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Buchrezension “Abstract City” von Christoph Niemann

Hier ist es, das gute Buch zum Wochenende: Christoph Niemann lebt unter dem Strich; zu erst in New York, wo er, direkt nach dem Studium in Stuttgart, seine kometenhafte Illustratoren-Karriere begonnen hat, seit 2008, vielleicht um wieder näher an der schwäbischen Verwandschaft zu sein, in Berlin. Von u.a. der FAZ als „der beste Illustrator unserer Zeit“ betitelt, versteht das Multitalent es wie kein zweiter den Habitus des modernen Stadtmenschen, seiner Geschicke und Ungeschicke und den vielen postmodernen Fragen des Alltags dieser besonderen Spezies aufzugreifen und grafisch zu thematisieren.

Ob auf dem Langstreckenflug, im Haushalt, beim Kampf mit dem ewigen Kabel-Wirr-Warr, oder in der Erinnerungswolke, die Themen sind vielfältig, doch besonders die, die das Leben der Großstadmenschen ins Visier nehmen sind besonders reizvoll.

Abb.: Christoph Niemann aus dem Buch „Abstract City – Mein Leben unterm Strich“

Seit Juli 2008 arbeitet er für die New York Times und hat ort seit dem einen eigenen Blog „Abstract City“, der inzwischen in „Abstract Sunday“ umbenannt wurde. Hier realisierte er einige Serien, die ich schon früh sehr gemocht habe. Darunter die „New York-Spickzettel“, die scharf beobachtet die Eigenarten der New Yorker aufs Korn nehmen, jedoch auch praktische (Über-)Lebenstipps geben, wie ein German Guy sich am besten in diesem Metropolen-Gewusel zurechtfindet, bisweilen behauptet; oder die Serie „I LEGO N.Y.“, in der er mit Legosteinen die New York-Welt erklärt.

Abb.: Christoph Niemann aus dem Buch „Abstract City – Mein Leben unterm Strich“

Auf sehr einfache Weise mit sparsamen Einsatz von Stilmitteln und einem herzlichen Humor schaut Niemann auf sein eigenes Leben und beobachtet das der anderen um ihn herum. Die Illustrationen machen gerade deswegen so viel Spaß, da sie schnell zu verstehen sind, ohne dabei oberflächlich oder eindimensional zu sein. In Amerika ist Christoph Niemann deshalb ein Superstar der Illustratorenszene und hat viele regelmäßige Aufträge. Allerdings in Deutschland ist er noch wenig bekannt.

Abb.: Christoph Niemann aus dem Buch „Abstract City – Mein Leben unterm Strich“

Das könnte sich mit dem kürzlich erschienenen Buch „Abstract City – Mein Leben unterm Strich“ schnell ändern. Alle sechzehn Serien aus dem Blog der NYT, sind ins deutsche übersetzt und zu einem ganz besonderen, sehr aufwändig gestalteten Sammelband zusammengefügt worden. Die Klassiker sind also ebenso vertreten, wie Illustrationen, die auf dem Blog bisher noch nicht zu sehen waren. Für echte Fans gibt es ein Nachwort, ganz im Niemann-Stil, natürlich gezeichnet.

Einziger Wehrmutstropfen für die Fans der ersten Stunde, durch die deutsche Übersetzung verlieren manche Wortwitze ihren Charme, da sie nicht eins-zu-eins übertragbar sind. Wer es lieber im Original mag, kann sich aber einfach den englischsprachigen Band besorgen oder die Serien parallel auf dem Blog oder der Webseite von Christoph Niemann lesen.

Abstract City – Mein Leben unterm Strich

Autor: Christoph Niemann

Erschienen im Knesebeck-Verlag

272 Seiten, mit 333 farbigen Abbildungen

Preis: 19,95 €; ISBN 978-3-86873-456-0

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