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Schlagwort »Rekonstruktion«
Städtebau & Architektur →

Steht auf!

Wie bereits in mehreren Artikeln auf unserem Blog berichtet, stehen zur Zeit in vielen Städten Deutschlands die Gebäude der Nachkriegsmoderne – seien es Bürogebäude, Regierungs- und Verwaltungsgebäude oder Kultureinrichtungen – auf dem Prüfstand bzw. auf der Abrißliste. Die Herzen, die für oder gegen einen Abrisses schlagen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Abriss des Frankfurter Stadthauses hinterlässt Stimmen wie „Endlich kommt es weg“ oder aber „Und schon wieder hat die Stadt einen tatsächlichen Zeitzeugen verloren“. Pläne mit Rekonstruktionsabsichten oder kompletten Neubauten siegen meist über das ehrliche Eingeständnis, dass man in den 1960er Jahren eben „hässlich“ gebaut hat. Glücklicherweise bleiben die Bürger aber nicht ruhig. Bereits in einigen Städten haben sich Initiativen gegründet, die sich für den Erhalt der Stadt mit all ihren Facetten und eben auch deren aus der Nachkriegszeit einsetzen: Frankfurt, Hannover, Bonn und Köln sind nur einige davon. Heute fand eine Sondersitzung des Kölner Stadtrates statt, die über eine Revision der Entscheidung zum Abriss des Schauspielhauses führen könnte… Vielleicht tut sich was in den Köpfen! Steht auf!

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Zu den Hintergründen der Rekonstruktionswelle

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(Karte der Rekonstruktionvorhaben. Quelle: „Projekte zum „Wieder-Aufbau und gesellschaftlicher Hintergrund“)

Über die verschiedenen Rekonstruktionprojekte in Deutschland wurde in letzter Zeit viel geschrieben und debattiert. Einen lesenswerten Beitrag (weil sein Inhalt bisher eher unberücksichtigt war) ist die Arbeit von Uwe Altrock, Professor für Stadt- und Regionalplanung der Universität Kassel. In seinem „Projekt zum „Wieder-Aufbau“ und gesellschaftlicher Hintergrund“ (Bild und Wort) beschäftigt er sich mit den Konstellationen, welche zu der in den letzten Jahren wahrgenommenen Rekonstruktionswelle geführt haben.

Für ihn folgt die Konstellation der Rekonstruktionsprojekte aus Initiativen, Politik, Bürgern und Investoren nicht einer stringente Logik. Sie sind Akteure einer politischen Arena mit unterschiedlichen Akteuren, welche in einem „Gelegenheitsfenster“ zueinander gefunden haben. Sie haben also ihre Forderungen zu einem günstigen Zeitpunkt miteinander verknüpft. Dies zeigen vor allem Karten zur geografischen Verteilung

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Am Ende steht ein Schloss

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(Quelle: Wikipedia)

Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit in den letzten Wochen auf den Wettbewerb zum Berliner Stadtschloss gerichtet hat, ist am vergangenen Donnerstag der Sieger für die Rekonstruktion eines zweiten Schlosses entschieden worden. Für den Neubau des Potsdamer Stadtschlosses sind allerdings keine Bilder des ersten Preises im Netz zu finden. Das ist zumindest für die Außenansichten auch nicht nötig, weil anscheinend alle Fassaden, inklusive Innenhof, originalgetreu rekonstruiert werden sollen.

Initiiert wurde die Rekonstruktion der Schlosshülle als neue Herberge des Brandenburgischen Landtages (denn dies ist der Ausgangspunkt des Projektes) von der Potsdamer Initiative „Mitteschön!„. Interessant ist hierbei die Begründung der Initiative, warum für den Neubau einer demokratischen Institution schließlich nur die architektonische Hülle eines feudalen Herrschers passt. Schon die von den Initiatoren eigens gestellte Frage „Warum das Schloss als Landtag wieder aufbauen?“ gibt einen ersten Aufschluss, denn sie müsste eigentlich anders lauten: Warum den Landtag als Schloss wieder aufbauen?“. Die Antwort

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Potemkinsches Dorf

Als die russische Zarin Katharina II 1787 ihre neu eroberten Gebiete auf der Krim besichtigte, ließ der damalige Gouverneur Grigori Potjomkin in den Dörfern Kulissen aufstellen, die ihren schlechten Zustand übermalen sollten. Den umgekehrten Weg gehen die aus dem Street-Art kommenden Künstler fauxreel und Specter in ihrem „City renewal project“ in Toronto. Die detailgenauen Herstellungen von Fassaden sind Rekonstruktionen von geschlossenen Läden der Umgebung. Sie verschwanden im Zuge der Gentrifizierung von Stadtteilen und sollen als zweidimensionale Wiederauferstehung an den Verlust dieses Wandels erinnern. Zwangsläufig befinden sich die Rekonstruktionen bis auf die Eingangsfront im inneren einer Werkhalle. Auch ohne das Projekt besuchen zu können, erzählt das Video viel über die Macht von Fassaden.
(Weitere Informationen und Bilder beim Torontoist)

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Überlegungen zu Stadtkatastrophen und ihrer Rekonstruktion

Im Frühjahr 2002 stellte sich eine Konferenz am Massachusetts Institute of Technology in den USA dem Thema Katastrophe und Stadt („Resilient City. How modern cities recover from disaster„). Sie sollte sowohl wissenschaftlich als auch therapeutisch den Terroranschlägen in New York gegenüber verstanden werden. Welche wirtschaftliche, kulturelle und politische Kräfte ermöglichen eine neue Ordnung selbst nach verheerenden Katastrophen und welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede lassen sich im post-traumatischen Urbanismus finden, waren zwei Kernfragen zu untersuchten Städtebeispielen von natürlichen wie menschengemachten Katastrophen. (Die einzelnen Fachvorlesungen können immer noch als Videostream angeschaut werden)

Erscheint dies zuerst wie ein Nischenthema, erstaunt, dass lediglich 32 Siedlungen von 1100 bis 1800 aufgrund von Katastrophen aufgegeben wurden und in den meisten Fällen ihre Größe und Bedeutung zurückerlangten. In den letzten beiden Jahrhunderten hat sich die Häufigkeit der Aufgabe sogar noch verringert. Ein gemeinsames Muster der nachfolgenden Rekonstruktion läßt sich allerdings nur sehr vage formulieren als Spiegelbild der gegebenen Machtverhältnisse in der Stadt. Dies äußert sich weniger in dem Sieger konkurrierender Stadterneuerungsentwürfe als in der Mythenbildung nach der physischen Reparatur. Der Mythos um die Ursachen und der Bekämpfung der Katastrophe dient der Festigung von eben diesen Machtstrukturen. Die Überlegung wird durch die Untersuchung mehrerer Feuerkatastrophen in den USA unterstützt. (pdf)

Als ein Beispiel wird die Feuerkatastrophe von Chicago 1871 herangeführt, welche den Weg ins nationale Gedächtnis des Landes gefunden hat. Schätzungsweise 200 bis 300 Menschen starben und 90.000 verloren ihr zu hause. Am selben Tag brennt auch die Stadt Peshtigo in Wisconsin, bei welcher bis zu 1500 Menschen ihr Leben ließen. Die Tatsache, dass dies heute fast vergessen ist, wird dem Vermögen der Chicagoer Elite zugeschrieben, ihre Katastrophe in den Kontext des Urbildes des modernen Kampfes gegen das Elend zu stellen. Verwendete Methaphern wie „hilflos verletzte Schönheit“ oder „unschuldig, junges Mädchen“ für die Stadt sind Beispiele hierfür. Der Ursprung des Brandes in der Scheune einer irischen Einwanderin festigte zudem die elitären Vorurteile gegen die als gefährlich angesehene Arbeiterschicht, Frauen und Iren.


Erwähnenswert scheint auch ein zweites Beispiel auch wenn es nicht thematisch dazugehört. Am 8.Mai 1902 wurde die Küstenstadt Saint-Pierre auf der karibischen Insel Martinique Opfer eines Ausbruches des nahe gelegenen Vulkans Pelée. Die gesamte Bevölkerung von 25 bis 35.000 Einwohnern starb bis auf den einzigen Insassen des lokalen Gefängnisses (obwohl andere Quellen von 2 oder 3 sprechen). Dieser konnte erst 4 Tage später in seiner Zelle gerettet werden und schloß sich als einziger offizieller Überlebender einem Zirkus an. Saint-Pierre wurde wieder aufgebaut, aber erlangte seine ehemalige Bedeutung nicht mehr wieder.

Eine vage Theorie, die sich lohnt, auf die Rekonstruktion deutscher Städte nach dem zweiten Weltkrieg zu übertragen.

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