Follow us on: Facebook · Twitter · RSS
 
Schlagwort »Stockholm«
urbanoREVIEW →

Rezension „Atlas of the Functional City“

oder: Was macht ein Haufen rebellischer Architekten auf einem Schiff im Mittelmeer?

Eine Rezension zum „Atlas of the Functional City: CIAM 4 and Comparative Urban Analysis“, Thoth Publishers, Bussum, gta Verlag, Zürich, 2015.

Der Atlas von außen und innen

Der Atlas von außen und innen

Ob die Beteiligten bewusst auf diesen sinnbildlichen Ort setzten, darf bezweifelt werden, war der ursprüngliche Tagungsort – Moskau – wegen der politischen Symbolkraft verworfen worden: ein kleines Schiff im Mittelmeer. Dort, wo die ersten Hochkulturen per Schiff errichtet wurden, fuhr 1933 die Patris II von Marseille nach Athen – an Bord die vierte Internationale Konferenz der Architekturmoderne (CIAM IV), die zur Charta von Athen führte.

Während die Charta und ihre Auswirkungen fast schon zum urbanophilen Allgemeinwissen gehören, ist über die Konferenz und ihre eigentlichen Inhalte erstaunlich wenig bekannt. Der „Atlas of the Functional City“ will dies ändern. Seine Herausgeber_Innen (Evelien van Es, Gregor Harbusch, Bruno Maurer, Muriel Pérez, Kees Somer und Daniel Weiss) dokumentieren auf fast 500 Seiten (und mehrere Kilo schwer!) aufschlussreich und detailliert die meist europäischen Beiträge der einzelnen Länder-Sektionen von B wie Belgien bis Y wie Jugoslawien, aber auch Beiträge aus Indochina, Niederländisch-Indien (Indonesien) und den Vereinigten Staaten.

Nicht alle diese CIAM-Architekturgruppen waren auch tatsächlich an Bord der Patris II, doch in Vorbereitung auf die illustre Architekturreise übers Mittelmeer führten die Gruppen umfangreiche Analysearbeiten durch. Durch umfangreiche Archivarbeit 80 Jahre später konnten die Herausgeber_Innen des „Atlas oft he Functional City“ mithilfe eines Netzwerks aus Forschenden all diese Städteanalysen zusammentragen, die einen Großteil des Buchs darstellen. Sie bilden das inhaltliche Fundament dessen, was den CIAM IV so berühmt machte: die Charta von Athen.

Auch Berlin kommt nicht zu kurz, wurde doch zu Berlin die umfangreichste Analyse erstellt.

Auch Berlin kommt nicht zu kurz, wurde doch zu Berlin die umfangreichste Analyse erstellt.

Beeindruckend sind besonders die Arbeiten zu Dessau, die wohl tiefste Städteanalyse. Von Geologie und Bodenbeschaffenheit über Windverhältnisse bis hin zur Organisation der materiellen Versorgung der Stadt wurden die Facetten der Stadtentwicklung sehr breit dargestellt und schließlich auch städtebauliche Vorschläge aufgezeigt.

Die jeweiligen Ländersektionen werden im Atlas zudem ausführlich historisch eingeordnet. Wer zeichnete für die Analysen verantwortlich? Wer stellte sie vor? Und vor allem: Wie wurden die Ergebnisse diskutiert? Wichtige Einblicke aus der Arbeit der Architekturmodernisten haben die einzelnen Autor_Innen zusammengetragen. So lernt die/der Leser_In auch viel über innere Konflikte der gar nicht so einvernehmlichen Modernisten:

„Disputes repeatedly arose with Le Corbusier in particular, who attempted to dominate the content of the CIAM from the very start, since Häring regarded a conference he had organized in Stuttgart in October 1927 during the Werkbund exhibition ‘Die Wohnung’ as representing the real beginning of an international association of modern architects and thus as the start of the CIAM.”

Dabei geht der Atlas über ein reines Fachbuch hinaus. Beim Durchblättern bleibt man an einem zwölfseitigen Bilderkapitel hängen, teilweise mit bisher unveröffentlichten Fotografien. Wir sehen die Architektinnen und Architekten beim Nickerchen im Liegestuhl, beim Entspannen an Deck (in Bademode der 30er Jahre), beim humorvollen Posieren vor antiker griechischer Architektur und natürlich beim Diskutieren ihrer Analysen. Entspannte und kritische Blicke wechseln sich hier ab und zeigen das, was im Architekturdiskurs manchmal vergessen wird: Architektur wird von Menschen gemacht.

Als wäre das noch nicht genug, bilden sechs Essays eine passende theoretische Klammer um die so umfangreichen Analysen. Reich gespickt mit zusätzlichen Quellen und Literaturhinweisen ist dieses Buch beides, eine umfangreiche Dokumentation des IV. CIAM-Kongresses und ein Start für weitere Auseinandersetzungen mit der Moderne in Architektur und Städtebau.

 

PS: Urbanophile kaufen ihre Bücher natürlich im klassischen Buchhandel und nicht über den marktbeherrschenden Online-Giganten.

Kunst & Kultur →

#StreetartWochen #4: Mitteilung mit Aha-Effekt

Streetart im wahrsten Sinne des Wortes, sogar mit „Aha-Effekt“, gab es kürzlich im hippen Stockholmer Södermalm auf der Götgatan zu entdecken. Die Götgatan ist die zentrale Einkaufsstraße und Verbindungsachse des Stadtteils. Angenehmerweise ist die Straße in Teilen für den Autoverkehr gesperrt, Fahrradfahrer und Fußgänger kommen sich bereits genug in die Quere.

Am Wochenende und nach Feierabend ist die Straße gut gefüllt mit Menschen die einfach nur von A nach B wollen oder in Ruhe shoppen. Besser, man behält die Augen offen und nach vorne gerichtet. Tat man das dann doch mal nicht, gab es interessantes zu entdecken, viel Spaß:

DSCN0923 DSCN0925

weiterlesen →

Kunst & Kultur →

#StreetartWochen #3: Zebrastreifen-Schilder in Stockholm 2008 und 2014

Diverse Varianten von Zebrastreifen-Schild-Manipulationen in Stockholm 2008

Wenn man 2008 durch Stockholm spazierte, mussten einem irgendwann die kreativen Veränderungen an Verkehrsschildern auffallen. Vor allem an den Schildern von Zebrastreifen. Viele der Manipulationen waren häufiger anzutreffen, z. B. der rote Hase an der Leine, der rennende Tim (ohne Struppi) und die bunten Kleider. Trotz der in Stockholm schon seit vielen Jahren sehr rigoros durchgezogenen „Nolltoleransen„-Politik gegenüber Streetart, blieben diese kleinen Formen zivilen Ungehorsams auch über einen längeren Zeitraum bestehen. Jedenfalls waren von Mitte 2008 bis Mitte 2009 keine größeren Veränderungen in der Stadt zu beobachten.

2014 war ich nun wieder in der Stadt

weiterlesen →

Kunst & Kultur →

#Streetart-Wochen #1: Schmetterling in Stockholm

Schmetterling in Stockholm

Schmetterling in Stockholm

Ich war gerade nach Stockholm gezogen und zur Begrüßung wurden die neuen Austausch-Studenten auf eine Stadtrallye geschickt. Schon bei einem ersten Stockholm-Besuch ein paar Monate zuvor war mir aufgefallen, dass die Streetart in Stockholm eher klein und unauffällig daher kommt – dafür aber umso kreativer. Dieser Schmetterling ist ein gutes Beispiel dafür. Ich habe nie wieder ein vergleichbares Exemplar in Stockholm oder anderswo gefunden.

In den kommenden Tagen werden wir im Rahmen der „Streetart-Wochen auf urbanophil“ weitere Fundstücke aus unseren privaten Foto-Archiven veröffentlichen. Wer selbst mitmachen möchte, postet ein Foto gerne mit persönlichen Worten auf unserer Facebook– oder Twitter-Seite. Am besten mit dem Hashtag #StreetartWochen. Zu den weiteren Beiträgen der StreetartWochen geht es HIER.

Video, Film & Fotografie →

„What song are you listening to?“ – Stockholm

Selten bekommen Beiträge auf unserem Blog in so kurzer Zeit so viele Kommentare wie beim „What song are you listening to?“-Post vor zwei Tagen und auch die google-Analytics-Daten zeigen, dass diese simple Idee offenbar viele ebenso begeistert wie uns. Nun ist ein neues Video aus Stockholm aufgetaucht und das ist genau so, wie man sich Stockholm im Juni so vorstellt (und wie es übrigens tatsächlich auch ist): Schöne Menschen, schöne Musik, eine ohnehin schöne Sprache und – ja genau – Funny van Dannen auf den Ohren.

Bleibt aktuell eine Frage offen: Berlin, what song are you listening to?

via: langweiledich.net

nach oben ↑
Themen