Follow us on: Facebook · Twitter · RSS
 
Schlagwort »Reiseführer«
Städtebau & Architektur →

Rezension „Discovering Cairo“

„What is so interesting about downtown? I’ll tell you something: it is a crazy place full of crazy people!“

Verrückt kann man sie schon nennen, diese Stadt. Und besonders das Zentrum von Kairo: wo der Verkehr braust, das Hupen der Autos den hohen Geräuschpegel bestimmt, die vielen Menschen nicht nur auf dem Trottoir laufen, sondern vor allem auf den Straßen, wo viele Händler ihre Waren lauthals verkaufen und der Smog in der Luft hängt. Wenn man genauer hin(auf)schaut, erkennt man sie: die Perlen der Architektur. Denn all die kaputten Fassaden und die maroden Gebäude bergen viel Geschichte und viele Geschichten. Um diese zu bewahren, haben Vittoria Capresi und Barbara Pampe 2015 ein Buch geschrieben. Gemeinsam mit Studierenden machen sie das Unsichtbare sichtbar und lassen Bewohner und Nutzer über 38 Gebäude und ihre Erinnerungen an sie sprechen.

Kairo Downtown

Kairo Downtown

weiterlesen →

urbanoREVIEW →

Rezension: „Die Welt des Baedeker – Eine Medienkulturgeschichte des Reiseführers von 1830 bis 1945″ von Susanne Müller

In E. M. Fosters Roman „Zimmer mit Aussicht“, verliert die Protagonistin, eine englische Adlige namens Lucy Honeychurch, bei der Besichtigung der Franziskaner-kirche Santa Croce in Florenz zu erst ihre fachkundige Reisebegleitung und dann auch noch den Baedeker. Unvorstellbar, doch Lucy Honeychurch war somit orientierungslos in einer für sie fremden Stadt und nicht zuletzt einer fremden Welt, in die sie sich fortan vorsichtig hineintastete.

Das wohlbehütete Mädchen reicher Eltern war auf einer, der für das ausgehende victorianische Zeitalter üblichen Bildungsreisen, um sich an den Schönheiten Italiens zu ergehen und voller Eindrücke nach Kent, ins ländliche Tunbridge Wells zurückzukehren und zu heiraten. Das Reisen, gemeint ist hier nicht das touristische Unterwegssein, sondern das monatelange an einem Ort Verweilen, gehörte zum Selbstverständnis und über lange Zeit zum Privileg einer adligen Klasse, die sich allerdings zusehends mit der bürgerlichen Schicht und deren ganz anderen Lebens- und Reiseverständnis, konfrontiert sah.

Dieses aufkommende Bürgertum veränderte das Reisen, vor allem das Bildungs-reisen, stark und somit auch den Habitus und die Medien des Reisenden. Es eignete sich zwar die oberflächlichen Verhaltensweisen des Reisens an, allerdings eher im Sinne einer Travestie, denn er konnte aufgrund eingeschränkter Finanzkraft nur sehr kurz an den schönen und kulturell wichtigen Orten Verweilen, wollte aber in dieser Zeit das Wesentliche des Ortes erleben und dessen Sehenswürdigkeiten „abarbeiten“. Müller spitzt den neuen Habitus des Reisenden trefflich mit dem Bild „Engländer in der Campagna“ von Carl Spitzweg zu, das auch auf dem Cover abgebildet ist – vertieft in Medien unterschiedlichster Art „bereisen“ eine Gruppe Engländer die italienische Campagna und erschließen sie nicht mehr aus ihnen selbst heraus, sondern gestützt auf Vermittlungs- und Dokumentationsmedien.

weiterlesen →

Themen