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Schlagwort »Fahrrad«
Urbane Mobilität →

ADFC beschließt geschützte Radspuren (Protected Bike Lanes) – das Ende vom Radfahren unter Autos (Vehicular Cycling)?

Gemeinsamer Kommentar von Dr.-Ing. Tim Lehmann, Stadtplaner und Mobilitätsforscher (ium, Institut für urbane Mobilität) und Tim Birkholz, Dipl-Ing. Stadt- und Regionalplanung, urbanophil e.V

Nach jahrelangen Diskussionen hat der ADFC auf seiner Hauptversammlung am 13. November 2016 für seine Leitlinien zur Infrastrukturplanung endlich die mögliche Trennung (Separation) von Radspuren zum Autoverkehr an stark befahrenen Hauptstraßen beschlossen. Ein längst überfälliger Schritt. Um zu verstehen, warum diese Entscheidung so schwierig war, muss man weit zurückschauen.

Das Konzept des Vehicular Cycling: Radfahren für starke, sportliche Männer

In den 1970er Jahren prägte John Forester in den USA den Fahrstil des „vehicular cyling“: autoähnliches Radfahren. Damals gab es in US-Städten überhaupt keine Radwege. Um das Rad im Alltag zu nutzen, gab es nur eine Chance: Selbstbewusst im Autoverkehr mitfahren. Die ersten urbanen Radfahrer in den USA waren „strong and fearless“, die Starken und Furchtlosen. Diese Gruppe, in der Regel weiße, sportliche Männer im mittleren Alter, macht etwa 1 Prozent der Bevölkerung aus.

Die Hauptakteure der aufkommenden Radfahrerbewegung der 1980er Jahre in Deutschland entsprechen genau dieser Gruppe der „strong and fearless“. Sie waren Außenseiter im sehr automobil geprägten Deutschland. Wer zu dieser Zeit Fahrrad fuhr, war Überzeugungstäter. Und wenn zu dieser Zeit Radwege gebaut wurden, dann waren die zu schmal, uneben, direkt auf dem Fußweg oder aus vielen anderen Gründen kaum benutzbar. Diese sogenannten „Radwege“ prägen bis heute viele deutsche Städte und das schlechte Bild vieler Menschen von Radwegen. 

Schlechte Radwege und falsch interpretierte Studien bilden den Nährboden für “Vehicular Cycling” in Deutschland

Neben der schlechten Qualität gab es auch noch Studien, die angeblich belegten, dass diese Radwege gefährlich sind. Das ist eine historische Fehldeutung, weil hauptsächlich herauskam, dass vor allem die Einmündungen und Kreuzungen gefährlich sind und anders hätten gebaut werden müssen (ausführliche Erläuterungen zu diesen Fehldeutungen finden sich z.B. hier und hier). Mit anderen Worten: Es gab für die Radaktivisten von früher keinen Grund, Radwege gut zu finden. Es ist also nicht verwunderlich, dass bei vielen der Wunsch entstand, die Straße „zurückzuerobern“. Sie haben jahrzehntelang dafür gekämpft, dass „vehicular cycling“ in Deutschland legalisiert wird, indem sie einen benutzungspflichtigen Hochbord-Radweg auf Bürgersteigen nach dem anderen weggeklagt haben. „Vehicular cycling“ bedeutete für sie, dem Auto wieder Raum wegzunehmen.

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Smartes Radfahren

Technik ist überall – und erreicht nun auch unsere Fahrradhelme. Zumindest wenn es nach den Akteuren von Livall geht, die einen smarten Fahrradhelm entwickelt haben, der mit vielerlei Technik das Radfahren angenehmer und sicherer machen will. Die Kopfbedeckung, die aktuell per Crowdfunding finanziert wird, soll es ermöglichen, Anrufe anzunehmen und Musik zu hören. Sie soll aber auch als Blinker fungieren, mittels einem eingebauten Beschleunigssensor Unfälle erkennen und durch das angeschlossene Smartphone direkt einen Notruf auslösen.

Bling Jet is Livall’s handlebar remote that lets you control the helmet, including the turn signals. With the Jet, you can select, start, or pause songs playing through the helmet’s speakers. It also has a photo button that activates your phone’s camera. Stills and video are recorded in the Livall riding app. (digitaltrends)

Da kann man nur hoffen, dass man vor lauter medialer Möglichkeiten nicht abgelenkt wird vom Radfahren. Aber sinnvolle Sicherheitsmaßnahmen hat der Helm auf alle Fälle.

Übergizmo hat sich den Helm auf der IFA genauer angesehen.

 

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Protected Intersection

Was nützen wunderbar geschützte oder abmarkierte Fahrradspuren, wenn die Kreuzungen die eigentliche Gefahrenquelle sind. Eine Lösung ist die geschützte Kreuzung, protected intersection, die der Stadtplaner Nick Falbo für einen Wettbewerb kompakt in einem Video erklärt. Er bezieht sich hierbei auf den niederländischen Fahrrad-Aktivisten Mark Wagenbuurs und sein Blog Bicycle Dutch, das definitiv auch einen Besuch lohnt.

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Rezension „Aspekte des städtischen Radverkehrs“ von Karsten Michael Drohsel, Arvid Krenz, Jörg Leben und Vanessa Lösche (Hrsg.)

Seit 1971 werden am Verkehrswesenseminar der TU Berlin Texte und Berichte verfasst. Sei es als Ergebnis von Projekten oder als erste wissenschaftliche Arbeit von Studierenden. Nun sind, man könnte sagen endlich, einige Arbeiten veröffentlicht worden. Endlich, da bisher auch herausragende Arbeiten oftmals sang- und klanglos in den Schubladen versanken und nach fünf tristen Jahren, so will es der Datenschutz, vernichtet wurden. Das soll sich nun möglichst dauerhaft ändern, denn mit der neu gegründeten Schriftenreihe sollen herausragende und/oder interessante Arbeiten fortlaufend öffentlich zugänglich gemacht werden. Dabei geht es aber nicht ausschließlich um das Publizieren, vielmehr ist die Reihe darüber hinaus ein großes Lehr- und Lernprojekt des Verkehrswesenseminars: Für die Autorinnen und Autoren, um mit ihren Texten vertiefter umzugehen, für die Herausgeber, um zu lernen, Studierende intensiver zu betreuen, Texte zu redigieren und ein Buch zusammen zu stellen, das einem Thema folgt.

Abb.: Cover der Publikation, Gestaltung Fine Heininger

Abb.: Ausschnitt aus dem Cover der Publikation, Gestaltung Fine Heininger

Die Schriftenreihe ist, der den Herausgebern gemeinsamen Leidenschaft für Musik geschuldet, wie ein Schallplattenlabel gedacht, was es ermöglicht sowohl ›Alben‹ als auch ›Singles‹ und ›Compilations‹ veröffentlichen zu können.

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Groningen – The World’s Cycling City

Vor gut zwei Jahren haben wir euch an dieser Stelle bereits die Grünphase für alle in Groningen vorgestellt. Jetzt haben die Leute von Streetfilms das niederländische Groningen etwas ausführlicher portraitiert als The World’s Cycling City. Bereits Anfang der 1970er wurde hier die Mobilitätspolitik der Stadt drastisch geändert und auf das Fahrrad gesetzt.

Die besagte Grünphase ist dabei nur eine von zahlreichen Maßnahmen, die ergriffen wurden. Es zeigt sich – und das wird in dem Film auch explizit gesagt – dass ein paar Radstreifen hier und eine paar Fahrradständer dort nicht zu einem Umdenken führen, sondern ein ganzes Bündel an Maßnahmen notwendig ist.

Sei es die radfreundliche Verkehrsführung in der Groninger City oder die Fahrradparkhäuser (Mehrzahl!) an der Hoofdstation (Hauptbahnhof) mit insgesamt über 10.000 Stellplätzen, es ist einfach beeindruckend, was hier alles möglich ist. Selbst der dortige IKEA-Markt hat mietbare Lastenfahrräder, die den Filmemachern zufolge vor allem von den 50.000 Studierenden genutzt werden.

Nicht alles, was gezeigt wird, ist extrem neu und innovativ, aber die Bandbreite und konsequente Durchführung beeindruckt ungemein und kann gerne in der ein oder anderen Stadt als Vorlage dienen. Schön wäre es!

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