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Schlagwort »Habitat III«
Stadtentwicklung & Stadtpolitik →

Habitat III – ein kritischer Rückblick

Dies ist der dritte Artikel in unserer Reihe zur Habitat III Konferenz in Quito. Laura v. Puttkamer, die auch unter www.parcitypatory.org bloggt, war vor Ort und schildert uns ihre Eindrücke.

dav Eine Woche ist es nun her, dass das Megaevent Habitat III sich dem Ende zuneigte. Inzwischen sind alle wieder zuhause und konnten reflektieren, was denn eigentlich in vier chaotischen, vollen, inspirierenden und anstrengenden Tagen passiert ist.

Die einfache Antwort ist: nicht viel. Die New Urban Agenda war bereits vor der Konferenz in Ecuadors Hauptstadt Quito beschlossen und es wurde nichts mehr daran geändert. Daher war Habitat III letztendlich vor allem eine große Feier der Agenda.

Die längere Antwort ist: Zuerst einmal haben alle Teilnehmer*innen sich gefreut, dass dem Thema Stadtentwicklung inzwischen ein eigenes Event gewidmet ist, auch wenn es in der Habitat-Form zu selten stattfindet.

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Interview mit Klaus Teschner

Panorama von Quito

Blick auf Quito (Bild: Quito Lights by El Freddy via flickr)

Klaus Teschner ist Architekt und Stadtreferent bei Misereor mit regionalen Schwerpunkten auf Afrika und Lateinamerika. Außerdem ist er Vorstandsmitglied des Vereins TRIALOG e.V., der regelmäßig Magazine zu Themen des Planens und Bauens im Globalen Süden veröffentlicht. Laura v. Puttkamer hat mit ihm über die New Urban Agenda, die im Oktober bei der HABITAT III Konferenz verabschiedet werden soll, gesprochen. Dies ist damit der zweite Teil der Artikel-Serie zur New Urban Agenda.

Was sind die drei größten Kritikpunkte an der New Urban Agenda?

Zuerst einmal ist die Agenda eine Ansammlung von ganz vielen wichtigen Punkten und guten Sätzen (zum Beispiel „nobody should be left behind“) geworden. Man wird kaum etwas finden, das fehlt, allerdings ist vieles von einer unverbindlichen Qualität, aus der man keine Regierungsverpflichtungen ableiten kann. Ich finde vor allem enttäuschend, dass die durchaus realistisch erscheinende Hoffnung, die neue Agenda könnte konkrete Anleitungen zur Umsetzung der Nachhaltigen Entwicklungsziele (der SDGs) für den städtischen Raum beisteuern, sich nicht erfüllt hat. Statt sich auf klare Ziele und deren Umsetzung zu konzentrieren, verliert sich der Text der New Urban Agenda in einer Fülle von 175 Absätzen mit weitschweifigen Aussagen, die immer weiter zur Unverbindlichkeit hin verwässert wurden.

Ein zentraler Kritikpunkt der weltweiten Habitat-Netzwerke, also der Habitat International Coalition und der International Alliance of Inhabitants ist, dass bei all den vielen guten Prinzipien nicht gesagt wird, wie man sie umsetzen soll. Daher besteht die Gefahr, dass Grundsätze wie etwa das Ziel inklusiver, lebenswerter Städte („nobody should be left behind“) oder die Verhinderung von Vertreibungen und die Einhaltung von Menschenrechtsstandards – soweit dies überhaupt in einem Nebensatzerwähnt ist – im Leeren bleiben. Die Verknüpfung zwischen Prinzipien und konkreten Bezügen darauf im Bereich der Handlungsanweisungen fehlt in der Agenda.

Zweitens sehen die Habitat-Netzwerke es als Problem, dass HABITAT als umfassendes Konzept, das sich ganz allgemein auf menschliche Siedlungen und deren Entwicklung bezieht, de facto aufgegeben wurde. Nun fokussieren sich die Vereinten Nationen stark auf die aktuelle rasante Verstädterung der Welt und das Thema Stadt. Es hat natürlich eine gute Seite, dass Urbanisierung erstmals als positiver Prozess anerkannt und akzeptiert wird. Andererseits folgt diese Fokussierung auch einem Geschäftsinteresse, da Städte die größten Märkte und dynamischsten Wirtschaftselemente sind. Es wäre aber ein großer Fehler, die ländlichen Räume nicht mehr im Blick zu haben. Die riesige Frage, was überhaupt eine gute und für die Umwelt tragbare räumliche Entwicklung ist, muss in einer Weise behandelt werden, die nicht einfach von „unvermeidbarer Urbanisierung“ ausgeht, sagen die Netzwerke.

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