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Schlagwort »Architektur«
Städtebau & Architektur →

Höhe, Macht und Maßstab

Der Wettlauf um das höchste Gebäude der Welt ist im vollen Gange und im Internet finden sich diverse Grafiken zu den höchsten menschlichen Bauwerken. Doch folgt man dem Regelwerk des „Council of Tall Buildings and Urban Habitat“ aus Chicago, wie die meisten Medien, ist nicht die totale Höhe eines Gebäudes bei dem Wettlauf entscheidend. Das Büro des Illinois Institut for Technologie ermittelt den Sieger im globalen Wettrennen anhand der Höhe der strukturellen Oberkante des Bauwerkes. Antennen und dergleichen zählen also nicht mit.

Und auch für den Städtevergleich in Sachen Höhe steht ein Bemessungsmaßstab parat. Die Firma Emporis weißt je nach Geschossanzahl einem Gebäude eine Punktezahl zu. Ab 12 Geschossen werden alle Gebäude einer Stadt zusammenaddiert und der Gewinner ist Hong Kong. Bei Wikipedia heißt es, diese Skala würde die „auffälligsten Skylines“ messen. Ob aus diesem Zahlenwert allerdings eine visuelle oder sonstige Auffälligkeit entstehen muss, ist allerdings fraglich.

Hierzu noch die Arbeiten von Nicholas Manion. Denn das Entwerfen, Bezahlen und Beurteilen von Höhe hängt auch irgendwie mit Geld und Macht zusammen.

Für Audiophile noch zwei aktuelle Links des Deutschlandradios (ein Interview mit Werner Sobek, Ingenieur und ein hörenswerter Bericht zur geschichtlichen und aktuellen Hochhausmanie)

Kunst & Kultur →

Mode für den überzeugten Städter und Architekturliebhaber

Stadtplanung und Architektur halten auch in der Modewelt ihren Einzug. So greift beispielsweise die mobile Einsatztruppe Stadt und Stil (mess) – wir berichteten – das Thema Suburbanisierung auf und entwarf neben T-Shirts gegen das Siedeln am Stadtrand auch andere Accessoires und Gebrauchsgegenstände für den überzeugten Städter (siehe hier). Mit den allseits beliebten Buttons oder einer gut gefüllten Kaffeetasse kann man den stillen Protest ebenso wagen wie mit den politisch korrekten T-Shirts, die mit ihren unterschiedlichen Aufdrucken überzeugen.


(foto by mess)

Einen anderen Ansatz verfolgt der UNBUILT SHIRT AWARD 2007. Die oftmals ins Nichts verlaufende Produktion von architektonischen Entwürfen, städtebaulichen Projekten und Visionen haben hier die Chance einer Realisierung anderer Natur. Die oftmals mit einem hohen grafischen Potential gestalteten Entwürfe finden Verwendung auf den Vorder- und Rückseiten von T-Shirts. Bis zum 29.06.2007 können Stadtplaner, Architekten, Landschaftsplaner, Ingenieure und Graphikdesigner ihre ungebauten Entwürfe einreichen, aus denen dann die besten 10 auf T-Shirts recycelt werden. Frühere Kollektionen können auf folgender Webseite bestellt werden.


(foto by unbuilt)

Ein weiteres modisches Accessoire ist in Dresden erlebbar. Als Teilprojekt einer Diplomarbeit wurde die Dresden Brille „Silhouette“ entwickelt. Ausgangspunkt ist die Position der Stadt Dresden, ihre durch den Maler Canaletto verewigte Silhouette aus der Barockzeit als Status Quo für die Zukunft des baulichen Stadtbildes der Innenstadt festzusetzen. Dass die Stadtsilhouette dabei nicht nur durch die barocken Baumeister geprägt wurde, scheint dabei nicht zu interessieren. Somit werden Projekte, die nicht in dieses Bild passen, abgerissen und verändert. Eine Prägung der Stadt durch zeitgenössische Bautradition ist undenkbar. Die Dresden Brille spiegelt die Entwicklung der Silhouette wieder. Als Serie konzipiert wird ihre erste Auflage den Stand der “Skyline” von 2005 wieder geben. Erhältlich im Museumsshop des neuen Ausstellungsgebäudes an der Brühlschen Terrasse.


(foto by urbikon)

Grüne Stadt →

Grüne Stadtvisionen

Das Entwickeln von Utopien gehörte lange zum festen Bestandteil des Architekturberufes, bis die 50er und 60er Jahre dieses Unterfangen etwas aus der Mode brachten. Heutige visionäre Stadtentwürfe haben vor allem Nachhaltigkeit als zentralen Punkt.

Mit den zukünftigen Faktoren der Stadtentwicklung und dem kreativen Umgang mit diesen, handelt die dritte Architekturbienale in Rotterdam. Wer es nicht schafft dort vorbeizuschauen oder gerne einen Vorgeschmack hätte, kann sich schon mal bei youtube eine Arbeit von INABA Projekts angucken, welche dort in der Rubrik „Visionary Power“ gezeigt wird.

(Quelle: screenshots bei youtube)

Unter dem Titel „Moor’s law meets sustainability“ wird eine positive Stadtvision beschworen, in der der stetige technische Fortschritt die Städte von Energieverbrauchern in Energieerzeuger verwandelt und sie zum fliegen bringt. Dies ist nicht so einfach zu glauben, hat eben dieser Fortschritt doch erst die vielleicht globalen Katastrophenszenarien heraufbeschworen.

Eine realisierbare Version der grünen Stadt präsentierte Norman Foster unlängst für Abu Dhabi. Nach den Entwürfen soll sie zwar keine Energie produzieren, jedoch weder Müll noch CO2 ausstossen, welches sie nicht wieder verarbeiten kann. Und das wäre doch auch schon ein grosser Schritt weg von der Feindschaft zwischen Mensch und Natur.

(Quelle: www.building.co.uk)

>>>>>>Nachtrag vom 27.06.

Es passt zwar nicht direkt thematisch in den Artikel, aber Norman Foster scheint mit seiner Stadtvision in einen Plagiatsverdacht geraten zu sein. Wie die Baunetzwoche berichtet, ähnelt die Stadt sehr stark einem Entwurft von Rem Koolhaas. Auch er ist quadratisch, ca. 5 km¬? groß und nimmt in Anspruch, CO2-neutral zu sein.

Kunst & Kultur →

SPROUTBAU – Ein Wohnexperiment


(foto by Sproutbau)

Freunde temporärer Nutzungen und die, die es einmal werden möchten, sollten in diesem Sommer ihr Augenmerk auf ein vielversprechendes Projekt in Bremen-Tenever lenken: Man stelle sich eine typische Stadtrandgroßwohnsiedlung mit etwa 30 jähriger Geschichte vor, die gegenwärtig für die Stadt Bremen eine große Herausforderungen im Umgang mit Wohnungsleerstand und segregierten Bevölkerungsgruppen bedeutet. Eine aufgeschlossene und motivierte Bewohnerschaft hat zusammen mit Verantwortlichen aus Bürgerschaft, Wohnungsbauunternehmen und engagierten sozialen Trägerschaften zu beispielhaften Erfolgen in der Aufwertung der Gebäude, des Wohnumfeldes und nachbarschaftlicher Beziehungen beitragen können.

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Kunst & Kultur →

Erfunden statt Entworfen – das Pile-Up

Mit den Worten „und wer hot’s erfunden“ beginnt der Leitartikel der aktuelle Baunetzwoche über das Schweizer Bauvorhaben „pile up“ von Hans Zwimpfer. Interessanter als den Schwerpunkt des Online-Magazins auf die Beschreibung des Projektes zu legen, ist die Tatsache, daß es sich hierbei um das erste patentierte Raumkonzept, zumindest in Europa, handelt. Für einen Architekten ist dabei die Möglichkeit der Patentierung ebenso befremdlich, wie die Verwendung des Wortes „Erfindung“ im Zusammenhang mit dem Entwerfen von Gebäuden, welches eine juristische Voraussetzung für eine Patentierung ist. Kann doch das architektonische Entwerfen und vielleicht auch das gesamte künstlerische Schaffen als nichts anderes, als ein Kopieren, Abändern und Neu-Kombinieren bereits vorhandener Ideen gesehen werden. Das Wort „Erfinden“ fällt in diesem Zusammenhang äußerst selten.

(Das „Original“: Das Pile-UP von Hans Zwimpfer. Quelle: www.zapco.ch)

Schaut man sich das Projekt an, so fallen einem auch gleich ähnliche Projekte ein. Das „Kölner Brett“ oder gar die „Unité d’Habitation“ sind zwar nicht genau das Gleiche, doch ohne sie ist auch das „pile up“ kaum vorstellbar. Dieser Vergleich führt zu der Frage, wo die Grenze zwischen dem Kopieren (oder dem Recht der Kunst zu zitieren und zu interpretieren) und dem Schaffen oder „Erfinden“ von etwas „Neuem“ liegt? Und als Zweites: Welche Konsequenzen hätte eine Entwicklung hin zu vermehrter Patentierung in der Architektur?


(Ein- und Doppelgeschossiger, gestapelter Wohnungsbau, wie beim Pile-up. Das „Kölner-Brett“. Quelle: www.brandlhuber.com/koelnerbrett/)
Dieses Dilemma wird auch an dem ersten Rechtsstreit sichtbar, den die erste Patentierung gleich mit sich brachte. Hans Zwimpfer beschuldigt das Büro 10:8 in einem Wettbewerbsbeitrag für Guggach bei Zürich seine Idee in wesentlichen Punkten kopiert zu haben.

(Geklautes Patent? Entwurf und Quelle: Büro 10:8)

Ließt man sich das Interview in der tec21 mit den Beteiligten von Pile-Up durch und verfolgt die Entwicklung des Projektes, so erweckt es dann auch den Eindruck das wirtschaftliche Motive bei der Patentierung im Vordergrund standen. Über die Firma Zapco Ltd. soll das Konzept als Marke an verschiedenen Orten verkauft und dort angepasst werden. Die Firma streicht die Nutzungsgebühren ein und steht beratend zur Seite, wie dies bereits mit einem schwedischen Architekten geschieht.

Wann diese Entwicklung auf den großen Kanton Deutschland überspringt und welche Auswirkungen es dann zeigt, ist zu diesem Zeitpunkt schwer vorauszusagen. Bis dahin lohnt vielleicht ein vergleichender Blick im neuen Museum für Plagiarismus in Köln.

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