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Fahrradinfrastruktur aus einer anderen Dimension (den Niederlanden)

via: The Bicycle City, Price Tags 

Seit einigen Jahren erlebt das Fahrrad als Verkehrsmittel eine außergewöhnliche Renaissance. Die Entwicklung ist mittlerweile so weit vorangekommen, dass der ADAC europaweit Fahrradverleihsysteme testet und auf Online-Auto-Magazinen Artikel erscheinen wie „Nachhaltige Mobilität: Deutschland steigt aufs Fahrrad um“. Selbst Verkehrsminister Peter Ramsauer kommt nicht mehr darum herum, dem Radwelt-Magazin des ADFC ein butterweiches Interview zu geben, indem er zumindest behauptet, sich nun auch für die Belange des Radverkehrs einzusetzen. Dass das Gegenteil der Fall ist  – nämlich Mittel- und Personalkürzungen –  haben kürzlich auch SPD und Grüne kritisiert und die umfangreichen Verbesserungsvorschläge des VSF am Entwurf des Nationalen Radverkehrsplan 2020 gezeigt.

Welche Dimensionen trotz all der positiven Nachrichten in Wirklichkeit weiterhin zwischen DER Fahrradnation Niederlande (27% Radverkehrsanteil am Modal Split) und dem aufstrebenden Fahrradentwicklungsland Deutschland (10% Fahrradanteil) liegen, zeigt die Eröffnung einer neuen Kreisverkehr-Fahrradbrücke in den Niederlanden. Der Hovenring liegt an einer Einfallstraße Richtung Eindhoven und wurde Ende Juni 2012 mit einer großen Feier eröffnet (s. Video).

Während also in Deutschland die Mittel gekürzt werden oder auf einem extrem geringen Level verweilen, zeigt der Hovenring welche Qualität für Radverkehrsinfrastruktur möglich ist, wenn der politische Wille vorhanden ist. Die Architektur der Brücke ist weithin sichtbar und somit auch als ikonisches Wahrzeichen konzipiert – sonst eher typisch für spektakuläre Autoverkehrs-Brücken. Der erhöhte Kreisverkehr ist an einem rund 70 Meter hohen Pylon mit Abspannseilen aufgehängt und wirkt, als würde er über der darunter liegenden Kfz-Kreuzung schweben.

Weithin sichtbar, der Hovenring bei Eindhoven (Quelle: flickr-user jeroenvanlieshout)

Weithin sichtbar: der Hovenring bei Eindhoven, fahrradgerechte Separierung at its best (Quelle: flickr-user jeroenvanlieshout)

Auf dem Blog Bicycle Dutch ist auf Fotos deutlich die veränderte Verkehrsführung zu erkennen, die zu einer deutlichen Qualitäts- und Geschwindigkeitsverbesserung für den Radverkehr geführt haben dürfte. Auf einem Satellitenbild ist zu sehen, wie Radfahrer beim vorherigen Kreisverkehr lange Wege und Kreuzungen verschiedener Kfz-Spuren in Kauf nehmen mussten um von A nach B oder C zu kommen. Auf einem Luftbild des neuen Kreisverkehrs ist nun zu sehen, wie sich die Wege für Radfahrer deutlich verkürzt haben und sich insbesondere durch das Wegfallen der Kreuzungssituationen eine deutliche Beschleunigung eingestellt haben dürfte. Der Kfz-Verkehr ist hingegen auch weiterhin über Lichtsignanlagen (im Volksmund: Ampeln) geregelt.

Der Artikel soll nicht als flammendes Plädoyer für separierte Infrastruktur missverstanden werden. Schon zu Zeiten der autogerechten Stadtplanung wurden Brücken für Fußgänger und/oder Radfahrer gebaut (s. Foto). Damals mit dem illusorischen Ziel, den Autoverkehr möglichst ungestört „fließen“ zu lassen. Fußgänger und Radfahrer mussten Treppen steigen, steile Rampen überwinden oder große Umwege bzw. Gefahr für das eigene Leben in Kauf nehmen. Diese traurigen Beispiele von Planung aus der Windschutzscheiben-Perspektive lassen sich auch heute noch fast in allen Städten dieser Welt irgendwo finden. (In Berlin u.a. direkt hinter dem Roten Rathaus, zwischen der Rathauspassage und dem Klosterviertel, wo sich tagtäglich unzählige Menschen beim Queren einer Stadtautobahn in Lebensgefahr bringen müssen, wie auch der Tagesspiegel kürzlich in einem Artikel mit Fotoserie illustrierte.)

Autogerechte Separierung des Verkehrs at its best (Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-M0828-0009 / Raphael (verehel. Grubitzsch), Waltraud / CC-BY-SA)

Autogerechte Separierung des Verkehrs at its best, zum Glück schon wieder Vergangenheit in Leipzig (Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-M0828-0009 / Raphael (verehel. Grubitzsch), Waltraud / CC-BY-SA)

Das holländische Beispiel des Hovenring zeigt  dagegen eindrucksvoll, wie die Trennung von Rad- und Kfz-Verkehr zu einer enormen Qualitätssteigerung für den Radverkehr führen kann. Die Art der Umsetzung setzt nicht nur einen qualitativen Meilenstein für den fahrradgerechten Bau von Infrastruktur, sondern durch die Architektur auch ein weithin sichtbares Zeichen für den politischen und planerischen Gestaltungswillen. Um die Anstiege für die Radfahrer nicht so steil und hoch zu gestalten wurden zum einen die Rampen sehr langläufig geplant und zudem die Kreuzung für den Kfz-Verkehr etwas tiefer gelegt. Die eingebundenen Videos zeigen, dass die neue Infrastruktur gut angenommen wird. Für den Umbau hattte die Stadt Eindhoven eine umfangreiche Website eingerichtet, auf der sich Bürger über das Projekt informieren konnten. Hier noch ein paar mehr Impressionen: 

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4 Kommentare
  1. Fahrradinfrastruktur aus einer anderen Dimension (den Niederlanden) http://t.co/l1e0Mf8T bis es sowas in Dt. gibt bin ich wohl schon tod!

  2. Fahrradinfrastruktur aus einer anderen Dimension (den Niederlanden) http://t.co/h5T3y0LW

  3. Cool: Fahrrad-Highways made in Holland
    http://t.co/f5JjuJ7U #stadtplanung

  4. […] Fahrradkultur dort? z. B. der recht neue Kreisverkehr vom Hovenring … […]

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