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Rezension „Religiöse Netzwerke“ von Alexander-Kenneth Nagel

Bild_ReligiöseNetzwerke

Abb. transcript Verlag

Treue Leser haben sicherlich bemerkt, dass das Thema Religion und Stadt immer wieder mal in den Rezensionen aufgegriffen wurde, im Gegensatz zu anderen Werken stehen im Buch „Religiöse Netzwerke“ von Alexander-Kenneth Nagel aber nicht die Bauwerke im Mittelpunkt, sondern die sozialen Verbindungen zwischen und zu Religionsgemeinschaften. Der Untertitel „Zivilgesellschaftlichen Potentialen religiöser Migrantengemeinden“ macht dies bereits deutlich und auch die Auswahl der Fallbeispiele zielt darauf ab, einen möglichst vielfältigen Einblick in die zukünftigen Möglichkeiten eines Miteinanders in der Stadt zu geben.

Das Buch will einen Sichtwechsel herbeiführen, indem Migrantengemeinden nicht mehr als Teil einer Parallelgesellschaft sondern als „Brücken- oder Heimatorte“ (nach Martin Baumann) angesehen werden. Dabei bringt Alexander-Kenneth Nagel „Angebote“ und „Vernetzungen“ als Analysedimensionen ein, anhand derer für die Mitglieder und, im zweiten Schritt, für die Gesamtgesellschaft Mehrwerte geschaffen werden. Der Fokus liegt dabei auf Gemeinden in Nordrhein-Westfalen und „zielt nicht darauf ab, eine deutschlandweite und erschöpfende Bestandsaufnahme zum Migrationsverlauf […] der jeweiligen Gruppe zu bieten“. Vielmehr soll der Fokus auf die beiden genannten Analysedimensionen sowie die internen und externen Einflussfaktoren für das zivilgesellschaftliche Potenzial gelegt werden. In Folge kommen dann folgende Beiträge zu Wort: Sandhya Marla-Küsters für die tamilischen Hindu-Tempel, Ann-Kathrin Wolf für die thailändisch-buddhistischen Zentren, Sabrina Weiß für die koreanischen Freikirchen, Frederik Elwert für die mennonitischen Gemeinden russlanddeutscher Aussiedler, Ulf Plessentin für die Syrisch-Orthodoxe Kirche, Thorsten Wettich für die Yezidische Community, Piotre Suder für Moscheevereine, Karin Mykytjuk-Hitz für neo-muslimische Akteure und Nelly C. Schubert für interreligiöse (Dialog-)Initiativen. Damit eröffnet der Band ein breites Spektrum von Migrantengemeinden, die – abgesehen von den Moscheevereinen – eher selten in Erscheinung treten. Die Gründe reflektieren die Autoren der einzelnen Beiträge (u.a. Sabrina Weiß bei den koreanischen Freikirchen) ebenso wie die Verbindungen, die sich untereinander ergeben (so z.B. zwischen Moscheevereinen, neo-muslimischen Akteuren und interreligiösen (Dialog-)Initiativen). Am Ende bleibt durch Alexander-Kenneth Nagel festzuhalten, dass zivilgesellschaftliche Potenziale vorhanden sind, diese aber starken Eigendynamiken unterworfen sind. Die weiteren Erkenntnisse überraschen: Die transnationale Ausrichtung ist dabei weniger problematisch als angenommen, sondern als Regelfall zu akzeptieren. Auch gibt es keine explizite Stellschraube, um die Potenziale zu aktivieren. Es werden schlussendlich aber auch einige produktive Denkanstöße gegeben, die für die Situation in Deutschland zu berücksichtigen sind. Alles in allem dadurch ein rundes Buch für Menschen im Kontakt oder mit Interesse an Migrantengemeinden und die vielleicht in Folge anders auf ihre Nachbarn zugehen möchten.

Hinweis in eigener Sache: Der Autor hat von 2012-2013 in einem Forschungsprojekt für Prof. Nagel gearbeitet, hat aber keinen inhaltlichen oder sonstigen Anteil am rezensierten Buch.

Alexander-Kenneth Nagel (Hg.)
Religiöse Netzwerke
Die zivilgesellschaftlichen Potentiale religiöser Migrantengemeinden
ISBN 978-3-8376-2758-9, transcript Verlag, 272 S.
Bielefeld, 2015, Preis: 32,99 Euro
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