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Schlagwort »Gentrifizierung«
Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Potemkinsches Dorf

Als die russische Zarin Katharina II 1787 ihre neu eroberten Gebiete auf der Krim besichtigte, ließ der damalige Gouverneur Grigori Potjomkin in den Dörfern Kulissen aufstellen, die ihren schlechten Zustand übermalen sollten. Den umgekehrten Weg gehen die aus dem Street-Art kommenden Künstler fauxreel und Specter in ihrem „City renewal project“ in Toronto. Die detailgenauen Herstellungen von Fassaden sind Rekonstruktionen von geschlossenen Läden der Umgebung. Sie verschwanden im Zuge der Gentrifizierung von Stadtteilen und sollen als zweidimensionale Wiederauferstehung an den Verlust dieses Wandels erinnern. Zwangsläufig befinden sich die Rekonstruktionen bis auf die Eingangsfront im inneren einer Werkhalle. Auch ohne das Projekt besuchen zu können, erzählt das Video viel über die Macht von Fassaden.
(Weitere Informationen und Bilder beim Torontoist)

Städtebau & Architektur →

Neues Wohnen für das Auto

Für Menschen, denen das Auto Gold wert ist, gibt es nun eine Art Balkon für das Auto. „Downtown, umschlossen vom Grüngürtel des Landwehrkanals“ (so die Werbung) stehen ab Oktober Wohnungen mit einer so genannten Carloggia zum Bezug bereit.
Der Erfinder Herr Dick, hat nun ausgerechnet in Kreuzberg in den Paul-Linke-Höfen den Prototyp gebaut – „in einem Viertel, in dem gerne mal Navigationsgeräte aus dem Auto geklaut werden“, wie er sagt.
Diese Carloggia wurden wegen dem sonst teuren Garagenbau auch für den Komfort gebaut, damit man den Einkauf vom Auto direkt in die Wohnung tragen kann oder die eingeschlafenen Kinder im Auto weiterschlummern können. Und man selber kann auch ohne Sorgen schlafen, denn das geliebte Auto steht genau neben dem Schlafzimmer, nur von einer Glastür getrennt.
Mit Verdrängung hat aber dieser Bau nichts zu tun, versichert Christoph Berger, der mit seiner Firma am Bauprojekt beschäftigt ist. „Ich habe das multikulturelle Kreuzberg immer so verstanden, dass dort Platz für jeden ist, und da finde ich nicht, dass man unseren Kundenkreis ausschließen darf.“ Berger weiter: „Veränderungen sind nicht immer schlecht, man schaue sich den Bezirk Prenzlauer Berg an. Was wurde damals, als der Kiez hip wurde, nicht alles befürchtet – und jetzt finden”s alle toll, wie positiv er sich gewandelt hat.“
Die Carloft-Wohnungen von 224 bis 540 qm kosten ab 1000 Euro pro qm. Luxusausstattung wie Kamin und Sauna nicht enthalten, auch die 500 Euro Hausgeld für den Doormann-Service etc. sind nicht inklusive.
Wer solch ein Loft besitzt, dem kann wenigstens in Kreuzberg nicht mehr das Luxusauto abgefackelt werden.

Quelle: www.sueddeutsche.de/ und http://jungle-world.com/

Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Von Großprojekten, Schulbussen und dem grünen Friedrichshain

Wenn Frau Junge-Reyer meint, dass es keine Verdrängung durch ein Projekt wie Mediaspree geben wird, dann empfehlen wir ihr dieses Video [via Stralau-Blog], welches die Topsanierung eines Wohngebäudes in der Warschauer Str. (bei Google Maps) bewirbt. Hier zeigt sich deutlich, wie auch das nähere Umfeld von einem Großprojekt betroffen ist. Zwar sind die Auswirkungen nicht direkt, aber doch langfristig spürbar. Und dass als Folge die ärmeren Bewohner wegziehen, bestätigt sogar H. Häußermann, in einem Interview, in dem er Vorschläge macht, wie man die Soziale Mischung von Stadtvierteln erhalten kann. Lesenswert!

Überraschend an dem Werbevideo ist, in welch positives Licht Friedrichshain gerückt wird. Grün, familienfreundlich und nur „einen Steinwurf vom Alex entfernt“. Schön zu hören.

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Streetart – Vorbote der Gentrifizierung?

Zwei Pioniere der Gentrifizierung?!

Streetart gilt allgemein als eine Kunstform und wird von so manchem beim Besuch einer fremden Stadt als Hinweis auf die interessanten Orte dieser Stadt gesehen. Quasi als Indikator für das kulturelle Potential einer Stadt. Schon Friebe/Lobo schrieben in ihrem Buch (S.148), dass Streetart als ein „untrügliches Indiz“ für „Orte des sozialen Auf- und Umbruchs“ gesehen werden kann.

In diesen Betrachtungen ist Streetart positiv konnotiert. Eine New Yorker Künstlergruppe sieht das anders. Neben der Kritik an der Kommerzialsierung, richtet sich der Blick auch auf den Aspekt der Gentrifizierung. In ihrem Manifest schreiben sie:

“Street art gives the green light to investors, becomes that repugnant drug of tourism, and speeds the process of gentrification. By making the ghetto “beautiful”, the street artists neatly wipes her hands of any responsibility to examine underlaying social or economic oppressions at play and instead revels in her own mystified vanguardism.” (via rebelart.net)

Um ihrer Meinung auch Ausdruck zu verleihen, übermalen sie Werke bekannter Künstler (wie etwa von Bansky) mit Farbe. Daher auch ihr Name Splasher (Spritzer).

Ob das die richtige Antwort ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden – oder die Werke sammeln, denn sie bringen bestimmt bald Geld, wie das Kunstmagazin art spekuliert (spiegel.de). Und dann warten wir noch auf den Streetart-Index, der Immobilienunternehmen das nächste heiße Stadtquartier vorhersagt.

Hierbei sei noch die Ausstellung zum Thema empfohlen: urban affairs.

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Diskussion: Stadtumstrukturierung – Neukölln goes Friedrichshain?

Wem gehört Neukölln?

Unter dem Thema „Stadtumstrukturierung – Neukölln goes Friedrichshain?“ sollen folgende Fragen diskutiert werden: Was meint das Wörtchen Gentrifikation und was bedeutet Stadtumstrukturierung für Neukölln und seine BewohnerInnen? Wird Neukölln das neue Friedrichshain?
ReferentInnen: Andrej Holm (Stadt- und Regionalsoziologe) und eine
Aktivistin der Kampagne Mediaspree versenken(angefragt)

Wann: 9. April | 20 Uhr

Think global. Act local
Diskussionsabende der AG Globale Soziale Rechte in der Friedel 54, Friedelstr. 54 (U Hermannplatz)

www.globale-soziale-rechte.org

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