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Urbane Mobilität →

urbanophil macht mobil, Teil II – der Umstieg auf Elektromobilität

Im zweiten Beitrag unserer kleinen ‚urbanophil macht mobil‘ – Beitragsreihe wird es u.a. um die Notwendigkeit gehen, auf elektrische Antriebe umzustellen (Autoindustrie), bzw. um die neuen Möglichkeiten, die elektrische Antriebe bieten (Fahrradindustrie). Dieser Umstieg wird allerdings nur dann „postfossil“ werden, wenn die Energieerzeugung auf regenerative Energien umgestellt wird. Ausschlaggebend hierfür ist eine dringend notwendige Wende in der Energiepolitik, deren Möglichkeiten in dem herausragenden Dokumentarfilm „Die 4. Revolution“ ausführlich und inspirierend behandelt werden.

Der Film läuft aktuell auch (wieder) in mehreren Berliner Kinos und sei hiermit jedem Leser ans Herz gelegt. Das Video ist ein ausführlicher Trailer zum Film, in dem auch die Verantwortung von Architekten und Stadtplanern thematisiert wird.

Der Höhepunkt der Ölförderung, der Peak of Oil, findet derzeit statt und wird schätzungsweise noch zehn Jahre anhalten, ab ca. 2020 wird mit einer weltweit abnehmenden Ölfördermenge gerechnet. Das BBSR hat sich bereits mehrere Male mit dem Thema der ‚Postfossilen Mobilität‘ bzw. ‚Peak Oil‘ beschäftigt, zuletzt in einer IzR-Veröffentlichung Ende 2009 (Kurzfassungen der Texte sind online verfügbar).  In den nächsten Jahren wird das Thema Peak Oil vermutlich einen ähnlichen Stellenwert in der öffentlichen Diskussion einnehmen, wie der Klimawandel heute.

Die Umstellung auf elektrische Antriebe ist deshalb die größte Herausforderung, vor der die Autoindustrie jemals gestanden hat. Sie kommt unwiderruflich und an der Autokrise in den Jahren 2008 und 2009, mit Umsatzeinbrüchen von 80 – 90% in einigen Kfz-Kategorien, konnte man bereits ablesen, dass sich manche Entwicklungen schneller ereignen als man heute vielleicht denkt (in welche Richtung auch immer). Welche Gefahren und Unsicherheiten das mit sich bringt, aber auch welche Entwicklungschancen dieser Einschnitt bietet – für die Autoindustrie, für urbane Mobilität, für ÖV-Unternehmen, ja sogar für Energieunternehmen – wurde von Weert Canzler und Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) in dem sehr empfehlenswerten Strategiepapier „Grüne Wege aus der Autokrise“ (pdf) niedergeschrieben. Auch in der öffentlichen Diskussion nimmt dieses Thema immer mehr Raum ein, wie an zahlreichen Artikeln u.a. in der Zeit (1, 2, 3), bei Spiegel Online, der Faz oder der SZ zu erkennen ist. Gerade der innerstädtische Verkehr bietet aufgrund seiner geringeren Distanzen ideale Voraussetzungen für tiefgreifende Umdeutungen im Bereich des Autoverkehrs: werden in 30 Jahren elektrisch betriebene Carsharing-Flotten, bereitgestellt durch Öffentliche Verkehrsunternehmen und andere Betreiber, das Privatauto in Innenstädten weitestgehend ersetzt haben? In der Verkehrsplanung der CO2-freien Stadt Masdar City (über die wir bereits berichteten) soll das private Auto z.B. durch ein öffentliches sogenanntes Personal Rapid Transit (PRT)-System ersetzt. Allerdings ist die Umstellung auf elektrische Antriebe beim Auto weiterhin mit vielen Unsicherheiten behaftet, weil die Notwendigkeit der Entwicklung von der Autoindustrie lange Zeit ignoriert worden ist. Deshalb wird es eine längere Übergangsphase mit verschiedenen Hybrid-Technologien geben, rein elektrisch betriebene Autos werden aller Voraussicht nach in den nächsten zehn Jahren nur ein (wachsendes) Nischenthema bleiben. Die meisten Impulse dieser Entwicklung werden zunächst in den großen Metropolen dieser Welt stattfinden, z.B. hat Paris angekündigt das Fahrradverleihsystem Velib´ durch eine elektrisch betriebene Carsharing-Flotte zu erweitern.

Neue elektrische Antriebe sind aber nicht nur für das Auto relevant, denn die Fahrradindustrie erlebt durch E-Bikes und Pedelecs einen gewaltigen Boom mit rapide steigenden Verkaufszahlen und der Erschließung neuer Käuferschichten, 2009 wurden in Deutschland 120.000 solcher Räder verkauft, doppelt soviele wie in 2007. Mit dem ‚eingebauten Rückenwind‚ (so fühlt es sich wirklich an, grandios!!) ist die körperliche Herausforderung für ältere oder anderweitig eingeschränkte Menschen selbst auf längeren oder hügeligen Strecken kein Problem mehr – ein Thema, das z.B. in der topographisch häufig anspruchsvollen Schweiz durch dichte Netze von Akkutausch-Stationen schon wesentlich weiter vorangeschritten ist, wie auch ein begeisterter Autor der Zeit in seinem Artikel „Ein akkuter Spaß“ feststellte. Aber auch in Stuttgart erweitert die Deutsche Bahn derzeit – unterstützt durch den Bund – sein bereits vorhandenes Fahrradverleihsystem durch elektrisch betriebene Pedelecs.

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