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Schlagwort »Crowdsourcing«
Digitale Stadt →

Civic Hacking – Bürgerengagement und urbane Mitgestaltung am Beispiel „Hack your City“

Dieser Artikel erschien in der Planerin, 03/2015 zum Thema „Digital vernetzt – die nutzergenerierte Stadt“

Hack Your City in Berlin

Hack Your City in Berlin (Bild: Y. Haan)

Dank der immer weitergehenden gesellschaftlichen Durchdringung des Internets steigt auch der Grad der digitalen Vernetzung der Gesellschaft stetig an. Das Internet inklusive mobiler Endgeräte bietet mit seiner einfachen Handhabung sowie der orts- und zeitunabhängigen Einsatzmöglichkeit ganz neue Optionen zu kollaborieren, Daten zu erfassen und sich zu organisieren. Smartphones ermöglichen Kommunikation und Datenerfassung an nahezu jedem Ort, Open-Source-Programme geben bislang Experten vorbehaltene Programme in die Hände aller, und kleinste Sensoren können von jedermann eingesetzt und miteinander vernetzt werden. Zudem finden sich Bedienungsanleitungen, Foren und Problemlösungen tausendfach im Netz. Nie zuvor war die Möglichkeit so groß, dass Menschen sich selbst Technologien aneignen, damit experimentieren und konkrete Probleme lösen – und zwar mit nur geringem Kostenaufwand.

Dieses Potenzial geht einher mit dem Trend des Selbstmachens. Immer mehr Bewohner wollen mitentscheiden können, wie ihr Umfeld in der Zukunft gestaltet wird. Dieser Trend speist sich einerseits aus den vielfältigen Möglichkeiten, die neue Technologien bieten, aber auch aus einem veränderten Selbstverständnis urbaner Akteure: Klassisches Verwaltungs- und Planungshandeln wird hierbei verstärkt infrage gestellt und kritisch betrachtet. Gleichzeitig – und das ist die positive Kehrseite – agieren diese Akteure zunehmend selbstinitiiert und setzen vielfältige Projekte von sich aus um.

In dieser Verbindung von Technologie und Selbst-Machen entsteht ein spannendes Themenfeld, das innovative Ansätze und Methoden für Mitgestaltung und Teilhabe im urbanen Diskurs ermöglicht und perspektivisch neue Entwicklungsoptionen für Stadtplanung und Verwaltungshandeln bietet.

Civic Hacking

Dieses Themenfeld wird unter dem Stichwort des Civic Hacking subsumiert. Es beschreibt das Phänomen, dass Bürger, Programmierer und urban Engagierte gemeinschaftlich Programme und Anwendungen entwickeln, um kleinteilige Probleme und Herausforderungen in der eigenen Nachbarschaft oder Stadt zu lösen. Hierbei kommen vielfach Open-Data- und Open-Source-Software zum Tragen. Vorreiter ist hierbei die Initiative und NGO „Code for America“, die seit Jahren versucht, Verwaltungshandeln durch Bürgerengagement zu verbessern und zu ergänzen. Ihr Ziel ist es „ganz praktische Aufgaben und Herausforderungen von Städten auf digitalem Weg zu lösen – mit Hilfe von Apps“ (Köhler 2012). Hierbei werden die Möglichkeiten digitaler Technologien für neue Formen von eGovernment, ePartizipation und Bürgerengagement umsetzungsorientiert erforscht.

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Urbane Mobilität →

Mit der App für Radwege demonstrieren

Radwende

Screenshot der Webseite Radwende

Was tun, wenn eine Stadt als fahrradunfreundlichste Stadt Deutschlands bewertet wird, so wie es in Wiesbaden der Fall war? Dann sollte man Aufmerksamkeit für diese Problematik erzeugen und Lobbyarbeit für eine bessere Verkehrspolitik machen. Genau dies setzt das Projekt Radwende in Wiesbaden – und zwar auf wunderschöne und medial interessante Weise –  um. So können die Fahrradfahrer mittels App ihre zurückgelegte Strecken als GPS-Daten sammeln.

Wiesbaden hat im ADFC Test als die fahrradunfreundlichste Stadt Deutschlands abgeschlossen. Schuld daran ist zum einen die fahrradfeindliche Infrastruktur, aber auch die Respektlosigkeit den Radfahrern gegenüber und die fehlende Lobby. Das wollen wir ändern! Und dafür brauchen wir in erster Linie euch, die Radfahrer. Unsere App macht Radfahrer in Wiesbaden sichtbar und nimmt damit Einfluss auf die Gestaltung der Stadt. Das erreichen wir durch die tatsächliche Nutzung der Infrastruktur selbst, also durch eure täglich gefahrenen Strecken. Das Prinzip ist denkbar einfach: wir zeichnen die Strecken einzelner Radfahrer auf und konsolidieren sie auf einer Karte.

Diese Daten werden dann am nächsten Tag im Museum Wiesbaden als analoge Karte ausdruckt, womit eine gelunge Übersetzung digitaler Spuren im Stadtraum erfolgt. Durch diese kollaborative Form der Datenerfassung wird jeder gefahrene Kilometer zu einer Aufforderung die Infrastruktur zu verbessern und die App Radwende zu einem digitalen Tool, um für eine bessere Infarstrukturpolitik zu demonstrieren.

[Danke an Dennis für den Hinwies]

Digitale Stadt →

Crowdsourced StreetView

Mapillary_corwdsourced-streetview

Was mit OpenStreetMap schon für Geodaten vorliegt, nämlich eine crowdgesourcte Datenplattform, gibt es jetzt auch für StreetView. Das Projekt Mapillary hat es sich zum Ziel gesetzt eine Alternative zu Google StreetView zu werden und setzt dabei auf die vielen Daten von Smartphone-Nutzern. Nicht nur, dass das Projekt für nicht-kommerziellen Gebrauch immer kostenlos sein soll, macht es interessant, sondern auch die Tatsache, dass die Daten von Fußgängern und Fahrradfahrern erhoben werden – und somit auch Nebenstraßen, Fußgängerzonen, etc. erfasst werden können.

We believe that there is a need for an independent neutral provider of map photos, untied to any particular mapping platform, and we are committed to building a global service for everyone. Mapillary will always be free for individuals and non-commercial use.

[Danke an Martin für den Hinweis]

 

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Noch mehr Leerstände


Karte der in Kaiserslautern aufgenommenen Leerstände

Nach Hamburg, Frankfurt und Bremen ist der Leerstandsmelder nun auch in Kaiserslautern und Berlin online gegangen. Der Leerstandsmelder ist ein gutes Beispiel für die Idee von kollaborativer Stadtentwicklung, da hier unterschiedlichste Nutzer kollaborativ einen Datensatz kreieren, und diesen für weitere Aktivitäten nutzen können. Die Raumpiraten formulieren dies so:

Um dem Umgang mit Leerständen in Kaiserslautern noch zusätzlichen Schwung zu verleihen, haben sich die raumpiraten nun entschlossen, den Leerstandsmelder in Kaiserslautern zu etablieren. Der Leerstandsmelder soll auch in Kaiserslautern dazu dienen, die Diskussion über „ungenutzte“ Räume zu intensivieren, diese aber auch positiv zu führen. Nach dem Verständnis der raumpiraten sind die Leerstände eben nicht zwingend als Missstände zu sehen, sondern können auch Möglichkeitsräume – im Jargon der Piraten Schatzorte – sein, die es gemeinsam zu erobern gilt (Pressemeldung).

Damit wir noch mehr Leerstände in allen Städten finden, freuen wir uns, wenn unsere Leser selber weitere Leerstände melden.

Anmerkung: Der Autor ist Mitbegründer der Raumpiraten.

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