage und Blog) zu empfehlen? Laufen diese Entwicklungen parallel und das „reale“ Auftreten sollte das virtuelle ergänzen?

Als soziales Netzwerk wird die Summe aller Beziehungen, über die eine Person mit anderen Menschen verfügt, sowie deren Beziehungen untereinander bezeichnet. Um diese Beziehungen untereinander zu pflegen, müssen Nutzer in sozialen online Netzwerken ein Profil zur Selbstdarstellung anlegen, das von anderen Mitgliedern des Netzwerks per Einladung wahrgenommen wird. Das Interessante an SNS ist die Möglichkeit, bei jedem Mitglied dessen Netzwerk angezeigt zu bekommen. So erfährt der Besucher, welche Personen für einen selbst ebenfalls von Interesse sein könnten. SNS dienen also dem Aufbau und der Pflege von Beziehungen.

Und das ist bei Webblogs anders… Welche Motive spielen hier eine Rolle?

Bei den Nutzungsmotiven von Weblogs stehen der Spaß am Schreiben und der Austausch mit Personen mit ähnlichen Interessen im Vordergrund. Die Selbstdarstellung spielt dabei ebenfalls eine Rolle, wenn auch – wie eine Studie des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ) zeigt – eine untergeordnete.

Auf SNS müssen Sie sich fragen, wen genau Sie mit Ihrer Selbstdarstellung erreichen möchten und was Ihre Intention dabei ist und welches Bild Sie von sich vermitteln möchten: ist Ihr Profil nur im Netzwerk durch die Mitglieder einzusehen oder auch über eine Suchmaschine für jeden auffindbar? Möchten Sie nur Ihre Kontaktdaten und Ihren Lebenslauf in einem Profil zur Selbstdarstellung nutzen? Falls Sie auch Bilder zu Ihren Projekten darstellen möchten, was beispielsweise bei Xing nicht möglich ist, müssen Sie auf eine Website verlinken, usw.

Jean Philippe Colas beschreibt Netzwerke (Arch+ Nr. 167) als informelle Institutionen und verweist im besonderen auf Unsicherheitsvermeidung als ihre Entstehung auf. Auch Sie machen einen Bezug von Netzwerken zu der sich verschärfenden Arbeitsmarktsituation von Architekten. Kann man vereinfacht sagen, dass in der Krise die Menschen näher zusammenrücken?

Ich behaupte, dass gerade aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktsituation sich der Wettbewerb verschärft und jeder bestrebt danach ist, seine Position zu festigen oder seine Nische zu finden. Die Bundesarchitektenkammer behauptet in diesem Zusammenhang, dass das Architekturbüro von morgen Spezialisierungen aufweisen wird und Projekte in der Regel in Kooperationen abgewickelt werden. Von der Architektenkammer Baden-Württemberg herausgegeben wurde eine lesenswerte Dokumentation: „Plan B – Zukunftsstrategien von Architektinnen und Architekten“. Soziale Online-Netzwerke unterstützen damit den Architekten beim Aufbau und der Pflege von Kooperationen und damit bei seinem beruflichen Fortkommen.

Und jetzt, wo Sie so viel Erfahrung in diesem Bereich gesammelt haben, können Sie unseren Lesern vielleicht einen Tipp geben, wie man das Selbstmarketing auf SNS richtig macht – oder was es zu vermeiden gilt?

Wichtig ist, sich vor dem Erstellen einer SNS die Fragen zu beantworten, was und wen man durch eine SNS erreichen möchte (neue Aufträge, Austausch mit Kollegen, erweitern der beruflichen Kontakte auch über die eigenen Interessensgebiete hinaus, usw.). Nachdem die Frage nach den Zielen beantwortet ist, erfolgt das Erstellen des eigenen Profils, mit den Angaben zur eigenen Person, des eigenen Angebots, der Zielgruppe (für wen biete ich meine Leistungen an). Darüberhinaus sollte das Profil auch die eigenen Stärken, Werte und Visionen transportieren als auch den Nutzen für die Zielgruppe hervorheben (weshalb sollte sich ein Bauherr gerade für mich entscheiden?). Wichtig ist auch, zu entscheiden, welche Kontakte man in sein Netzwerk aufnimmt. Nutzer sollten keine Bedenken haben, Kontaktanfragen abzulehnen, wenn die Person nicht mit den Zielen der eigenen SNS übereinstimmt. Die Qualität des Netzwerkes ist wichtiger als die Masse. Berufliche und private Kontakte sollten m.E. in einem Businessnetzwerk nicht miteinander vermischt werden. Auch bestimmte private Informationen oder unwahre Angaben können geschäftsschädigend sein. Ein Foto ist ein absolutes Muss und wirbt für Vertrauen. Dass es sich dabei um ein professionelles Bild handelt, das man auch für Bewerbungen einsetzen würde, versteht sich von selbst.

Wir glauben einen spezifischen Aspekt bei der Nutzung von SNS durch Architekten ist das berufliche Werbeverbot. Wie stark sollten Architekten die Nutzung von SNS auf die Suche potenzieller Bauherren richten und weniger auf die Verknüpfung mit Berufskollegen?

Ein absolutes Werbeverbot besteht nicht mehr. Solange es sich um sachlich, berufsbezogene Informationen handelt und nicht gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstossen wird, ist Werbung auch für Architekten zulässig. Die Architektenkammern der Länder regeln in der Berufsordnung, in welchem Umfang Architekten Werbung betreiben dürfen. Die Nutzung von SNS für die Suche nach potenziellen Bauherren und das Aufbauen von Kontakten mit Berufskollegen schliessen sich gegenseitig nicht aus. Alleine anhand der Zielsetzung unterscheiden sich beide: durch den Aufbau von neuen Kontakten zu Berufskollegen wird beispielsweise das Ziel des Informationsaustausches oder auch zukünftiger Kooperationen verfolgt.

Die Kontaktanfrage setzt eine konkrete Frage oder einen Anlass voraus. Zukünftige Bauherren werden womöglich dann von Architekten aktiv angesprochen, wenn diese in ihrem Profil beispielsweise angeben „Suche Architekt für folgende Bauaufgabe…“ oder sie auf die Ausschreibung eines Wettbewerbs aufmerksam machen. In der Regel wird in SNS die Kontaktaufnahme aber so sein, dass sich der Bauherr beim Architekten meldet. Die SNS dient demnach für den Architekten als Präsentationsplattform und für den Bauherren als Recherchetool für einen adäquaten Architekten. Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass potenzielle Bauherren auf sozialen Online-Netzwerk registriert sind, sollte das eigene Profil auch über Suchmaschinen auffindbar sein. Was nutzt dem Architekten ein Profil für das Selbstmarketing auf einem sozialen Online-Netzwerk, wenn nur die Mitglieder der Plattform darauf zugreifen können?

Norma Demuro, wir danken Ihnen für das Interview.

[Till Kolshorn und Stefan Höffken]

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1 Kommentar
  1. Hier der Hinweis auf eine neue Plattform, auf der sich Architekten (und Stadtplaner?) vorstellen können:

    http://www.internet-fuer-architekten.de/index.php?article_id=227

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