Rezension „Das Haus der drei Religionen“ von Gregor Hohberg und Roland Stolte [Hg.]

by Tobias Meier | 10. Juli 2013 15:06

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Abb. DOM publishers

Schon wenn man das Buch „Das Haus der drei Religionen“ aufschlägt, wird einem der besondere Bezug dieser Publikation deutlich: Der Schutzumschlag ist in goldener Farbe gehalten und der Inhalt ist von beiden Seiten lesbar, in die eine Richtung auf Deutsch, Englisch und Türkisch und in die andere Richtung auf Arabisch und Hebräisch. Es ist also keine übliche Publikation zu einem Architekturwettbewerb, sondern es fließen unterschiedliche Traditionen und Hintergründe schon rein optisch in das Ergebnis mit ein. Im Inneren wird dieser Anspruch dann gehalten, indem sich dem Leser die spannende architektonische Frage eröffnet, wie ein multireligiöses Zentrum heutzutage aussehen könnte. Konkret handelt sich um die Darstellung des Ergebnisses des Wettbewerbs um den Neubau des multireligiösen Zentrums auf dem Gelände der ehemaligen Petrikirche in Berlin.

Konzipiert als Ort der Begegnung und des Miteinanders und an prominenter Stelle geplant – im alten Stadtkern von Berlin -, soll ein Neubau entstehen, der als multireligiöses Zentrum bestehende Geschichte aufgreift und dennoch eine neue Pluralität religiösen Lebens wertschätzt. Rahmen bildet das Fundament der ehemaligen Kirche, auf das nun neue Lebenswirklichkeiten ihren Platz finden sollen. Initiativgeber für diese Entwicklung sind die Evangelische Kirchengemeinde St.Petri – St.Marien, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, das Abraham Geiger Kolleg und das Forum für Interkulturellen Dialog e.V., die seit über drei Jahren daran gearbeitet haben und nun das Ergebnis des Architekturwettbewerbs vorstellen.

In der Publikation wird demzufolge dargestellt, wie der bisherige Prozess verlaufen ist und welche Ergebnisse das Wettbewerbsverfahren erbracht hat. Den Auftakt gestalten als Ideengeber Gregor Hohberg, Tovia Ben-Chorin und Kadir Sanci, die kurz und prägnant darstellen, was aus ihrer Sicht die Notwendigkeit eines solchen Bauwerks bedingt und wieso sie es unterstützen. Daran anschließend wird, ebenfalls kurz und anhand spezifischer Beiträge, die theoretische und historische Einbettung geleistet. Hier ist vor allem die theologische Einordnung von Walter Zahner von besonderem Interesse, stehen doch die theologischen Fragen zentral bei einer solchen Bauaufgabe – schon bei Bedeutung und Deutung des „Raums“ für die einzelnen Beteiligten.

Der Hauptteil widmet sich dann den Entwürfen an sich und lässt viel Platz dafür, dass Hans Kollhoff als Vorsitzender der Jury den Gewinnerentwurf von Kuehn Malvezzi vorstellt und entsprechend würdigt. Es ist der Publikation auch hoch anzurechnen, dass auch weitere Stimmen zu Wort kommen, die andere Schwerpunkte im Verfahren setzen und andere Entwürfe wählen würden (wie Navid Kermani es tut). Des Weiteren werden auch die 2.-4. Preise sowie zwei Ankäufe ausführlich und alle Entwürfe der weiteren Wettbewerbsteilnehmer kurz vorgestellt.

Was bleibt ist ein umfangreiches Buch über einen Diskurs zu einer möglichen Form des Zusammenlebens der Religionen in einer Großstadt. Das Wettbewerbsverfahren besitzt zwar ein konkretes Ergebnis, dient aber aufgrund der ungewissen Realisierung des Bauwerks noch viel stärker als Reibungsfläche und Projektion für andere Debatten in Spannungsfeld von Religion und Gesellschaft. Dass die Diskussion weitergeht zeigen Beiträge in Deutschlandradio, WELT und Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nicht zuletzt die Tagung „Viele Religionen – ein Raum!? Multireligiöse Räume als Ausdruck der Transformation von Religion in der Moderne: Pluralität – Individualität – Institutionalisierung“ der Universität Marburg (12.-14.07.2013) bietet einen spezifischen Rahmen, in dem solche Themen derzeit breit diskutiert werden. Dass man um solche eine Diskussion über das Miteinander von Religionen in der Stadt nicht umhinkommt, wird dadurch deutlich und die vorliegenden Publikationen leistet ihren Beitrag dazu, Bilder und Anknüpfungspunkt für weitere Schritte zu liefern.

Das Haus der drei Religionen
Bet- und Lehrhaus Berlin
Entwürfe für einen Sakralbau von morgen

von Gregor Hohberg und Roland Stolte (Hg.)

225 × 280 mm, 268 Seiten,
Hardcover mit Schutzumschlag; 48,00 Euro
ISBN 978-3-86922-260-8 (deutsch, türkisch, englisch, hebräisch, arabisch)
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