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Schlagwort »Moderne«
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Tagung „Underground Architecture Revisited“ in Berlin

 

Am Ende könnte es so voll werden wie in einer verspäteten Berliner U-Bahn während des Berufsverkehrs: Gut 4.500 Follower haben bei Facebook bereits ihr Interesse an der Tagung „Underground Architecture Revisited“ bekundet, die die Initiative Kerberos vom 20. bis 23. Februar gemeinsam mit ICOMOS Deutschland, dem Landesdenkmalamt Berlin und der Berlinischen Galerie in eben jener Berlinischen Galerie veranstaltet. Medienpartnerin ist die Onlineplattform moderneRegional und das Programm gibt es hier.

Die Initiator_innen sind dann mal kurz stolz. Denn die Resonanz bestätigt, dass U-Bahnhofs-Architektur weit mehr ist als bloßer Funktionsbau – gerade in Berlin. An drei Konferenztagen werden sie die Berliner-U-Bahnhofsarchitektur der Nachkriegszeit gemeinsam mit Kolleg_innen aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland „vernetzen“ und ihren gemeinsamen architekturhistorischen Kontext debattieren.

Am vierten Konferenztag steht dann Berlin wieder im Fokus: Denn parallel zur Tagung hat die Berlinische Galerie – mit der Initiative Kerberos als wissenschaftlicher Beraterin – die Ausstellung „Underground Architecture“ zusammengestellt, in der die U-Bahnhofsplanungen in West-Berlin im Zentrum stehen. Neben zahlreichen Originalzeichnungen aus den Entwurfsphasen sowie Fotografien wird es vor allem ein Highlight zu bestaunen geben: Den Kopf der von Waldemar Grzimek entworfenen Kerberos-Skulptur, die seit den 1970er-Jahren vom Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Rathaus Steglitz aus über die Unterwelt gewacht hat – und damit für die Initiative nicht nur namens- sondern vor allem beispielgebend war.

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urbanoREVIEW – Sensual City Studio: A History of Thresholds

„How can an architect show what cannot be seen but only felt?“ fragen sich die Pariser Architekturphilosophen Sensual City Studio in ihrer täglichen Praxis. Mit ihrem Bildessay „A History of Thresholds – life, death & rebirth“ geben sie am Beispiel des architektonischen Elements der Schwelle eine denkbare Antwort auf diese Frage. Gleichzeitig erklären sie mit dem Lebenszyklus der Schwelle – life, death & rebirth – das Mensch-Raum-Problem der Moderne auf andere Art und schlagen die Neuerfindung der Schwelle als konkrete Lösung vor.

An der empfundenen Anonymität, der Distanz, Leere, Beliebigkeit und Unnahbarkeit moderner Stadtstruktur und Architektur, so suggeriert es der Essay in sorgfältig ausgewählten Bildern und kleinen, prägnanten Texten, sei das Verschwinden der Schwelle schuld. Man mag sofort anmerken, dass die Autoren – Pauline Marchetti [Architektin], Philippe Simay [Philosoph], Estefania Mompean [Urban Designer, Architekt] und Jacques Ferrier [Architekt und Stadtplaner] – mit diesem Hintergrundgedanken lediglich bekannte Topoi der Modernekritik aufrufen. Ihre Idee aber, diese so bildhaft an einem zu unrecht oft übersehenen architektonischen Element deutlich zu machen und die konsequente, poetisierende, klare und kluge Durcharbeitung des Narrativs Schwelle überzeugt und ist innovativ.

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Moderne in Haselhorst

Wer am Sonntag schon woanders ist, kann die Siedlung im Buch anschauen. Michael Bienert, Moderne Baukunst in Haselhorst, Berlin Story Verlag, 2015.

Wer am Sonntag schon woanders ist, kann die Siedlung im Buch anschauen. Michael Bienert, Moderne Baukunst in Haselhorst, Berlin Story Verlag, 2015.

1928 begann in Berlin-Haselhorst ein Experiment im Siedlungsbau: das größte Wohnungsbauprojekt im Berlin der Weimarer Republik sollte 12.000 Menschen zeitgemäßen Wohnraum bieten. Als Reichsforschungssiedlung – der Name geht auf die 1927 gegründete „Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen“ zurück – ist die Siedlung heute als Denkmal geführt. Damals sollten, ähnlich wie es heute wieder erforderlich ist, Lösungen für die drängende Wohnungsnot erarbeitet werden. Zu den Initiatoren der Gesellschaft gehörten die Reichstagsabgeordnete Marie-Elisabeth Lüders, Bauhaus-Gründer Walter Gropius und Architekt Otto Bartning. Die Reichsforschungsgesellschaft erarbeitete Vorschläge für die Optimierung von Wohnungsgrundrissen und förderte Untersuchungen beim Bau von modernen Siedlungen, wobei neue architektonische Ideen, Bautechniken, Baustoffe und Bauabläufe zu erproben waren.

Die Bauhaussiedlung in Dessau-Törten ist Inbegriff dieses Siedlungsbaus. Weniger bekannt ist die Siedlung in Haselhorst, obgleich sie das größte Projekt der Reichsforschungsgesellschaft ist. 1928 schrieb die Gesellschaft einen städtebaulichen Ideenwettbewerb aus, den Walter Gropius zusammen mit dem Ingenieur Stephan Fischer gewann. Gropius schlug eine Bebauung mit zehn- bis zwölfstöckigen Wohnzeilen vor, die sich allerdings nicht durchsetzen konnte. In Folge der Streitigkeiten zwischen Gropius und der Reichsforschungsgesellschaft wurde das 45 Hektar große Areal in mehrere Baublöcke aufgeteilt und Planungsaufträge an verschiedene Architekten vergeben: Paul Mebes, Paul Emmerich und Otto Bartning gehören zu den bekanntesten.

Bartning entwarf 1934/35 auch die Weihnachtskirche auf dem Areal. Am kommenden Sonntag, 10. Juni 2018, lädt die Otto Bartning-Gesellschaft zur Besichtigung von Weihnachtskirche, Siedlung und einer Musterwohnung aus der Entstehungszeit ein. Treffpunkt ist um 11:15 Uhr am Turm der Weihnachtskirche, Haselhorster Damm 54 in 13599 Berlin-Spandau.

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urbanoREISE#3 – Aserbaidschan, Georgien und Armenien

Teil 3: Armenien

Ein Beitrag von Gastautor Michael Wagener 

Kvartal, ein Stadtviertel von Yerevan,Armenien

Kvartal, ein Stadtviertel von Yerevan,Armenien

Nachdem ich diesen beeindruckenden Mann einen Tag begleite, breche ich auch nach Armenien auf. Es ist November und ich möchte noch den recht warmen Herbst nutzen.

„Beethoven, Mozart, …“, alle fünf Minuten folgt ein weiterer deutscher Name und der Fahrer der Mashrutka versucht, mich mit seinem Deutschwissen zu beeindrucken, während sich der gasbetriebene Bus die Serpentinen von Tiflis nach Yerevan, der Hauptstadt von Armenien, schlängelt. Nach sechs Stunden holpriger Fahrt, vorbei an der Grenze zu Aserbaidschan, die mein Fahrer mit einem „Bum Bum“ kommentiert, sitze ich im International Center of Art (ICA) von Nazareth Karoyan. Diesmal trinke ich Wodka mit einer japanischen Video-Künstlerin und einer Schlafperformerin aus Österreich.

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Die Stadt im Dorf lassen

Moderne Kirchen in Frankfurts Speckgürtel

Ein Gastbeitrag von Karin Berkemann
„Eine typische protestantische Kirche“ – so wirbt das Freilichtmuseum Hessenpark für die barocke „Kirche aus Kohlgrund“. Bis 1971 stand sie in eben jenem Dorf, das im selben Jahr nach Bad Arolsen eingemeindet wurde. Der frisch gebackene Stadtteil erhielt eine neue Betonkirche, kein Einzelfall in diesen Jahren in Nord- wie in Südhessen. Die Fachwerkkirche von Kohlgrund bekam im Freilichtmuseum eine zweite Chance. Den barocken Altaraufbau aber behielt man vor Ort unter dem modernen Kirchendach und zeigt ihn heute stolz den Touristen.

„Eine typische protestantische Kirche“ – so wirbt das Freilichtmuseum Hessenpark für die barocke „Kirche aus Kohlgrund“. Bis 1971 stand sie in eben jenem Dorf, das im selben Jahr nach Bad Arolsen eingemeindet wurde. Der frisch gebackene Stadtteil erhielt eine neue Betonkirche, kein Einzelfall in diesen Jahren in Nord- wie in Südhessen. Die Fachwerkkirche von Kohlgrund bekam im Freilichtmuseum eine zweite Chance. Den barocken Altaraufbau aber behielt man vor Ort unter dem modernen Kirchendach und zeigt ihn heute stolz den Touristen.

Es ist etwas Merkwürdiges mit der Stadt: Wer drinnen ist, will möglichst bald aufs Land (Marmelade kochen/Schafe züchten/Yoga lehren). Wer draußen ist, will unbedingt mit der Stadt gleichziehen (Marmelade kaufen/Balkonkatzen halten/Tango lernen). Von diesem Zwiespalt sind auch die Kirchengemeinden nicht frei, die sich im Speckgürtel größerer Städte wie Frankfurt zu behaupten suchen. Als es die wirtschaftswunderlichen Jahrzehnte nach dem Krieg möglich machten, wurde daher vielerorts mit einem neuen Gemeindehaus „aufgerüstet“. Und wo es irgend finanzierbar schien, sollte dann noch ein „Stararchitekt“ mit einer extravaganten Betonkirche ein urbanes Zeichen setzen.

„Wenn es gilt zu bauen, wird modern gebaut“

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