Follow us on: Facebook · Twitter · RSS
 
Einzelansicht
urbanoREVIEW →

Das Ruhrgebiet in der Kunst: Zwischen grüner Ästhetik und Verfall, Ausstellung „Green City“ in Oberhausen

08 Kuh unter der A40, 2009 © Sebastian Mölleken

Abb. Kuh unter der A40, 2009 © Sebastian Mölleken

Marode Ästhetik, wilde Industrie-Natur, energetische Gedankenspiele: In „Green City. Geformte Landschaft – Vernetzte Natur“ steht das Ruhrgebiet im Fokus der Kunst. Die Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen schafft den Spagat zwischen spielerischem in Szene setzen geformter und verletzter Landschaft und ernster Beschäftigung mit Fragen des Klimawandels und Umweltschutzes inmitten der Industrieregion.

Schon die Raumintervention im Foyer besticht. Willem-Jan Beeren, Florian Kluge und Max Wester, zusammengeführt durch die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, haben die Decke der Galerie mit hunderten Bahnen Alufolie abgehangen. Die Silberfolie – energieintensiv in der Herstellung und jüngst als potenziell gesundheitsschädlich in Verruf geraten – als Metapher für all die Stromtrassen, Straßen, Bahnstrecken und Kanäle, die das Ruhrgebiet zerfurchen und zugleich verbinden.

Die Fotografien, Installationen und Zeichnungen der regionalen wie nationalen Künstler gliedern sich nach Räumen auf: Straßen, Monumente, Wasser-Wege, Energie und die Stadt als Ökosystem bilden die Themenbereiche. Die Umsetzung ist gekennzeichnet durch eine enorme Bandbreite. So nutzt Klaus Dauven die Patina alter Verkehrsschilder zur Produktion von Reverse-Graffiti, während Helge Fischer die Netzrepublik Deutschland 2042 ausruft, in der die klassische Wettervorhersage durch ein Energiewetter ersetzt wird.

Hendrik Lietmann tauft das Revier kurzerhand in „Rohrgebiet“ um, zeigt heile Familienidylle im Schatten breiter Gasleitungen. Rudolf Holtappel und Sebastian Mölleken beschäftigen sich beide mit den verschwimmenden Grenzen der Region, jedoch mit unterschiedlichem Fokus: Ersterer lenkt den Blick auf die im Alltag kaum wahrgenommenen Grenzen inmitten der städtischen Agglomeration, letzterer hat fotografisch Kühe unmittelbar unter der für ihre Dauerstaus gefürchteten A40 eingefangen.

Auch Wissenschaft und Forschung bleiben nicht außen vor: Die Dortmunderin Anett Frontzek hat eine umfassende Daten- und Faktensammlung zum 24 Hektar großen, künstlich angelegten Phönix-See in ihrer Heimatstadt zusammengetragen und in Form eines Fahrplans visualisiert. Mareike Hundt fragt sich im Rahmen eines Farming-Projektes, ob Artischocken Wärme schenken können.

Ein Besuch in Oberhausen lohnt sich auch für Gäste, die das Ruhrgebiet noch immer mit Einheitsgrau und Tristesse in Verbindung bringen – nicht zuletzt wegen des unmittelbar an die Ludwiggalerie angrenzenden historischen Kaisergartens mit seiner begehbaren Brückenskulptur „Slinky springs to fame“.

von Sonja Broy

Green City. Geformte Landschaft – Vernetzte Natur
Bis 12. September 2015, Di-So 11-18h
Mehr Informationen: www.ludwiggalerie.de

Metadaten


1 Kommentar
  1. Na, und wegen der vielen Hängebauchschweine, Ziegen, Esel und Streichelmeerschweinchen im Kaisergarten natürlich.

    Für Urbanophile weitere lohnenswerte Ziele sind der auf der anderen Straßenseite liegende größe Gasometer und Ausstellungshalle Europas, direkt hinter der Beamtensiedlung Grafenbusch (1910-1923) von Bruno Möhring (!) gelegen. Scharf auch für Städteplaner der mächtige Streifen aus Kanal, Abwasser(fluß?)kanal Emscher und Autobahn 42, der einen städtebaulichen Riegel aller erster Klasse in der geographischen Mitte der Stadt darstellt.

    N Päusken mit Kanalromantik dann aber bitte nicht in der Coca-Cola-Oase des Centros sondern im ehemaligen Ruderheim vis-a-vis des Gasometers…

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

Themen