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Schlagwort »Paris«
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urbanoFILMS #35 „Merci Métro“ am 22. Februar 2019

80er, Punk und Pariser U-Bahn – eine ungewöhnliche Mischung, ist doch die Métro wegen ihrer strahlend weiß gekachelten Tonnendecken und der Jugendstilornamentik eher unter dem Stichwort der Nostalgie im globalen Gedächtnis verankert. Doch der urkomische Kurzfilm „Barres“ (Luc Moullet, 1984) und der rasante Spielfilm „Subway“ von Luc Besson (1985) zeugen in ihrer 1980er Jahre Ästhetik davon, dass die Métro mehr ist als hübsche Verkehrsarchitektur.

Das trickreiche Überwinden der Sperren („Barres“) oder das klassenüberwindende Austricksen der High Society („Subway“) zeigen die Métro als gesellschaftspolitische Metapher, Identifikations- und Sehnsuchtsort und Teil der Pariser Stadtlandschaft. Oder in den Worten von Marc Augé, der sich interessanterweise ebenfalls in den 1980er Jahren mit der Métro beschäftigt hat: „Es ist ein Privileg der Einwohner von Paris, den Plan der Métro als Gedächtnisstütze benutzen zu können, als Auslöser von Erinnerungen, als Taschenspiegel, in dem die Geister der Vergangenheit einen Augenblick aufblitzen und aufgeregt herumschwirren.“ Bei Luc Besson sogar auf Rollschuhen und in Lederjacke.

Kurzfilm: Barres, Luc Moullet, 1984, 14 min
Spielfilm: Subway, Luc Besson, 1986, 104 min

urbanoFILMS #35 „Merci Métro“
Freitag, 22.2.2019, 19.00 Uhr
Centre Francais de Berlin, Müllerstraße 74, Berlin-Wedding

Eintritt frei. Einlass ab 18.30 Uhr.
Der Filmabend findet statt im Rahmen der internationalen Tagung „Underground Architecture Revisited“ (20.–23.02.2019 in der Berlinischen Galerie).

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Lulu dans ma rue – Kann ein Kiosk die Nachbarschaft zusammenhalten?

Der erste Kiosk im Marais-Viertel

Der erste Kiosk im Marais-Viertel © Bettina Kaps / Deutschlandfunk

Wenn eine Freundin, die gleich um die Ecke wohnt, in den Urlaub fährt, gieße ich bei ihr die Blumen und checke ihren Briefkasten regelmäßig. Sie macht das gleiche für mich, wenn ich mal nicht da bin. Diese kleinen gegenseitigen Hilfen machen das Großstadtleben leichter. Nicht nur für die, die keine Freunde in der Nachbarschaft haben, oder sie nicht fragen wollen, gibt es im Pariser Stadtteil Marais den Verein „Lulu dans ma rue“ (Lulu in meiner Straße), der all die kleinen ‚haushaltsbezogenen‘ Dienstleistungen vermittelt.

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Rezension „Atlas of the Functional City“

oder: Was macht ein Haufen rebellischer Architekten auf einem Schiff im Mittelmeer?

Eine Rezension zum „Atlas of the Functional City: CIAM 4 and Comparative Urban Analysis“, Thoth Publishers, Bussum, gta Verlag, Zürich, 2015.

Der Atlas von außen und innen

Der Atlas von außen und innen

Ob die Beteiligten bewusst auf diesen sinnbildlichen Ort setzten, darf bezweifelt werden, war der ursprüngliche Tagungsort – Moskau – wegen der politischen Symbolkraft verworfen worden: ein kleines Schiff im Mittelmeer. Dort, wo die ersten Hochkulturen per Schiff errichtet wurden, fuhr 1933 die Patris II von Marseille nach Athen – an Bord die vierte Internationale Konferenz der Architekturmoderne (CIAM IV), die zur Charta von Athen führte.

Während die Charta und ihre Auswirkungen fast schon zum urbanophilen Allgemeinwissen gehören, ist über die Konferenz und ihre eigentlichen Inhalte erstaunlich wenig bekannt. Der „Atlas of the Functional City“ will dies ändern. Seine Herausgeber_Innen (Evelien van Es, Gregor Harbusch, Bruno Maurer, Muriel Pérez, Kees Somer und Daniel Weiss) dokumentieren auf fast 500 Seiten (und mehrere Kilo schwer!) aufschlussreich und detailliert die meist europäischen Beiträge der einzelnen Länder-Sektionen von B wie Belgien bis Y wie Jugoslawien, aber auch Beiträge aus Indochina, Niederländisch-Indien (Indonesien) und den Vereinigten Staaten.

Nicht alle diese CIAM-Architekturgruppen waren auch tatsächlich an Bord der Patris II, doch in Vorbereitung auf die illustre Architekturreise übers Mittelmeer führten die Gruppen umfangreiche Analysearbeiten durch. Durch umfangreiche Archivarbeit 80 Jahre später konnten die Herausgeber_Innen des „Atlas oft he Functional City“ mithilfe eines Netzwerks aus Forschenden all diese Städteanalysen zusammentragen, die einen Großteil des Buchs darstellen. Sie bilden das inhaltliche Fundament dessen, was den CIAM IV so berühmt machte: die Charta von Athen.

Auch Berlin kommt nicht zu kurz, wurde doch zu Berlin die umfangreichste Analyse erstellt.

Auch Berlin kommt nicht zu kurz, wurde doch zu Berlin die umfangreichste Analyse erstellt.

Beeindruckend sind besonders die Arbeiten zu Dessau, die wohl tiefste Städteanalyse. Von Geologie und Bodenbeschaffenheit über Windverhältnisse bis hin zur Organisation der materiellen Versorgung der Stadt wurden die Facetten der Stadtentwicklung sehr breit dargestellt und schließlich auch städtebauliche Vorschläge aufgezeigt.

Die jeweiligen Ländersektionen werden im Atlas zudem ausführlich historisch eingeordnet. Wer zeichnete für die Analysen verantwortlich? Wer stellte sie vor? Und vor allem: Wie wurden die Ergebnisse diskutiert? Wichtige Einblicke aus der Arbeit der Architekturmodernisten haben die einzelnen Autor_Innen zusammengetragen. So lernt die/der Leser_In auch viel über innere Konflikte der gar nicht so einvernehmlichen Modernisten:

„Disputes repeatedly arose with Le Corbusier in particular, who attempted to dominate the content of the CIAM from the very start, since Häring regarded a conference he had organized in Stuttgart in October 1927 during the Werkbund exhibition ‘Die Wohnung’ as representing the real beginning of an international association of modern architects and thus as the start of the CIAM.”

Dabei geht der Atlas über ein reines Fachbuch hinaus. Beim Durchblättern bleibt man an einem zwölfseitigen Bilderkapitel hängen, teilweise mit bisher unveröffentlichten Fotografien. Wir sehen die Architektinnen und Architekten beim Nickerchen im Liegestuhl, beim Entspannen an Deck (in Bademode der 30er Jahre), beim humorvollen Posieren vor antiker griechischer Architektur und natürlich beim Diskutieren ihrer Analysen. Entspannte und kritische Blicke wechseln sich hier ab und zeigen das, was im Architekturdiskurs manchmal vergessen wird: Architektur wird von Menschen gemacht.

Als wäre das noch nicht genug, bilden sechs Essays eine passende theoretische Klammer um die so umfangreichen Analysen. Reich gespickt mit zusätzlichen Quellen und Literaturhinweisen ist dieses Buch beides, eine umfangreiche Dokumentation des IV. CIAM-Kongresses und ein Start für weitere Auseinandersetzungen mit der Moderne in Architektur und Städtebau.

 

PS: Urbanophile kaufen ihre Bücher natürlich im klassischen Buchhandel und nicht über den marktbeherrschenden Online-Giganten.

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Stereo-Blick auf Paris und New York

Ein hübsches kleines Video, in dem dieselben Situationen in Paris und New York im Stereo-Blick nebeneinander laufen und manchmal auch ineinander verschmelzen. Ein ähnliches Konzept hat vor einiger Zeit dieses Video verfolgt.

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Montmartre, Bohème, Esprit?

Blick auf Montmartre um 1904

Blick auf Montmartre um 1904

Montmartre fehlt in keinem Reiseführer zur französischen Hauptstadt, immerhin scheint es doch ein Ort purer Nostalgie zu sein, an dem die Erinnerung an die Pariser Bohème, die Künstler und das verruchte Nachtleben, lebendig bleibt. Denken wir an Montmartre, hören wir förmlich die Musik aus der fabelhaften Welt der Amélie und sehen vor unserem inneren Auge einen idyllischen Platz, auf dem Künstler hinter Staffeleien stehen und auf hellen Leinwänden Kunstwerke entstehen lassen.

Warum entwickelte sich ausgerechnet Montmartre im 19. Jahrhundert zu einem Künstler-Viertel, das einen neuen Stil urbaner Malerei hervorbrachte? Geprägt waren die damaligen Werke von Motiven des alltäglichen Lebens und der Bewohner des Viertels, die zu jener Zeit dem Rand der Gesellschaft zugerechnet wurden.

Als die Industrialisierung noch im Aufbruch begriffen war, befand sich auf der Anhöhe vor den Toren der Stadt ein kleines Dorf mit Rebhängen, ausgedehnten Gärten, Feldern und Mühlen. Hier war der Wein billig, es gab Platz für Garten- und Schankbetriebe und die Gegend war bekannt für ihre Tanz- und Amüsierstätten. Die Pariser genossen am Wochenende die Vielfalt der Cabarets und Tanzlokale, und Montmartre entwickelte sich zu einer freizügigen Welt, in der gesellschaftliche Konventionen fielen. Kurz: Ein buntes Treiben, bei dem alle sozialen Schichten aufeinandertrafen.

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