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Schlagwort »Bierpinsel«
Städtebau & Architektur →

Während Bonn schon denkt, wird in Berlin noch kahl geschlagen.

 

Bald abgebaut: Rümmlersche Wolkendecke im U-Bahnhof Halemweg.

Bald abgebaut: Rümmlersche Wolkendecke im U-Bahnhof Halemweg.

Die Initiative Kerberos Berlin fasst heute in folgender Pressemitteilung den aktuellen Stand zur Zerstörung der nachkriegsmodernen U-Bahnhöfe Berlins zusammen:

Die Situation um den U-Bahnhof Schloßstraße spitzt sich zu, die Architektin des U-Bahnhofs Schloßstraße, Ursulina Schüler-Witte, bezeichnet die Pläne für den umgebauten Bahnhof als „Karikatur“ ihres Entwurfs und droht mit einem Baustopp. Ihr Urherberinnenrecht könnte einen kostenintensiven Rückbau zur Folge haben.

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Radikal Modern. Planen und Bauen im Berlin der 1960er-Jahre – Ausstellung in der BG

Die Berlinische Galerie zeigt seit Ende Mai eine neue Schau mit dem Titel „Radikal Modern. Planen und Bauen im Berlin der 1960er-Jahre“. Das Berlin der 1960er-Jahre war hinsichtlich der Architektur und des Städtebaus geprägt vom Wettkampf der Systeme zwischen Ost und West. Nach vollbrachtem Wiederaufbau der dinglichsten Bauten folgte eine Phase der Visionen, die oftmals von einem ausgesprochen optimistischen Zukunftsbild motiviert war. Viele der Bauten sind heute noch erhalten und prägen weiterhin Berlins Stadtbild. Und auch einige Bauten, die erst weitaus später realisiert wurden, wurden in den 60er-Jahren angestoßen, so auch das ICC.

Bekannte und neu entdeckte Originalmaterialien verdeutlichen politische, gesellschaftliche und bautechnische Visionen für den Aufbau einer zerstörten und durch den Mauerbau gespaltenen Metropole. Anhand ausgewählter Planungen werden Fragen nach Zielsetzungen, Gemeinsamkeiten und Unterschieden gestellt.

Begleitend zur Ausstellung gibt es ein Blog sowie eine feine App für iOS und Android, die der App Archimapa in Warschau ähnlich ist. Die Ausstellung läuft bis zum 26. Oktober 2015.

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Buchankündigung: Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte

Internationales Congress Centrum Berlin

Das ICC im Herbst 2010

Um das Werk von Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte ist es aktuell nicht gut bestellt: Das ICC steht leer, die Messegesellschaft fordert immer wieder lauthals den Abriss und die Politik ist offensichtlich konzeptlos, diskutiert seit Jahren über die Zukunft des Gebäudes und wirft immer aberwitzigere Ideen zur Nachnutzung in den Ring. Der Bierpinsel rottet seit 2011 vor sich hin, auch weil die Bezirkspolitik und -verwaltung der vermeintlich „temporären“ Graffiti-Aktion mangels eigener Ideen zustimmte und seither offenbar machtlos den Zustand des Turms hinnimmt. Und der U-Bahnhof Schloss-Straße steht offenbar eine Entstellung durch „Verschönerung“ durch die BVG unmittelbar bevor, wie Peter Neumann in der Berliner Zeitung vor kurzem frohlockte.
Umso wichtiger endlich diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die Berlin diese außergewöhnlichen Bauwerke schenkten: Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Das vor dem Tod ihres Mannes begonnene Buchprojekt hat Frau Schüler-Witte nun vollendet und erzählt darin von den gemeinsamen Lebens- und Arbeitsjahren:

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Wir müssen darüber reden: Der problematische Umgang der BVG mit ihrem architektonischen Erbe

Die originalen Lampen sind ausgeschaltet, stattdessen werden Halbkugelleuchten benutzt. Auch zu sehen: die grüne Farbe, die aktuell auf den Sichtbeton aufgebracht wird.

Umgestaltung im U-Bahnhof Schlossstraße: Auf den Sichtbeton wird eine grüne Farbe aufgebracht, die Stationsschilder werden durch neue ersetzt (rechts), die mit glatter Oberfläche, einer anderen Schrifttype und lediglich aufgemalten Einkerbungen wenig mit dem Original zu tun haben. Die originalen Lampen in den gelben Auskragungen sind bereits ausgeschaltet, stattdessen werden Halbkugelleuchten an der Decke genutzt.

Der Abriss von Rainer Rümmlers ikonischem Eingangspavillon am Berliner U-Bahnhof Bayerischer Platz (eröffnet 1971) war der erste wirklich sichtbare Akt einer besorgniserregenden Entwicklung: seit Jahren werden kleinere, aber dafür nicht minder zerstörende Maßnahmen wie das unsensible Austauschen von Bodenbelägen, Stützenverkleidungen, Wandkeramik oder willkürliche Neuanstriche und konzeptionslose Folienbeschichtungen in Bahnhöfen wie Bismarckstraße, Fehrbelliner Platz, Bundesplatz, Nauener Platz, Osloer Straße, Adenauer Platz Richard-Wagner-Platz und anderen Bahnhöfen vollzogen und blieben dabei leider weitgehend unbemerkt. In den letzten Tagen wurden erneut Pläne zur Sanierung von U-Bahnhöfen bekannt, die beispiellos substanzzerstörend sind.

Dabei gehört das ungewöhnlich umfangreiche und erstaunlich epochengemäße U-Bahnnetz, das während der Teilung der Stadt auf West-Berliner Seite um über 80 Stationen erweitert wurde, zu den Spezifika Berlins. Während die Bahnhöfe, die bis 1960 entstanden sind fast alle unter Denkmalschutz stehen, erleiden die Bahnhöfe der Technikmoderne gerade einen Sanierungsschlag, der nichts mehr von diesem Erbe übrig lassen wird.

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Ein Herz für schöne Bausünden

Kaufhaus in Regensburg. Quelle: Karl Seehausen via aspekte.zdf.de

Über Geschmack lässt sich streiten – und auch darüber, was eine Bausünde ist. „Eine gute Bausünde hat einen sehr starken Wiedererkennungswert, hat Mut, greift daneben und sprengt den Kontext“, wie die Architekturhistorikerin Turit Fröbe in einem sehenswerten Beitrag auf dem Themenportal „Die schönsten Bausünden“ der Sendung „aspekte“ formuliert. Auf ihrem Gang durch Bielfelder Einfamilienhaussiedlungen zeigt sich ihr humorvoller Blick auf die Architektur-Skurrilitäten, die es überall zu entdecken gibt.

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