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Städtebau & Architektur →

Während Bonn schon denkt, wird in Berlin noch kahl geschlagen.

 

Bald abgebaut: Rümmlersche Wolkendecke im U-Bahnhof Halemweg.

Bald abgebaut: Rümmlersche Wolkendecke im U-Bahnhof Halemweg.

Die Initiative Kerberos Berlin fasst heute in folgender Pressemitteilung den aktuellen Stand zur Zerstörung der nachkriegsmodernen U-Bahnhöfe Berlins zusammen:

Die Situation um den U-Bahnhof Schloßstraße spitzt sich zu, die Architektin des U-Bahnhofs Schloßstraße, Ursulina Schüler-Witte, bezeichnet die Pläne für den umgebauten Bahnhof als „Karikatur“ ihres Entwurfs und droht mit einem Baustopp. Ihr Urherberinnenrecht könnte einen kostenintensiven Rückbau zur Folge haben.

Weiter heißt es in der Mitteilung:

„Trotz breiter Resonanz auf den offenen Brief der Initiative „Kerberos“ zum Erhalt der nachkriegsmodernen U-Bahnhöfe –

  • die Architektenkammer Berlin stellt sich in einem Antwortbrief
    uneingeschränkt hinter die Forderungen und fordert einen sofortigen Baustopp;
  • Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hat sich über das Thema informieren
    lassen und zur Beratung auf die Tagesordnung ihres Baukollegiums gesetzt;
  • Das Landesdenkmalamt prüft Möglichkeiten zur Unterschutzstellung von
    Bahnhöfen der 1950er- bis 1980er-Jahre, aktuell vor allem U-Bahnhof
    Fehrbelliner Platz und Schloßstraße

– schreiten die Bauarbeiten an herausragenden Verkehrsbauten Berlins voran.

Denn ab 22. Juli sperrt die BVG den südlichen Abschnitt der U-Bahnlinie 9, um weitere Bauarbeiten an den U-Bahnhöfen Schloßstraße und Rathaus Steglitz zu ermöglichen. Dabei droht aus denkmalpflegerischer Sicht der Totalverlust zweier unbedingt erhaltenswerter Bauten der Nachkriegsmoderne in Berlin. Und das, obwohl Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Abgeordnetenhaus am 29. April 2016 öffentlich angekündigt hat, dass das Landesdenkmalamt derzeit eine Unterschutzstellung des U-Bahnhofs Schloßstraße prüft.

Der Fall Schloßstraße ist Teil einer breiten Debatte, die die Berliner Landes- wie Bezirkspolitik, die Fachwelt und die Berliner Verkehrsbetriebe derzeit führen: Bereits im März 2016 hatten sich Architekturwissenschaftler_innen aller vier Berliner Universitäten geschlossen für den Erhalt der Berliner U-Bahnhöfe der Nachkriegszeit öffentlich positioniert.

Denn die BVG hat 2015 den Umbau von elf Berliner U-Bahnhöfen mit einer Investitionssumme von rund 70 Millionen Euro angekündigt – und damit das größte Sanierungsprogramm der vergangenen Jahrzehnte. Die BVG muss sich der breiten Kritik jetzt stellen, weil die – unbestritten notwendigen  – Sanierungsmaßnahmen mit erheblichen Umgestaltungen verbunden werden. Weder die Öffentlichkeit noch die Politik, noch externe Fachleute sind in die Planungen einbezogen worden, öffentliche Ausschreibungen für die Arbeiten hat es nach Angaben von BVG-Bauchef Uwe Kutscher nicht gegeben. Inzwischen seien sie aber alle vergeben.

Weitere Arbeiten haben zudem bereits begonnen: Etwa am U-Bahnhof Bismarckstraße (U2/U7)sind die Wandverkleidungen aus silbrig-glänzendem Aluminium entfernt worden und werden durch dunkelgrüne Fliesen ersetzt. Auch der U-Bahnhof Yorckstraße (U7) wird seine gestalterische Identität durch einen Komplettumbau verlieren.

Im Gegensatz zu Berlin entdecken andere Städte derzeit ihr bauliches Erbe unter der Erde: So formiert sich etwa in Bonn eine breite Initiative zum Erhalt des dortigen, seit den 1970er Jahren entstandenen U-Bahnnetzes (vgl.: „Es liegt ein Schatz im Untergrund„, Bonner General-Anzeiger, 16.5.2016). Auch Berlin müsste sich seines europaweit einzigartigen, unterirdischen Erbes deutlicher bewusst werden, eine Forderung, die sich an die Berliner Verkehrsbetriebe, die Denkmalbehörden und die zuständigen Senatsstellen richtet.“

 

 

Bildquellen

  • _MG_3248_neu: Verena Pfeiffer-Kloss

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