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Urbane Mobilität →

Neue Kategorien in der Verkehrsmittelwahl?

Ein Fahrradparkverbot sollte in Zukunft verboten sein (Foto von Ponte112)

Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen im Bereich der innerstädtischen Mobilität müssen die Klassiker ÖPNV und MIV um eine dritte Kategorie ergänzt werden: den MÖIV, der motorisierte öffentliche Individualverkehr. Vorreiter des MÖIV wäre das System Car2Go, das seit einiger Zeit in Ulm mit großem Erfolg betrieben wird. Im Prinzip handelt es sich dabei um flexibles CarSharing ohne monatliche Grundgebühren, bei dem die Benutzung im Minutentakt abgerechnet wird. Bleibt natürlich die Frage, ob ein solches System mit einem Elektroauto mit hoher Zulademöglichkeit nicht sinnvoller wäre.

Optimal wäre ein solches Angebot, wenn man mit einer Karte zwischen vielen verschiedenen Fahrzeugen – passend zum Zweck der Fahrt – wählen könnte, wer würde nicht gerne mal das eSpire Bike fahren, das mit seinem Elektromotor eine neue From der Mobilität ermöglicht.

[Beitrag von Oliver Hahn]

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4 Kommentare
  1. Meiner Meinung nach stellt die einseitige Fixierung von Politik und rückwärtsgewandter deutscher Autoindustrie auf mit Elektromotoren betriebene Fahrzeuge nicht die Lösung der Mobilitätsherausforderung für die Zukunft dar. In den CO2- und sonstigen Umweltbilanzen sind nicht die Herstellung und die Verschrottung der Fahrzeuge enthalten, die bei einem fortwährend individualisierten Verkehr unverändert einen erheblichen Ressourcenverbrauch notwendig macht.
    Eine Perspektive, die bislang kaum Beachtung im öffentlichen Diskurs findet und dabei aber gerade für die Stadtplanung hochgradig relevant ist, ist das Potential das Peak Oil/Globale Erwärmung für die Städte bietet: Die Rückgewinnung von Flächen im städtischen Raum. Der Flächenverbrauch des MIV ist exorbitant höher als bei allen anderen Mobilitätsformen – die Auswirkung auf unsere Städte kann man seit den 1950/60er-Jahren anschaulich miterleben. Die Chance durch eine nachhaltige Reduzierung von MIV-Nutzung die Fahr- und Standflächen für Kfz auf den Straßen massiv zu reduzieren und die gewonnenen Flächen dem Rad- und Fußverkehr und dem ÖPNV zuzuschlagen, könnte den Umweltverbund nachhaltig stärken und den Modal Split tatsächlich und substantiell verschieben und das öffentliche Leben bestärken.
    Das setzt aber einen aufrichtigen politischen Willen voraus, um durch Steuerungsinstrumente diese Entwicklung zu befördern (bspw. City Maut, Stellplatznachweispflicht auf privatem Grund usf.). Auch MÖIV wird nur eine Chance haben, wenn der Besitz eines privaten Pkw ausreichend unattraktiv geworden ist.

  2. Ich stimme Lukas grundsätzlich zu, auch wenn ich der Ansicht bin, dass eine entscheidende Verschiebung der Modal Split-Anteile des MIV nur gelingen kann, wenn es zuvor und begleitend entsprechende Angebotsverbesserungen in jeglicher Hinsicht gibt. Dazu gehören die gesamten von Lukas angesprochenen fördernden Maßnahmen, aber eben auch ganz entscheidend die neuen hybriden Formen aus ÖV und IV, Fahrradverleihsysteme und Carsharing-Angebote.

    Als Oberbezeichnung hierfür würde sich allerdings eher ÖIV anbieten (Öffentlicher Individualverkehr), MÖIV wäre dann die Unterbezeichnung eben für die motorisierten Antriebsformen (wo derzeit und in den nächsten Jahren Pedelecs, E-Bikes und auch Elektroroller einen gewaltigen Aufschwung erleben).
    Um kurz auf der „Theorie-Schiene“ zu bleiben, die ‚klassische‘ Unterscheidungsform im Personenverkehr ist die zwischen ÖV und IV, eine Unterteilung in ÖV und MIV kehrt einfach mal, den gesamten Rad- und Fußverkehr, also die ‚human power mobility‘, unter den Tisch. Auch grundsätzlich zeigt sich ja bereits sprachlich in der Unterscheidung zwischen nicht-motorisierten IV und motorisierten IV eine Fokussierung auf die Motorisierung, die in der heutigen Zeit nicht mehr zeitgemäß ist. Das das nicht so sein muss, zeigt die Schweiz, wo zwischen ÖV, MIV und LV, dem sogenannten Langsamverkehr unterschieden wird. Leider ist Langsamverkehr nicht gerade eine Bezeichnung mit besonders positiver Konnotation, weshalb ich hiermit die Prognose abgebe, dass sich diese Unterteilung in Deutschland kaum durchsetzen wird… (zumal zumindest das Rad im Innenstädten dem Auto ja meistens zeitlich eh überlegen ist).

    Um zurückzukommen auf mögliche restriktive Maßnahmen…, da ist die Wirkung grundsätzlich vorhanden und selbst die politischen Überlegungen gehen in solche Richtungen (Hamburg lässt z.B. die Möglichkeiten einer City-Maut untersuchen oder hat dies zumindest lt. Verkehrsentwicklungsplan angedacht). Allerdings stellt sich hier tatsächlich die Frage der politischen Durchsetzbarkeit. Ich glaube, das muss man im Moment noch realistisch so annehmen. Dazu ist das Auto zu sehr der Ausdruck der Individualisierung des modernen Menschen (auch wenn sich das etwas platt anhören mag) und jegliche Forderung nach restriktiveren Maßnahmen löst gewaltiges Echo aus (siehe PKW-Maut-Debatte, die durch das Umweltbundesamt ausgelöst wurde, Parkraumbewirtschaftungsdebatten in der Spandauer Vorstadt in Berlin).

    Eine substantielle Veränderung der MIV-Nutzung wird noch ein wenig dauern und ich bezweifele, dass „Zwang und Restriktionen“ dafür im Moment das richtige Mittel sind. Derzeit geht es darum, erst einmal Angebote zu schafffen, die eine auch nur annähernd so hohe Attraktivität wie das Auto haben (die es ja aus individueller Perspektive für den überwiegenden Teil der Bevölkerung unzweifelhaft und offensichtlich hat, ansonsten wäre es ja nicht so erfolgreich).

    Unzweifelhaft steht aber auch fest, dass sich im Bereich der urbanen Mobilität im Moment eine Menge tut. Das ist der Grund, warum Stefan und ich heute beschlossen haben, das Themenfeld ‚urbane Mobilität‘ als neue Rubrik bei urbanophil aufzunehmen, mit dem Ziel, dass in Zukunft noch häufiger Beiträge zu diesem Thema erscheinen.

  3. Ganz interessant und lesenswert: Horst Köhlers Rede bei der ADAC-Preisverleihung „Gelber Engel“ am 14.1.2010
    http://www.allianz-pro-schiene.de/presse/pressemitteilungen/2010/1-auto-bundespraesident-verkehrswende/rede-bundespraesident-zukunft-mobilitaet.pdf

  4. […] wurde schon vor kurzem in einem Beitragskommentar angekündigt: urbanophil wird zukünftig das Thema ‘urbane […]

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