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	<title>URBANOPHIL &#187; Interview</title>
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	<description>Netzwerk für urbane Kultur e.V.</description>
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		<title>Die Stadt mitgestalten &#124; Urbanophil bei DRadio Wissen</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 16:52:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Höffken</dc:creator>
				<category><![CDATA[urbanophil]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<description><![CDATA[Unter dem Motto &#8220;Urban Blogging &#8211; Die Stadt mitgestalten&#8221; werden morgen zwei Urbanophile, nämlich Verena und ich über verschiedene Blogs sprechen, die sich mit urbanen Themen befassen &#8211; natürlich auch über Urbanophil. Außerdem wird die Frage diskutiert, &#8220;wie Bürger via Netz Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen&#8221; können. Anders gesagt wollen wir diskutieren, welche Auswirkungen urbane [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unter dem Motto &#8220;<a href="http://wissen.dradio.de/urban-blogging-die-stadt-mitgestalten.126.de.html?dram:article_id=13938">Urban Blogging &#8211; Die Stadt mitgestalten</a>&#8221; werden morgen zwei Urbanophile, nämlich <a href="http://www.urbanophil.net/index.php/uber-uns/verena_pfeiffer/">Verena </a>und <a href="http://www.urbanophil.net/index.php/uber-uns/stefan-hoffken/">ich </a>über verschiedene Blogs sprechen, die sich mit urbanen Themen befassen &#8211; natürlich auch über Urbanophil. Außerdem wird die Frage diskutiert, &#8220;wie Bürger via Netz Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen&#8221; können. Anders gesagt wollen wir diskutieren, welche Auswirkungen urbane Blogs inzwischen auf die Stadt haben und welche Möglichkeiten für Engagement und Beteiligung sich daraus ergeben. Denn die digitalen Urbanisten (so haben <a href="http://www.urbanophil.net/index.php/uber-uns/christian-kloss">Christian </a>und ich die urbanen Blogger in einem <a href="http://www.google.de/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=digitalen%20urbanisten&amp;source=web&amp;cd=1&amp;ved=0CB8QFjAA&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.vhw.de%2Ffileadmin%2Fuser_upload%2FForum_Wohneigentum%2FPDF_Dokumente%2F2011%2FFWS_4_2011%2FFWS_4_11_Hoeffken_Kloss.pdf&amp;ei=2erhTuysFs26-AakhpTrBQ&amp;usg=AFQjCNERTm8a0zvMNLwXhENvE6rRLjM4JA&amp;cad=rja">Artikel </a>bezeichnet), eröffnen ganz neue Möglichkeiten für den Umgang mit Stadt und sind die diejenigen, die den durch das Internet enstehenden &#8220;Paradigmenwechsel&#8221; (<a href="http://cpe.arubi.uni-kl.de/">B. Streich</a> auf unserer <a href="http://bloggingthecity.de/konferenz-programm/">BtC-Konferenz</a>) in der Praxis erforschen.</p>
<p>Reinhören geht morgen, Samstag, ab 11 Uhr auf <a href="http://wissen.dradio.de/urban-blogging-die-stadt-mitgestalten.126.de.html?dram:article_id=13938">DRadio Wissen</a>.</p>
<p>P.S. Über Rückmeldungen, andere Sichtweisen und weitere Link-Hinweise freuen wir uns. Damit die Diskussion weitergeht und die urbanen Blogger sich weiter vernetzen.</p>
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		<title>Gespräch zur Baugruppe R50 in Berlin</title>
		<link>http://www.urbanophil.net/stadtentwicklung-stadtpolitik/gesprach-zur-baugruppe-r50-in-berlin/</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Jul 2011 11:04:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Berkes (Gastautor)</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtentwicklung & Stadtpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Baugruppe]]></category>
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		<category><![CDATA[Gentrifizierung]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein ausführliches Gespräch zwischen Jesko Fezer und Christian Berkes über Planungsverständnisse, die Organisation von Gruppenprozessen, Gentrifizierung und manchmal unübersichtliche Begehren in der Architektur. Soziale Wohnformen und flüchtige Begehren &#160; CB: Du bist gemeinsam mit ifau (institut für angewandte urbanistik) und dem Büro Heide &#38; von Beckerath einer der Architekten des Baugruppenprojektes R50 in Berlin. Worum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-large wp-image-11899" src="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2011/07/Situativer-Standard-SW-02B-460x346.jpg" alt="" width="460" height="346" /></p>
<p>Ein ausführliches Gespräch zwischen Jesko Fezer und Christian Berkes über Planungsverständnisse, die Organisation von Gruppenprozessen, Gentrifizierung und manchmal unübersichtliche Begehren in der Architektur.</p>
<p><span id="more-11884"></span></p>
<p><strong>Soziale Wohnformen und flüchtige Begehren</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>CB: Du bist gemeinsam mit ifau (institut für angewandte urbanistik) und dem Büro Heide &amp; von Beckerath einer der Architekten des Baugruppenprojektes R50 in Berlin. Worum geht es für dich bei diesem Projekt?</p>
<p>JF: Im Prinzip nehme ich zwei Perspektiven ein. Die eines Architekten und die eines Mitglieds der Baugruppe. Aus der Sicht des Architekten ist das Projekt in der Ritterstraße 50 das Ergebnis einer längeren Auseinandersetzung mit Wohnungsbau, mit dem Phänomen Baugruppen und auch mit der Möglichkeit und der Idealität von Genossenschaften. ifau und ich haben zusammen – in den Jahren bevor wir die Baugruppe initiiert und das Projekt entwickelt haben – immer wieder architektonisch und auch in Gesprächen mit baugenossenschaftlichen Akteuren, die Frage erörtert, wie man nach der Abschaffung des sozialen Wohnungsbaus „sozialen Wohnungsbau“ machen kann. Das Projekt steht letztlich in dieser Diskussion. Es ist nicht Ergebnis der Diskussion, es ist nicht die richtige Antwort auf die Fragen, aber es ist vor diesem Hintergrund entstanden. Und hier liegt auch das architektonische Ziel: Ein Projekt umzusetzen, welches sich städtebaulich, ökonomisch sowie bezüglich des Zusammenwohnens und der internen Organisation einer Gruppe mit der Frage auseinandersetzt: Kann man neue soziale Wohnformen entwickeln?</p>
<p>CB: Kann man sagen, dass das Baugruppenprojekt eine Reflektion oder ein Test eurer Arbeit als Büro ist?</p>
<p>JF: Ja, aber eigentlich ist das jedes Projekt. Es ist uns wichtig, dass man Anforderungen an ein Projekt stellt, dass man nicht pragmatisch in ein Projekt hineingeht, sondern pragmatisch herauskommt. Das heißt, dass man bestimmte Vorstellungen, Ziele und Annahmen, was die Arbeitsweise, die Ökonomie oder auch politische Fragen betrifft mitbringt und diese dann im Projekt verhandelt, löst oder halt auch irgendwann ignoriert. Eben auch das ist bei diesem Projekt ein wichtiger Punkt, da die Frage nach dem Wohnungsbau insgesamt so groß und relevant ist, dass ein Projekt diese ohnehin nicht beantworten kann. Gerade weil es sich dabei auch um strukturelle Fragen des Wohnungsbaus handelt, die auf der Ebene eines Hauses und eines Grundstückes nicht zu fassen sind.</p>
<p>CB: Ihr habt bestimmte persönliche Motivationen und Ziele, die ihr mit dem Projekt verfolgt. Wie verstehst du die Ziele? Sind diese entwicklungsfähig, sollen sie sich entwickeln?</p>
<p>JF: Die Ziele sind ja eher Vorstellungen, wie etwas angenehmer, besser sein könnte und natürlich eine Richtung, in die man gehen will. Dabei wird es immer einen intensiven Praxisabgleich geben. Vielleicht entwickelt man im Prozess dann auch Bedürfnisse, die in andere Richtungen gehen. Oder man geht über die bestehenden hinaus indem man merkt, dass sie nicht so funktionieren, wie man sich das vorgestellt hat. Oder man findet bestimmte Ansätze plötzlich doch zu wild. Es werden auch ganz selbstverständliche weitere Ziele hinzukommen. So zum Beispiel, dass man neben der Betrachtung der wirtschaftlichen Seite eben auch ein Haus baut, das ökologisch gut funktioniert. Ich glaube jedoch nicht, dass solche persönlichen Ziele in ihrer Entwicklung überschaubar sind. Es sind eher Defizite, die man in der Beschreibung seiner aktuellen Lebenssituation sieht. Man glaubt, dass diese beispielsweise durch die Beteiligung an einer Baugruppe überwunden oder gelindert werden könnten. Wie diese sich verändern oder anpassen weiß man nicht.</p>
<p><strong>Mit späten Entscheidungen gegen das architektonische Maximum</strong></p>
<p>CB: Wie würdest du die jetzige Auseinandersetzung in der Baugruppe beschreiben?</p>
<p>JF: Die Auseinandersetzung wandelt sich stark im Verlauf des Projektes. Es gibt bestimmte Phasen, wo die Diskussion eher zwischen den Planern und den Baugruppenmitgliedern verläuft. Ein anderes Mal gibt es Fragen, die die Gruppe untereinander diskutiert – über Aspekte wie den Gemeinschaftsraum, den Außenbereich, das Treppenhaus oder die Dachterrasse. Das sind immer Gruppenentscheidungen. Jetzt sind wir gerade in einer Phase wo wir für den Gemeinschaftsraum noch einmal eine diskursive Zwischenebene einziehen, nachdem es in der Diskussion schon mehrere Schnitte gab. Es geht darum, Entscheidungen zu treffen und zu sagen: So wollen wir es bauen. Auf der anderen Seite geht es dabei auch immer um die Feststellung dessen, was wir noch offen halten wollen, um später daran weiterarbeiten zu können. Das sind eher konsensorientierte Diskussionen. In diesen – und das ist eines unserer Grundprinzipien – versuchen wir zuerst einmal das Minimale – den Minimalkonsens –  in den architektonischen Prozess einzubinden. Wir plädieren dafür, die Maximalforderung zum Beispiel nach einem ausgebauten Gästezimmer oder nach einem Kinderspielplatz nicht auszuschließen, aber zu verschieben.</p>
<p>CB: Was waren das für Schritte oder Schnitte, von denen du sprachst?</p>
<p>JF: Wir als Planer gehen prinzipiell davon aus, dass es wichtig ist, alle Entscheidungen so spät wie möglich zu treffen. Mit dem Ziel zum jeweiligen Zeitpunkt mehr planungsrelevante Informationen zu haben und mehr Personen in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen zu können. Und natürlich, um nicht am Anfang in eine Richtung zu gehen, die sich später als problematisch herausstellt. Deswegen sind wir dafür, Entscheidungen möglichst spät zu fällen. Trotzdem gab es Situationen in denen es notwendig wurde. Erster Schnitt: Okay, wir wollen Gemeinschaftsflächen haben. Das mussten wir entscheiden, weil die Bank nach der Finanzierung des Gebäudes gefragt hat. Zweiter Schnitt: Wo sollen diese Flächen liegen – auf den einzelnen Etagen, auf dem Dach, zur Straße orientiert? Das mussten wir entscheiden als die Wohnungen vergeben werden sollten. Aber eben keine Sekunde vorher. Dritter Schnitt: Wie groß sollen die Gemeinschaftsflächen werden? Das war eine Frage, die vor dem Hintergrund der Ökonomie des Hauses relevant wurde, aber auch weil diese Entscheidungen zusammenhängen mit dem Wunsch nach einem Arbeitsraum oder der Platzierung des Eingangs. Weiter zu klären war dann, welche Möglichkeiten er bieten soll, wo die Zugänge liegen können, ob es eine Küche, ein Bad oder eine Treppe gibt, wie man den Raum gliedert und ob man ihn zweigeschossig plant. Das waren aber immer nur die minimal notwendigen Festlegungen, um sich nichts zu verbauen.</p>
<p><strong>Unabgeschlossene Prozesse und ihre Kurzschlüsse</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>CB: Ihr als Planer habt euch vorgenommen, Entscheidungen so spät wie möglich zu treffen. Ist das ein offenes Prinzip? Wissen alle in der Gruppe, dass es dieses gibt und wie geht man damit um?</p>
<p>JF: Die Gruppe weiß das nicht, ahnt es aber inzwischen wohl. Wir haben es so nie ausgesprochen und auch wir wussten es vorher nicht. Das Prinzip ist allerdings kein unbekanntes. Lucius Burkhardt hat es formuliert; wir arbeiten damit. Vielleicht entspricht es auch ganz selbstverständlich unserer Art, keine Entscheidungen zu fällen, wenn man nicht weiß, was sie bringen. Dinge nicht oder später zu entscheiden ist ein wichtiger Teil unserer Planungspraxis. Das haben wir in diesem Prozess sehr stark gemerkt. Das fällt besonders auf, wenn die Leute sagen: Jetzt entscheidet das endlich mal, ihr seid doch die Architekten. Andere wieder sagen: Nein, wir wollen es lieber so haben und nicht wie die Architekten. Insofern merkt man, dass wir in einigen Bereichen des Hauses relativ intensiv mit dieser Verzögerung arbeiten. Das kostet Zeit und Nerven. Aber es hilft, Fehler zu vermeiden. Und es macht mehr Spaß.</p>
<p>CB: Das ist also ein Prinzip, das theoretisch formuliert und vorhanden ist, sich aber quasi automatisch mit der Prozesshaftigkeit trifft, ohne dass man es sich vornehmen müsste. Ich habe das in einem euerer Gruppentreffen miterlebt, als Christoph Heinemann gesagt hat: Ja, das ist eine wichtige Diskussion, aber wir müssen das nicht jetzt entscheiden.</p>
<p>JF: Man könnte auch sagen, dass der Prozess nur dann vorhanden ist, wenn er eben nicht abgeschlossen ist. Also besteht der Prozess per se aus einer Verschiebung von abschließenden Entscheidungen. Das ermöglicht erst den Prozess – dass man ihm eine gewisse Zeitspanne einräumt, dass man Stufen einbaut und Bewegungen ermöglicht, dass man etappenweise vorangeht.</p>
<p>CB: In eurer <a href="http://www.archplus.net/home/features/ifau-jesko-fezer-heide-von-beckerath/151,0,1,0.html">Heftvorstellung</a> mit der ARCH+ hattet ihr dieses kleine Diagramm. Am Ende habt ihr dort vier Wege oder Ansätze dargestellt. Einer davon war dieses Verzögern, das Zurückgeben von Fragen in den Prozess. Ein anderer war die Suche nach situativen Standards. Also der Wunsch nach Lösungen mit einer gewissen Art von Allgemeingültigkeit, aber eben keiner absoluten. Das heißt, eure Planungsbewegung pendelt zwischen diesen beiden Polen?</p>
<p>JF: Insbesondere bei diesem Projekt. In der Form, dass man versucht allgemeine Annahmen im Sinne der Gruppe, aber auch im Sinne einer Einfachheit, Gewöhnlichkeit oder Alltäglichkeit zu treffen. Und eben nicht versucht, alles auszuspezifizieren und wenn man spezifiziert, das nicht ohne Not zu tun. Also wirklich zu überlegen, wo es Sinn macht bestimmte Entscheidungen zu fällen und wo es Sinn macht, die Entscheidungen wieder anderen zu überlassen oder später zu fällen oder nicht zu fällen. Das klingt nach dem Widerspruch zwischen Freiheit und Disziplin oder Mitbestimmung und paternalistischer Planung. Dieses komplizierte Verhältnis habe ich in dem Diagramm versucht darzustellen. Wenn man die Idee einer paternalistischen Planung aufgibt und den Architekten nicht mehr als denjenigen versteht, der die richtigen Lösungen parat hat, darf das nicht dazu führen, dass man keine Entscheidungen mehr treffen kann. Vielleicht kann man sie nicht selber treffen, vielleicht kann man sie nur in der Gruppe treffen. Oder man kann sie nur in einem längeren Prozess treffen. Oder sie beziehen sich nicht auf ein architektonisches Objekt, sondern auf den Weg, den man genommen hat oder die Fragen, die man gewählt hat. Etwas zu individualisieren heißt auch nicht unbedingt im Zwiegespräch mit den Nutzern eine passgenaue architektonische Form zu entwickeln, sondern genauso deren Ansätze zurückzuspielen oder sie auf andere Ideen zu bringen.</p>
<p>CB: Als Planer in einem solchen Prozess seid ihr in eurem Handeln von Beginn an relativ selbstreflexiv. Ihr überdenkt, was ihr tut und was geschieht, weil es zu eurer Aufgabe gehört. Die Baugruppe tut das anfänglich vielleicht nicht. Welche Entwicklung lässt sich dort feststellen? Verändern sich die Einstellungen der Gruppenmitglieder oder die Gesprächskultur? Gibt es also Rückschlüsse aus dem Prozess, die wiederum den Gang des Prozesses beeinflussen?</p>
<p>JF: Mittlerweile sind die Leute in der Lage, ihre Fragen oder Einwände knapper und klarer zu formulieren. Anfänglich gab es oft relativ lange Redebeiträge bei den Treffen. Es haben sich außerdem gewisse Unterschiede ausgeglichen. So gibt es beispielsweise einige, die extrem gruppenerfahren sind. Andere wiederum machen das fast zum ersten Mal. Diese unterschiedlichen Ausgangspositionen haben sich angenähert. Darüber hinaus gibt es im Prozess natürlich ein Anwachsen von projektbezogener Fachkenntnis. Die Leute wissen eben jetzt, was ein Haustechniker ist, das die Baugrube zuerst kommt und so weiter. Auffallend an unserer Gruppe ist weiter, dass sie von Anfang an zu einem großen Teil sehr bewusst und kritisch mit Fragen von Wohneigentum, Gentrifizierung oder Stadtentwicklung umgegangen ist. Insbesondere diejenigen, die aus dem politisierten Kunstkontext kommen, kennen natürlich die problematische Rolle von Kultur in Aufwertungsprozessen und die zugehörigen Diskurse. Zudem gab es immer das Interesse an alternativen sozialen Formen, was das Projekt von Anfang an relativ anspruchsvoll gestaltet hat. Mit der Baugruppe wird alles viel konkreter. Vorher waren es abstrakte Themen. Dann stellt sich plötzlich die Frage: Was können wir machen? Wir wollten doch nicht hierarchisch sein. Diese Fragen kommen natürlich. Es zeichnen sich zwar Unterschiede zwischen den Leuten ab, aber es entwickeln sich auch Gesprächsformen, die besser funktionieren als am Anfang und so auch komplizierter werden.</p>
<p><strong>Experten für Leben: gefühlte Richtigkeit und Rechtfertigung</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>CB: Was geschieht in Situationen, wo sich die Fronten verhärten, wo sich keine Lösungen abzeichnen und man nicht mehr verschieben kann?</p>
<p>JF: Da muss man vorsichtig sein. Nach Möglichkeit verschieben wir solche Entscheidungen tatsächlich – was auch planerisch eine Herausforderung sein kann. Ansonsten machen wir ab und an einen kleinen Kunstgriff. Ob strategisch, unbeabsichtigt oder einfach nur praktisch – dann bringen wir die Rolle des Architekten ins Spiel und sagen: Wir haben uns die Situation nochmal angeschaut. Es gibt diese beiden Aspekte, die nicht richtig in Abgleich zu bringen sind. Wir haben etwas entwickelt, was keines von beiden ist. Aber wir finden es noch viel besser. Das befriedigt dann keine der Seiten oder beide. Es gibt also bestimmte Momente, in denen man die Architektenrolle annimmt und was erfindet. In der Regel ist das nicht besser als die beiden anderen Vorschläge, funktioniert aber auf einer Art Moderationsebene.</p>
<p>CB: Das hört sich ziemlich empathisch an. Eingangs haben wir diskutiert, dass ihr einen Weg findet, zugeschriebene Kompetenzen abzugeben und eben nicht diese Position des Architekten einzunehmen. Auf der anderen Seite kommt ihr aber doch wieder dahin, diese Rechtfertigung aufzunehmen. Das heißt, auch diese Rollenzuschreibungen sind nicht statisch, sondern werden immer wieder neu angepasst?</p>
<p>JF: Das ist so nicht ganz richtig. Denn es gibt natürlich auch in unserer Gruppe von sechs bis sieben ArchitektInnen verschiedene Herangehensweisen. Während unter anderem ich dazu tendiere, die De-Professionalisierung stark zu verteidigen, finden andere die übliche Annahme weniger problematisch, dass ein Architekt viel Erfahrung, Fachwissen und gute Ideen hat, die die Menschen glücklich machen können. Das sehe ich sehr skeptisch. Wobei das auch die Dynamik im Arbeitsprozess zwischen uns allen ausmacht. Wir müssen andauernd etwas behaupten und entwickeln. Wir können nicht immer nur die Fragen stellen. Daraus resultiert manchmal die – wenn auch wenig bewusste – Notwendigkeit, als Experte aufzutreten und zu sagen: Das geht nicht. Das wird sehr teuer. Das hält nicht. Ich finde dabei dann interessant, zu schauen, als welche Form von Experte man auftritt. Gilt man als technischer Experte, der weitergibt was der Stand der Technik ist? Dann bezieht man sich wiederum auf andere Experten. Man sagt zum Beispiel etwas, weil es vom Bodengutachten so vorgegeben wird. Dann kann man dieses in Zweifel ziehen. Oder argumentiert man als Experte für Leben? Und sagt: Das Bad muss da sein, sonst läufst du dir die Hacken wund. Und dann sagen sie Leute: Nee, Jesko hat echt keine Ahnung. Oder ist man der Experte für soziale Prozesse? Oder sagen wir einfach, was schön ist? Das sind die Punkte, an denen man hinterfragen muss, was man selbst als Fachwissen anführt. Eben auch, damit die anderen wissen, woher die Aussagen kommen. Ich finde es da mindestens fair, preiszugeben, auf welches „Fachwissen“ man sich bezieht.</p>
<p>CB: Das kommt dem nahe, was Luc Boltanski in seinem Buch „Über die Rechtfertigung“ beschreibt. Er zeigt verschiedene Rechtfertigungssysteme auf und behauptet, dass diese für jedermann funktionieren ohne dass man sie sich aneignen müsste. Es ist dann interessant, an welchen Stellen man zwischen den verschiedenen Rechtfertigungssystemen wechselt, weil sich diese durchaus widersprechen und eben nicht in ihrer Gesamtheit konsistent sind.</p>
<p>JF: Ja, aber man zieht teilweise auch aus einer gefühlten Richtigkeit verschiedene Rechtfertigungssysteme heran. Mann kommt also nicht über die Rechtfertigung zu einer Annahme, sondern ist irgendwie bei der Annahme und dann kommen die Rechtfertigungssysteme hinzu. Gerade in Präsentationen und Diskussionen an Baugruppenabenden merkt man sehr schnell, dass man selber permanent andere Systeme und Annahmen heranzieht, die ganz woanders herkommen, um Dinge zu legitimieren. Es wäre sicher ziemlich interessant das aufzuschlüsseln.</p>
<p><strong>Gentrifizierung, Robustheit und kulturelle Aufwertung</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>CB: Du hast davon gesprochen, dass in der Gruppe, auch aus beruflichen Gründen, Auseinandersetzungen mit Fragen der Stadtentwicklung stattfinden; Stichwort Gentrifizierung. Gibt es in der Positionierung zu solchen Themen einen Gruppenkonsens?</p>
<p>JF: Ich würde es nicht Konsens nennen. Es gibt eine Grundhaltung. Vielleicht auch eher ein Spektrum. Auf der einen Seite Leute, die eine Genossenschaft oder eine extreme Form der Kollektivierung für unser Vorhaben interessant fanden. Wenn auch eher theoretisch, weil es praktisch-ökonomisch nicht umsetzbar schien. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, die sagen: Wir brauchen eine gute Wohnung und zu viel Gemeinschaftsfläche muss es auch nicht sein. Das geht relativ weit auseinander. Im Vergleich zu dem was ich an Baugruppen in Berlin kenne, gibt es aber eine gewisse Übereinkunft, dass man versucht, darüber hinaus zu gehen. Sowohl dahingehend wie das Haus intern sozial gedacht ist, als auch als baulich-städtisches Experiment.</p>
<p>CB: Ihr habt euch vor eurer Bewerbung das Grundstück und das Quartier in dem es liegt angeschaut. Wie stellst du dir die Funktion des Hauses für dieses Gebiet vor?</p>
<p>JF: Das Gebiet ist ziemlich arm und es ist heterogen. Es wendet sich ein bisschen nach Mitte, ein bisschen nach Kreuzberg. Es gibt 50er und 80er Jahre Bebauung. Es gibt relativ große Brachen, Grünräume und teilweise auch Industrieareale in dieser Ecke. Es ist ein Gebiet, das noch nicht an die Entwicklung wie in Mitte, Prenzlauer Berg oder auch Kreuzberg 36 angeschlossen ist, wo sich bestimmte homogenere Milieus oder räumliche Sozialstrukturen ausbilden. Das finde ich erstmal gut. Es liegt günstig und ist fußläufig gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Es fällt uns aber schwer, das Gebiet – sagen wir mal – sozialgeographisch zu betrachten, uns zu fragen: Welche Defizite gibt es? Was wird gebraucht? Und aus diesen Fragen dann Ansätze abzuleiten. So, dass man sagen könnte: Ein Haus mit vergleichsweise wohlhabenden, jungen, kreativen, sozial engagierten Leuten, die irgendwann ein Straßenfest veranstalten und einen Bio-Laden aufmachen bringt dem Gebiet etwas, weil es eine soziale Identität oder ein Netzwerk schafft. Oder es bringt dem Gebiet nichts, weil es der türkischen Community egal ist, ob irgendwelche Leute am Sonntagnachmittag Fahrräder reparieren, da es mehr ums Auto geht. Wir haben es eher dahingehend erörtert, wie resistent das Gebiet gegen Gentrifizierung ist und andererseits, wie stark unser Bauprojekt gentrifizierende Dimensionen hat.</p>
<p>CB: Zu welchen Ergebnissen seid ihr gekommen? Für den Prozess habt ihr es „Robustheit“ genannt. Kann man das auch auf das Gebiet übertragen?</p>
<p>JF: Das Gebiet ist insofern relativ gentrifizierungsresistent, weil es kaum Altbaustruktur gibt. Gerade diese ist ja in ihrer Flexibilität in der Lage, die verschiedenen Funktionen aufzunehmen – vom Biobäcker bis zu größeren Wohnflächen. In diesem Gebiet gibt es normierten sozialen Wohnbau mit den zugehörigen Größen, Zuschreibungen und gefühlten ästhetischen Defiziten. Das macht das Gebiet auf eine bestimmte Art und Weise schwerfällig in der Reaktion auf Aufwertungstendenzen. Natürlich gibt es gleichzeitig die Privatisierung des sozialen Wohnungsbaus. Aber ich glaube, es wird hier nicht denselben Prozess geben, wie wir ihn aus Gründerzeitquartieren in Berlin kennen. Die Ecke ist auch zu disparat, eine vergleichbare Fußläufigkeit oder Dichte wird sich dort nicht formen. Wir haben versucht, das städtebaulich in das Haus einzuschreiben. Indem das Freiraumkonzept eben nicht als straßenbegleitendes geplant, sondern als fließender Grünraum angelegt ist. Oder indem wir das Haus eher wie einen Bürobau aussehen lassen und nicht wie ein Townhouse-Projekt. So kann man das Projekt vielleicht auf städtebaulicher Ebene im Gebiet positionieren. In dem Sinne, dass es die vorhandenen Verwertungsresistenzen in Bezug auf diese klassischen Entwicklungen eher stützt und nicht grundlegend bricht. Die Vorgabe war ja, mit einer Straßenrandbebauung den benachbarten IBA-Block zu verlängern und so einen blockartigen Stadtraum herzustellen. Das ist aber nur ein Aspekt der Frage inwiefern ein solches Projekt auf ein Gebiet wirkt. Gentrifizierung ist ein Prozess, den man erst dann beobachten kann, wenn er eine gewisse Größe angenommen hat. Ein Haus macht keine Gentrifizierung. Die Frage ist ja: Was kommt danach noch und wie wirkt es sich aus? Klar gibt es solche Indikatoren wie Ritter Butzke, das neue Aufbau Haus, die Prinzessinnengärten, die in dieser Diskussion eine Rolle spielen. Und natürlich kann es sein, dass es eine Tendenz verstärkt, wenn man noch einen Projektraum hinzu gesellt. Andererseits finde ich aber auch, dass es nicht das Ergebnis der Kritik an der Gentrifizierung sein kann, sich jeder Form von kultureller oder sozialer oder freizeitlich-privater Aktivität zu verweigern. Man muss unterscheiden zwischen dem Prozess der Spekulation und dem Prozess der kulturellen Transformation in bestimmten Bereichen. Die kulturelle Transformation halte ich für einen wichtigen, elementaren Bestandteil städtischer Prozesse. Die Immobilien-Spekulation halte ich für eine Schweinerei. Und das ist in unserer inneren Konstitution mit dem GBR-Vertrag formuliert. Das Projekt ist nicht auf Spekulation ausgelegt. Das rührt nicht allein daher, dass ein Vorkaufsrecht für die Gruppe festgeschrieben ist oder daher, dass man nicht einfach ausziehen und die Wohnung teuer beliebig vermieten kann, sondern ist gleichfalls im Haus selbst angelegt. Man könnte sagen, es zeigt bestimmte Schäden: Es hat nicht diese Wertigkeit, es hat den Umlauf, der alle Wohnungen auch ein Stück weit verletzt oder verbindet, es hat Standardbäder. Das sind architektonische Versuche, die von der Gruppe getragen werden, um auf allen Ebenen – vom Vertrag über das Soziale bis zum Gebäude – diese Form von Aufwertung auch innerhalb des Hauses im Griff zu behalten. Was natürlich nicht heißt, dass man nicht irgendwann Parkett hinein legen kann.</p>
<p><strong>Repräsentation, Verweigerung und die Schönheit eines Prozesses</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>CB: Euer Projekt ist ein komplexes Vorhaben. Sowohl durch die vielfältigen Belange der Baugemeinschaft als auch in der städtischen Dimension. Nun geht es bei Entwicklungen in urbanen Räumen immer auch um Öffentlichkeit und Repräsentation. Die Punkte, die du geschildert hast, alles was in den Prozess und im Speziellen ins Haus einfließt – denkst du, dass es irgendeine Form von Oberfläche gibt, die das repräsentiert? Gibt es für die städtische Öffentlichkeit oder vielleicht auch nur für denjenigen, der am Haus vorbei läuft eine Ebene der Abbildung? Wird man dem Haus am Ende vielleicht ansehen können, welchen Prozess es durchlaufen hat?</p>
<p>JF: Ich glaube nicht, dass man den Prozess am Haus ablesen kann. Aber was das Haus sichtbar in die Stadt trägt ist eine Verweigerung gegenüber bestimmten Erscheinungsformen. Es sieht nicht aus wie ein normales Wohnhaus, sondern eher nach Bürobau. Die städtischen Planer haben es für einen solchen gehalten, allein wegen des Umlaufs. Auch in seiner Position lässt es sich schwer zuordnen. Es ist Teil des angrenzenden 50er Jahre Gebietes, das es weiter baut, und dennoch straßenzugewandt. Insofern regt es eher dazu an, die normalen Erklärungsmuster, wie ein Haus funktioniert zu unterbrechen und bietet dann die Möglichkeit, herauszufinden, was es tatsächlich ist. Ich denke nicht, dass die Form das zeigt, sondern dass sie Hinweise gibt, was es nicht ist und was es denn sein könnte. Es gibt zum Beispiel diesen großen Gemeinschaftsraum und dort brennt nachts Licht. Da kann man vielleicht rein schauen und wird sich wundern, was da (nicht) los ist. Auf der Dachterrasse sitzt vielleicht jemand in Badehose oder die Nachbarn sehen den Garten und es ist nicht klar, ob es überhaupt einer ist, man da reingehen kann oder nicht. Vielleicht ist der auch irgendwann nicht mehr zugänglich, weil die Leute ihre Hunde hineinführen oder irgendwelche Drogenexperimente veranstalten. Daran schließt die Frage nach der Grenze des Grundstückes an. Aber es stellen sich auch andere formale Fragen, die zum Beispiel bei der Gestaltung der Wohnungen wichtig sind: Welche sozialen Muster begleiten solche Aufwertungsprozesse oder welche Lebensstilmodelle transportieren diesen Wert? Ich finde es interessant auch auf diesen Ebenen Alternativen zu entwickeln.</p>
<p>CB: Als es im Rahmen der Heftvorstellung darum ging, dass ihr das Projekt präsentiert, obwohl es noch nicht abgeschlossen ist, hat Christoph Schmidt erklärt, dass die Repräsentation des Hauses eigentlich im Prozess liegt. Für die Bewertung von Architektur sehe ich das als wichtigen Punkt. Denn damit sagt man, dass euer Haus eben nicht nur in seiner Entwicklung durch dieses Heft abgebildet wird, sondern auch in seiner Gestalt. Trotzdem gab es am Ende eine Wortmeldung, die sich nach der architektonischen Form erkundigt hat. Es hat sich fast abstrus, ja deplatziert angefühlt, diese Frage zu hören. Plötzlich war es so, als ob die ganze vorherige Diskussion überhaupt nicht stattgefunden hätte. Dann steht diese Frage im Raum und man fasst sich trotzdem nicht gleich an den Kopf.</p>
<p>JF: Das ist eine interessante Perspektive. Darin liegt aber auch die Gefahr, den Prozess als das Wesen des Hauses zu beschreiben. Und dann kann man nämlich immer sagen: Okay, das ist der Prozess. Wie war es? Alles okay? Was kam raus? – Sieht scheiße aus. I don’t care for the process. Oder es ist zu teuer oder hält nicht oder die Leute bringen sich um usw. Der Fehler liegt darin, dass das Formale Ergebnis als einzige Wertungsdimension gesehen wird. Das ist der klassische Fehler, dann die Form und eben vorher nicht den Prozess zu kritisieren. Ich glaube trotzdem, dass es wichtig ist, den Prozess nicht als einen Wert an sich zu verstehen, sondern als ein Verfahren zu begreifen, das bestimmte Werte ermöglicht. Das können ästhetische, formale, technische, soziale oder ökonomische Werte sein. Man muss sich die Frage gefallen lassen: Was bringt dieser Prozess? Worauf baut er auf und wo will er hin? Wie bewegt er sich? Erst dann steht man zwischen diesen beiden Seiten: „Wie sieht das Ding aus? – Keine Ahnung, aber ich habe doch einen geilen Prozess.“ Den Prozess schön zu machen oder wichtig zu nehmen sollte dasselbe bedeuten wie das Ergebnis ernst zu nehmen. Die Frage lautet: Was ist die Schönheit des Prozesses? Ist es die Konflikthaftigkeit? Ist es der Spareffekt, der am Ende herauskommt? Oder ist es der Mehrwert der dadurch entsteht, dass man sich gegenseitig bereichert?</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Stadtvisionen 1910&#124;2010: Interview zur Eröffnung</title>
		<link>http://www.urbanophil.net/stadtentwicklung-stadtpolitik/stadtvisionen-19102010-interview-zur-eroffnung/</link>
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		<pubDate>Wed, 13 Oct 2010 10:52:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Verena Pfeiffer-Kloss</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadtentwicklung & Stadtpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[London]]></category>
		<category><![CDATA[Paris]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtvisionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Am morgigen Donnerstag, 14.Oktober um 19 Uhr, eröffnet in der TU Berlin die Ausstellung Stadtvisionen 1910&#124;2010 (urbanophil berichtete). Vorab führte urbanophil ein Interview zur Ausstellung &#8211; die Fragen beantworteten Aljoscha Hofmann (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, TU Berlin; wissenschaftliche Mitarbeit an der Ausstellung) und Dr. Hans-Dieter Nägelke (Frage 1; Leiter des Architekturmuseums der TU Berlin und gemeinsam mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><img class="size-medium wp-image-8343 aligncenter" title="Ausstellung stadtvisionen" src="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2010/10/bild-277x4601-180x300.jpg" alt="" width="180" height="300" /></p>
<p>Am morgigen Donnerstag, 14.Oktober um 19 Uhr, eröffnet in der TU Berlin die <a href="http://stadtvisionen.pro-urbe.net/content/stadtvisionen-19102010" target="_blank">Ausstellung Stadtvisionen 1910|2010</a> (<a href="http://www.urbanophil.net/index.php/stadtplanung/ausstellung-stadtvisionen-19102010/">urbanophil berichtete</a>). Vorab führte urbanophil ein Interview zur Ausstellung &#8211; die Fragen beantworteten <a href="http://www.tu-berlin.de/?id=76637" target="_blank">Aljoscha Hofmann</a> (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, TU Berlin; wissenschaftliche Mitarbeit an der Ausstellung) und <a href="http://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?set=1p=313&amp;p=54" target="_blank">Dr. Hans-Dieter Nägelke</a> (Frage 1; Leiter des Architekturmuseums der TU Berlin und gemeinsam mit Prof.Dr. Harald Bodenschatz Initiator der Ausstellung). Die Fragen stellte Verena Pfeiffer.</p>
<p><strong>1. Herr Dr. Nägelke, 1910 war Städtebau in Berlin ein wichtiges Thema. Es war das Jahr, in dem der Wettbewerb Großstadt Berlin durchgeführt wurde und in dem Karl Scheffler seine Berlin-Analyse mit den berühmten Worten schloß,  &#8220;Berlin sei dazu verdammt, immerfort zu werden und niemals zu sein&#8221; und es wurde die Berliner Städtebau Ausstellung 1910 durchgeführt &#8211; vor welchem Hintergrund kam diese zustande? Wer sah zur ihrer Initiierung welchen Anlass und an wen richtete sie sich?</strong></p>
<p>Karl Schefflers ebenso unbarmherzige wie polemische Abrechnung mit dem kaiserzeitlichen Berlin und die „Allgemeine Städtebau-Ausstellung 1910“ gründeten auf ein gemeinsames Unbehagen an einer Großstadt, die ihr allzu rasches Wachstum weder sozial, noch infrastrukturell, noch ästhetisch hatte bewältigen können. <span id="more-8340"></span>Anders als Scheffler aber suchte die Städtebau-Ausstellung Lösungen. Sie fußte auf dem 1908 nach einer längeren Vorgeschichte durch die berufsständische Verbände, die Stadt Berlin und ihre Umlandgemeinden ausgelobten Wettbewerb Groß-Berlin. In ihm sollten erstmals grundsätzliche Antworten auf die ungeregelte Expansion der Stadt und die katastrophalen Wohnverhältnisse der Unterschichten gefunden werden: ausdrücklich nicht nur nach technischen und wirtschaftlichen Aspekten, sondern auch nach künstlerischen Grundsätzen.</p>
<p>Die Ergebnisse des Wettbewerbs waren keinesfalls ein Plädoyer gegen die Großstadt und für deren Auflösung, sondern sie orientierten auf deren Verbesserung und Rationalisierung, auf eine gestufte Großstadt mit einer monumentalen Mitte, mit reformierten urbanen Baublöcken in der Innenstadt und mit Gartenvororten um kleine Zentren im suburbanen Raum. Allerdings hatte die Konkurrenz mitnichten die Resonanz gefunden, die die Auslober erhofft hatten. 27 Entwürfe waren eingegangen, einige davon nur als Teilentwürfe, viele vollständig unbrauchbar. Wohl auch wegen dieses mageren Ergebnisses beschlossen die Initiatoren deshalb, den Wettbewerb „Groß-Berlin“ zu einer größeren, eben „allgemeinen“ Städtebauausstellung auszuweiten, die mit weit über eintausend Katalognummern versuchte, ein weites Spektrum aktueller Tendenzen des europäischen und amerikanischen Städtebaus aufspannen. Mit Erfolg: Die in der Charlottenburger Hochschule für die Bildenden Künste präsentierte Schau hatte mit über 65.000 Besuchern nicht nur eine überragende, weit über die Fachöffentlichkeit hinaus reichende Resonanz, sondern wurde als Wanderausstellung auch über Berlin und Deutschland hinaus wirksam.</p>
<p><strong>2. Was sind, Deiner Meinung nach, Aljoscha, die Inhalte, die den heutigen städtebaulichen Diskurs charakterisieren und charakterisieren sollten?</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Da sind zum einen natürlich die Themen, die derzeit sehr stark auch in der breiten Öffentlichkeit diskutiert werden. Die Entwicklung zu einer post-industriellen Gesellschaft und damit post-industriellen urbanen Räumen. Der Begriff der „Post-Oil-City“ vermittelt hierbei zwischen dem Abschied von der industrialisierten Gesellschaft und den Anforderungen und Herausforderungen an eine Gesellschaft, die mit veränderten Lebensstilen, Gesellschaftsbildern und globalen Entwicklungen wie dem Klimawandel und der massiven Bevölkerungsentwicklung &#8211; zum einen noch immer Schrumpfungsprozesse beispielsweise in vielen Städten der ehemaligen DDR, zum anderen massives und teilweise unkontrolliertes Wachstum der Städte in Ländern wie China  und Indien, aber auch Städte wie Sydney und London wachsen noch immer massiv &#8211; konfrontiert ist.</p>
<p>Dies sind jedoch vor allem die großen Diskurse vor denen der Städtebau steht. Im einzelnen &#8211; besonders auf der Betrachtungseben der einzelnen Stadt und Stadtregion &#8211; stehen oftmals andere Probleme im Vordergrund. Ein Aspekt, der sicherlich in den kommenden Jahren noch stärker in den Vordergrund treten wird und muss ist die Frage nach sozialer Mischung in der Stadt und wie diese auch mit städtebaulichen Mitteln erhalten, bzw. wieder gestärkt werden kann. Für Deutschland, aber auch speziell Berlin bedeutet dies, dass das Thema des sozialen Wohnungsbaus in Zukunft wieder auf die Agenda muss. Welche Folgen soziale Segregation haben kann, zeigen die Pariser Banlieues sehr deutlich.</p>
<p><strong>3. Welche inhaltlichen Erkenntnisse haben Dich in der Vorbereitung der Ausstellung am meisten beeindruckt oder vielleicht auch überrascht?</strong></p>
<p>Besonders beeindruckend ist für mich immer wieder die Erkenntnis, dass man als Architekt oder Planer im Alltag meist zu wenig über den eigenen Tellerrand hinausschaut. So zeigen sich beispielsweise in allen vier Städten ähnliche Herausforderungen, von den Lösungen oder zumindest Lösungsansätzen weiß man jedoch viel zu wenig. Überraschend dabei ist nicht so sehr, dass an anderen Orten über ähnliche Themen gesprochen wird, sondern vielmehr hat sich für mich gezeigt, dass man das Rad nicht immer neu erfinden sollte. Der internationale Erfahrungsaustausch sowie die Beschäftigung mit vergangenen Lösungsansätzen und Projekten macht nicht nur Spaß, sie sind zwingend notwendig und sollten wieder mehr im Vordergrund stehen.</p>
<p><strong>4. Wie werden die Inhalte in der Ausstellung präsentiert?</strong></p>
<p>Der größte Teil der Projekte wird mit Abbildungen, Texten und Fakten als klassische Tafelausstellung gezeigt. Es werden aber auch eindrucksvolle Originale aus der Zeit um 1910 aus den Archiven des Architekturmuseums gezeigt. Dazu kommen einige Modelle zu verschiedenen Projekten, darunter ein interaktives Modell von LIN zum Gutachterverfahren Grand Pari(s).</p>
<p>Besonders spannend ist dabei, dass die Städte jeweils in verschiedenen Themenfeldern, beispielsweise dem „Kult des großen Plans“ oder „urbane Alternativen zur hoch verdichteten Innenstadt“ als Themen um 1910 und „alte Arbeiterquartiere: Brennpunkte des sozialen Wandels“ oder dem aktuellen Thema „Stadtbrachen: Potentiale mit Zukunft“ als zwei der Themenfelder um 2010 zueinander in Bezug gesetzt werden. Der Besucher wird also ganz kompakt informiert, wie die vier Städte auf unterschiedliche Weise mit den unterschiedlichen Herausforderungen umgehen.</p>
<p><strong>5. Und Deine ganz persönliche Meinung, Aljoscha: Was ist Dein Highlight der Ausstellung bzw. des Begleitprogramms?</strong></p>
<p>Das Begleitprogramm ist sehr umfangreich und vielfältig, besonders freue ich mich dabei natürlich auf die Lunchtime Lectures am 29.10. an der TU zum Thema: <a href="http://think-berlin.de/workshopberlinspaces.html">Shaping Berlin’s Spaces: Lessons from London</a>, welche ich selbst mit organisiere und bei welcher wir den bereits genannten internationalen Erfahrungsaustausch &#8211; in diesem Fall auch zwischen den Verwaltungsebenen der beiden Städte &#8211; in den Vordergrund stellen. Interessant werden sicherlich aber alle der Begleitveranstaltungen. Das Themenfeld ist riesig und für jedes Interesse etwas dabei. Nicht verpassen möchte ich dabei auf jeden Fall die Diskussionsveranstaltung: „Stadtrendite – vom Zusatznutzen zum Mehrwert an städtischer Qualität“ des Deutschen Werkbunds und des Architekturmuseums der TU am 22.11. Das Thema Qualität kommt in vielen Debatten, gerade in Berlin oftmals leider zu kurz.</p>
<p>Ein spezielles Lieblingsprojekt in der Ausstellung habe ich „noch“ nicht, vielmehr freue ich mich darauf endlich mit mehr Zeit auch die anderen Themenfelder in Ruhe betrachten zu können &#8211; ich selbst habe hauptsächlich am Ausstellungsteil Berlin 2010 mitgearbeitet. Dafür blieb in den letzten Monaten während der Vorbereitung erstaunlich wenig Zeit.</p>
<p><strong>Vielen Dank für das Interview!</strong></p>
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		<title>&#8220;Radfahren auf der Straße ist kein Teufelszeug&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Jul 2010 09:43:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Birkholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Urbane Mobilität]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Radverkehr]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Interview mit Tilman Bracher, dem Bereichsleiter Mobilität und Infrastruktur beim Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) und Gründer der Fahrradakademie, über Radverkehr in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark sowie den deutschen Städten Berlin und Hamburg. Am Beispiel von Hamburg erklärt er, welche Schwierigkeiten entstehen können, wenn die Infrastruktur einer Stadt fahrradfreundlich werden soll und welchen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em> <img style="margin: 10px; border: 0px none currentColor;" title="Tilman Bracher" src="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2010/07/Bracher.jpg" alt="" width="125" height="151" align="left" border="0" hspace="10" vspace="10" />Ein Interview mit<em> <a href="http://www.difu.de/kontakt/mitarbeiter/tilman-bracher.html" target="_blank">Tilman Bracher</a>, dem Bereichsleiter <a href="http://www.difu.de/institut/organisationsstruktur/forschungsbereiche/mobilitaet" target="_blank">Mobilität und Infrastruktur</a></em><em> beim <a href="http://www.difu.de">Deutschen Institut für Urbanistik</a></em><em> (Difu) und Gründer der <a href="http://www.difu.de/projekte/2007/fortbildungsangebot-„fahrradakademie“.html" target="_blank">Fahrradakademie</a></em><em>, über Radverkehr in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark sowie den deutschen Städten Berlin und Hamburg. Am Beispiel von Hamburg erklärt er, welche Schwierigkeiten entstehen können, wenn die Infrastruktur einer Stadt fahrradfreundlich werden soll und welchen Effekt Fahrradverleihsysteme dabei haben können. </em></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>A: Wie beurteilen Sie die Situation des Radverkehrs in Ländern wie den Niederlanden und Dänemark gegenüber der von Deutschland?</strong></em></p>
<p>F: Holland ist weiter, Dänemark nicht. Holland hat eine Institutionalisierung. Das <a href="http://www.fietsberaad.nl/" target="_blank">Fietsberaad</a> fungiert hier als amtliche Institution, die vom Wirtschaftsministerium getragen wird, da das Thema auch als Exportfaktor und das Fahrrad als nationales Branding angesehen wird. Die Holländer machen z.B. viel Consulting, das ist eine Rolle, die die Regierung auch international mit Nachdruck einbringt, das ist bei uns noch nicht so weit. Bei uns haben wir diese Institutionalisierung zwar de facto, aber noch nicht amtlich, der Fahrradtourismus wird zwar immer wichtiger und da sieht man auch, das da viel Musik drin ist, aber Deutschland gilt immer noch <span id="more-6573"></span>weithin als Automobilstandort. Wir stehen jedoch mit den Holländern im gegenseitigen Austausch. Anfang der 1990er wurde dort ein nationaler Radverkehrsplan, der Masterplan Fiets, auferlegt, der das Vorbild für den Nationalen Radverkehrsplan 2002 &#8211; 2012 in Deutschland war. Das Fahrrad ist in Holland Mainstream, es ist immer präsent und automatisch Teil der Verkehrspolitik. Die Systemzusammenhänge werden hier viel detaillierter gesehen. Dieses integrierte Denken haben wir in Deutschland noch nicht, was auch mit der föderalen Struktur zusammenhängt. In Dänemark wurde ebenfalls eine nationale Plattform angestrebt, die Danish Cycling Embassy, aber diese ist im Grunde nur eine gemeinsame Dachmarke. Es gibt weder eine gemeinsame Finanzierung noch gemeinsame Büros. Die Plattform lebt nur durch die Aktivität der Beteiligten. Nur Kopenhagen als Ökohauptstadt ist hier wesentlich weiter, da Radverkehr hier als eine von vier Säulen der Stadt fungiert. Die wissen was für Musik in dem Thema ist und leben das auch als Stadt. <a href="http://www.copenhagenize.com/" target="_blank">Copenhagenize</a> heißt ja auch „Radverkehrsstadt werden“. <a href="http://www.urbanophil.net/index.php/urbane-mobilitat/the-city-of-cyclists/" target="_blank">[urbanophil berichtete bereits]</a></p>
<p><em><strong>F: Wie beurteilen Sie denn die derzeitige Ausrichtung im BMVBS zum Thema Radverkehr?</strong></em></p>
<p>A: Nach dem Regierungswechsel hat es Umstruktierungen in den Referaten gegeben, die immer noch nicht abgeschlossen sind. Zwar ist äußerlich keine Kürzung erfolgt, aber aufgrund anderer Aufgaben der Beteiligten haben die tatsächlichen Ressourcen sicher abgenommen. Aber der politische Wille, das Projekt [<a href="http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/" target="_blank">den Nationalen Radverkehrsplan</a>] fortzuführen, ist weiterhin vorhanden. Das Referat ist dabei, sich wieder reinzufinden. Wie das gelingt, bleibt abzuwarten. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass der Stellenwert nachgelassen hat.</p>
<p><em><strong>F: Welche Rolle spielt das Difu im Themenbereich Fahrradverleihsysteme?</strong></em></p>
<p>A: Die Rolle des <a href="http://www.difu.de/institut" target="_blank">Difu</a> ist eigentlich die geworden, dass wir die Bundesregierung beim Thema Fahrradverleihsysteme unterstützen. Das hat mit der <a href="www.nrvp.de" target="_blank">Homepage zum Nationalen Radverkehrsplan </a>zu tun, die wir für die Bundesregierung entwickelt haben. Dadurch haben wir eine relativ wichtige Stellung. Wir sind im Bund-Länder-Arbeitskreis Radverkehr und im wissenschaftlichen Beirat Radverkehr dabei. In dieser Konstellation haben wir im Vorfeld erarbeitet, welche Vor- und Nachteile es hat, das Thema Fahrradverleihsysteme im nationalen Radverkehrsplan anzupacken. Als dann die öffentliche Ausschreibung zur Vorbereitung des Wettbewerbs und der späteren Umsetzung kam, hatten wir nicht genug Kapazitäten, wurden jedoch vom BMVBS mit ins Boot geholt, da wir die entscheidenden Akteure alle kennen. In diesem Kontext haben wir in dieser Arbeitsgemeinschaft das Thema öffentliche Leihfahrräder übernommen. Generell war mir die Idee der Integration von Fahrrad und öffentlichem Nahverkehr in meinem Berufsleben bereits mehrfach begegnet.</p>
<p><strong><em>F: Die Stadt Hamburg hat erst Anfang 2008 eine Radverkehrsstrategie verabschiedet und sieht sich nun mit der enormen Herausforderung konfrontiert, ein 1.700 km langes Radroutennetz, das größtenteils den Standards der 1950er – 70er Jahre entspricht, auf den heutigen Planungsstand zu bringen – sprich: das Rad auf die Straße zu holen. Dies gestaltet sich jedoch aus zahlreichen Gründen als sehr schwierig und langwierig. Wie ist ihre Einschätzung zu der Thematik?</em></strong></p>
<p>A: In Berlin war das auch kein Prozess von dem einen Tag auf den anderen. Das sternförmige Hauptroutennetz ist das erste Mal in den 1980er Jahre beschlossen worden und als letztendlich angefangen wurde dies umzusetzen, war es 2000. Nicht immer kommt natürlich eine Wende dazwischen, die die Themen anders setzt, aber das volle ernst nehmen des Fahrrads als städtisches Verkehrsmittel hat in Berlin im Abgeordnetenhaus schon wesentlich früher eingesetzt als in Hamburg. Deshalb muss man der Stadt Hamburg jetzt Zeit geben, diesen Prozess der Umstellung zu durchlaufen. Das Thema wurde vor kurzem bei einer Schulung der Fahrradakademie des Difu in Hamburg diskutiert. Die Tatsache, dass es dort 1700 Kilometer an Radwegen gibt, die den heute erforderlichen Mindeststandards nicht entsprechen, und die man nie im Leben ausbauen oder ersetzen kann, schon wegen der Kosten und der vorhandenen Kapazitäten, führt zu der Konsequenz, dass man den Radverkehr irgendwann auch planerisch auf die Straße führen muss. Diese Veränderungen werden nicht tabuisiert, aber sie sind teuer und es wird dauern, die Akzeptanz für solche Veränderungen zu erhöhen. Bis man merkt, dass das Radfahren auf der Straßen kein Teufelszeug ist, sondern die Stadt lebendig macht und hält, da wird einige Zeit vergehen. Hamburg ist eine der letzten Städte, die angefangen haben, in eine solche Richtung zu denken, bis vor kurzem war nur eine einzige Person für Radverkehr zuständig. Hier gibt es also viel nachzuholen. Die Radverkehrsstrategie wurde vor nur zwei Jahren nach Berliner Vorbild aufgelegt, aber über Nacht sind hier Veränderungen nicht möglich. Hamburg ist ja auch mit der Parkraumbewirtschaftung nicht weit, die haben bis vor zwei Jahren eine ganz stramm autoorientierte Entwicklung gehabt. Viele Planungen, die man heute umsetzt, sind vor fünf oder zehn Jahren abgestimmt worden und die gleichen Leute, die sich damals auf einen Kompromiss geeinigt haben, heute aber anders denken, haben nun Schwierigkeiten, Dinge von damals neu aufzurollen. Die Verkehrspolitik ist in dieser Hinsicht ein schwerer Tanker, da darf man die Hoffnung jetzt nicht aufgeben. Ich glaube, dass die Stadt relativ schnell vorankommen wird. Das Fahrradverleihsystem StadtRAD, das letztes Jahr in Betrieb gegangen ist, hat gezeigt, dass eine Masse von Leuten bereit ist das Fahrrad zu nutzen, das hilft Hamburg ein paar Jahre zu sparen.</p>
<p><em><strong>F: StadtRAD Hamburg hat sich ja innerhalb weniger Wochen zu Deutschlands erfolgreichstem Fahrradverleihsystem mit bald 500.000 Ausleihen entwickelt. Was sind ihrer Meinung nach die Hauptgründe für den Erfolg, bzw. die bisherige Entwicklung?</strong></em></p>
<p>A: Die Netzdichte und der Tarif sind ein in Deutschland einmaliges Angebot und zudem passt der technische Anspruch des Systems, mit der schnellen automatisierten Entleihe per Terminal, in das kulturelle Umfeld der Stadt. Auch am Wochenende wird das System vor allem durch Innenstadtbesucher in der großflächigen Stadt viel genutzt.</p>
<p><em><strong>F: Was könnten auf allgemeiner Ebene weitere Kriterien sein, Fahrradverleihsysteme zu beurteilen?</strong></em></p>
<p>A: Der Erfolg dieser Systeme ist, dass sich das Image des Fahrrads wandelt, dass zusätzliche Bevölkerungskreise das Fahrrad als Teil der alltäglich verfügbaren Mobilitätsoptionen begreifen. Insoweit befördern sie das multimodale Verständnis und Denken von Verkehr. Nicht umsonst lässt sich mit den Systemen gut werben, weil dieser Neuigkeitseffekt immer wieder da ist, man guckt hin und begreift, dass dies ein Teil des städtischen Lebens ist, der früher nicht da war. Auch die Gesundheitswelle befördert das Thema, es passt einfach zum derzeitigen Zeitgeist. Das System ist insofern von der Akzeptanz her ein großer Erfolg geworden. Dennoch darf man nicht übersehen, dass es nur einen kleinen Teil der Verkehrsquote darstellt und das Klimaproblem nicht lösen wird. Aber als Katalysator um Umweltthemen und weitere Fahrrad- oder nicht motorisierte Themen zu befördern sind diese Systeme sehr wichtig. Die Forderung nach guter Infrastruktur geht damit natürlich einher, da es stärker auffällt, wenn Radwege nicht verfügbar sind. So wird das Verständnis von guter Infrastruktur in eine fahrradfreundliche Richtung verändert.</p>
<p><strong><em>F: Wie ist Ihre Einschätzung zu stärkeren Restriktionen gegenüber dem MIV, Stichworte Maut, Parkraumbewirtschaftung oder Umweltzonen?</em></strong></p>
<p>A: Man muss hier zwischen zwei Ebenen unterscheiden. Auf der städtischen Ebene wird die Wichtigkeit von diesen Steuerungsinstrumenten meist erkannt, da Städte aufgrund des steigenden Verkehrssaufkommens nicht umhin kommen, diese einzuführen. Ländliche Abgeordnete hingegen sind häufig noch der Meinung, das Auto wäre zu wichtig, um Gegenstand von Restriktionen zu sein. Da sich diese ländliche Ebene im Moment bei den Entscheidungsträgern quantitativ in der Überzahl befindet, gibt es bundeseinheitlich derzeit keinen Ansatz. Aktivitäten gibt es immer wieder in den Städten, so wird z.B. in Stuttgart eine Parkraumbewirtschaftung eingeführt, Berlin ist dabei sie auszudehnen. Das Thema City-Maut ist so lange tabuisiert worden, das Deutschland da etwas zurückhängt, aber wir lernen auch von Stockholm. Das wird also diskutiert, auch unter fiskalischen Aspekten angesichts der finanziellen Situation. Ich denke, diese Steuerungsinstrumente werden stärker werden, auch weitere Maßnahmen. Ebenfalls in die Diskussion geraten sind Nahverkehrsabgaben, d.h. Abgaben auf ÖPNV-Erschließung als Arbeitgeberabgabe oder über eine Veränderung der Grundsteuer zur Eindämmung der Zersiedlung. Darüber hinaus diskutiert die Bundesregierung auch wieder über die Abschaffung der Entfernungspauschale.</p>
<p><em><strong>F: Immer wieder ist von Forderungen zu lesen, dass in der STVO eine sogenannte „Carsharing-Haltestelle“ geregelt werden soll, um Carsharing-Anbietern privilegierten Parkraum zur Verfügung zu stellen. Können Sie etwas zu dieser Diskussion sagen?</strong></em></p>
<p>A: Es gab verschiedene Anstöße zur Änderung der Straßenverkehrsordnung, um diese privilegierte Parkplätze für das Carsharing zu schaffen. In unserem Rechtssystem sind aber Privilegien im Straßenverkehr untersagt, bis auf ein paar wenige Ausnahmen. In Bezug auf Carsharing ist das sehr kompliziert, da die Frage aufkommt, ob man das Anbieterunabhängig macht oder nicht und auch, wie man Carsharing genau abgrenzt. Die Bundesländer haben sich nicht geeinigt, u.a. mit dem Hinweis, Carsharing könnte dem Absatz des Automobilstandorts Deutschland schaden. Carsharing ist jedoch weiterhin auf der Tagesordnung, eventuell gibt es hier einen weiteren Anlauf, z.B. im Zusammenhang mit dem Ausbau von Elektroauto-Tankstellen im öffentlichen Raum, wo man ähnliche Privilegien brauchen wird.</p>
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		<title>&#8220;Paris setzt die Maßstäbe bei urbaner Mobilität&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 08:21:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Birkholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Urbane Mobilität]]></category>
		<category><![CDATA[Carsharing]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Parkraumbewirtschaftung]]></category>
		<category><![CDATA[Radverkehr]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein ausführliches Interview mit dem Mobilitätsforscher Prof. Dr. Andreas Knie (mehr Infos, s. u.) über die Zukunft urbaner Mobilität. Im Gespräch geht es u. a. um die Themen Carsharing, Fahrradverleihsysteme, Radverkehr sowie bevorstehende Veränderungen im städtischen Verkehr in den nächsten Jahren und welchen Einfluss Paris darauf hat. Knie kritisiert u. a. das Verkehrsministerium, wo es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ein ausführliches Interview mit dem Mobilitätsforscher <a href="http://www.wzb.eu/gwd/wipo/leute/knie.de.htm" target="_blank">Prof. Dr. Andreas Knie</a> (mehr Infos, s. u.) über die Zukunft urbaner Mobilität. Im Gespräch geht es u. a. um die Themen Carsharing, Fahrradverleihsysteme, Radverkehr sowie bevorstehende Veränderungen im städtischen Verkehr in den nächsten Jahren und welchen Einfluss Paris darauf hat. Knie kritisiert u. a. das Verkehrsministerium, wo es durch den Regierungswechsel im vergangenen Herbst einen &#8220;katastrophalen&#8221; Einbruch bei den nationalen Aktivitäten im Bereich Radverkehr gegeben hat. Zugleich bemängelt er, dass es in diesem Bereich kaum aktive und einflussreiche Lobbyarbeit gibt.</em></p>
<div class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><a href="http://www.wzb.eu/gwd/wipo/leute/knie.de.htm"><img title="Professor Dr. Andreas Knie" src="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2010/06/knie.jpg" alt="" width="150" height="100" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Georg Kumpfmüller</p></div>
<p><strong>Welche Veränderungen wird es Ihrer Meinung nach mittel- bis langfristig im urbanen Verkehr geben?</strong></p>
<p><strong> </strong>Verbrennungsfahrzeuge gehören nicht in die Stadt, vor allem nicht, wenn sie umsonst abgestellt werden dürfen. Durch den Winter hat man ja gut gesehen, wie hoch die Mobilität ist, alleine in meinem Kiez wird die Hälfte der Fahrzeuge fast nie bewegt, aber es kostet ja auch nichts sie monatelang einfach abzustellen. Man hat dort 4 – 5qm schönste Stadt, vollkommen umsonst, das kann so nicht gehen. Allein mit einer Anwohnerplakette von 40 EUR sähe die Sache schon ganz anders aus und wir hätten eine andere Mobilitätskultur. Sogar beim ADAC tut sich da mittlerweile was. Man darf das aber nicht als Restriktion verkaufen, sondern als Chance. Man muss den Leuten auch erklären, dass andere Dinge möglich sind, so könnte die Anwohnerplakette auch als ÖV-Ticket dienen. Man muss erklären:<em> „Ihr dürft DAS nicht mehr, aber <span id="more-6423"></span>DAS dürft ihr.“</em> Das muss man in einer zeitgemäßen Form vorstellen. Die Menschen wissen ja, das verbrennungsbetriebene Fahrzeuge nicht mehr zeitgemäß sind. Der Druck wird jetzt stärker, Köln hat ja bereits eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung, in Berlin ist der Druck nicht ganz so groß, in München und Hamburg dagegen schon. Eine Innenstadtmaut ist meiner Ansicht nach einen Schritt zu weit. In London war das akzeptabel, weil es so hohe Emissionswerte gab. Für Deutschland ist das aber schwierig, da sollte man eher auf Parkraumbewirtschaftung gehen, das ist plausibler und deshalb eleganter.</p>
<p><strong>Als eine Alternative zum privaten Autobesitz gibt es seit Jahren Carsharing, ein Bereich, in dem auch die Deutsche Bahn als Anbieter aktiv ist. Kürzlich hat das Projekt <a href="http://www.car2go.com/portal/ulm/" target="_blank">Car2Go in Ulm</a> mit einem über die gesamte Stadt verteilten dezentralen Netz von Autos für Schlagzeilen gesorgt. Wie sieht denn die Strategie der DB mittel- bis langfristig in diesem Bereich aus?</strong></p>
<p><a href="http://www.car2go.com/portal/ulm/" target="_blank">Car2Go</a> ist ja eine Kopie von <a href="http://www.callabike-interaktiv.de/" target="_blank">Call a Bike</a> und dort sind wir ja bereits an der Spitze der Bewegung. Das Auto wird da nun auch langsam hingeführt. Andererseits gilt das in Hamburg eingeführte stationsbasierte Fahrradverleihsystem <a href="http://www.stadtradhamburg.de/kundenbuchung/" target="_blank">StadtRAD Hamburg</a> auch als fortschrittlich, daher weiß man im Moment einfach nicht genau, in welche Richtung das weitergehen wird. In Ulm funktioniert das gerade ganz gut, wobei man auch dazu sagen muss, dass die Hälfte der Autoflotte dort als Daimler-Werksflotte genutzt wird. Das ist eine sehr schlaue und intelligente Einführung des Projektes gewesen und wir sind sehr froh, das Daimler diese Initiative gestartet und unterstützt hat. Ob das aber so auch in einer flächigen Stadt funktioniert, wenn die Verfügbarkeit nicht so garantiert werden kann, das ist noch nicht bekannt. Deshalb sind wir im Moment noch am zögern, aber wir denken in die Richtung natürlich nach. Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart sind da interessante Städte. Wir sind sehr intensiv dabei, das auf Basis der Elektrotraktion zu machen. In Zukunft muss ja allein schon aus Effizienzgründen alles auf elektrische Autos umgestellt werden. Das elektrische Auto kann natürlich nicht überall hinfahren, was wir aber gut finden. Das Auto verliert dadurch endlich seinen autistischen Charakter alles machen zu dürfen. Mit einem elektrischen Auto können sie alles im lokalen Bereich tun, aber eben nicht mal schnell nach HH fahren, das machen sie dann mit der Bahn. Deshalb ist das für uns ein ganz, ganz wichtiges Betätigungsfeld. Auf der Basis des Elektroautos sind wir dann ganz schnell wieder bei denselben Fragen wie bei einem Fahrradverleihsystem, denn die drei Eigenschaften, die sie brauchen, um eine moderne Stadtflotte zu betreiben sind One-way-Fähigkeit, Open End und Instant Access.</p>
<p><strong>Wie schätzen Sie den zeitlichen Horizont dieser Entwicklungen ein?</strong></p>
<p>Das kann man nicht wirklich sagen, das hängt von so vielen Umständen ab, z.B. was Paris jetzt macht oder wie sich die liberal-konservative Regierung in London mit dem konservativen Bürgermeister einigen wird. Das Ausland bringt hier sehr viel Impulse und eine notwendige Treiberfunktion mit rein. Ich hoffe, dass wir da in den nächsten Jahren große Fortschritte machen können. Hier sind die Entscheidungsträger häufig zögerlich, so ist z.B. der Wettbewerb des BMVBS im vergangenen Jahr zu den Öffentlichen Leihfahrrädern eine direkte Folge zu der Entwicklung von Velib´in Paris seit 2007. Paris und vorher auch Lyon [die bereits 2005 ein Fahrradverleihsystem einführten] sind jedoch wiederum eine direkte Folge auf die Einführung von Call a Bike in München gewesen. Wir müssen hier also immer über Bande spielen. Paris hat sich sehr genau angeschaut, wie die Erfahrungen in München gewesen sind, das war das Vorbild für die Pariser Ausschreibung. Die Stadt Lyon haben wir praktisch einen ganzen Winter lang beraten, beim Aufbau ihres Systems und auch bei der Finanzierung und Struktur. Das haben wir sehr intensiv mit denen besprochen, die haben uns später auch eingeladen bei der Ausschreibung teilzunehmen, aber da hat in der Stadt, wo JCDecaux groß geworden ist, natürlich JCDecaux gewonnen, ebenso wie in Paris, wo große Ausschreibungen nur von Franzosen gewonnen werden. Die französische Fahrradvermietungsoffensive ist eine direkte Folge der Aktivitäten der Deutschen Bahn Anfang der 2000er Jahre in München gewesen. Mittlerweile setzt jedoch Paris die Maßstäbe bei moderner urbaner Mobilität. Wie brutal die dort Verkehrsfläche umdefinieren, das ist schon sehr beeindruckend. Allerdings interessieren die sich dort nicht unbedingt für Fahrräder, sondern mehr für umsetzungsfähige Politik.</p>
<p><strong>Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Radverkehrs in den letzten Jahren in den verschiedenen deutschen Großstädten?</strong></p>
<p>München ist eine sehr dynamische Stadt. In der Klasse der Millionenstädte ist München auf jeden Fall noch vor Berlin. Berlin hat zumindest in den letzten Jahren stark aufgeholt. Weit vor Hamburg, wo aber die Einführung des Fahrradverleihsystems StadtRAD einen ähnlichen Effekt gehabt hat wie in Lyon, weil da vorher kaum jemand Fahrrad gefahren ist.</p>
<p><strong>Hat sich an der Ausrichtung der Bundesregierung zum Thema Radverkehr seit der Wahl etwas verändert?</strong></p>
<p>Programmatisch haben wir keinen Bruch erlebt, faktisch einen tiefen. Das Referat für Radverkehr wurde aufgelöst und dem Referat für ÖV angegliedert, was prinzipiell die richtige Entscheidung ist. Ich bin daher sehr gespannt, wie es weitergehen wird und wie man sich dort zukünftig positionieren wird. Die große Koalition hat bis zum September 2009 eine erstaunlich große Anzahl an Fahrrad-„Enabling“ gemacht und vor allen Dingen – und das ist wirklich hoch anzurechnen – hat sie die kulturellen Beteiligten erweitert, die zum Thema Rad etwas sagen sollen. Und jetzt im Moment ist ein totaler Fadenriss eingetreten, die derzeitige Lage ist katasthrophal. Man sollte den Leuten aber auch eine Chance und die Zeit geben, dass dort was passiert. Alle sind sehr bemüht, auch Herr Ramsauer will das Thema besetzen, eine programmatische Grundlinie ist also da, aber wir sehen im Moment, dass auf der Referatsebene noch nicht die entsprechenden Nachbearbeitungen stattfinden. Deshalb muss man da bald kritisch rangehen. Ein Problem ist hier auch, dass die Zivilgesellschaft im Bereich Radverkehr ganz schlecht organisiert ist und keinerlei Lobbyarbeit stattfindet.</p>
<p><strong>Welche rechtlichen Rahmenbedingungen müssten oder könnten geschaffen werden, um den Radverkehr noch weiter zu fördern?</strong></p>
<p>Die entsprechenden öffentlichen Räume müssen bereitgestellt werden. Das Fahrrad muss auf die Straße, da gehört es hin. Die Menge der Rad fahrenden Menschen kann nur dann sinnvoll unterstützt werden, wenn die Radfahrer auch einen Teil der Straße bekommen.</p>
<p><strong>Fahrradverleihsysteme haben ja in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Nachdem die Deutsche Bahn zunächst mit Call a Bike ein (bis auf Stuttgart) flexibles System angeboten hat, deuten der erfolgreiche Verlauf des stationenbasierten Systems in Hamburg und nun auch das derzeit laufende Testprojekt StadtRAD Berlin darauf hin, dass die Entwicklung hin zu stationenbasierten Systemen läuft. Wie beeinflusst dies die Ausrichtung von Call a Bike?</strong></p>
<p>Grundsätzlich wollen wir ja das Eigentum an Verkehrsmitteln möglichst minimieren, wir wollen „Nutzen statt Besitzen“ organisieren, so das die Leute gar kein Eigentum haben, weder beim Auto noch beim Rad. Auch mit dem Rad ist das nicht unproblematisch, weil alle ihr Rad mitschleppen wollen und wenn es regnet schleppen alle ihre Räder mit in die S-Bahn und dann gibt es ein Problem. Deshalb sind angemessene Mietradangebote sinnvoll, sowohl für die Bahn, als auch für die Stadtbewohner. Dort gibt es grundsätzlich zwei Philosophien, entweder das Call a Bike flex, wo das Rad an jeder Ecke steht und auch wieder abgegeben werden kann. Für diese Philosophie braucht man aber unglaublich viele Räder und moderne Ortungstechnik, die wir damals bei der Einführung noch nicht hatten. Deshalb haben Städte wie Stuttgart als erstes und Hamburg als zweites gesagt, dass sie Stationen haben wollen, die möglichst dicht stehen, um „die Verfügbarkeit im Kopf“ und die Planbarkeit der Wegekette für den Kunden zu erhöhen. In Hamburg zeigt sich nun, dass das sehr gut klappt, die dortige Entwicklung ist ein großer Erfolg. Allerdings wurde dieser Erfolg auch mit einem Nachteil erkauft, denn das stationenbasierte System ist unglaublich teuer. Jetzt müssen wir überlegen, wie wir das Angebot kontinuierlich weiterentwickeln können. In Hamburg war das stationenbasierte System gewünscht, aber es ist fraglich, ob sie das noch einmal so entscheiden würden. Mittlerweile gibt es durch das iphone viel bessere Möglichkeiten die Verfügbarkeit eines Rads zu überprüfen, jeder hat ein GPS-Gerät dabei und mit den neu entwickelten Apps ist es möglich, die Räder nicht nur zu lokalisieren, sondern auch auszuleihen und wieder abzugeben.</p>
<p><strong>Wie wird denn die zukünftige Namensgebung der DB-Fahrradverleihangebote sein? </strong></p>
<p>Wir sind dabei, die lokalen Identitäten stärker zu berückstichtigen. Das war in HH sehr wichtig, wo ein deutscher Name mit lokalem Bezug gewünscht war. Jetzt haben wir überlegt, jetzt machen wir eine Familie daraus, StadtRAD HH, StadtRAD Berlin und da können auch gerne noch weitere StadtRäder hinzukommen. Das System ist aber im Kern immer ein Fahrradverleihsystem auf einer einheitlichen technischen Plattform, wo auch – da legen wir besonderen Wert drauf – die Kunden gegenseitig freigeschaltet werden. Es gibt keine exklusiven Inseln, die Interoperabilität der Systeme ist für uns die sine quadro. Das heißt, es ist egal, wo man sich angemeldet hat und man kann automatisch in den verschiedenen Orten fahren.</p>
<p><strong>Das Ziel des <a href="http://www.bmvbs.de/pressemitteilung-,302.1090038/Mehr-Leihfahrraeder-in-den-Sta.htm" target="_blank">BMVBS-Wettbewerb zu Öffentlichen Leihfahrrädern</a> im vergangenen Jahr war ja, die Integration von Fahrradverleihsystemen in den traditionellen Öffentlichen Verkehr voranzutreiben. Gibt es denn bereits Beispiele für Verkehrsverbünde oder Verkehrsunternehmen, die diesem Bestreben positiv gegenüberstehen?</strong></p>
<p>Der Haupttreiber dieser Entwicklung ist ganz eindeutig die Deutsche Bahn, wo man ihr mal ein Kompliment machen muss. Die <a href="http://www.mvg-mein-rad.de/" target="_blank">Mainzer Verkehrsbetriebe</a> sind die zweiten, die dieses Thema für sich entdeckt haben. Die haben vor allem auch das Thema der Finanzierung super einfach gelöst, indem sie die Kosten für das Semesterticket um 2 EUR erhöht haben. Damit wird das Projekt jetzt finanziert, genau so muss man das machen. Dann gibt es die großen Verbünde, wie den VBB oder den RMV, die stehen dem Ganzen schon positiv gegenüber, aber es gibt keinen, der die Richtung vorgibt und die Entwicklung vorantreibt. Das eigentlich große Problem an der Thematik ist die unübersichtliche Governance-Struktur beim ÖV, denn die eigentlich Wichtigen sind ja die Verkehrsunternehmen. Die müssen das treiben. In Berlin gibt es die BVG oder die S-Bahn, die sind da durchaus interessiert, aber die müssen auch über die Verbünde und der bestehende Topf an Geldern ist ausgereizt, da kriegt man keine Mehreinnahmen mehr generiert. Deshalb müsste man das dann über Preiserhöhungen lösen und das muss man dann erstmal verkaufen. Ganz besonders skeptisch ist der süddeutsche Bereich, die wollen das gar nicht. Die Entwicklung bei Fahrradverleihangeboten ist aber mittlerweile soweit, dass sich keine größere Stadt – insbesondere keine Landeshauptstadt – mehr leisten kann, kein Fahrradverleihsystem zu haben. Allerdings gibt es einen großen konservativen Block beim Öffentlichen Verkehr, die keine Lust auf diese Entwicklung haben, weil die Bahn an die Aufteilung der Gelder für den ÖV ran möchte. Das wollen wir nämlich ganz klar, Leihfahrräder sind Teil des ÖV und müssen auch aus dem Topf des ÖV heraus finanziert werden, alles andere wird nicht funktionieren, insbesondere wenn man möchte, dass die ersten 30 min kostenlos sind.</p>
<p><strong>Wie also werden Fahrradverleihsysteme zukünftig finanziert?</strong></p>
<p>Die Bahn wird darüber reden, wie diese Systeme zukünftig betrieben werden können, jedenfalls nicht mehr für lau. Bestimmte Verkehrsangebote können nicht über die Nutzung finanziert werden, das ist einfach so. In Deutschland möchte man Fahrradverleihsysteme nicht der Werbeindustrie als Werbeformat überlassen, aus gutem Grund. Deshalb ist es wichtig, das Fahrrad als Teil des ÖV zu betrachten und auch zu finanzieren. Aber bei dieser Thematik sind wir noch mitten in der Debatte.</p>
<p><strong>Was sind denn aus Ihrer Sicht die Gründe für die bisherige Entwicklung von StadtRAD Hamburg, die ja die Erwartungen bei weitem übertroffen hat?</strong></p>
<p>Auf jeden Fall ist der große Bedarf da gewesen, endlich was zu machen in Hamburg. Lange Zeit ist dort das Thema Radverkehr nicht als Politikfeld entdeckt gewesen. Anscheinend hat die Stadt auf so ein System gewartet. Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) hat sich mächtig hinter das Projekt gestellt und das gut durchgezogen. Der politische Wille in Hamburg war sehr weit verbreitet. Für einen Betreibervertrag über zehn Jahre mit einer jährlichen Zahlung von einer Million pro Jahr, braucht es einen unglaublichen politischen Willen, so etwas tun zu wollen. Das ist die Grundvoraussetzung.</p>
<p><strong>Und wie ist ihre Einschätzung zu der kostenfreien Nutzung von 30 Minuten bei solchen Systemen? Als „Einstiegsdroge“ wirkt das ja offenbar sehr gut.</strong></p>
<p>Das muss irgendwann entschieden werden. Im Prinzip kommen wir da fast nicht mehr von weg. Die Deutsche Bahn ist ja eigenständiger Betreiber des Systems, von der Stadt Hamburg werden wir nur bei den Investitionen unterstützt. Alle Freiminuten sind für uns als Betreiber deshalb nicht so günstig. Dennoch sind wir auch mit dem wirtschaftlichen Erfolg sehr zufrieden. Ich bin überzeugt, dass man einen guten Kompromiss zwischen Nutzer- und Betreiberbedürfnissen finden kann. Im Zweifel sollte man aber den Nutzern stärker entgegen kommen, denn das große Ziel ist ja, dass die Leute vom MIV wegkommen.</p>
<p><em>Prof. Dr. Andreas Knie: Geschäftsführer Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel GmbH (<a href="http://www.innoz.de/artikel_aufsaetze_buecher.html" target="_blank">InnoZ</a>); Leiter der <a href="http://www.wzb.eu/gwd/mobi/" target="_blank">Projektgruppe Mobilität </a>am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (<a href="http://www.wzb.eu" target="_blank">WZB</a>); Bereichsleiter &#8220;Intermodale Dienste&#8221; bei der <a href="http://www.dbfuhrpark.de/" target="_blank">DB Rent GmbH</a>.</em></p>
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		<title>Nachnachvorpost in der DDR</title>
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		<pubDate>Tue, 11 May 2010 21:55:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Verena Pfeiffer-Kloss</dc:creator>
				<category><![CDATA[Städtebau & Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Marzahn-Hellersdorf]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsmoderne]]></category>

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		<description><![CDATA[Zum 80. Geburtstag des ehemaligen Chefarchitekten von Berlin, Hauptstadt der DDR, Roland Korn, zeigt der rbb auf seiner Internetseite ein Interview mit Korn (Haus des Reisens, Hotel Stadt Berlin, Staatsratsgebäude). Er war ab 1973 Chefarchitekt Berlins und damit betraut mit der Bebauung von Marzahn, wozu er weltweit, auch in West-Berlin, im Märkischen Viertel, Anregungen sammelte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum 80. Geburtstag des ehemaligen Chefarchitekten von Berlin, Hauptstadt der DDR, Roland Korn, zeigt der rbb auf seiner Internetseite ein Interview mit Korn (Haus des Reisens, Hotel Stadt Berlin, Staatsratsgebäude).</p>
<p>Er war ab 1973 Chefarchitekt Berlins und damit betraut mit der Bebauung von Marzahn, wozu er weltweit, auch in West-Berlin, im Märkischen Viertel, Anregungen sammelte. Zeitgleich veranlasste er erste Sanierungen der Altbausubstanz und war verantwortlich für das postmoderne Projekt Nikolaiviertel&#8230;</p>
<p><a href="http://rbb-online.de/abendschau/archiv/archiv.media.!etc!medialib!rbb!rbb!abendschau!abendschau_20100511_korn.html">Interview mit Roland Korn</a></p>
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		<title>Interview zum spacemag #2</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Mar 2010 22:26:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Tim Birkholz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Gaffa Urbanismus]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[spacedepartment]]></category>
		<category><![CDATA[Spacemag]]></category>
		<category><![CDATA[Streetart]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir von urbanophil sind aus dem Häuschen: Kürzlich erschien Ausgabe 2 des Magazins spacemag, vom Hamburger spacedepartment. Die Ausgabe steht unter dem Motto &#8216;Gaffa Urbanismus&#8216;, jedes einzelne Titelblatt der Ausgabe ist individuell mit verschiedenen Tapebändern gestaltet (s. Foto) und inhaltlich sind wir von der Vielseitigkeit und dem Gehalt des Magazins durchweg begeistert. Im Impressum ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2010/03/S.P.A.C.E-M.A.G-Tape-blog1.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-4384" style="margin: 2px; border: 2px;" src="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2010/03/S.P.A.C.E-M.A.G-Tape-blog1.jpg" alt="" width="445" height="267" /></a></p>
<p>Wir von urbanophil sind aus dem Häuschen: Kürzlich erschien Ausgabe 2 des Magazins spacemag, vom Hamburger <a href="http://www.spacedepartment.de/" target="_blank">spacedepartment</a>. Die Ausgabe steht unter dem Motto &#8216;<a href="http://www.spacedepartment.de/wordpress/spacemag/spacemag-2.html" target="_blank">Gaffa Urbanismus</a>&#8216;, jedes einzelne Titelblatt der Ausgabe ist individuell mit verschiedenen Tapebändern gestaltet (s. Foto) und inhaltlich sind wir von der Vielseitigkeit und dem Gehalt des Magazins durchweg begeistert. Im Impressum ist zu lesen, dass das spacemag &#8220;ein Magazin für urbane Phänomene und urbane Alltagskultur&#8221; ist. Wir von urbanophil wollten es ein bisschen genauer wissen: spacedepartment, wer ist das eigentlich? Wie kam es zum spacemag, was ist jetzt nochmal genau Gaffa Urbanismus und darf man zukünftig noch mehr erwarten?<br />
Genügend Anlässe für ein ausführliches Interview mit Sven Lohmeyer vom spacedepartment aus Hamburg. Neben den bereits angesprochenen Themen ging es um derzeitige Entwicklungen in der Hansestadt, wie die Künstlerproteste im Gängeviertel und die Diskussionen um den Innenstadt-Ikea in Hamburg Altona und welchen Einfluss das Internet und soziale Medien auf Stadtplanung und Stadtentwicklung ausüben.</p>
<p><em>UP: Wie kam es zu dem Thema eurer aktuellen Ausgabe des spacemag: „Gaffa Urbanismus“?</em><br />
SD: Einige Mitglieder vom spacedepartment beschäftigen sich seit Längerem mit dem Thema des informellen Städtebaus und wir wollten daher ein Magazin darüber machen. Lange Zeit war also „Informelle Stadt“ der Arbeitstitel dieser Ausgabe. Aber das war uns am Ende ein zu sperriger Begriff. Wir haben dann „Gaffa Urbanismus“ als Kunstwort erfunden, als Synonym für etwas &#8216;nicht reglementiertes&#8217;, etwas &#8216;(noch) nicht fertiges&#8217;. Wir haben dann ein &#8216;Call for Papers&#8217; veröffentlicht und gewartet was passiert: Was weckt dieser Begriff für Assoziationen? Wie entwickelt sich der Begriff? Im Magazin ist nun natürlich viel über Streetart, viel über Gaffa-Kunst und das Gaffa-Tape zu lesen, aber eben auch über&#8230;<span id="more-4379"></span> informellen Städtebau und Situationismus. Die breite Streuung, die im Magazin wiederzufinden ist, ist durchaus beabsichtigt und macht auch den Reiz aus. Ich bin durchaus gespannt, ob und wie der Begriff an anderer Stelle wiederverwendet wird. Wir haben das Thema übrigens jetzt nicht abgeschlossen sondern werden unter der Domain<a href="www.gaffaurbanismus.de" target="_blank"> gaffaurbanismus.de</a> künftig ein wenig bloggen. Vielleicht vergeben wir irgendwann auch mal einen Gaffa-Award oder ähnliches. Mal sehen.<a href="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2010/03/MG_8880.jpg"><img class="size-full wp-image-4397 alignleft" src="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2010/03/MG_8880.jpg" alt="" width="462" height="308" /></a></p>
<p><em>u</em><em>p: Und könnt ihr von dem Magazin schon leben?</em><br />
sd: Nein, ganz im Gegenteil. Das Projekt ist im Moment sogar noch ein Zuschussgeschäft. Das spacemag ist ein Liebhaberprojekt und lebt von unserer persönlichen Begeisterung für urbane Themen und natürlich der Begeisterung der Autoren, die uns ihre Texte unentgeltlich zur Verfügung stellen. Dass eine Ausgabe die nächste finanziert ist erstmal das Ziel. Im Moment haben wir noch gar keine Werbung geschaltet. Das werden wir für Ausgabe #3 ändern, indem wir Läden und Produkte mit reinnehmen, hinter denen man stehen kann. Auch das nicht, um reich zu werden sondern um mittel- bis langfristig die Auflage zu erhöhen und auch mal Interviewreisen zu realisieren. Den Autoren was zahlen zu können, bspw. ein Zugticket samt Übernachtung für unsere Releasepartys, fände ich persönlich auch sehr cool.</p>
<p><em>up: Das heißt übersetzt, ein bisschen Werbung für euer Magazin kommt euch im Moment durchaus gelegen?</em><a href="http://www.spacedepartment.de/wordpress/spacemag/spacemag-2.html" target="_blank"> [z.B. durch Verlinkung zur Website mit Bestellinformationen]</a><br />
sd: Im Moment kennt uns ja nur ein ganz kleiner Kreis von Leuten. Wir werden zwar bald die dritte Auflage von Ausgabe #2 drucken, aber eine Auflage hatte auch lediglich 100 Exemplare. Mit der dritten Ausgabe wollen wir etwas wagen und eine Auflage von 1.000 Stück drucken. Wir haben die Ambition stadtrelevante Themen zu vermitteln und in Kreise zu tragen, die sonst keine Architekturmagazine lesen.<br />
Mein Eindruck ist, dass (auch durch das Internet) das Interesse an Stadt-Themen generell größer wird, so wie auch der Wunsch Stadt selber mitzugestalten und zu planen. Diese Entwicklung möchten wir durch unser Magazin unterstützen. Und na klar, Werbung tut unserem Magazin daher immer gut.</p>
<p><em>up: Wie geht es also weiter mit dem spacemag und was sind die Pläne des spacedepartment für die Zukunft?</em><br />
sd: Im Moment ist auf jeden Fall eine Phase der Weichenstellung, denn natürlich kommt die Frage auf, was aus dem Projekt wird, wenn wir alle mal das Diplom in der Tasche haben und die Gefahr ist groß, dass sich die Sache verliert. Bei einigen von uns existiert deshalb auf jeden Fall der Wunsch, sich selbständig zu machen und als Büro zu etablieren. Mal schauen, ob uns das gelingt.<br />
An neuen Projektideen neben dem Magazin haben wir im Moment vor allem ein Podcast-Projekt, das im Sommer an den Start gehen soll. Das Magazin ist im Moment aber das Hauptprojekt, das es uns als Gruppe ermöglicht, persönlich und fachlich in Kontakt zu bleiben, auch wenn wir räumlich mal etwas weiter verstreut sein sollten. Der nächste Call for Papers wird wohl bereits im April veröffentlicht. Erscheinen wird Ausgabe #3 wahrscheinlich im Spätsommer.</p>
<p><em>up: Wie kam es denn überhaupt zur Gründung vom spacedepartment, wie habt ihr euch kennengelernt und wie ist die Idee entstanden, ein Magazin zu machen?</em><br />
sd: Wir sind alle Studierende oder Absolventen der Stadtplanung an der Hafencity-Universität in Hamburg und haben uns schon innerhalb der ersten zwei Wochen des Studiums kennengelernt. Im Verlauf des Studiums müssen wir mehrere Studienprojekte machen und vier von uns haben schon im ersten Projekt zusammen gearbeitet. Das spacemag ist 2008 im Rahmen unseres letzten Studienprojekts entstanden. Wir wollten am Ende ein Produkt haben, das den Uni-Kosmos verlässt. Ein Magazin erschien uns da als die richtige Form. Im Rahmen dieser Arbeit haben wir auch externe Autoren gefragt, ob sie Beiträge schreiben würden. Die Resonanz war vollkommen überraschend. Von 17 angefragten Autoren – darunter Professoren und Unternehmer – haben sich 11 bereit erklärt, unentgeltlich Beiträge zu verfassen, weil sie das Projekt super fanden. Das war eine tolle Erfahrung, dass es so viele Menschen gibt, die Lust haben bei unserem Projekt mitzumachen. Auch die Uni fand das Projekt gut und hat glücklicherweise eine Förderung für den Druck ermöglicht. Positives Leserfeedback gab es dann auch noch, naja, und bei diesem insgesamt sehr positiven Auftakt wollten wir es dann nicht belassen sondern weitermachen. Gegründet haben wir spacedepartment allerdings schon früher. Bereits im Oktober 2007 kam der Wunsch auf, sich nicht nur theoretisch mit urbanen Themen zu beschäftigen sondern selber aktiv zu werden. So kam die Idee auf, sich einen gemeinsamen Arbeitsraum zu suchen&#8230;</p>
<p><em>up: Was in Hamburg wahrscheinlich gar nicht so einfach ist, oder?</em><br />
sd: Schon, aber es ging glücklicherweise sogar relativ schnell. Wir haben Kontakt zu <a href="http://frappant.blogsome.com/" target="_blank">Frappant</a>,<em> [ein Zusammenschluss von ca. 120 - 140 Künstlern und Kreativen in Hamburg]</em> aufgenommen, die zu dem Zeitpunkt noch in einer alten Shopping-Passage saßen und durch die bekamen wir den Tipp, dass ein Architekt in einem leer stehenden Supermarkt einen Arbeitsraum eingerichtet hatte. Dort war noch reichlich Platz vorhanden und so kamen wir an unseren ersten Arbeitsraum.</p>
<p><em>up: Habt ihr weiterhin euren Arbeitsraum?</em><br />
sd: Mittlerweile sind wir in unserem dritten Arbeitsraum innerhalb von drei Jahren. Zunächst sind wir in ein jahrelang <a href="http://frappant.blogsome.com/2010/02/01/presse-update-vom-12022010/" target="_blank">leer stehendes Karstadt-Gebäude</a> in der Großen Bergstraße in der Nähe des Bahnhofs Altona gezogen. Dort haben wir als Mitglied von Frappant einen Raum bekommen. Frappant hatte die Genehmigung, dort Räumlichkeiten zu vermieten. Nach einem<a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,673299,00.html" target="_blank"> positiven Bürgerentscheid</a> kommt dort nun jedoch ein IKEA hin, <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,671819,00.html" target="_blank">weshalb wir wieder umziehen mussten</a>.</p>
<p><em>up: Ikea und Frappant sind ein gutes Stichwort. Denn nicht nur diese Entwicklung hat über Hamburg hinaus Öffentlichkeit erzeugt, vor allem die<a href="http://nionhh.wordpress.com/" target="_blank"> Künstlerproteste im Gängeviertel</a> haben bundesweit für Aufsehen gesorgt, das Manifest wurde u.a. in der <a href="http://www.zeit.de/2009/48/Kuenstlermanifest" target="_blank">ZEIT </a>abgedruckt. Wie habt ihr diese Entwicklung verfolgt und hat sich durch die Proteste etwas verändert, z.B. auch für euch bzw. Frappant?</em><br />
<em></em>sd: Die Gängeviertel-Geschichte hat eine<a href="http://www.zeit.de/kultur/2009-11/hamburg-gaengeviertel" target="_blank"> riesige Welle der Solidarität ausgelöst, </a>womit der Senat in Hamburg so wohl überhaupt nicht gerechnet hatte. Selbst im bürgerlichen Lager hat es große Unterstützung für die Künstlerproteste gegeben. Durch die große Welle der Solidarisierung hat es ein engeres Zusammenrücken verschiedener Initiativen gegeben, was auf jeden Fall sehr positiv zu sehen ist. Dennoch hat mich die Entscheidung pro IKEA in Altona nicht überrascht, das war nochmal eine andere Geschichte. „Dieser hässliche leer stehende Karstadt-Block“ war in der Bevölkerung der Ausdruck bzw. das Symbol, dass diese Gegend in den letzten Jahren „vollkommen heruntergekommen“ ist, weshalb letztendlich eine deutliche Mehrheit der Altonaer Bürger für die PRO-IKEA-Initiative Altonaer Geschäftsleute gestimmt hat.<br />
Allerdings hat der Bezirk Altona schon längere Zeit beobachtet, dass sich im Zusammenhang mit Frappant zahlreiche Aktivitäten und Aufmerksamkeiten entwickelt haben. Daher besteht von Seiten des Bezirkes ein gewisses Interesse, uns Kreative und Künstler im Bezirk zu halten. Ich hoffe, dass durch die Diskussionen der letzten Monate, einige Dinge für derartige Initiativen und Vereine einfacher werden. Ein Beispiel dafür ist, dass die Finanzbehörde bis vor kurzem kommunale Gebäude und Liegenschaften hauptsächlich im Höchstgebotsverfahren vergeben hat. Das <em>soll </em>sich zukünftig ändern, das Konzept soll mehr in den Fokus rücken. Hier hat sich also bereits etwas getan.</p>
<p><em>up: Bei urbanophil waren das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten, Informationen zu urbanen Themen zu bündeln, zu kommentieren und zu filtern, sowie vor allem selbst als Produzent von Informationen tätig zu werden, einer der wichtigsten Anlässe zur Gründung. Welche Bedeutung hat das Internet für euch mittlerweile? Wie ist hier euer Selbstverständnis?</em><br />
sd: Das würden die Leute in unserer Gruppe sehr unterschiedlich beantworten. Einige von uns sind auf jeden Fall sehr enthusiastisch. Rudi [Rudolf Klöckner] z.B. hat mit<a href="http://www.urbanshit.de/" target="_blank"> urbanshit.de</a> seinen eigenen Streetart-Blog, auf dem er im Moment mehrmals täglich postet. Einige andere nutzen das Netz nicht so intensiv. Klar haben wir ja auch ne <a href="http://www.spacedepartment.de/" target="_blank">Website</a>, wir sind auch auf <a href="http://www.facebook.com/pages/SpaceDepartment/83015518860" target="_blank">Facebook</a>, aber eine allgemeine Meinung zum Internet gibt es in unserer Gruppe sicherlich nicht. Ich persönlich nutze das Netz und alle möglichen Web-2.0-Geschichten sehr ausgiebig und denke auch, dass wir diese in Zukunft intensiver nutzen werden. Diese Kanäle bieten halt grandiose Möglichkeiten, um Kommunikation auf Augenhöhe zu führen und direktes Feedback zu bekommen. Gerade beim spacemag sind wir ja sehr auf Feedback angewiesen.</p>
<p><em><em>up: Und was glaubst du, was das Internet für einen Einfluss auf das Feld der Stadtplanung, bzw. Stadtentwicklung allgemein ausüben wird?</em></em><br />
sd: Die Frage finde ich schwierig zu beantworten. Bei Bewegungen wie rund um das Gängeviertel spielen das Netz und vor allem die sozialen Medien mit Sicherheit eine große Rolle. Die Möglichkeiten der Mobilisierung sind hier einfach unglaublich hoch, da spielen diese Kanäle ihre Stärken aus. Für die Profession Stadtplanung wird es denke ich einfacher, mit anderen Disziplinen oder untereinander mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen.</p>
<p><em><em>up: Das können wir von urbanophil so bestätigen, denn ohne das Internet hätten wir vielleicht noch gar nicht vom spacemag erfahren! Vielen Dank für diesen spannenden Einblick in eure Arbeit. </em></em><br />
<em></em>sd: Ich danke auch, vielleicht bis bald bei einer eurer nächsten Veranstaltungen.</p>
<p>Und so endete ein spannendes und inspirierendes Gespräch. Mittlerweile hat sich der beim Interview angekündigte Besuch konkretisiert und so wird das spacedepartment voraussichtlich an unserem <a href="http://www.facebook.com/event.php?eid=107728729251879&amp;ref=mf" target="_blank">urbanoQUIZ im Bierpinsel</a> teilnehmen. Wahrscheinlich wird es die Möglichkeit geben, das spacemag vor Ort zu erwerben. Wer nicht warten möchte, der <a href="http://www.spacedepartment.de/wordpress/spacemag/spacemag-2.html" target="_blank">bestelle bitte ein Exemplar per E-Mail.</a></p>
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		<title>Interview mit der Künstlerin Daniela Brahm</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Dec 2009 14:31:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.hoeffken</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Daniela Brahm]]></category>
		<category><![CDATA[ExRotaprint]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Künstlerin Daniela Brahm beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit der Stadt als sozialem Raum. Zudem ist sie Mitbegründerin von ExRotaprint. Dies ist eine ungewöhnliche Initiative von Künstlern um ein altes Fabrikgelände als Raum für das Zusammentreffen von Kunst und urbaner Alltagskultur zu erhalten. Ihre letzte Installation in Warschau, &#8220;The Big Argument&#8220;, war inspiriert durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone" title="Daniela Brahm: The Big Argument" src="http://urbanophil.net/wp-content/uploads/2009/12/Daniela_Brahm_the-big-argument.jpg" alt="" width="404" height="296" /></p>
<p>Die <a href="http://www.danielabrahm.de/" target="_blank">Künstlerin Daniela Brahm</a> beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit der Stadt als sozialem Raum. Zudem ist sie Mitbegründerin von <a href="http://www.exrotaprint.de" target="_blank">ExRotaprint</a>. Dies ist eine ungewöhnliche Initiative von Künstlern um ein altes Fabrikgelände als Raum für das Zusammentreffen von Kunst und urbaner Alltagskultur zu erhalten. Ihre letzte Installation in Warschau, &#8220;<a href="http://www.danielabrahm.de/projekt.php?projekte_id=36">The Big Argument</a>&#8220;, war inspiriert durch die Auseinandersetzung zwischen sozialen Gruppierungen in Warschau. Auf diese Weise mischt sich die Stimme der Kunst in den urbanen Diskurs. Dieses Zusammenspiel aus Kunst und sozialer Aktivität war der Grund, sich mit Daniela Brahm eingehender zu unterhalten.</p>
<p>In diesem Zusammenhang organisiert <a href="http://www.urbanophil.net">urbanophil </a>in Kooperation mit den <a href="http://jungemeister.net/" target="_blank">Jungen Meistern</a> am 14. Januar eine Führung durch das ExRotaprintgelände und die Arbeit von Daniela Brahm.</p>
<p><em>(Das Interview führten <a href="http://www.archplus.net/index2.php?c=6" target="_blank">Cornelia Escher</a> und <a href="http://www.urbanophil.net/index.php/uber-uns/stefan-hoffken/" target="_blank">Stefan Höffken</a>).</em></p>
<p><strong>Kürzlich hast du in Warschau eine Installation realisiert: &#8220;The Big Argument&#8221;. Dieses Arbeit setzt sich ja mit der gebauten Umwelt auseinander. Kannst du kurz beschreiben, worum es dir dabei ging?</strong></p>
<p>Die Installation &#8220;The Big Argument&#8221; realisierte ich auf Einladung des Museum of Modern Art in Warsaw für den Platz, an dem in Zukunft der Neubau des Museums entstehen soll. Die Idee war, den Diskurs der Kunst, der innerhalb einer kleinen Gruppe von Menschen geführt wird, in die Stadt und damit in die Öffentlichkeit zu bringen und transparent zu machen. Was mich in Warschau besonders beeindruckt, ist die visuelle Lautstärke, mit der die unterschiedlichsten Gruppierungen versuchen, Einfluss zu gewinnen und ihre Projekte zu realisieren. Die Stadt ist voll mit Plakaten, haushohen Billboards, Texten auf Wänden und Schildern, voll mit Neubauten, Glasfassaden, Markthallen, Marktständen und fliegenden Händlern.</p>
<p><strong>Das heißt alle möglichen sozialen Interessengruppen besetzen den Stadtraum? Jede versucht also mit ihren – sehr unterschiedlichen – Mitteln, sich durchzusetzen?</strong></p>
<p>Ja, diese &#8220;große Auseinandersetzung&#8221; prägt das Bild, das durch die unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten, die dahinter stehen, zu einem sehr diversen Bild wird. Das fasziniert mich. Und davon handelt die Installation. Dass sich die Kunst in dieses Getümmel einmischt, ist eher selten. Und das, obwohl wir den Stadtraum als ein wesentliches Referenzsystem sehen können, das die Gegenwartskunst ausmacht.</p>
<p><span id="more-3314"></span></p>
<p><strong>Die „große Auseinandersetzung“ ist also für dich das Besondere an Warschau. Diese wird ja von den dort lebenden Menschen geführt. Auf deinen Bildern hingegen sieht man viele Gebäude &#8211; und wenige Menschen. Wieso?</strong></p>
<p>Die Plakatwände, die ich in Warschau habe aufstellen lassen, sind plakatiert mit Zeichnungen, die ich nach einem Rechercheaufenthalt in Warschau angefertigt habe. Ich habe mich mit dem Projekt ganz auf die Stadt eingelassen, alle Häuser auf den Zeichnungen sind signifikant für Warschau, ob als Typus oder als einzelnes Gebäude. Natürlich ist dies meine individuelle Selektion, ausgehend von Beobachtungen über die jüngere Geschichte der Stadt, maßgeblich ab dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg, der die Stadt bis heute prägt. Es sind Häuser, die mich faszinieren, ob aus Überzeugung oder aus Unverständnis, aber sie alle erzählen von einem gesellschaftlichen Willen. In den Zeichnungen habe ich versucht, Warschau durch seine Gebäude zu verstehen.</p>
<p><strong>Du bist also eine Künstlerin, die sich mit dem Thema Stadt auseinandersetzt. Was bedeutet daher das Urbane für dich? </strong></p>
<p>In meiner Arbeit bezieht sich alles auf die Stadt. Und im Umkehrschluss: Ich hole alles aus der Stadt. Dabei sind es nicht nur die Metropolen, die interessieren, es sind auch und manchmal gerade die Ränder, die unsere Gegenwart deutlich werden lassen. Die gebaute Umwelt spricht über die gesellschaftlichen Zustände, man muss nur anfangen, sie zu lesen. Dann entsteht das Bild, die Dinge werden vergleichbar, das Spezielle, Lokale und das Globale liegen dann sehr nahe beieinander.</p>
<p><strong>Und welche Rolle spielt deine eigene urbane Umgebung – also Berlin – für dich?</strong></p>
<p>Ich weiß nicht, ob ich so ein ausgeprägtes Empfinden für Raum auch woanders entwickelt hätte. Dafür lebe ich schon zu lange in Berlin. Ich habe Berlin immer als die Stadt verstanden, die über die Möglichkeiten des Raums gesellschaftliche Möglichkeiten entwickelt. Das lag an dem seltsam konservierten, lückenhaften Zustand der Stadt aufgrund der Teilung, und dann an deren Entwicklung nach dem Mauerfall. Das Füllen der Lücken. Provisorisch, zielgerichtet, in Veränderung, immer manifest. Die Berliner Kunstszene der 90er Jahre war trunken von den Möglichkeiten durch Raum. Da wurde nicht nur experimentiert, da wurde auch ein hohes Niveau im Umgang mit Raum geschaffen, das ich persönlich oft vermisste, wenn ich andere &#8220;Kunststädte&#8221; besuchte, die – zumeist einem finanziellem Druck geschuldet – nicht diese Verbindung von Kunst und Raum schaffen konnten.</p>
<p><strong>Gilt das auch für euer sozio-kulturelles Projekt in Berlin Wedding, ExRotaprint? Wie kam es zu diesem Projekt?</strong></p>
<p>Das ehemalige Rotaprint-Gelände heißt heute ExRotaprint. Zusammen mit dem Künstler Les Schliesser habe ich 2005 ein Konzeptpapier für eine Übernahme des Geländes durch eine Mieterinitiative geschrieben &#8230; eigentlich aus der Not heraus, da wir unsere Ateliers in einem spektakulären denkmalgeschützten Ensemble hatten, das in der Warteschleife der Verwertung vor sich hin dümpelte. Wir wollten an diesem Ort eine sinnvolle Projektentwicklung starten, die das Gelände erhält und gleichzeitig positive Impulse für den Bezirk gibt, ohne zwangsläufig die Spirale von Aufwertung und Verdrängung in Gang zu setzen. Wir haben zunächst mit den Mietern vor Ort einen Verein gegründet, mit Les Schliesser, Anna Schuster und mir als Vorstand. Wir haben eine sehr schwierige Zeit durchgestanden, bis wir,die von Künstlern initiierte Nutzerinitiative, als &#8220;Investoren&#8221; anerkannt wurden und plausibel machen konnten, dass ExRotaprint nicht nur sozial sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich stabil sein kann.</p>
<p><strong>Wie lief diese Anerkennung als „Investoren“?</strong></p>
<p>Heute hat ExRotaprint vor allem wegen seiner rechtlichen Konstruktion Modellcharakter. Wir haben die gemeinnützige GmbH ExRotaprint gegründet, die das Gelände alleinverantwortlich führt und jeden Cent, der hier über die Mieten erwirtschaftet wird, zurück in den Erhalt des Baudenkmals fließen lässt. Wir haben den Kauf des Geländes nicht über einen Bankkredit finanziert sondern uns für die Zusammenarbeit mit den Stiftungen trias und Edith-Maryon entschlossen, deren Stiftungsziel es ist, die Spekulation mit Grund und Boden zu verhindern und Alternativen im Umgang mit Eigentum zum fördern. Die Stiftungen haben das Gelände gekauft und am selben Tag in einem 99-jährigen Erbbaurechtsvertrag an die ExRotaprint GmbH weitergegeben. Damit ist es ausgeschlossen, dass das Gelände weiterverkauft wird oder dass Gewinn durch Besitz und Rendite in private Taschen abfließt. Denn genau das kann solch ein Projekt scheitern lassen.</p>
<p><strong>Dies ist ein Beispiel einer Kombination aus Kunst und gesellschaftlichem Anspruch, die in einem spezifischen Umgang mit dem urbanen Raum resultiert. Siehst du auch problematische Seiten im Verhältnis von Kunst und urbanem Leben? Ich denke etwa an das gerade verfasste <a href="http://www.zeit.de/2009/46/Kuenstlermanifest" target="_blank">Künstler-Manifest in Hamburg</a>, in dem sich die Künstler gegen die Instrumentalisierung im Werbefeldzug für die Marke Hamburg wehren.</strong></p>
<p>Kunst und urbanes Leben scheinen heutzutage ja fast untrennbar zu sein. Kultur und Architektur werden nicht nur für den Tourismus zielgerichtet vermarktet, als Attraktivitätssteigerung für die Städte, sondern die Kunst ist auch – wie in Berlin – als Motor für wirtschaftliche Entwicklung fest eingeplant. Ich finde solche Instrumentalisierungen problematisch. Die Kunst füllt eine Lücke, wenn die Produktivität nachgelassen hat und Jobs verloren gegangen sind. Und der selbstständige Kreative, der die Sozialsysteme kaum in Anspruch nimmt, ist ja bereits zum Vorbild für den Abbau eben dieser geworden. Man muss als Künstler schon aufpassen, nicht im Dienst der falschen Interessen zu stehen.<br />
Es ist faszinierend, wie stark und wie schnell insbesondere junge Kreative Infrastrukturen herstellen, niederschwellig von heute auf morgen das Nötige einrichten, um sich zu treffen, zu kommunizieren und Projekte zu starten. Diese Dynamik finde ich eigentlich immer am spannendsten, solange noch kein städtisches Instrument aufgesprungen ist, um sie zu institutionalisieren.</p>
<p><strong>Das sehen wir natürlich genauso&#8230; Auch unser Netzwerk lebt ja vom Interesse an dieser Dynamik. Daher wird Berlin immer wieder als Künstler-Paradies gefeiert. Das ist auf der einen Seite sicher richtig. Andererseits stehen Politik und Kreativschaffende sich häufig auch entgegen – ich nenne nur das prominente Beispiel Mediaspree?</strong></p>
<p>Berlin ist ein sehr guter Produktionsstandort für Kunst. Hier kann man Kunst machen. Das ist schon lange so, und keiner hat sich so recht darum gekümmert. Natürlich ist das den relativ niedrigen Kosten geschuldet und weil man Raum zum Arbeiten findet. Jahrzehnte lang sind Künstler aus diesem Grund in die Stadt gezogen, und jetzt, als der Zenit eigentlich überschritten ist, und finanzieller Druck auch hier langsam entsteht, jetzt wird es gewollte politische Strategie. Künstler schaffen sich ihr Künstler-Paradies eigentlich selbst ab, denn sie haben den Standort attraktiv gemacht und werden danach durch zahlungskräftigeres Publikum verdrängt. Wir haben bei ExRotaprint viel über diesen Widerspruch nachgedacht. Ich denke, es ist grundsätzlich ein Fehler, die Kunst isoliert zu betrachten. Man muss ein gesamtgesellschaftliches Bild aufstellen, um langfristig wirken zu können. Künstler können mit viel Energie in kürzester Zeit etwas aufstellen, oft ist aber die Bereitschaft, sich langfristig zu engagieren, nicht sehr hoch. Viele sind Nomaden, verdienen ihr Geld irgendwo, selten aber da, wo sie arbeiten, oft nicht durch Kunst, sie haben wenig lokale Haftung.</p>
<p><strong>Und dem wollt ihr eine Alternative entgegensetzen&#8230;</strong></p>
<p>Wir wollten von Anfang an bei ExRotaprint keine Insel für Künstler schaffen. Wir vermieten je ein Drittel der Flächen an Kunst, an produzierendes Gewerbe und an soziale Träger. Damit haben wir ein umfassendes Spektrum von Menschen, sozialen Schichten, Lebensumständen, Herkunft und geleisteter Arbeit an einem Ort. Das weckt Interesse, fördert Netzwerke, im besten Fall Kooperationen und verhindert die Isolation unter Gleichgesinnten. Mir selbst als Künstlerin ist es wichtig, an einem Ort zu sein, der ein Stück gelebte Realität ist, der die gesellschaftlichen Umstände spiegelt und mir Einblicke gewährt, die ich nicht hätte, wenn ich unter einer gut gemeinten Glocke leben würde. Ich denke, Berlin täte gut daran, diese diversifizierten Zusammenhänge zu fördern, in denen Kunst ein Faktor ist, und nicht nur auf deren Hochgeschwindigkeits-Potentiale zu setzten, die immer zu Gentrifizierung führen. Am Ende hätten sehr viel mehr Menschen etwas davon.</p>
<p><strong>Auch hier können wir uns dieser Aussage voll anschließen. Was uns in diesem Zusammenhang interessiert, ist die Rolle des Liegenschaftsfonds. Auf dem Stadtforum für &#8220;Kreativwirtschaft und Stadtentwicklung&#8221; war er nicht vertreten, obwohl wir ihn als einen wichtigen Akteur in diesem Umfeld gesehen hätten.</strong></p>
<p>Der Liegenschaftsfonds ist ein Ableger des Finanzsenats. Da gibt es viele, auch personelle Beziehungen. Und in Anbetracht der Haushaltslücken ist der Finanzsenat angehalten, Geld zu machen. Alle Grundstücke, die Berlin nicht für seine eigenen Bedürfnisse braucht, sollen deshalb verkauft werden. Ich habe es bis heute nicht verstanden, warum der Liegenschaftsfonds von der Berliner Politik nicht in komplexere Entwicklungen einbezogen wird, die vielleicht kurzfristig weniger Erlös bringen, langfristig aber die Potentiale der Stadt stärken und damit durchaus wirtschaftlichen Erfolg bedeuten können.</p>
<p>Auch im Bieterverfahren für ExRotaprint ging es nicht um Konzepte sondern nur um Beträge. Hätte damals unser Konkurrent, ein isländischer Investor, gekauft, ich glaube wir können davon ausgehen, das das Rotaprint-Gelände heute erneut zum Verkauf stehen würde.</p>
<p><strong>Da muss doch Frust aufkommen. Und wenn der Liegenschaftsfonds dann bei einer solch wichtigen Diskussion nicht dabei ist&#8230; wann dann?</strong><br />
Das Verrückte ist, ich bin mir sicher, dass von Seiten des Senats für Stadtentwicklung die Einbindung des Liegenschaftsfonds in diese Vorgänge gewollt ist. Da gibt es Gerangel innerhalb der Berliner Politik, der Liegenschaftsfonds wird abgeschirmt, und die Stadtentwicklung versucht irgendwie Konzepte zu entwickeln, ohne ihr größtes Potenzial, nämlich die Grundstücke, einbinden zu können. Ich denke, es ist unbedingt Aufgabe der Berliner Politik, diese Machtfrage zu klären, damit mit dem verblieben Raum Orte gestaltet werden können, die langfristig soziale Potentiale und natürlich auch Geld &#8211; im Sinne von laufenden Steuereinnahmen- für Berlin erzeugen können.</p>
<p><strong>Vielleicht bewegt sich durch Projekte wie ExRotaprint, stadtweite Diskussionen und eben die Dynamik der Netzwerke etwas in diese Richtung. Wir wollen dabei sein. Vielen Dank für das Interview.</strong></p>
<p><strong><br />
</strong></p>
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		<title>Interview mit JungeMeister.net</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jul 2009 14:13:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.hoeffken</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kunst & Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Führungen]]></category>
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		<category><![CDATA[Junge Meister]]></category>

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		<description><![CDATA[Durch unsere Führung durch die Ausstellung Megastructure Reloaded haben wir die kuratorische Assistentin des Projekts, Cornelia Escher, kennengelernt, welche nun bei JungeMeister.net – Kunstnetzwerk Berlin e.V. aktiv ist – ein Verein, „der seit fast drei Jahren unterschiedlichen jungen Leuten einen Zugang zur Berliner Kunstlandschaft ermöglicht und dabei insbesondere hinter die Kulissen des Kunstbetriebes schaut“. Mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Durch unsere Führung durch die Ausstellung <a href="http://www.megastructure-reloaded.org/" target="_blank">Megastructure Reloaded</a> haben wir die kuratorische Assistentin des Projekts, Cornelia Escher, kennengelernt, welche nun bei <a href="http://jungemeister.net/" target="_blank">JungeMeister.net</a><a href="http://jungemeister.net/" target="_blank"> – Kunstnetzwerk Berlin e.V.</a> aktiv ist – ein Verein, „der seit fast drei Jahren unterschiedlichen jungen Leuten einen Zugang zur Berliner Kunstlandschaft ermöglicht und dabei insbesondere hinter die Kulissen des Kunstbetriebes schaut“.</p>
<p>Mit ihrem Kollegen Benjamin Steil möchte Sie im kommenden Semester stärker künstlerische und architektonische Perspektiven verschränken. Dazu sind bereits ein paar Ideen in die Wege geleitet, wie etwa stadtviertelbezogene Touren oder Besuche von Projekten, in denen raumpolitisch-gesellschaftliche mit künstlerischen Anliegen verbunden werden. Hieraus ergab sich die Idee einer Kooperation mit uns urbanophilen, über die wir euch zu gegebener Zeit berichten werden. Nun aber wieder zurück zu dem Interview&#8230;</p>
<p>(Interview: Stefan Höffken)</p>
<p><strong>Könnt ihr beide euch kurz vorstellen? Was macht ihr hauptberuflich und was sind eure Aufgaben bei den JungeMeister.net?</strong></p>
<p>Benjamin: Ich studiere Architektur und kümmere mich bei JungeMeister.net neben vereinzelten Kunstführungen hauptsächlich um unseren Schwerpunkt Architektur.</p>
<p>Cornelia: Im Moment bin ich meist mit meiner Promotion zur <a href="http://www.megastructure-reloaded.org/de/yona-friedman/" target="_blank">GEAM (Groupe d”études d”architecture mobile)</a> beschäftigt. Für JungeMeister.net habe ich im letzten Semester hauptsächlich ein paar Führungen organisiert</p>
<p><strong>Die Jungen Meister beschäftigten sich ursprünglich mit Museumskunst, also klassischer Kunst, wie Malerei, Bildhauerei, etc. Ihr beide legt nun einen verstärkten Fokus auf Architektur und Stadtentwicklung, was den &#8220;klassischen&#8221; Kunstbegriff ja erweitert. Könnt ihr kurz erläutern, was euch an Architektur und Stadt interessiert?</strong></p>
<p>Cornelia: Naja, das muss ich relativieren. Bei JungeMeister.net interessiert Kunst nicht als Objekt, sondern vielmehr der gedankliche Prozess, der einem Kunstwerk oder einer Ausstellung vorangegangen ist. Wir wollen im Dialog mit Künstlern und Kuratoren eine auch kritische und differenzierte Position zu Kunst und ihren Entstehungsbedingungen entwickeln.<br />
Auch an der Architektur interessiert mich neben dem Objekt vor allem die Frage: Was besagt sie – und die Erzählungen, die die Architekten um ihre Gebäude produzieren &#8211; über die Gesellschaft, in der sie entsteht. Das ist für mich meist so spannend wie das Gebäude selbst. Architekten haben natürlich oft eine andere Perspektive.</p>
<p><span id="more-2374"></span></p>
<p>Benjamin: Das stimmt. Mein Interesse für Architektur strebt da doch noch eher die Richtung des Entwickelns eines erbauten Ergebnisses an. Wie lässt sich Raum in Einklang mit seiner Umgebung/Natur bringen und welchem Zweck dienen sie? Welche Bedeutungen sind Materialien zuzuordnen. All das sind Fragen die wohl jeder Architekt für sich beantworten muss und deren Suche nach Antworten mich mit jedem Projekt aufs Neue begeistert.<br />
Ergänzend zum Begriff der klassischen Kunst würde ich auch unser Publikum nur ungern der „klassischen“ Kunstszene zuordnen. Wir haben schon immer versucht eine breite Masse „junger Leute“ anzusprechen. Von rechtswissenschaftlich, wirtschaftswissenschaftlichen, bis hin zu naturwissenschaftlichen Schwerpunkten findet man jeden Studenten bei unseren Treffen. Das Thema der Architektur führt diesen Gedanken jetzt nur noch weiter und wird hoffentlich in Zukunft auch bislang Nicht-kunst-intressierten das Thema Kunst als Gesamtbegriff näher bringen.</p>
<p><strong>Nochmal zur Architektur: Welche Bedeutung hat die gebaute Umwelt für euch, wenn man über Kunst redet? Ist Architektur für euch gebaute Kunst?</strong></p>
<p>Cornelia: Nicht, wenn man daraus die Konsequenz zieht, den Stadtraum durch ein monumentales Objekt ästhetisch aufzuwerten – im Sinne des ‚Äö<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bilbao-Effekt" target="_blank">Bilbao-Effekts</a>”, der mehr darauf abzielt, eine oberflächliche und ökonomisch nutzbare Attraktivität zu schaffen. Wenn Architektur und städtischer Raum als Kunstwerk zu verstehen sind, dann als ein partizipatives, das erst durch die aktive Teilhabe und Involvierung der Bewohner seinen Sinn gewinnt.</p>
<p><strong>Dann ist Architektur &#8211; und in ihrer Gesamtheit die Stadt – mehr als nur die gebaute Kunst. Ich denke hierbei an die Möglichkeit zur Gestaltung von Lebensräumen, die Schaffung von besonderen Situationen und die Entwicklung von Begegnungsräumen. Beeinflusst damit die Gestaltung der gebauten Umwelt das Miteinander und damit die Kunst? Anders gefragt: Gibt es spezifische architektonische und urbane Situationen, die besondere Kunst zulassen oder sogar erzeugen?</strong></p>
<p>Benjamin: In der Tat gibt es diese. Ein sehr gutes Beispiel war wohl der Palast der Republik und der von <a href="http://www.raumlabor-berlin.de/" target="_blank">raumlabor_berlin</a> errichtete <a href="http://www.architekturvideo.de/es-war-einmal-der-berg-im-palast-der-republik/" target="_blank">Berg</a>. Leider wurde der Stadt der Raum an dieser Stelle entzogen.</p>
<p>Cornelia: Dein Beispiel zeigt zugleich, dass nicht allein räumliche Komponenten, sondern auch das menschliche Handeln – die Ingebrauchnahme eines brachliegenden Areals – sowie politische Entscheidungen den städtischen Raum und sein spezifisches Potential mit prägen. Die gebaute Umgebung ist zwar viel unmittelbarer als die Kunst mit dem Alltag und dem sozialen Verhalten der Menschen verbunden, dass Bausubstanz und architektonische Form bestimmte Lebens- oder Kunstformen ‚Äöerzeugen” können, möchte ich allerdings bezweifeln.</p>
<p><strong>Trotzdem wird ja immer wieder gesagt, dass die Stadt Berlin mit ihrer besonderen baulichen Situation (wie Freiflächen, Brüchen und verschiedenster Architektur), aber auch die besondere Situation der Nachwendezeit (Umbruch, Unsicherheit, unklare rechtliche Verhältnisse) ihren spezifischen Einfluss auf die Kunstszene hatte. Ist das alles nur eine Frage der Ingebrauchnahme oder doch auch Folge der gebauten Umwelt?</strong></p>
<p>Benjamin: Ein sehr eindrucksvolles architektonisches Beispiel für die Nutzung alter „Nachkriegsarchitektur“ im Zusammenhang mit der Berliner Kunstszene ist die <a href="http://www.sammlung-boros.de/" target="_blank">Sammlung Boros</a>. Das Gebäude zeigt wie eng seine Geschichte vom Bunker über ein Obstlager der DDR bis hin zum Kunstraum mit der Stadt verbunden ist. Die Sammlung an sich vermittelt durchgehend den Bezug zwischen Kunst und Raum.</p>
<p>Cornelia: Die Stadtstruktur Berlins mit ihren günstigen Mieten für Atelier- und Galerieräume hat natürlich wesentlich zur – relativ rasanten – Entstehung einer dynamischen Kunstszene beigetragen. Wer hier als Kurator arbeitet, kann sich zudem immer auch als Immobilienscout betätigen. Um Kunst wirkungsvoll zu inszenieren, braucht es die passende Räumlichkeit. Und interessante Gebäude sind in Berlin mit dem richtigen Spürsinn ebenso gut zu finden wie innovative Kunst.</p>
<p><strong>Kann man also sagen, dass sich eine spezielle Kunst in Berlin entwickelt hat, die sich von anderen Städten unterscheidet?</strong></p>
<p>Cornelia: Die Konsequenz aus dem gesagten wäre ja, dass möglicherweise auch die Künstler den architektonischen Raum, für den Sie ihr Kunstwerk entwickeln, stärker in ihre Arbeiten einbeziehen. Dennoch operieren Künstler denke ich viel zu sehr in einem globalen Bezugsrahmen, um sich lokalen Trends anzupassen. Eher könnte man darauf verweisen, dass die geringen Lebenshaltungskosten und die relative Neuheit der Kunstszene auch Neuankömmlingen eine Chance bieten. Die Stadt selektiert also ihre Künstler vorab und gewinnt so ein spezifisches Profil, eher als dass sie die Kunst durch ihre räumlichen Gegebenheiten umformt.</p>
<p>Benjamin: Im Fall der Architektur kann man das in jedem Fall behaupten und da ist die Kunstszene Berlins, in ihrer frei denkenden und vielfältigen Art vielleicht auch nicht ganz unbeteiligt dran. Sie bietet Architekten Inspiration, macht ihnen Lust und gibt ihnen Mut von der Norm abzuweichen und eine neue Architektur zu entwickeln. Mit JungeMeister.net waren wir vor kurzem erst in der Ausstellung <a href="http://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-_BAUNETZWOCHE_ueber_tschechische_Architektur_751836.html" target="_blank">ARCHICZECH</a>, die noch im letzten Monat im <a href="http://www.daz.de/daz/home/de/" target="_blank">DAZ </a>zu sehen war. Ganz ohne auf die Namen der Büros zu achten, fiel gleich auf, dass es einige Entwürfe gab, bei denen viel mehr die Idee und nicht das Gebäude an sich im Vordergrund standen.</p>
<p><strong>Somit selektiert die Stadt durch ihre Gegebenheiten, aber formt auch durch sie. Führt dies dazu, dass es etwas Besonderes an der Berliner Kunstszene gibt – also etwas, was ihren besonderen Reiz ausmacht?</strong></p>
<p>Benjamin: Ihre unübersichtlich große Vielfalt!<br />
Cornelia: Dynamik? Aber für mich gibt es auch viel Belangloses. Deshalb ist es wichtig, Kriterien zu entwicklen und an den spannenden Stellen anzusetzten, was wir mit JungeMeisternet versuchen.</p>
<p><strong>Habt ihr die ersten Ideen, wie ihr mit den Jungen Meistern die Bandbreite an interessanten stadtraumbezogenen Themen darstellen möchtet?</strong></p>
<p>Benjamin: Am <a href="http://jungemeister.blogger.de/topics/Vorschau/" target="_blank">17. Juli haben wir beispielsweise eine Führung bei secondhome projects im Wedding</a> geplant, in der wir uns dezidiert dem Thema Kunst und Stadtwandel im Kiez beschäftigen.<br />
Eine weitere Idee ist die Besichtigung der Villa Liebermann, als ein Ort, an dem der Künstler Bezug auf die Architektur seines Gebäudes nahm oder ein Besuch im Hansaviertel. Alle aktuellen und geplanten Führungen findet man aber auch unter <a href="http://jungemeister.net/">www.jungemeister.net</a>!</p>
<p>Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.</p>
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		<title>Selbstmarkting 2.0 &#8211; wie ArchitektInnen soziale Netzwerke nutzen</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Feb 2009 10:36:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>s.hoeffken</dc:creator>
				<category><![CDATA[Städtebau & Architektur]]></category>
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		<category><![CDATA[Interview]]></category>
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		<description><![CDATA[Soziale Online-Netzwerke werden ein immer wichtiger Teil der Kommunikation zwischen Freunden, Bekannten sowie Arbeitskollegen - so auch bei Architekten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Soziale Online-Netzwerke werden ein immer wichtiger Teil der Kommunikation zwischen Freunden, Bekannten sowie Arbeitskollegen. Jugendliche nutzen <a href="http://facebook.de/" target="_self">Facebook </a>und<a href="http://www.studivz.net/"> StudiVZ</a> um sich zu verabreden, während man im Arbeitsleben mit <a href="https://www.xing.com/">Xing</a> seine Kontakte pflegt. Doch welche Erwartungen hegen die Benutzer an diese neue Form der Kontaktpflege und -suche? Dem Aspekt der Selbstdarstellung in diesen Netzwerken bei ArchitektInnen ging <a href="http://www.marketing-2punktnull.com/index.html">Norma Demuro</a> in ihrer Masterarbeit an der Universität Duisburg-Essen nach.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1485" title="cooper1" src="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2009/02/cooper1.jpg" alt="cooper1" width="189" height="239" /></p>
<p><em>Nur über sein Werk an neue Aufträge zu kommen reicht nur in den wenigsten Fällen (Quelle: <a href="http://cinema-journal.blogspot.com/2006/03/rigid-individualism-or-rigid.html">cinema-journal.blogspot.com)</a></em></p>
<p>In der Arbeit mit dem Titel „Selbstmarketing 2.0“ prüfte sie, ob und in welchem Maße die Selbstdarstellungstechniken einzeln oder kombiniert von Architekten auf sozialen Online-Netzwerken eingesetzt werden. Darüber hinaus wurde geprüft, welche Ziele Architekten mit der Teilnahme an einem sozialen Online-Netzwerk verfolgen und in welchem Maße diese Erwartungen erfüllt werden.</p>
<p>Eine Zusammenfassung der Ergebnisse wird bald im Internet unter <a href="http://www.marketing-2punktnull.com/index.html">www.marketing-2punktnull.com</a> veröffentlicht werden. Über die ersten Ergebnisse berichtet Norma Demuro in diesem Interview.</p>
<p><strong>In den Architektur-Fachmedien wurde das Thema Netzwerke in den letzten Jahren öfters behandelt, jedoch selten unter dem Aspekt der Selbstvermarktung. Was macht für Sie das Besondere dieses Themas aus?</strong></p>
<p>Betrachtet man soziale Netzwerke aus der beruflichen Perspektive, verbindet man mit der Pflege und dem Ausbau seines Netzwerkes auch das berufliche Fortkommen. In der Kommunikation mit dem Geschäftspartner wird man sich daher positiv darstellen wollen. <span id="more-1455"></span><em>Dabei spielen neben der eigenen Kompetenz beispielsweise auch die Sprache, der Kleidungsstil oder auch die Einrichtung des Büros eine Rolle. Im Internet dagegen spielen Mimik, Gestik oder Kleidung keine bzw. eine untergeordnete Rolle für die Eindrucksbildung. Ich wollte mit meiner Untersuchung daher herausfinden, auf was Architekten bei der Gestaltung ihres Profils in sozialen Online-Netzwerken (SNS = Social Network Site) achten, d.h. ob und in welchem Maße positive Selbstdarstellungstechniken eingesetzt werden.</em></p>
<p><a href="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2009/02/selbstmarketing_2-0.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1469" title="selbstmarketing_2-0" src="http://www.urbanophil.net/wp-content/uploads/2009/02/selbstmarketing_2-0.jpg" alt="selbstmarketing_2-0" width="344" height="295" /></a></p>
<p><em>Was ist Selbstmarketing 2.0? (Quelle: N. Demuro)</em></p>
<p><strong>Welche Sozialen Netzwerke spielen für Architekten eine Rolle? Das zu erwartende Xing oder auch weitere wie dasportfolio.de, facebook?</strong></p>
<p><em>Xing ist in der Tat laut Studie die meistgenutzte SNS. Mit über 6,5 Millionen Mitgliedern erreicht XING den Mehrwert für den Nutzer über die Masse an Teilnehmern und erfüllt damit das von Tim O”Reilly postulierte Schlüsselprinzip von Web 2.0: „The service automatically gets better the more people use it. </em><em>Die auf die Baubranche ausgerichtete SNS dasportfolio.com kann höchstwahrscheinlich nur einen Bruchteil der Mitglieder von Xing verzeichnen. Ihr Vorteil gegenüber Xing liegt aber eindeutig in der Präsentation der eigenen Projekte durch die Bildergalerie. Zusätzlich können Mitglieder bei <a href="http://dasportfolio.com/">dasportfolio.com</a> aus ihren Profilangaben, Projektbildern und zusätzlichen Angaben die standardisierten Marketingtools wie Newsletter oder Corporate Blog nutzen. Beide Netzwerke sind trotz der grenzüberschreitende Möglichkeiten des Internet sehr stark auf den deutschsprachigen Raum ausgelegt.</em></p>
<p><strong>Agieren Architekten also eher im gleichen Sprachraum oder gibt es auch Seiten, welche eine internationale Selbst-Vermarktung erlauben?</strong></p>
<p><em>Eine interessante Kombination aus Selbstdarstellung, internationalem Fokus und grenzüberschreitender Zusammenarbeit bietet m.E. <a href="http://openarchitecturenetwork.org/">openarchitecturenetwork.org</a>. Zwar ist das Ziel bei openarchitecturenetwork.org die Förderung von innovativer und nachhaltiger Architektur und nicht die Selbstdarstellung der Architekten. Die verschiedenen Angebote der Plattform wie Projektpräsentation, Wettbewerbsausschreibungen oder die Wissensdatenbank, die beispielsweise Informationen zu Materialien oder Konstruktionsmethoden anbietet und die Nutzer zum Austausch von Fachwissen animiert, könnte für Architekten eine wirkliche Alternative zu den klassischen Business-Netzwerken Xing oder Linkedin darstellen.</em></p>
<p><strong>Es ist anzunehmen, dass solche sozialen Netze immer wichtiger im Vergleich zu herkömmlichen Methoden der Selbstvermarktung bei Architekten werden. Sehen Sie das auch so und wenn ja, wo denken Sie, finden diese Verschiebungen statt?</strong></p>
<p><em>SNS werden für die Selbstdarstellung im ähnlichen Maße an Wichtigkeit gewinnen, wie die Nutzung von SNS zunehmen wird. Laut <a href="http://www.br-online.de/content/cms/Universalseite/2009/01/16/cumulus/BR-online-Publikation--272565-20090116130214.pdf">ARD/ZDF-Online-Studie</a> gehören zur Zeit gerade einmal 2 Prozent der Onliner in Deutschland zu den regelmäßigen, also wöchentlichen Nutzern von beruflichen Netzwerken. Diese SNS sind aber insbesondere für Akademiker von Interesse. Gleichzeitig muss betont werden, dass die Nutzung von SNS als Bestandteil einer ganzheitlichen Kommunikations- bzw. Selbstdarstellungsstrategie angesehen werden muss. Der Ansatz des „Multi-Channel-Marketings“, über mehrere Kommunikationskanäle den Kunden zu erreichen, ist m.E. der effektivste Weg für eine erfolgreiche Selbstvermarktung.</em></p>
<p><strong>Das heisst also, nur das Profil auf einer SNS ist nicht ausreichend. Ist daher die Kombination mit anderen Online-Darstellungsformen (wie etwa Homepage und Blog) zu empfehlen? Laufen diese Entwicklungen parallel und das „reale“ Auftreten sollte das virtuelle ergänzen?</strong></p>
<p><em>Als soziales Netzwerk wird die Summe aller Beziehungen, über die eine Person mit anderen Menschen verfügt, sowie deren Beziehungen untereinander bezeichnet. Um diese Beziehungen untereinander zu pflegen, müssen Nutzer in sozialen online Netzwerken ein Profil zur Selbstdarstellung anlegen, das von anderen Mitgliedern des Netzwerks per Einladung wahrgenommen wird. Das Interessante an SNS ist die Möglichkeit, bei jedem Mitglied dessen Netzwerk angezeigt zu bekommen. So erfährt der Besucher, welche Personen für einen selbst ebenfalls von Interesse sein könnten. SNS dienen also dem Aufbau und der Pflege von Beziehungen.</em></p>
<p><strong>Und das ist bei Webblogs anders&#8230; Welche Motive spielen hier eine Rolle?</strong></p>
<p><em>Bei den Nutzungsmotiven von Weblogs stehen der Spaß am Schreiben und der Austausch mit Personen mit ähnlichen Interessen im Vordergrund. Die Selbstdarstellung spielt dabei ebenfalls eine Rolle, wenn auch – wie eine <a href="http://www.praesenz-effizienz.ch/106001/Uploaded/caviglia|Blogmotive.pdf">Studie des Instituts für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich (IPMZ)</a> zeigt – eine untergeordnete.</em></p>
<p><em>Auf SNS müssen Sie sich fragen, wen genau Sie mit Ihrer Selbstdarstellung erreichen möchten und was Ihre Intention dabei ist und welches Bild Sie von sich vermitteln möchten: ist Ihr Profil nur im Netzwerk durch die Mitglieder einzusehen oder auch über eine Suchmaschine für jeden auffindbar? Möchten Sie nur Ihre Kontaktdaten und Ihren Lebenslauf in einem Profil zur Selbstdarstellung nutzen? Falls Sie auch Bilder zu Ihren Projekten darstellen möchten, was beispielsweise bei Xing nicht möglich ist, müssen Sie auf eine Website verlinken, usw.</em></p>
<p><strong>Jean Philippe Colas beschreibt Netzwerke (Arch+ Nr. 167) als informelle Institutionen und verweist im besonderen auf Unsicherheitsvermeidung als ihre Entstehung auf. Auch Sie machen einen Bezug von Netzwerken zu der sich verschärfenden Arbeitsmarktsituation von Architekten. Kann man vereinfacht sagen, dass in der Krise die Menschen näher zusammenrücken?</strong></p>
<p><em>Ich behaupte, dass gerade aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktsituation sich der Wettbewerb verschärft und jeder bestrebt danach ist, seine Position zu festigen oder seine Nische zu finden. Die <a href="http://www.bak.de/site/1383/default.aspx">Bundesarchitektenkammer behauptet in diesem Zusammenhang</a>, dass das Architekturbüro von morgen Spezialisierungen aufweisen wird und Projekte in der Regel in Kooperationen abgewickelt werden. Von der Architektenkammer Baden-Württemberg herausgegeben wurde eine lesenswerte Dokumentation: „<a href="http://www.bak.de/userfiles/bak/daten-fakten/Lage%20der%20Architekten/plan_b__alle_vortrge.pdf">Plan B – Zukunftsstrategien von Architektinnen und Architekten</a>“. Soziale Online-Netzwerke unterstützen damit den Architekten beim Aufbau und der Pflege von Kooperationen und damit bei seinem beruflichen Fortkommen.</em></p>
<p><strong>Und jetzt, wo Sie so viel Erfahrung in diesem Bereich gesammelt haben, können Sie unseren Lesern vielleicht einen Tipp geben, wie man das Selbstmarketing auf SNS richtig macht – oder was es zu vermeiden gilt?</strong></p>
<p><em>Wichtig ist, sich vor dem Erstellen einer SNS die Fragen zu beantworten, was und wen man durch eine SNS erreichen möchte (neue Aufträge, Austausch mit Kollegen, erweitern der beruflichen Kontakte auch über die eigenen Interessensgebiete hinaus, usw.). Nachdem die Frage nach den Zielen beantwortet ist, erfolgt das Erstellen des eigenen Profils, mit den Angaben zur eigenen Person, des eigenen Angebots, der Zielgruppe (für wen biete ich meine Leistungen an). Darüberhinaus sollte das Profil auch die eigenen Stärken, Werte und Visionen transportieren als auch den Nutzen für die Zielgruppe hervorheben (weshalb sollte sich ein Bauherr gerade für mich entscheiden?). Wichtig ist auch, zu entscheiden, welche Kontakte man in sein Netzwerk aufnimmt. Nutzer sollten keine Bedenken haben, Kontaktanfragen abzulehnen, wenn die Person nicht mit den Zielen der eigenen SNS übereinstimmt. Die Qualität des Netzwerkes ist wichtiger als die Masse. Berufliche und private Kontakte sollten m.E. in einem Businessnetzwerk nicht miteinander vermischt werden. Auch bestimmte private Informationen oder unwahre Angaben können geschäftsschädigend sein. Ein Foto ist ein absolutes Muss und wirbt für Vertrauen. Dass es sich dabei um ein professionelles Bild handelt, das man auch für Bewerbungen einsetzen würde, versteht sich von selbst.</em></p>
<p><strong>Wir glauben einen spezifischen Aspekt bei der Nutzung von SNS durch Architekten ist das berufliche Werbeverbot. Wie stark sollten Architekten die Nutzung von SNS auf die Suche potenzieller Bauherren richten und weniger auf die Verknüpfung mit Berufskollegen?</strong></p>
<p><em>Ein absolutes Werbeverbot besteht nicht mehr. Solange es sich um sachlich, berufsbezogene Informationen handelt und nicht gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstossen wird, ist Werbung auch für Architekten zulässig. Die Architektenkammern der Länder regeln in der Berufsordnung, in welchem Umfang Architekten Werbung betreiben dürfen. Die Nutzung von SNS für die Suche nach potenziellen Bauherren und das Aufbauen von Kontakten mit Berufskollegen schliessen sich gegenseitig nicht aus. Alleine anhand der Zielsetzung unterscheiden sich beide: durch den Aufbau von neuen Kontakten zu Berufskollegen wird beispielsweise das Ziel des Informationsaustausches oder auch zukünftiger Kooperationen verfolgt.</em></p>
<p><em>Die Kontaktanfrage setzt eine konkrete Frage oder einen Anlass voraus. Zukünftige Bauherren werden womöglich dann von Architekten aktiv angesprochen, wenn diese in ihrem Profil beispielsweise angeben „Suche Architekt für folgende Bauaufgabe&#8230;“ oder sie auf die Ausschreibung eines Wettbewerbs aufmerksam machen. In der Regel wird in SNS die Kontaktaufnahme aber so sein, dass sich der Bauherr beim Architekten meldet. Die SNS dient demnach für den Architekten als Präsentationsplattform und für den Bauherren als Recherchetool für einen adäquaten Architekten. Da nicht davon ausgegangen werden kann, dass potenzielle Bauherren auf sozialen Online-Netzwerk registriert sind, sollte das eigene Profil auch über Suchmaschinen auffindbar sein. Was nutzt dem Architekten ein Profil für das Selbstmarketing auf einem sozialen Online-Netzwerk, wenn nur die Mitglieder der Plattform darauf zugreifen können?</em></p>
<p><strong>Norma Demuro, wir danken Ihnen für das Interview.</strong></p>
<p>[Till Kolshorn und Stefan Höffken]</p>
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