Rezension: Atelier Bow-Wow, A Primer

by Hans-Hermann Albers | 14. Mai 2013 09:32

Abb.: Atelier Bow-Wow, A Primer, Verlag Walter König 2013

Abb.: Atelier Bow-Wow, A Primer, Verlag Walter König 2013

In aktuellen Architektur- und Städtebaudiskursen richtet sich der Fokus wieder vermehrt auf die Betrachtung kleiner Maßstäbe in Verbindung mit gesellschaftlichen Bedürfnissen und nachhaltigen Strukturen – großmaßstäbliche Effektarchitekturen werden indessen hinterfragt. Dazu gewinnt der Begriff der Dichte neue Prägnanz in der Debatte um Lösungen für geeignete Formen urbanen Zusammenlebens.

Es ist nur konsequent, dass in diesem Kontext die Arbeiten des Ateliers Bow-Wow aus Tokyo besondere Aufmerksamkeit erfahren und das jetzt vorgelegte Buch die Erfahrungen aus fast 20 Jahren Forschung und Praxis aufzeigt. Der „Primer“ ist zum einen ein Katalog zu den wichtigsten Arbeiten von Yoshiharu Tsukamoto und Momojo Kaijima mit den bekannten Mini-Wohnhäusern, öffentlichen Bauten und zahlreichen Installationen. Zum anderen bildet die Veröffentlichung das konzeptionelle Spektrum des japanischen Büros ab und zeigt in seiner chronologischen Abfolge den fortgeführten Entwicklungsprozess mit zahlreichen Einflüssen aus verschiedenen Quellen und Disziplinen. Bezeichnend ist beispielsweise die Annäherung an Christopher Alexanders Pattern Language, die sich in vielen Arbeiten wiederfinden lässt. Damit gelingt es, das theoretische und praktische Schaffen in einer kritischen und klärenden Kontextualisierung zusammenzufassen.

Ausgehend von den frühen Gebäudeanalysen und realisierten Kleinstwohnbauten ist die Arbeit Bow-Wows mit Entwürfen für Lücken und Zwischenbereichen gekennzeichnet und die „Kultivierung des Zwischenraumes“ charakterbildend. Dabei verstehen sich Bow-Wow darin, Antworten auf das Leben auf engstem Raum anzubieten. Diese entziehen sich oft einer ästhetischen Gebäudebetrachtung und sind vielmehr einfallsreicher Ausdruck einer sensiblen aber auch humorvollen Bewohnerorientierung. Statt individuell zusammengestellt und trend-minimalistisch, sind die Entwürfe eher selbst Individuen, die sich dem „Bewohnt-werden“ widmen. Schon früh sind die Entwürfe von urbanistischen Grundideen geprägt und verschränken sich – oft experimentell – mit dem Außenraum. Der öffentliche Raum wird dabei zum Fokus spielerischer Interventionen und Ausdruck spontaner Urbanität. Die dargestellten jüngeren Urbanismus-Projekte profitieren von dieser Basis und entwickeln sich durch prozessorientierte Auseinadersetzung und sozialen Austausch.

Das Buch eröffnet – auch durch den Scriptum-Charakter  – einen sehr spannenden und zugänglichen Einblick auf die vielschichtige Arbeit Bow-Wow´s – eine Motivation für eine ganzheitliche Sensibilität in der planerischen Praxis.

ATELIER BOW-WOW: A PRIMER – ZÜRICH, ETH – Catalogue ed. by Laurent Stalder, Cornelia Escher, Megumi Komura & Meruro Washida. With photographic prints by Lena Amuat. Zürich 2013. 4to. 249 S. mit meist farb., teils ganzseit. Abb. & Plänen, davon 3 Falttafeln, Bibliographie, brosch., Sprache: Engl.

Atelier Bow-Wow, A Primer

Walther König, 2013, 978-3-86335-302-5

EUR 68.00

Source URL: http://www.urbanophil.net/urbanophil/urbanoreview/rezension-atelier-bow-wow-a-primer/